Komplexes Rasenschach

PES 2013 Preview

PES oder FIFA? Das ist für manche Leute fast schon eine Glaubensfrage. Wir haben auf dem Redaktionsfußballplatz die neuesten Teile beider Reihen ausführlich angespielt und sind uns sicher, dass es dieses Jahr wieder haucheng zischen den beiden zugehen wird – nachdem wir letztes Jahr FIFA 12 doch recht klar vorne sahen.
Benjamin Braun 24. Juli 2012 - 17:22
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Jedes Jahr aufs Neue treffen die Streithähne aufeinander. Die Rede ist nicht von den jährlichen Neuauflagen von Pro Evolution Soccer und FIFA, sondern von den Spielern, die sich untereinander die heißesten Diskussionen liefern, welche der beiden Fußballsimulationen nun die bessere sei. Ein Thema, von dem man manchmal glauben könnte, dass es so alt ist wie die Menschheit selbst. Eigentlich besteht der Zwist aber erst seit den 90er Jahren und wird seither mit beinahe religiösem Eifer geführt. Aber wer will es den Spielern verdenken, denn immerhin geht es um die „schönste Nebensache der Welt“. Nachdem wir bereits vor einigen Wochen EAs FIFA 13 ausführlich anspielen und in Los Angeles erste Spieleindrücke aus PES 2013 mitnehmen konnten, haben wir uns nun auch Konamis Rasenkick mehrere Stunden gewidmet. Pro Evolution Soccer will in diesem Jahr mit mehr Kontrolle und größerem Realismus wieder an die Spitze zurückkehren. Eines steht nach diversen Matches in jedem Fall fest: Der Kampf um die diesjährige Krone im virtuellen Fußball ist wieder offen!

Lionel Messi ohne KontrolleKontrolle über das Spielgeschehen war immer ein wichtiges Stichwort für PES. In diesem Jahr verspricht uns Konami die volle Kontrolle über Pässe, Schüsse und auch die Ballannahme der Akteure. „PES Full Control“ nennen die Japaner das System, bei dem auch die Fertigkeiten von Fußballern wie Christiano Ronaldo eine wichtige Rolle spielen. Das merkten wir sehr deutlich, als wir mit dem Portugiesen im Trikot von Real Madrid die unterschiedlichsten Pässe aus dem Stand oder auch aus der schnellen Bewegung heraus annehmen wollten. Zwar versprang uns mit „CR7“ schon einige Male der Ball, aber doch merklich seltener als mit seinem Vereinskollegen Ángel Di María. In jedem Fall müsst ihr in rechten Moment die Aktionstaste bedienen, denn ansonsten kann selbst ein Könner wie Lionel Messi den Ball nicht kontrollieren.

Aber das ist bei weitem nicht der einzige Punkt, in dem uns PES in diesem Jahr wieder stärker fordern möchte. Auch bei der Dosierung von Pässen oder Schüssen gibt es wieder ein paar Veränderungen, die auch eingefleischten Konami-Jüngern etwas Eingewöhnungszeit abverlangen werden. Das Spiel zahlt es uns dafür mit größerer Vielfalt beim Spielaufbau und besonders im Angriff zurück. In PES 2013 bestimmt ihr wesentlich genauer, wie und wohin ihr euren Pass spielt  – und ihr könnt zudem deutlich stärker direkten Einfluss auf die Laufbewegungen eurer Mitspieler nehmen. Ob ihr euren Mitspieler also in den freien Raum vorstoßen lasst, um ihn schließlich zu bedienen, oder seine Präsenz lediglich dazu nutzt, die Verteidiger der gegnerischen Mannschaft in seine Richtung zu locken, entscheidet ihr.

Das funktioniert in der Praxis ziemlich gut und geht schon nach kurzer Zeit in Fleisch und Blut über. Bis zur Perfektion der Aktionen wird aber insbesondere bei weniger erfahrenen Spielern einige Zeit notwendig sein. Denn spielt ihr euren Pass nicht exakt mit dem Tempo und in die Richtung, die ihr geplant hattet, wird die Pille schnell von einem Verteidiger abgefangen. Kritik am Rande: Noch passiert es uns ein bisschen zu oft, dass wir beim Betätigen des Wechselknopfs nicht den Mitspieler übernehmen, der am besten zum Ball positioniert ist.

Die Trickser vom DienstTrotz der etwas anspruchsvolleren Spielmechanik im Vergleich zum letzten Jahr gelangen uns schon nach kurzer Zeit geniale Aktionen, wie wir sie vor allem von auf Ballbesitz und Schönspiel ausgerichteten Teams à la Barcelona kennen. Auf engstem Raum spielen wir schnelle Kurzpässe direkt durchs Mittelfeld, spielen die Abwehr des Gegners schwindlig und kommen schließlich zum Abschluss. Auch Torchancen durch Einzelaktion führten regelmäßig zu guten Torgelegenheiten, obwohl Konami die etwas zu mächtigen Dribblings aus PES 2012 deutlich entschärft hat. Wir bewegen uns nun nicht mehr in einem Affenzahn durch die Abwehrreihen, und können auch nicht mehr den Ball im Mikroradius einfach mal so an einem Carles Puyol vorbei führen. Durch cleveres Stellungsspiel und dynamische Dopplungen durch Verteidiger macht es PES 2013 ebenfalls schwieriger als zuletzt. Aber ein paar frische Tricks sind dabei, die die ohnehin exzellenten Tempoverschiebungen im Spiel auch im Kleinen unterstreichen.

Mit dem Double Touch etwa spielt ihr den Ball in der gewünsch
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ten Richtung am Gegenspieler vorbei und setzt gleichzeitig zum Sprint an, um den Ball sogleich mit dem Rücken zur Abwehrreihe wieder anzunehmen. Ihr könnt den Gegenspieler dann auch leicht wegstoßen, um so noch ein bisschen mehr Abstand zu ihm herauszuholen. Stellt ihr euch dabei plump an, kann es aber auch mal zum Abbruch der Aktion durch den Schiedsrichter kommen. Je weiter ihr vom Tor weg seid, umso weniger effektiv sind solche Aktionen allerdings. Denn einen gigantischen Raumvorteil erlangt ihr dadurch nicht, zudem könnt ihr von einem Topverteidiger immer noch abgefangen werden – und sei es durch dezentes Zupfen am Trikot. Das ist einer der Aspekte, die auch in FIFA 13 stärker zum Tragen kommen werden. Umgekehrt gilt das natürlich auch. Schon nach den ersten Probespielen gelang uns es uns trotz hochaufgezogener Mannschaftsaufstellung fast immer, hinten keine echte Chance zuzulassen. Oft reichte es aber auch, durch Zustellen eines angreifenden Spielers so lange das Tempo aus der Partie zu nehmen, bis unsere Mannschaft in der Defensive wieder komplett orientiert war. Erst auf den höchsten Schwierigkeitsgraden stellten sich die Gegner ein bisschen cleverer an.
Die großen Fußballnationen wie hier Portugal und England sind komplett enthalten. Auf die Masse an offiziellen Lizenzen der Electronic-Arts-Fußballspiele  werdet ihr aber wie üblich verzichten müssen – bis die Community aushilft.
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