Königreich statt Yuppie-Viertel:

Sims Mittelalter Preview

Mit Die Sims 3 hat Sims Mittelalter erstaunlich wenig zu tun, ihr benötigt das Hauptprogramm noch nicht einmal dafür. Freut euch auf ein eigenes Spiel mit ausgiebigen Quests, "Helden-Sims", Königreichsverwaltung inklusive Diplomatie und sogar einem rudimentären Kampfsystem, Zauberspruch-Generierung sowie schnuckeliger Grafik.
Jörg Langer 22. Januar 2011 - 22:57 — vor 8 Jahren aktualisiert
PC andere
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Halt, nicht gleich weiterblättern, liebe Sims-Addons-Hasser! Die Sims Mittelalter unterscheidet sich sehr viel stärker von bisherigen Addons oder dem Hauptprogramm, als man das gewohnt ist. Am ehesten gleicht es mit seinem questbasierten Spielsystem noch Sims 2 Gestrandet oder Die Sims 3 Reiseabenteuer, aber es ist noch deutlich eigenständiger und kommt auch als eigenständiges Spiel in die Läden, ihr müsst also Die Sims 3 nicht besitzen.

Was Sims Mittelalter dann ist? In der Kurzform: Ein Königreichssimulator im Sims-Stil, der viele Sachen besser macht als das Hauptprogramm, auf andere Dinge jedoch komplett verzichtet. Auf einem EA-Event gestern in München konnten sich zwei GamersGlobal-Redakteure das Spiel über eine Stunde lang anschauen und vom Producer erklären lassen -- hier unsere Erkenntnisse.

Unser (voll ausgebautes) Königreich aus der Ferne (oben), vom Boden aus betrachtet und ganz nah herangezoomt an den Schmied, der an seinem Amboss steht (unten).
Schöner, aber beschränkter
 
Im Gegensatz zu Sunnyvale und Riverview in Sims 3, den Reisezielen im ersten Addon sowie Bridgeport im zweiten (Late Night) ist die Welt von Sims Mittelalter kein weitgehend freier Sandkasten: Euer Königreich sieht immer gleich aus und besteht immer aus denselben Gebäuden. Zwar ist anfangs davon nur die Stadtmauer und eure Burg zu sehen, doch die fehlenden Bauten wie Taverne, Gasthof, Schmiede, Magierturm und so weiter werden von euch irgendwann freigeschaltet und dann an der vorgesehenen Stelle errichtet. Innen drin könnt ihr schalten und walten wie gewohnt: Die Wände umtapezieren, Möbel kaufen und neu anstreichen, den ganzen Raum-Look verändern. Aber eben nicht mal eben noch ein Zimmer anbauen. Ebenso könnt ihr die Karte nicht beliebig drehen, ihr seht die Gebäude und sonstigen Schauplätze (Marktplatz, Wald und so weiter) aus diversen Perspektiven, aber zum Beispiel nicht von hinten. 

Wieso diese Einschränkungen, wollen wir von Producer Rawson Law Stovall wissen, der übrigens deutsche Vorfahren hat. Seine ehrliche Antwort: "Sims Mittelalter sollte besonders schön aussehen. Es soll wie eine mittelalterliche Welt wirken, und nicht einfach wie ein Filmset für Sims 3. Darum mussten wir viele Grafiken ändern." Außerdem wäre es nach den mittlerweile vorhandenen Erfahrungen mit der Engine nötig gewesen, aus technischen Gründen Dinge zu limitieren, darunter eben auch das freie Drehen der Karte. Und in der Tat: Auch wenn die Sims, nah herangezoomt, es nicht gerade mit Charakteren aus Two Worlds 2 aufnehmen können: Insbesondere die Landschaft und Gebäude sehen wesentlich schöner aus als die immer generisch wirkenden Bauteile aus Sims 3. So befindet sich eine Mühle an einem malerisch vor sich hin plätschernden Fluss, der schließlich in einen Wasserfall mündet. Stellt euch eine aufs wesentliche reduzierte mittelalterliche Siedlung nebst Burg vor, auf engstem Raum in ein malerisches Tal gepresst -- dann habt ihr eine Hälfte des Looks von Sims Mittelalter von Augen, nämlich das, was ihr von weggezoomten Positionen aus seht. Geht ihr nah an die Gebäude heran, erlebt ihr hingegen einen Puppenhaus-Look. So bestehen die meisten Gebäude aus drei Etagen (Arbeitsbereich unten, Wohnen in der Mitte, Forschen/Zersträuung oben), die ihr einzeln anwählt und dann aus großer Nähe und sehr detailliert seht. Innerhalb des Raums könnt ihr dann die Kamera frei platzieren und euch umschauen.

