Potenzieller RPG-Überflieger

Skyrim Preview

Skyrim sieht fast zu gut aus, um wahr zu sein, und dabei haben wir es bislang nur auf der Xbox 360 zu Gesicht bekommen. Skyrim scheint mit Schmankerln für RPG-Fans nur so vollgestopft zu sein, und dabei haben wir bislang nur einen kleinen Teil gesehen. Dennoch benötigen wir vier randvolle Seiten, um das Wichtigste zu beschreiben...
Jörg Langer 27. Juni 2011 - 16:11 — vor 8 Jahren aktualisiert
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Auf der E3 hatten wir erstmals die Gelegenheit, Skyrim mit zwei Vertretern der GamersGlobal-Redaktion zu erleben: Unser erster Report zum Spiel fußte noch auf der Meinung und den Notizen eines US-Autors. Den positiven Eindruck unseres Kollegen konnten wir nun selbst bestätigen -- und zudem viele neue Infos erfahren und tiefere Eindrücke in den fünften Teil der Elder-Scrolls-Serie gewinnen.

Die vierte ÄraSkyrim (auf Deutsch etwa: Himmelsrand) beginnt im Jahr 4E201 (lies: "das 201. Jahr der 4. Ära") in der Welt Tamriel. Die erste Ära sah den Machtverlust der Elfen zugunsten der Menschen, in der zweiten Ära entstanden Gilden wie die Magier oder die Dunkle Bruderschaft. Die dritte Ära war die Zeit der Septim-Dynastie, die mit dem Tod Uriel Septims begraben wurde. Mit dem Finale von Oblivion (und der Selbstopferung eines Handlungsträgers...) endete auch das dritte Zeitalter. Skyrim spielt also in der vierten Ära und gut 200 Jahre nach den Ereignissen des Vorgängers. Als ein Dovahkiin, ein "Drachengeborener", liegt es an euch, der uralten Bedrohung durch die Drachen, die plötzlich wieder ganz akut geworden ist, Einhalt zu gebieten, vor allem aber, herauszufinden, was hinter den Angriffen der brandgefährlichen fliegenden Monster eigentlich steckt. Nebenbei mischt ihr euch in die Seggregationspolitik der Skyrim-Fürsten ein, die sich von der schwach gewordenen Zentralregierung Cyrodiils lossagen will, erfüllt zahlreiche Nebenquests in und um einen der rund 100 Orte und Sehenswürdigkeiten oder durchstöbert einen der über 150 Dungeons.

Unsere wichtigste Erkenntnis von der knapp halbstündigen Präsentation und unseren Nachfragen bei den Entwicklern: Dem allgemeinen Trend und Drang, altehrwürdige Serien in Richtung Action-Publikum zu "nerfen", widersteht The Edler Scrolls 5 weitgehend. Es wird ein dicker Brocken von einem Rollenspiel, das zudem mehrere Design-Verfehlungen des Vorgängers zu korrigieren scheint. Dazu gehört das weitgehende Auto-Mitleveln jeglicher Gegner in Oblivion: Ein Stufe-1-Held begegnete Straßenräubern mit Holzknüppeln als Waffen, ein 20-Held musste sich Straßenräubern mit Luxus-Plattenpanzern und Elfen-Schwertern erwehren -- das Gefühl, irgendwann den normalen Feinden entwachsen zu sein, stellte sich nie so richtig ein. Skyrim orientiert sich eher an Fallout 3: Es gibt einfachere Gegenden und schwerere, beim erstmaligen Betreten eines Dungeons wird der Level der darin befindlichen Gegner samt einer Zufallskomponente abhängig vom aktuellen Level des Spielers ermittelt -- und bleibt fortan gleich.

Skills + Perks = Neuartiges AuflevelnAuch das ständige Besserwerden des Spielercharakters -- zentraler Punkt aller Rollenspiele -- löst Skyrim auf neue Art und Weise. Wie von der Serie gewohnt, steigert ihr eure Fähigkeiten wie Rennen, Springen, Schmieden, diverse Magieformen, diverse Waffen- und Rüstungsskills, Alchemie, Schleichen, Schlösseröffnen und Co. einfach dadurch, dass ihr sie benutzt. Wer also ständig seinen Schild einsetzt, um gegnerische Attacken zu blocken, erhöht quasi nebenbei den Level der Fähigkeit "Blocken". Gewinnt man dadurch und durch andere Skill-Steigerungen genügend Erfahrung, um im Level aufzusteigen, darf man sich einen "Perk" heraussuchen, eine Besonderheit. Da es mehr als 280 Perks gibt, sind wir sicher, dass man sich pro Level-Aufstieg mehrere Perks aussuchen kann, vielleicht nach einem ähnlichen System wie die Grundattributssteigerungen in Oblivion: Es wäre vorstellbar, dass man für jeweils x Skill-Steigerungen von Skills, die am Grundattribut Stärke festgemacht sind, beispielsweise 1, 2 oder 3 Perks unter den Stärke-Skills wählen kann.

