Offene, brutale Welt

Prototype 2 Preview

Im Zentrum von Prototype (2009, indiziert) stand ein Rächer mit übermenschlichen Kräften, der zwar einige coole Moves drauf hatte, letztlich aber nur in einem Punkt brillierte: der exzessiven Darstellung von Gewalt. Prototype 2 will es nun besser machen. Wenige Tage vor dem Release und unserem Test haben wir probegetötet.
Benjamin Braun 19. April 2012 - 22:26 — vor 7 Jahren aktualisiert
Prototype 2 ab 12,65 € bei Amazon.de kaufen.
Alle Screenshots stammen von GamersGlobal

Ein furchtbares Virus geht in New York City um. Es hört auf den Namen Blacklight und verwandelt die Menschen in Zombies. Überall in den Straßen der Metropole ist das Militär auf den Straßen, führt in Schutzkleidung Messungen durch und versucht, eine Panik unter der Zivilbevölkerung zu vermeiden. Es ist kein mysteriöser natürlicher Erreger, der die Menschen befällt. Er ist das Erzeugnis der Firma Gentek, deren Wissenschaftler die Kontrolle über den experimentellen Prototyp verloren haben und dennoch kein Stück von weiteren Forschungen und Experimenten Abstand nehmen. Ohne es zu ahnen, schufen sie damit ihren eigenen Feind: Alex Mercer, die Hauptfigur von Prototype, der unter Einfluss des Virus' übermenschliche Kräfte entwickelte und sich auf einen blutigen Rachefeldzug machte.

An dieser Ausgangssituation hat sich in Prototype 2 nur wenig verändert. Immer noch grassiert das Virus, immer noch steht ganz New York City unter Quarantäne, und immer noch weilt Alex Mercer unter den Lebenden. Doch er bekommt schon früh Gesellschaft. Im zweiten Teil übernimmt der Spieler den Part von James Heller, einem Veteran aus dem Irakkrieg. Hellers Frau und Tochter wurden von einem der Infizierten getötet. Mit einer gehörigen Portion Wut im Bauch sorgt er für seine Versetzung in die Rote Zone, jenen von drei Quarantänebereichen New Yorks, in den sich selbst das Militär nur in Ausnahmefällen traut. Sein Motiv ist simpel: Rache an Alex Mercer, den er für den Tod seiner Familie verantwortlich macht. Als sich die Wege der beiden kreuzen, macht Mercer seinem Jäger ein Geschenk der besonderen Art. Er infiziert Heller, was dem das Leben rettet, aber ihn auch zu seinesgleichen macht. So schnell bei Heller die Wut auf Mercer verfliegt, so schnell wächst der Hass auf Gentek und Heller beginnt, Jagd auf sie zu machen...

Rache ist süß – und blutig Die Geschichte von James Heller beginnt vielversprechend, führt Prototype 2 doch mit einigen hochwertigen CGI-Sequenzen in die Handlung ein, die viel von Frank Millers Graphic Novel Sin City haben. Und das gilt nicht nur für den Look der Szenen: Nicht von ungefähr halten nicht wenige Millers Comic-Band für eine Abfolge künstlerisch inszenierter Gewaltfantasien. Spätestens bei diesem Vergleich stellt sich die Frage, ob die Story nicht nur Staffage ist. Doch Radical Entertainment betreibt zumindest in den ersten drei Spielstunden (so lange haben wir gespielt) einigen Aufwand, um genau diesem Eindruck entgegenzuwirken – und es gelingt den Entwicklern, den prinzipiell simplen Rachemotiven Hellers Nachdruck zu verleihen. Auch deshalb, weil Heller die wahren Zusammenhänge ähnlich wie Mercer nach und nach ergründet, indem er die Gedanken der Missetäter absorbiert. Ausbaufähig im weiteren Spielverlauf ist in jedem Fall Hellers Gewissen: Fragen der Moral, Bedenken, das Richtige zu tun und die probaten Mittel gewählt zu haben, kommen wenigstens anfangs etwas zu kurz.
In der Haut eines Gentekmitarbeiters verschafft ihr euch Zutritt zu einem Forschungslabor, ohne Verdacht zu erregen.

Ich will deine Kleider, deine Stiefel – und deine HautZu Hellers neu gewonnenen Kräften zählt unter anderem die Fähigkeit, organische Lebewesen zu absorbieren. Damit frischt Heller nicht nur seine Lebensenergie auf, sondern erhält auch Zugriff auf die Gedanken und die Identität seiner Opfer. Auf der Suche nach dem für die Misere verantwortlichen Armee-Offizier erhält er immer weitere Hinweise, bei denen er Stück für Stück in der Hierachie der Verschwörer nach oben und aufs Ziel zu steuert. Diese Zielpersonen gilt es aber zunächst aufzuspüren, wozu Heller Zugriff auf die Datenbank des Militärs nehmen muss, RADNet genannt. So ermittelt er den ungefähren Aufenthaltsort und kann dann das neue Jagdfeature einsetzen. Dabei sendet er einen Impuls aus, dessen Resonanz ihm anzeigt, in welche Richtung er laufen oder "fliegen" muss.

Prototype 2 ermöglicht e
Anzeige
uch im Zuge der Absortion auch, inkognito vorzugehen. Heller kann nach der Absorbierung in die Gestalt eines Zivilisten oder Soldaten wechseln, um in der Menschenmenge nicht aufzufallen. Wenn euch die Häscher bereits auf den Fersen sind, könnt ihr diese Fähigkeit auch verwenden, um außer Sichtweite wieder anonym zu werden. So schleicht ihr vollkommen unbemerkt in ein Forschungslabor rein, nehmt nach und nach die Gestalt von Wachen oder Wissenschaftlern an und sabotiert die Anlage unbemerkt. Sehr schön dabei ist, dass ihr manchmal zunächst mögliche Zeugen aus dem Weg schaffen müsst, um euch die Haut eines Kittelträgers überzustreifen. Wer wen gerade im Blick hat, müsst ihr allerdings nicht durch reines Beobachten herausfinden. Auf Knopfdruck markiert ihr ein Ziel und lasst euch gleichzeitig alle Personen anzeigen, die es gerade im Sichtfeld haben. Besonders komplex waren diese Schleichabschnitte bisher nicht, zudem immer sehr ähnlich und oft auch mit Gewalt lösbar. Aber hier könnte Prototype 2 im weiteren Verlauf noch positiv überraschen. Ansonsten gibt es viele Sammelquests, bei denen Audiologs gesammelt oder weitere Zielpersonen ausgeschaltet werden müssen.
Wenn die Armee Alarm schlägt, könnt ihr versuchen, wegzulaufen. Oder aber ihr geht einfach auf Konfrontationskurs.

Kommentare nicht sichtbar (20)