Angetestet: Rückkehr zur Hanse

Patrizier 4 Preview

Im Sommer feiert mit Patrizier 4 eine urdeutsche Aufbauserie ihr Comeback und möchte sowohl Veteranen als auch Neueinsteiger für Handelssimulationen begeistern. Ob der Spagat zwischen Modernisierung und Serientreue funktioniert? Auf einem nachgebauten Handelsschiff konnten wir uns erstmals selbst davon überzeugen.
Christoph Licht 29. Mai 2010 - 17:31 — vor 9 Jahren aktualisiert
PC
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von Daniel Waskow

Wir schreiben den 21. Mai anno domini 2010. Unser Schiff liegt majestätisch im Hafen von Lübeck, wir stehen mit stolz geschwellter Brust am Bug, wohl wissend, dass uns der Beginn einer ruhmreichen Karriere als Kaufmann der Hanse bevorsteht. Moment: 2010? Ja, richtig. Denn wir wollen auf der "Lisa von Lübeck" kein Bier durch die Ostsee schippern, sondern Patrizier 4 spielen.
 
An Bord des Handelsschiffs hatten wir erstmals die Gelegenheit, den neusten Teil der erfolgreichen Handelssimulation in stilechter Umgebung anzuspielen. Nachdem unsere realen Segelversuche von einer akuten Flaute bereits im Keim erstickt wurden, durften wir erstmals Hand an den kommenden dritten Teil der Serie legen. Halt: "Patrizier 4" und "dritter Teil", wie passt denn das zusammen? Ganz einfach: Als Patrician 3 wurde im Ausland Patrizier 2 inklusive der Erweiterung Aufschwung der Hanse verkauft, sprich das, was bei uns als Patrizier 2 Gold in den Läden stand. Um international wieder auf eine einheitliche Bezeichnung zu kommen, entschloss sich Kalypso Media, den neuen Teil auch im deutschsprachigen Raum Patrizier 4 zu nennen.

Wie in alten Zeiten

Die Lisa von Lübeck, auf der wir Patrizier 4 anspielten, ist ein Nachbau eines Kraweels aus dem 15. Jahrhundert.
Am grundlegenden Spielprinzip ändert sich mit Patrizier 4 nichts: Nach wie vor starten wir als kleiner, unbedeutender Krämer mit einem Schiff und wenig Geld in die große Welt der Hanse des 15. Jahrhunderts. Unser Ziel: Durch gewieften Handel, ausgeklügelte Routen und gewinnbringende Aufträge zu Geld und Macht zu gelangen, um so schließlich Bürgermeister unserer Heimatstadt oder gar Eldermann zu werden, also Vorsitzender der Hanse. Dazu stehen uns 20 Waren wie Bier, Tuch, Werkzeug oder Käse zur Verfügung und Nord- sowie Ostsee offen. Über die Seekarte schicken wir unsere Schiffe und Konvois zum Handeln in die wichtigsten Städte der Hansezeit, darunter Lübeck, London, Malmö oder Novgorod. Dort errichten wir Kontore, Betriebe und Wohnhäuser und bauen durch gezielte politische Aktionen oder Sabotage unsere Macht aus. Momentan sind 32 Städte geplant, von denen anfangs 20 bekannt sein werden. Den Rest müsst ihr erst über spezielle Missionen freischalten.

Viele Strukturen, Menüs und Funktionen sind gleich geblieben oder zumindest in ähnlicher Form wieder mit dabei. Auch die Expeditionen ins Mittelmeer soll es wieder geben – von denen konnten wir allerdings noch nicht viel sehen. Was wir spielen konnten, war nur der eigentliche Kern des Spiels: Das Handelssystem. Doch das funktionierte bereits überraschend gut. Kaufen, Verkaufen, Handelsrouten errichten – klingt simpel, wird jedoch ähnlich komplex und akkurat simuliert wie schon in Patrizier 2, allerdings nochmals stark erweitert und verbessert. Die Preise sind abhängig von Warenbestand, Verbrauch und Produktion der einzelnen Städte sowie natürlich von der Menge, die gekauft werden soll. Durch dieses Preisgefüge entwickelt sich in der Spielwelt ein Gleichgewicht aus Produktion und Verbrauch, das ohne Regulationen auskommt. Das nutzen die Entwickler, um der Welt einen glaubwürdigen Anstrich zu verpassen. Lead Designer Daniel Dumont  verrät: "Wenn ein Pirat euren Konvoi ausraubt, sind die Waren nicht weg. Im Gegenteil: Vielleicht werdet ihr irgendwo in einer Taverne einen Schmuggler finden, der euch einen großen Haufen Waren zum Kauf anbietet – eure Waren".

Sinnvolle Modernisierung

Das Handelsmenü wurde äußerst stark überarbeitet und ist deswegen nun um ein Vielfaches intuitiver zu bedienen.
Patrizier 4 wäre kein echter Nachfolger, wenn es nicht auch handfeste Neuerungen gäbe. So ist die Hansewelt neuerdings in acht Regionen eingeteilt, darunter England, Flandern, Russland und natürlich Deutschland. Jede dieser Regionen bietet vier Städte und stellt eine regionale Ware bereit, die auch nur dort produziert wird. Während ihr euer Bier also in Deutschland einkaufen müsst, warten im russischen Kontor Felle auf den Abtransport. In der Region Dänemark, deren Regionalware Fleisch ist, wird zu Spielbeginn nur eine Stadt aufgedeckt sein: Aalborg. Diese muss entsprechend das komplette Hansegebiet mit Fleisch versorgen – und verbraucht dafür Unmengen an Salz. Eine echte Herausforderung für die Händler, die den Bedarf decken müssen.

Wie gut, dass auch die Steuerung modernisiert wurde. Vor allem das Menü zum Handel mit den Städten sowie die Erstellung von Handelsrouten sind stark überarbeitet worden. Während Patrizier 2 noch mit einer Vielzahl von Einstellungsmöglichkeiten eine Menge Klickarbeit erforderte, ist jetzt alles einfacher: Das Handelsfenster verfügt über einen Schieberegler, über den Verkauf und Einkauf direkt und ohne Zwischenschritte vollzogen werden können. Auch die Handelsrouten lassen sich einfach und intuitiv bedienen: Wer mag, klickt einfach ein paar Städte hintereinander an und lässt den Kapitän bestimmen, welche Waren er in welcher Stadt kauft oder verkauft. Profis schalten den automatischen Handel hingegen ab und erweitern durch einen simplen Klick das Menü um manuelle Eingaben für die einzelnen Waren – so lassen sich noch höhere Gewinne erzielen. Wer sich hier an Port Royale 2 erinnert fühlt, liegt richtig: Viele Komfortfunktionen der Bedienung sind vom einstigen Karibik-Spinoff zu Patrizier 2 inspiriert.

Hier brummt das Geschäft: Im Hafen herrscht starker Andrang und alle Anlegeplätze sind belegt.
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