Hardcore-Realismus

PES 2011 Preview

Es gibt Duelle, die beschäftigen die Menschen seit Generationen. Etwa McDonald's gegen Burger King, Coca Cola gegen Pepsi und natürlich: FIFA gegen PES. Seit etwa zwei Jahren ist FIFA auf dem Thron der Fußballspiele. Wir verraten euch, wie gut die Chancen stehen, dass PES den Titel zurückholen kann.
Rechen 9. August 2010 - 19:31 — vor 9 Jahren aktualisiert
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von Benny Kratsch

Wie jedes Jahr kämpfen auch 2010 die beiden großen Fußballserien PES und FIFA um den Thron der Populär-Sport-Spiele. Dieser Wettkampf wird längst im Detail ausgetragen, da sich die Titel mittlerweile schlicht zu ähnlich geworden sind. PES versucht diesmal durch einen erhöhten Realismus-Grad Boden gut zu machen. Doch selbst als eingefleischter Fußball-Fan stellt man sich da zwangsläufig die Frage, wie viel Realismus einem Sportspiel eigentlich gut tut.

Realismus pur

Fußball ist nicht wie Ballet, Turmspringen oder Diskusswerfen. In diesen Sportarten gilt es einen Bewegungsablauf perfekt zu beherrschen und im Wettkampf abzuspulen. Zwar gibt es auch im Fußball viele Techniken, die man lernen kann und üben muss. Dennoch liegt die Faszination des Sports im Augenblick: Bei der Champions League wird euch der Ball nicht direkt auf den Fuß gepasst, ihr müsst ihn euch erkämpfen, euren Körper einsetzen, die Position eurer Mitspieler beachten und immer 100 Prozent geben. Einfach gegen das Leder treten könnt ihr da vergessen -- es sei denn ihr legt es darauf an, zu versagen. Warum wir euch das alles erzählen? Weil sich genau so PES 2011 anfühlt.
Und nachdem wir ausgiebig die Preview-Versionen von PES 2011 und dem ebenfalls in der Endfertigung befindlichen Konkurrenzprodukt FIFA 11 gespielt haben, fragen wir uns ernsthaft, wie viel Realismus einem Spiel gut tut.

Einen Großteil seiner Faszination gewinnt der Fußball aus dem Wechselspiel der Sportler.

Realismus übersteigert?

Schon FIFA verlangt dem Spieler durch das neue Pass-System einiges ab: Früher hat die KI euren Spieler in die richtige Position gerückt und die Schussstärke so ausbalanciert, dass man mit ein wenig Fingerspitzengefühl die meisten Pässe präzise spielen konnte. Viele dieser Komfortfunktionen streicht EA Sports in FIFA 11. Diese Dinge werden fortan euch überlassen, wodurch mehr Freiheit im Spiel erreicht wird. Dadurch fühlt es sich in der Tat realistischer an, jedoch verliert der Titel dadurch viel von seiner berühmten Spritzigkeit.

Falls ihr dachtet, dass man das nicht mehr steigern kann: PES 2011 treibt den Realismuswahn auf die Spitze. Das Ziel ist dabei, dass jeder Spieler seine Pässe so spielen kann, wie er möchte. Also wie im richtigen Fußball, wo die Sportler Lücken in der Abwehr des Gegners erkennen und diese ausnutzen. Wollen zwei Spieler in PES 2010 einen Doppelpass spielen, laufen sie einfach nebeneinander her -- Sprintgeschwindigkeit und die Position zum Ball reguliert die KI. In der aktuellen Version von PES 2011 müsst ihr das alles selbst machen. Bei einem Zuspiel reicht es nicht mehr, den Ball einfach diagonal zu spielen, stattdessen müsst ihr die Richtung exakt per Analogstick vorgeben. Auch die Schussstärke muss perfekt sein -- wer zu wenig Kraft in den Tritt legt, riskiert, dass der Ball zu kurz geht. Wer hingegen zu viel Kraft hineinsteckt, spielt den Ball zu weit, die Abwehr des Gegners hat daraufhin leichtes Spiel. Das mag harmlos klingen, nervt aber in der Praxis, weil es auf diese Weise unnötig zu Fehlpässen kommt. Natürlich ist das realistisch -- bedenkt nur, wie viele Fehlpässe selbst die Profis in der WM fabriziert haben --, aber wollen wir das wirklich in einem Computerspiel?

Das neue PES schraubt den Realismus hoch. Vor allem das neue Passsystem dürfte Einsteiger frustrieren.

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