Aufs Korn genommen

Sniper – Ghost Warrior 2 Preview

Während wir die Luft anhalten, löst sich die Kugel aus dem Lauf und macht sich auf ihren sekundenlangen Weg ins Ziel. Jetzt heißt es warten. Haben wir alles richtig berechnet: Wind, Höhe, Entfernung und Eigenbewegung des Ziels? Die Kunst des Sniperns will gelernt sein, wie wir mit einer Vorversion von Sniper 2 feststellen konnten.
Ramon Domke 12. April 2012 - 14:28 — vor 7 Jahren aktualisiert
Sniper - Ghost Warrior 2 ab 1,30 € bei Green Man Gaming kaufen.
Sniper - Ghost Warrior 2 ab 17,07 € bei Amazon.de kaufen.

Im ersten Teil der Scharfschützen-Serie Sniper – Ghost Warrior (GG-Test: 7.5 für die PS3-Fassung) entsandte euch City Interactive als Teil einer Spezialeinheit in den tiefen Dschungel des fiktiven Inselstaates Isla Trueno. Im Nachfolger Sniper – Ghost Warrior 2 sind die Schauplätze an reale Orte wie Sarajevo angelehnt. Entsprechend darf nicht nur im grünen Dickicht sondern auch im Gebirge und in städtischen Häuserfluchten gesnipert werden, was das Zeug hält. Wir sind der Einladung der Entwickler nach Hamburg gefolgt und haben den für das dritte Quartal 2012 angekündigten Titel selbst angespielt.
 
Willkommen in Sarajevo
Welch' ungeheure Überraschung: In der Rolle des Titelhelden Captain Cole Anderson wurden wir gefangen genommen und müssen nun unseren Wächtern entkommen. Dieser altbekannte Plot-Kniff erklärt, warum wir zu Beginn nur minderwertige Ausrüstung und keine Waffen besitzen. So werden uns nach und nach die verschiedenen Teile des Interfaces und die Funktionen erklärt. Mit einem Messer bewaffnet schleichen wir uns an unseren ersten Gegner heran. Ein Symbol über seinem Kopf gibt uns die Information, dass wir einen Stealth-Angriff ausführen können. Und tatsächlich: Unser Charakter greift sich den Gegner am Hals, zieht ihn zurück und sticht mit der Messerhand in die Nierengegend.
 
Anders als zum Beispiel in Hitman müssen wir die Leiche nicht verstecken, um unerkannt zu bleiben. Ein roter Kreis um die Radarkarte zeigt uns an, ob feindliche Einheiten gerade dabei sind, uns aufzuspüren, oder ob wir unbehelligt agieren können. Wenn wir schnell genug aus der Sichtlinie verschwinden, verlieren sie ihr Interesse an uns und wir können weiter schleichen. Zwischenzeitlich haben wir zwar eine Pistole, aber oft, erklärt uns der neben uns stehende Entwickler, ist es besser, große Gegnergruppen einfach zu umgehen: Die Chancen, eine solche Konfrontation zu überleben, sind verschwindend gering.
 
Scharfschützen-ScharmützelUnd recht hat er: Ein Sniper taugt nicht viel auf engem Raum. Seine Disziplin ist der Fernkampf. Darum sind die Schleichpassagen eben auch nur ein kleiner Teil des Leveldesigns von Sniper – Ghost Warrior 2, wie der nächste Abschnitt zeigt. Zwei Hochhäuser stehen parallel zueinander. Wir müssen aufs Dach unseres Hauses gelangen, was problemlos geht. In der Fensterfront des Nachbarhauses lauern aber zahlreiche Scharfschützen, die uns ans Leder wollen. Jetzt können wir zeigen, was wir gelernt haben: Darauf achten, nicht entdeckt zu werden, gegnerische Sniper zuerst erspähen und sie in der Reihenfolge ausschalten, in der die verbleibenden Gegner den jeweiligen Schuss nicht mitbekommen.
 
Schießen aus sich bewegenden Fahrzeugen ist eine der zahlreichen Neuerungen zum Vorgänger.
Jetzt kommt endlich Sniper-Feeling auf, diese bangen Sekunden, die zwischen Auslösung und Einschlag des Schusses vergehen. In denen wir mitfiebern, ob wir die Laufbahn der Kugel richtig eingeschätzt haben oder nicht. Der Wind, die Flugzeit, die Bewegung des Gegners – all das kann uns den Schuss versauen, je länger das Projektil in der Luft ist. Vor allem auf höheren Schwierigkeitsgraden, wo uns keine zusätzlichen Zielhilfen zur Verfügung stehen.
 
Gemeinsam stark: Sniper und SpotterDie zweite Map, die man uns spielen lässt, erinnert eher an den Vorgänger. Wir waten durchs hüfthohe (und im Vergleich zum ersten Teil recht hübsch geratene) Wasser auf dem Weg zum Missionsziel. Dass ein Tutorial auch anders ginge als mit der ollen "Befreie dich"-Variante von gerade eben, zeigt dieser Einsatz: Wir sind mit unserem Spotter unterwegs, der uns alles erklärt, was wichtig ist, um die Mission zu meistern – und das ist gar nicht wenig, weil wir jetzt mit modernstem Militärgerät ins Feld ziehen. Warum nicht gleich so?

Eigentlich kämpft kein Sniper alleine. Der Spotter, so lehren uns zahlreiche Hollywood-Streifen, ist der beste Freund des Scharfschützen ­– er markiert dessen Ziele, weist auf die Witterung hin (und stirbt auch gerne mal, damit der Held Rache schwören kann). So ist es auch in dieser Mission, bis
Anzeige
auf das vorzeitige Ableben des Spotters, natürlich: Langwieriges Gegner-mit-der-Bildschirmlupe-suchen entfällt durch die Hinweise des KI-Kollegen, das Spielgefühl wirkt realistischer. Das wird auch dadurch unterstrichen, dass Projektile nun auch Wände und Objekte durchschlagen können, und nicht nur Glas, wie im Vorgänger.

Welche Gewalt eine Schusswaffe wirklich entwickelt und auf welche Millimeter-Präzision es beim Schießen ankommt, erleben wir vor Ort am realen Schießstand, wo man uns Redakteure unter anderem eine Pump-Action-Schrotflinte und eine Desert Eagle abfeuern lässt. Überraschung: Deren Rückstoßkräfte haben nichts mit dem harmlosen Wackeln eines Xbox-Controllers gemeinsam. Wir entwickeln kurzerhand einen großen Respekt vor dem virtuellen Scharfschützengewehr und vor denen, die damit wirklich umgehen können. Zum Glück müssen wir den Beamten an der Sicherheitskontrolle des Flughafens dann doch nicht erklären, woher die Schmauchspuren an unseren Fingern kommen. Oder dass der an der Stirn deutlich gezeichnete Kollege den Rückstoß einer Desert Eagle (die nach hinten-oben ausschlägt) ein klein wenig unterschätzte...
 
Sniper (rechts) sind in der Realität auf ihre Spotter (links) angewiesen. In Sniper - Ghost Warrior 2 kommt den Zielhelfern eine größere Rolle zu. Von außen sehen (wie hier und in den anderen Hersteller-Bildern) werdet ihr euch selbst nicht.

Kommentare nicht sichtbar (9)