Angetestet: Große Schlachten

Ruse Preview

Was ist spannender als groß angelegte Schlachten in einem Strategiespiel? Eine groß angelegte Schlacht in einem Strategiespiel, in der man seinen Gegner mit Kriegslisten austricksen kann. Wir haben uns das ambitionierte Ruse in Paris angeschaut und waren vom Gezeigten sehr angetan.
Tim Gross 6. August 2009 - 15:53 — vor 9 Jahren aktualisiert
PC 360 PS3
Ruse - Don't believe what you see ab 15,95 € bei Amazon.de kaufen.
Das Radar meldet ankommende feindliche Einheiten. Unsere Panzer sind aber gerade ganz woanders und Abwehranlagen besitzen wir auch keine. Wir sehen keine andere Möglichkeit, als die weit entfernten Panzer doch zu unserer Hauptbasis zu beordern, auch wenn wir darum bangen müssen, dass sie rechtzeitig eintreffen. Der Feind ist mittlerweile fast da, in wenigen Sekunden haben wir Blickkontakt. Im letzten Moment schaffen es unsere Truppen, vor dem Lager in Stellung zu gehen und sich auf den Angriff vorzubereiten. Aber was ist das? Die erwarteten Feindtruppen sind gar nicht aufgetaucht. Während wir uns noch den Kopf kratzen, bekommen wir Meldung, dass wir an einer ganz anderen Stelle angegriffen werden. Unsere Panzer sind jetzt natürlich noch weiter vom Feind entfernt als ursprünglich angenommen. So etwas kann im Echtzeit-Strategiespiel Ruse, das im Zweiten Weltkrieg spielt, häufiger passieren, da Finten wie eben beschrieben ein zentrales Spielelement sind.

Strategie und ein bisschen mehr

Wenn ihr weit genug herauszoomt, werden eure Einheiten übersichtlich gruppiert. So verschiebt ihr ganze Armeen.
Ruse hat ein simples, aber spannendes Spielprinzip: Ihr befehligt ein großes Heer in einem ebenso groß angelegten Krieg. Die Dimensionen sind gewaltig; vor uns haben wir eine riesige Karte, die einen großen Ausschnitt Tunesiens zeigt und in mehrere kleine Sektoren unterteilt ist. Wir haben so zwar alle Einheiten im Überblick, können einzelnen Truppen aber keine individuelle Befehle erteilen. Gut dass wir, ähnlich wie in Supreme Commander, auch ganz nah heranzoomen können, um dann jedes einzelne Fahrzeug genau dorthin zu schicken, wo wir es für richtig halten. Auf dieser riesigen Karte sitzt der Feind natürlich nicht nur an einem Fleck, sondern hat seine Einheiten überall. Deswegen gibt es zumeist mehrere Schlachten auf einmal, und wir müssen abwägen, wo wir gerade am Dringendsten gebraucht werden. Schauen wir bei unseren Fußsoldaten vorbei, die gerade in eine scheinbar verlassene Stadt einmarschieren, oder geben wir unseren Panzern am anderen Ende der Karte den Befehl, den Feind anzugreifen?

Egal, wie ihr euch jeweils entscheidet, die Art und Weise, wie ihr über eure Truppen verfügt, hängt von der aktuellen Zoomstufe ab. Zeigt die Kamera das ganze Gebiet, also etwa Süditalien, werden gleiche Einheiten jeweils zu einem Symbol auf der Karte gruppiert, sodass ihr schnell und komfortabel ganze Armeen verschieben könnt; das erinnert ein wenig an ein Rundenstrategiespiel, nur dass alles in Echtzeit abläuft. Wollt ihr genauer wissen, was am Boden vor sich geht, zoomt ihr an das Geschehen heran und seht jedes einzelne Fahrzeug, jeden Soldaten. In diesem Fall könnt ihr natürlich jeder Einheit individuelle Befehle geben, oder eben mehrere Einheiten selektieren und befehligen. Kurz: Aus der Nähe spielt sich Ruse wie ein ganz normales Echtzeit-Strategiespiel, aus der Ferne denkt ihr eher über eure Langzeit-Taktik nach.

Herangezoomt ist Ruse ein normales Echtzeit-Strategiespiel. Hier greifen unsere Flammenpanzer den Feind an.

Dann wäre da noch die Sache mit den namengebenden Ruses, was so viel wie "Kriegslist" oder "Finte" heißt. Das sind spezielle Fähigkeiten, die nur auf einen ganzen Sektor der Karte angewendet werden können. So könnt ihr beispielsweise einen Sektor "aufdecken", um alle Feinde in diesem Teil der Karte zu sehen. Das verschafft euch genügend Zeit, eure Taktik auf die jeweilige Situation anzupassen. Sollte eine Ruse mal nicht genügen, dürft ihr sogar mehrere Ruses gleichzeitig auf einen Sektor anwenden. So deckt ihr ihn beispielsweise nicht nur auf, sindern lasst euch anzeigen, wohin euer Widersacher gerade seine Truppen schickt, was durch Pfeile dargestellt wird -- sehr hilfreich.

