Dem Kraken an den Kragen geh'n

Risen 2 Preview

Bereits im Gothic-2-Addon "Nacht des Raben" sowie in einer Risen-Questreihe versuchte sich Piranha Bytes am Piratenszenario. Jetzt widmen sie ein ganzes Spiel den Freibeutern – ohne sich von ihrer bisherigen "Realismus-Fantasy" oder den typischen Serienstärken von Gothic beziehungsweise Risen abzuwenden. GamersGlobal segelte Probe.
Jörg Langer 9. März 2012 - 17:37 — vor 7 Jahren aktualisiert
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Piranha Bytes heißt eigentlich Pluto 13 GmbH und programmiert seit 1997 genau ein Spiel, das mal Gothic, mal Risen heißt, aber im Grunde immer dasselbe bietet: Rollenspielkost zum Mitdenken, Charaktere mit Herz, Dialoge aus dem Leben statt vom Storyboard, merklich gegeneinander arbeitende Fraktionen, eine in Akte eingeteilte Handlung (mit Veränderungen der "Weltsituation" von Akt zu Akt) und ein Kampfsystem, das etwas weniger als andere Rollenspiele auf dem hirnlosen Abschlachten tausender von Standardmonstern beruht. Obendrauf gibt's jeweils eine schöne Welt zu erkunden – fertig ist die gediegene Rollenspiel-Unterhaltung.
 
Das ist natürlich eine etwas einfache Annäherungsweise, und natürlich unterscheiden sich die bislang vier großen Spiele von Piranha Bytes voneinander. Man könnte sagen, dass Gothic 3 ein zu ambitioniertes Projekt war, man könnte sagen, dass danach mit Risen eher ein Konzentrat der Piranha-Bytes-Tugenden folgte (lies: etwas größer und komplexer hätte es schon sein dürfen), doch das ist alles Schnee von gestern, was erwartet uns bei Risen 2? Das haben wir euch in einem doch einige Stunden dauernden Probespiel mit einer Version untersucht, die laut Publisher Deep Silver etwa ein Drittel des kompletten Spiels enthält. Die Screenshots in dieser Preview stammen teils vom Hersteller, teils von uns gegrabbt aus Video-Material des Herstellers.
 
Krieg der Titanen
Der Kraken von Titanin Mara versenkt auch dieses Schiff.
Risen 2 unterscheidet sich zwar optisch von Risen stellenweise stärker als jenes von der Gothic-Serie, ist aber eine direkte Fortsetzung: Unser namenloser Held verlor im Finale bekanntlich ein Auge, dementsprechend wachen wir nun nach dem – sehr kurzen – Intro mit einer Augenklappe in der Inquisitoren-Festung von Caldera auf. Müde, betrunken und als Inquisitor, nicht etwa als Gefangener. Auch unser Risen-Sidekick Patty spielt wieder mit. Aber wieso scheint die ganze Welt zu brennen im Hintergrund? Weil die Titanenlords Krieg gegen einander und gegen die Menschen führen.

Ah, die Erinnerungen kommen wieder: Die Götter verließen die Welt, sodass die von ihnen auf den Grund der Meere und tief in die Erde verbannten Titanenlords wieder freikommen. In Risen kämpften wir gegen den Titanen der heiligen Flamme, nun bekommen wir es in erster Linie mit Mara zu tun: Der Titan (oder wohl eher: die Titanin) des Meeres terrorisiert die Gewässer mit ihren Monstern und einem riesigen Kraken. Das ist in soweit ungünstig, als die Inquisitoren die letzte Bastion der Menschheit in der "Alten Welt", eben Caldera, schnellstens evakuieren wollen, bevor sie von einigen anderen Titanen vollends zerstört wird.Wohin aber fliehen? Jenseits der Südsee, vom fast überrannten Alten Reich aus gesehen, liegt der unerforschte Kontinent Arborea. Und dazwischen liegen sechs größere Inseln, die wir vermutlich ebenso alle zu Gesicht bekommen werden wie einen kleinen Teil des Nordzipfels von Arborea. Ansonsten kann man wohl jetzt schon für Risen 3 mutmaßen: Arborea, wir kommen!
 
