Silent Hill wird wieder stiller

Silent Hill Downpour Preview

Das letzte große Silent Hill, Homecoming, enttäuschte doch einige alte Fans der Serie – sie empfanden es als zu brutal. Vatra Games will das in Silent Hill Downpour anders machen und orientiert sich deutlich stärker an den früheren, subtilen Serienteilen. Verhelfen die Tschechen der Reihe zu alter Größe?
Benjamin Braun 13. Januar 2012 - 23:01 — vor 7 Jahren aktualisiert
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Alle Screenshots im Artikel stammen von uns.

Spielereihen bieten Publishern einen großen Vorteil bei der Planbarkeit des wirtschaftlichen Erfolgs: Immerhin existiert bei Serien im Normalfall bereits eine treue Fanbasis, die sich die Finger nach einer Fortsetzung leckt. Spielereihen bringen allerdings gleichzeitig zwei große Nachteile mit sich: Wer die Vorgänger schon nicht mochte, informiert sich gar nicht groß darüber, ob der neueste Teil sich vielleicht in eine ihm behagende Richtung bewegt. Und die Fanbasis erwartet meistens Gewohntes und steht selbst kleineren Änderungen meist skeptisch gegenüber. Allzu weitreichende Änderungen sind also eher von Nachteil. Und einmal enttäuschte Anhänger sind nur schwer zu einer Rückkehr zu bewegen.

Das musste auch die seit immerhin 13 Jahren erfolgreiche Silent Hill-Reihe von Konami erfahren. Schon Silent Hill 4 – The Room enttäuschte manch einen langjährigen Fan der japanischen Spielereihe. Und das nicht nur, weil die Handlung nicht mehr in der namensgebenden, von der Außenwelt abgeschnittenen amerikanischen Kleinstadt Silent Hill stattfand. Teil 4 war dann auch der letzte Teil von Entwickler Team Silent und das letzte große Silent Hill, das in Japan entwickelt wurde. Auf das gelungene, zunächst PSP-exklusive Silent Hill Origins von Climax Entertainment folgte der bisherige Tiefpunkt Silent Hill Homecoming. Vom subtilen und erzählerischen starken Grusel vergangener Tage war spätestens im Spiel der bis dato unbekannten amerikanischen Spieleschmiede Double Helix Games kaum mehr etwas zu spüren. Vor allem der massive Hang zur Gewalt, der der ungekürzten US-Fassung hierzulande gar eine Beschlagnahmung einbrachte, war langjährigen Wegbegleitern der Serie ein Dorn im Auge. Climax Entertainment zeigte dann zwar 2010 mit der Neuinterpretation des ersten Teils, Silent Hill – Shattered Memories, wie man die vergrämte Gefolgschaft wieder zurück ins Boot holen könnte, doch der intensive Psychothriller erschien mit Wii, Playstation 2 und PSP schlichtweg für die falschen Plattformen. 2012 folgt jetzt der neueste Teil, Silent Hill Downpour. Wieder steht mit Vatra Games kein japanisches Studio hinter dem Projekt, sondern ein fast unbekanntes westliches.

Eine Menge auf dem Kerbholz
Murphy soll in ein Hochsicherheitsgefängnis verlegt werden. Aber was hat er sich überhaupt zu Schulden kommen lassen?
Sein Name ist Murphy Pendleton und er ist kein Unschuldslamm. Der Häftling sitzt bereits seit längerem hinter Gittern irgendwo im US-Bundesstaat Maine. Er soll nun für seine Missetaten ins Hochsicherheitsgefängnis in Wayside verlegt werden. Der Abschied fällt ihm nicht sonderlich schwer, sein Wärter ist nicht unbedingt von der seelsorgenden Art. Was genau Murphy angestellt hat, bleibt zunächst im Ungewissen. Doch seine Schuld, die er sichtlich bemüht mit Sarkasmus und einer betont nüchternen Art zu überspielen versucht, wiegt offenbar schwer. Und sie hat irgendwas mit seiner Familie zu tun. Wohl aus diesem Grund fügt er sich beinahe schweigend in sein Schicksal und besteigt ohne Gegenwehr den Bus, der ihn in sein neues Zuhause bringen soll. Doch schon bald soll sein tristes Dasein eine entscheidende Wendung nehmen, als der Gefangenentransport im Begriff ist, die Kleinstadt Silent Hill zu passieren…

Irgendwo im NirgendwoNachdem der Bus verunglückt ist (ihr habt nicht geglaubt, dass er so an Silent Hill vorbei fährt, oder?) ist Murphy zunächst auf sich allein gestellt. Scheinbar ist er der einzige, der den Sturz einen Abhang hinunter unbeschadet überstanden hat. Von den anderen Gefangenen oder der Polizistin Cunningham ist im von einem dichten Nebelschleier umhüllten Umfeld keine Spur. Er sucht nach einem Ausweg, doch das Wasser eines nahegelegenen Sees ist viel zu kalt. Die Überreste eines Bootes sind ebenfalls nicht dazu geeignet, das kühle Nass in die Freiheit zu überqueren.

In der von Felsen und Bäumen gesäumten Umgebung fällt die Orientierung nicht leicht und er weiß nicht mal, wo er sich überhaupt befindet. Die Schreie der Krähen und du
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mpfen, gluckernden Geräusche des morastigen, von Laub bedeckten Untergrunds lassen Murphy ständig erschreckt aufhorchen und fördern seinen (unseren...) Fluchtreflex. Die einzige Chance besteht in der Rückkehr auf die Landstraße, um dort wenigstens einen ersten Orientierungspunkt zu finden. Murphys Überlebensdrang ist so groß, dass er selbst den unsicheren Weg eines umgestürzten Baumstamms wählt, um einen unendlich tief wirkenden Abgrund zu überwinden. Er findet einen Weg und stößt schon bald auf eine Tankstelle am Straßenrand, in der die Zeit stillgestanden zu sein scheint. Die roten Zapfsäulen erinnern an die 50er Jahre, die Ära des Rock and Roll. Aus dem Radio strömt aber nicht die Musik von Elvis Presley und Zeitgenossen. Stattdessen erklingen nur abgehackte Klavierlaute, die immer wieder von Störungen aus dem Äther zu einem bizarren Klangbild umgeformt werden und damit das trostlose Ambiente auf die Spitze treiben. Die Bretterverschläge an der Fassade des Gebäudes zeugen davon, dass schon lange niemand mehr hier war. Weshalb haben wir dennoch das Gefühl nicht allein zu sein? Ihr ahnt es schon: Der typische, subtile Silent-Hill-Horror stellt sich ein.
Nebelschwaden, düstere Umgebung, unheimliche Laute: Das alles kann mehr Unbehagen bereiten als Blut in Strömen.
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