Insgesamt sollen es zehn dieser Kriegslisten ins fertige Spiel schaffen, selbst gesehen haben wir aber erst vier: Abgesehen von den eben beschriebenen Finten könnt ihr außerdem eure eigenen Truppen in einem Sektor unsichtbar machen oder einen Angriff vortäuschen. Bei Letzterem sieht der Gegner vermeintlich anrückende Einheiten, die es aber gar nicht gibt. Inzwischen positioniert ihr eure Truppen so, dass ihr, wenn euer Feind auf die Finte hereinfällt, ein ungeschütztes Gebäude angreifen könnt. Dieses Prinzip dürfte besonders im Multiplayer für Spannung sorgen.

In diesem Video (vom Hersteller) seht ihr die Tunesien-Mission im Detail. Den zweiten Teil gibt es auf der nächsten Seite.


Panzer, Gebäude und Flugzeuge

Wir stürzen uns in eine der beiden vorhandenen Missionen und übernehmen die Kontrolle über die Amerikaner. Bevor es so richtig losgeht, machen wir uns aber mit der Steuerung vertraut. Zunächst verschaffen wir uns einen Überblick und betrachten Tunesien von sehr weit oben. Es ist beeindruckend, wie weit man herauszoomen kann. Wir entfernen uns immer weiter vom Boden, bis wir auf dem Schirm einen virtuellen Militärbunker sehen, in dessen Mitte ein Tisch steht, auf dem das eigentliche Spiel angezeigt wird. In der momentanen Mission sollen wir aber zunächst mit unseren vier Panzern vorrücken, was man am besten aus nächster Nähe macht. Also zoomen wir wieder nah ran und wenden uns besagten Panzern zu. Nach nur wenigen Metern kommen die ersten feindlichen Einheiten auf uns zu, die wir mit gezielten Linksklicks ausschalten; wie in Command & Conquer wählt ihr Einheiten nicht nur mit einem Linksklick aus, sondern erteilt mit der gleichen Taste auch die Befehle. Nach dieser kurzen Schlacht dürfen wir uns aber nicht zurücklehnen, da ein wesentlich größeres Feindaufkommen noch vor uns liegt. Wir sind unsicher, ob unsere Panzer stark genug sind, um auch hier siegreich zu sein. Vorsichtig selektieren wir die Tanks und fahren mit der Maus über die gegnerischen Truppen -- ein hilfreiches Feedback-Fenster poppt auf, das uns vom Kampf abrät: Es schätzt die Situation als "Gefährlich" ein. An anderer Stelle in der gleichen Mission bekommen wir die Textmeldung, ein "Leichtes Ziel" vor uns zu haben; das gefällt uns schon besser.


In der zweiten Mission, die übrigens auf der gleichen Karte spielt, ist es aber nicht mehr damit getan, einen kleinen Panzertrupp zu steuern. Das bemerken wir gleich zu Beginn, denn uns stehen hiesige Abwehrgeschütze der Achsenmächte gegenüber, begleitet von einer kleinen Armee von Panzern. Dagegen können wir nicht ankommen - zumindest noch nicht. Wir ziehen uns zurück und beginnen mit dem Bau einer Basis. Unsere Panzer platzieren wir in einem nahegelegenen Wald, wo sie für den Gegner unsichtbar sind - zumindest bis wir uns dazu entschließen anzugreifen; das gleiche gilt für Einheiten in einer Stadt.

Als erstes kümmern wir uns um Geldnachschub, das wir für den Basisbau benötigen. Geld ist übrigens die einzige Ressource in Ruse. Um unseren schlechten Kontostand auszubessern, öffnen wir das gut versteckte Baumenü, das über einen kleinen Button links oben am Bildschirmrand aufgerufen werden kann. Anders als in den meisten Strategiespielen wird das HUD während der Schlachten fast vollständig ausgeblendet. Unterteilt wird das Menü in sechs Kategorien, die da wären: Infanterie (Fußsoldaten), Logistik (Depot für das zu erwirtschaftende Geld), Artillerie, Panzer, Panzerabwehr und Flugzeuge. Haben wir ein uns für ein Gebäude entschieden, platzieren wir es frei auf der Karte; das geht natürlich am besten aus der Nahansicht, man will ja schließlich genau wissen, wo welches Gebäude steht. Eine Bauzeit gibt es nicht, stattdessen fährt ein Lastwagen zum Ziel; sobald er angekommen ist, steht das Gebäude. Und so bauen wir ein Depot, das uns von nun an mit Geld versorgen wird, und einen Flughafen. Durch Letzteren können wir nämlich Bomber bauen, die den zuvor übermächtigen Gegner gehörig aufreiben werden.

Gesagt, getan. Nach einem überraschenden Angriff unserer Flugzeuge ist der Feind am Boden ein leichtes Ziel für unsere Panzer, die aus dem nahen Wald heran gerollt kommen. Fertig sind wir aber noch nicht ganz, da die gegnerische Hauptbasis noch steht. Um die mit möglichst wenigen Verlusten dem Erdboden gleich zu machen, täuschen wir per Hinterhalt einen Angriff an. Während der Gegner unsere Einheiten vom Süden her erwartet, nähern wir uns in Wirklichkeit vom Westen her und zerstören als erstes die Panzerfabrik, damit unser Feind keinen Nachschub produzieren kann. Unsere Bomber drehen derweil den Geldhahn zu, indem sie das feindliche Depot zertrümmern. So geschwächt wird der Gegner zu einem leichten Ziel, auch wenn er noch ein zweites Lager hat.

Mit dem Zoom können wir die gesamte Karte betrachten, oder auch den Militärbunker, in dem der Krieg auf einem Tisch gezeigt wird.

Kommentare nicht sichtbar (17)