Und da auch die fesche Piratenbraut Patty aus Risen wieder auftritt, und deren Papa Stahlbart einer magischen Harpune nachspürt, die dem Kraken den Garaus machen könnte, ist der Plan schnell gefasst: Festungskommandant Carlos schickt uns zur Pirateninsel Takarigua, wo Stahlbart vermutet wird. So beginnt ein in wieder in mehrere Akte eingeteiltes Abenteuer, das uns auf gleich mehrere Südsee-artige Inseln, wuchtige Festungen, düstere Dungeons und unheilvolle Tempel führen wird, mit viel Urwald dazwischen. Auch drei Fraktionen gibt es serientypisch wieder: die Inquisitoren, die Piraten und die Voodoo-mächtigen Eingeborenen.
 
Bildhübsche Landschaften und verwunschene Tempel: Dieser Hersteller-Screenshot ist ein gutes Beispiel für den Mix.
Piraten statt Orks
Auch wenn Piranha Bytes das ganze Setting von der "realistischen Fantasy" zum "phantastisch angehauchten Piratenflair" umgestrickt hat, fühlen sich Serienfans sofort zuhause. Bedienung, Grafik, Art der Charaktere und Dialoge – alles trägt das unsichtbare Trademark der deutschen RPG-Experten. Auch wenn ihr nun vor allem mit Säbeln und Pistolen, Speeren und Musketen kämpft, statt mit allerhand Schwertern. Und Piraten stecken in aller Regel nicht in eisernen Ritterrüstungen...
 
Zum Altbekannten gehören auch die kleineren und größeren Absonderlichkeiten, so liegen zwar Gegenstände offen in der Spielwelt herum und können eingesammelt werden, fortan aber sind sie nie wieder in der Spielwelt platzierbar (anders als etwa bei Skyrim), sondern tauchen nur noch in Inventaren auf – ihr könnt also euren Plunder verkaufen oder in eine Kiste legen, aber nicht wirklich auf den Boden kippen. Beim Sprung in nicht-durchwatbares Wasser werdet ihr immer noch an den Punkt eures Absprungs zurückteleportiert -- für ein ganz auf Seefahrt und Inseln ausgelegtes Spiel etwas befremdlich. Soviel zum bekannten Negativen, kommen wir zum Positiven: Vor allem die Dialoge und Gesprächsoptionen unterscheiden sich wieder merklich von dem, was euch Weichspül-Rollenspiele von der Stange vorsetzen: Die Sprache ist derb, und die Charaktere entsprechen nicht immer den auskunftsfreudig-konstruktiven 08/15-NPC, die man sonst so oft ge
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rne vorgesetzt bekommt. Will man einen Piraten mit Gold locken, um an seine Schatzkarte zu kommen, gibt der schon mal zurück: "Ich habe soviel Gold, dass ich es in eine Kiste stecke und vergrabe – und du kommst mir mit Gold?"
 
Neue Fähigkeiten lernen? Geht bei Skyrim oder Mass Effect 3 mit einem Klick. Bei Risen 2 hingegen steigert ihr zwar durch Einsatz von "Ruhm" (Erfahrungspunkte) eure fünf Grund-Attribute, die dann sofort Auswirkungen auf je drei Talente haben, aber neue Fertigkeiten wie etwa ein bestimmtes Kampfmanöver könnt ihr nur beim entsprechenden Trainer erlernen. Und das geht dann auch nicht einfach nach dem Motto "Schlösserknacken +1", sondern der Trainer erklärt euch in mehreren (voll vertonten) Dialogzeilen, was man tun muss, um Schlösser zu knacken. Wer sich ein bisschen darauf einlässt, statt nur hastig die Sätze durchzuklicken, kann kaum anders als das Gefühl zu entwickeln, dass Risen 2 sich und seine Welt und in Konsequenz den Spieler etwas ernster nimmt, als dass der eine oder andere Mitbewerber tut. Also: Alles wie gewohnt, in neuem Setting und mit einigen Neuerungen – und das ist gut so.
 
Mit Patty (aber ohne Hemd) sind wir auf Takarigua angekommen, der ersten von sechs Inseln, die wir wohl besuchen.
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