Mit der Taste B kommt ihr ins schlichte Hauptmenü, das euch die Wahl zwischen Skills, Magie, Items und Map lässt. Geht ihr auf Skills (Analogstick nach oben), so schaut ihr quasi in den Himmel und seht eure Skills als horizontale Liste, die jeweils einem Sternbild zugeordnet ist. Geht ihr in einen Skill "hinein", so wartet dort jeweils ein Perk-Skilltree auf euch. Wir wollen euch ein Beispiel geben: Beim schon erwähnten Skill "Blocken" heißt der Grundperk "Schildwall". Diesen könnt ihr wählen, sobald euer Schild-Skill mindestens 20 beträgt.

Dürft ihr einen weiteren Perk vergeben, so könnt ihr entweder den Schildwall weitersteigern (jeder Perk scheint fünf Levels zu haben), oder ihr geht im Skilltree nach rechs auf "Tödlicher Rempel" (Deadly Bash, macht beim Rempeln mehr Schaden). Auch dieser Perk ist ab einem Blocken-Wert von 20 auswählbar. Folgt ihr diesem "Perk-Pfad" weiter, folgt der Power Bash (ein spezielles Kampfmanöver, ab Blocken 30), danach folgt Disarm (per Power Bash könnt ihr manchmal Gegner entwaffen, ab Blocken-Wert 50), danach folgen noch weitere. Oder geht ihr vom anfänglichen Schildwall als nächstes nach links zu Deflect Arrows? Oder nach "oben" zu Quick Reflexes, ein Perk, der allerdings im Perk-Tree eine Sackgasse darstellt?

Ihr seht schon: Ihr habt eine enorm große Auswahl an Individualisierungen, für jeden der gut zwei Dutzend Skills stehen je etwa 10 Perks bereit. So habt ihr eine aus unserer Sicht einzigartige Mischung aus "Learning by Doing" (wobei sich Skills bestimmt auch wieder durch Bücher permanent steigern lassen) und selbstbestimmter Spezialisierung. Dazu kommen die eigentlichen Levelaufstiege, die euch auch eure Grundattribute steigern lassen. Ähnlich wie in früheren Serienteilen findet ihr außerdem wieder Obelisken (hier Guardian Stones genannt), die euch für begrenzte Zeit eine Segnung schenken (von denen immer nur eine aktiv sein kann). So lässt euch ein Krieger-Obelisk während der Wirkungsdauer der Segnung alle Kampf-Fähigkeiten um 30 Prozent schneller steigern.


Die Provinz Skyrim
Dass Skyrim hoch im Nordwesten von Cyrodiil liegt, wisst ihr sicher schon. Dass sie ein wenig wie Irland geformt ist, nämlich wie eine Suppenschüssel, nur viel höher gelegen, vielleicht nicht: Außenrum sind riesige Berge, unter anderem der "Hals der Welt", der zweithöchste Berg des ganzen Kontinents. Und in der Mitte liegt eine große Hochebenen-Tundra. Skyrim ist in neun Fürstentümer unterteilt, jedes davon hat eine zentrale Stadt oder zumindest Siedlung. Und einen Fürsten oder eine Fürstin, die ihre ureigenen Ziele verfolgt.

Der höchste Berg in der Provinz Skyrim heißt Throat of the World ("Hals der Welt"). Der bildet an vielen Stellen einen Teil der imposanten Bergkulisse im Hintergrund, kann aber tatsächlich von euch erreicht und erklommen werden. Der Gipfel des Berges heißt High Hrothgar, hier leben die Graubärte, die wahren Herren der "Stimme" (vermutlich verwandt mit den Drachenschreien, siehe weiter unten). Als Teil einer Mission, die in Riverwood startet, müsst ihr zu ihnen gelangen -- und erfahrt hoffentlich mehr über eure Bestimmung. Im Rahme
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n unserer E3-Vorführung sahen wir aus der Nähe Riverwood und aus der Ferne Whiterun, zwischendrin besuchten wir Bergpfade, Wälder, eisige Hügel, finstere Dungeons und eine weite Tundra. Auch den einen oder anderen idyllischen Flecken wird es wohl geben in Skyrim (Hochmoore in Schottland oder Irland können sehr grün sein...), doch insgesamt solltet ihr nach den überwiegend sonnendurchfluteten Auen Cyrodiils das T-Shirt aus und die Winterjacke anziehen.

Angeblich soll ein Ökonomiesystem im Hintergrund walten, so könnt ihr laut Bethesda die Holzproduktion in Riverwood entweder steigern oder sabotieren, was sich auf die Preise von Gegenständen im Spiel auswirke. Neben zahlreichen Fraktionen gibt es auch wieder Gilden im Spiel, denen ihr euch anschließen könnt. Wenn uns die Designer nicht viele verheimlichen, wird es weniger geben als im Vorgänger oder gar in Morrowind: Bislang bestätigt sind die Gefährten (eine Kriegergilde), die Diebe und die Magier. Es würde uns aber wundern, wenn es nicht noch mindestens eine weitere Gilde gäbe (wir tippen auf die Graubärte), in denen ihr durch brave Auftragserfüllung aufsteigen könnt.
Blick ins Gilden-Hauptquartier der Companions ("Gefährten"), der Krieger- beziehungsweise Söldner-Gilde in Skyrim.
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