Die zehn Helden-Sims, von oben links im Uhrzeigersinn: Ritter, Monarch, Barde, Prätorianische Priesterin, Schmied, Magierin, Händler, Arzt, Spion und Jakobinischer Priester. Ihr könnt sie auch nach euren Wünschen neu erstellen.

Der Monarch ist tot, es lebe der...
Charaktereditor

Hier erstellen wir einen neuen Ritter; wie üblich können wir von der Nasenlänge bis zur Augenfarbe vieles ändern.
Im Gegensatz zu normalen Sims-Folgen gibt es bei Sims Mittelalter so etwas wie eine Hintergrundgeschichte, so etwas wie eine Story (beziehungsweise sogar derer zehn) und so etwas wie ein Spielziel. Zum Hintergrund: Der König ist ermordet worden, ein Nachfolger muss gefunden werden, außerdem will das Königreich beschützt und wieder aufgebaut werden. Wenn das gelungen ist, können wir uns ein wenig umschauen: Mehrere andere Staaten liegen in unserer Nähe, mit denen wir rudimentär interagieren können.
Bis zu zehn Helden-Charaktere können wir übernehmen, und jeder hat seine eigene Storyline, die sich überwiegend in Quests und Bedürfnissen äußert. Am Anfang ist da nur die Burg, und am besten beginnen wir damit, uns einen Monarchen zu zimmern (oder eine Monarchin). Ihr habt es in der Hand, ob ihr einen Lord-British-Verschnitt erstellt oder eine dickliche Königin mit Vorliebe für grellbunte Kleidung: Wie bei Sims 3 steht euch ein umfangreicher Charaktereditor zur Verfügung. Mit dem passt ihr später auch die weiteren Charaktere an, wenn ihr wollt. Die meisten davon müsst ihr aber erst frei schalten -- ohne Magierturm kein Magier, und so weiter.

Jeder Charakter hat zwei positive Eigenschaften und einen "Fatalen Fehler". Über die bestimmt natürlich ebenfalls ihr. So ist es sicher keine schlechte Idee, unseren Monarchen beispielsweise "abenteuerlustig" zu machen und "ritterlich", doch welche negative Eigenschaft sollen wir ihm mitgeben? Trunkenbold, Narr, Größenwahnsinniger? Übrigens sind für die unterschiedlichen Charaktere andere Fähigkeiten wichtig: Ein Monarch muss nicht kochen können, ein Barde (sein Domizil ist das Gasthaus) nicht schmieden. Neben euren spielbaren Helden-Sims laufen eine ganze Reihe von Dorfbewohnern und Spezialisten (etwa der Folterknecht) herum, dazu wichtige Adversarien wie die böse Hexe (siehe Kasten unten). Aber auch Monster, Räuber und andere Figuren. 
 
Die böse Hexe
Die böse Hexe ist ein gutes Beispiel dafür, wie unterschiedlich sich Quests gestalten, je nachdem, welchen Helden-Sim ihr darauf ansetzt. 1 Der Ritter tötet die Hexe in bewährter Manier. 2 Der Spion vergiftet ihren Trunk. 3 Der Mager heizt ihr mit einem Blitzzauberspruch ein... 4  ... oder macht sie mit einem anderen Spruch unschädlich. 5 Der Monarch heiratet die Hexe kurzerhand.

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