Chihiros Reise ins Spieleland

Ni No Kuni - Wrath of the White Witch Preview

Angenommen, jemand kreuzt ein Spielestudio, das bei uns hauptsächlich für die Professor-Layton-Rätselspiele bekannt ist, mit einem japanischen Filmstudio, das mit zauberhafter Anime extrem erfolgreich ist: Was kommt dabei heraus? Rätselspaß für Kinder? Falsch: Ein klassisches japanisches Rollenspiel – im Anime-Look und mit Potenzial.
Tim Gross 13. Juli 2012 - 11:17 — vor 6 Jahren aktualisiert
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Bereits seit einem halben Jahr erfreuen sich Rollenspiel- und Anime-Fans an Ni No Kuni - Wrath of the White Witch, einem Gemeinschaftsprojekt der Spielemacher Level 5 (Professor Layton) und der Filmemacher Ghibli (Chihiros Reise ins Zauberland). Leider freuen sich die Spieler nur im Land der aufgehenden Sonne. Nicht daran erfreuen, aber darauf freuen, das machen wir seit geraumer Zeit im Westen. Ursprünglich sollte das japanische Rollenspiel bereits im Frühjahr 2012 bei uns erscheinen, doch Publisher Namco Bandai will eine vernünftige Lokalisierung garantieren, um die Spieler in Europa und den USA genauso zu verzaubern wie in Japan. Wir haben eine teilweise übersetzte Version probegespielt und uns einen ersten Eindruck von den beiden Welten in Ni No Kuni gemacht. Welche beiden Welten? Wir fangen am besten von vorne an.

Story mit Tiefgang
Nachdem Oliver seine Mutter verloren hat, führt ihn sein ehemaliges Stofftier Tröpfchen in eine zauberhafte Welt.
Protagonist des Abenteuers ist der kleine Oliver, der selbst für seine 13 Jahre ziemlich jung aussieht. Da tut es einem noch mehr leid, dass der kleine Bub zu Beginn der Geschichte seine Mutter verliert. Sein tränenüberströmtes Gesicht macht seinen Verlust geradezu fühlbar – doch die emotional bedingte Flüssigkeitsabsonderung bringt ihm außer Trost noch einen anderen Gewinn: Mit der Kraft seiner Tränen erweckt er Stofftier Tröpfchen zum Leben. Der Spiel- und Weggefährte, kaum zu übersehen mit seiner unverwechselbaren, an der Nase baumelnden Laterne, führt Oliver in eine fantastische Parallelwelt voller Abenteuer – und mit einer mächtigen Hexe, die besiegt werden will. Da trifft es sich gut, dass Oliver plötzlich magiebegabt und damit alles andere als wehrlos ist. Dass es in Ni No Kuni um ein Paralleluniversum geht, macht übrigens schon der Titel klar. Denn grob übersetzt bedeutet Ni No Kuni “Das zweite Land”.

Vom Grundgerüst handelt es sich bei Ni No Kuni um ein klassisches JRPG (Japano-Rollenspiel): In den Städten könnt ihr mit so ziemlich jedem Bewohner sprechen, nehmt Nebenaufträge an, kauft und verkauft Gegenstände. Außerhalb der Stadtmauern gibt es jede Menge Kämpfe zu bestreiten. Im Spielverlauf sammelt ihr natürlich Erfahrungspunkte, steigt im Level auf, lernt neue Zauber und knackt das eine oder andere Rätsel, teils unter Zuhilfenahme eurer Magie. So weit, so Genrestandard. In den Quests müsst ihr, und das ist schon eine Besonderheit, oft Menschen helfen, die sehr unglücklich sind, etwa einem fahrenden Händler, der seinen Enthusiasmus verloren hat und deswegen nichts mehr verkaufen kann. Die fehlende Charaktereigenschaft bekommen wir von einer Spielfigur, die davon reichlich besitzt; in diesem Fall müssen wir also einen enthusiastischen Jemand finden. Ist die passende Person gefunden und damit einverstanden, kann sie ihr Herz mit uns teilen. Dann nehmen wir, je nach Person, Eigenschaften wie Zurückhaltung, Mut, Güte und noch einiges mehr in uns auf und können sie an andere Menschen weitergeben. Eine wirklich schöne Idee – die uns ins Grübeln bringt: Wenn das doch auch im wahren Leben ginge...
Gestatten, ich bin die Kuhlifin. Die korpulente Dame ist die Herrscherin einer Wüstenstadt. Da sollte man meinen, sie hätte besseres zu tun, als sich nur ums Essen zu sorgen.

Helft Königin PhattIn unserer Anspielsession, die uns mitten ins Spielgeschehen wirft, sollen wir uns einen Freibrief verschaffen, mit dem wir per Schiff aus einer hübschen Wüstenstadt abreisen können. Den Freibrief erhalten wir aber ausschließlich von der Herrscherin der Stadt, der Kuhlifin. Nett danach fragen ist aber gerade nicht drin, wie uns der königliche Diener klar macht. Begründung: Die Königin will nicht beim Essen gestört werden. Abwarten, bis die Dame mit ihrer Speise beendet hat, geht aber auch nicht, denn auf das Mittagessen folgt das Nachmittagshäppchen gefolgt vom zweiten Mittagessen und so weiter und so fort. Ergo: keine Audienz für Oliver. Gemeinsam mit unserer Begleiterin Esther und dem treuen Tröpfchen überlegen wir, wie wir dennoch die Kuhlifin besuchen können. Die Lösung scheint schnell gefunden. Wenn wir der Kuhlifin ihr Lieblingsessen besorgen könnten, würden wir mit Sicherheit vorgelassen werden. Doch wie die gewünschte Speise erraten? Zunächst müssen wir herausfinden, wie die Kuhlifin aussieht. Dann können wir ihre Seelenverwandte in der echten Welt aufsuchen, denn jeder Charakter in der Parallelwelt hat quasi einen Zwilling in der realen Welt. Eine witzige Zwischensequenz später, die einen abwesend wirkenden Künstler und eine beleidigte Esther involviert, kennen wir das Aussehen der Königin. Per Magieportal geht es also zurück in die echte Welt, Seelenverwan
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dte und Leibgericht sind schnell herausgefunden, und mit ein bisschen Magie ist die Speise auch schon hergestellt, und wir können servieren.

Die Mission endet hier allerdings noch nicht. Denn nach dem Verputzen der frisch gezauberten Speise will die dicke Herrscherin, die uns erstaunlich an Gouverneur Phatt aus Monkey Island 2: LeChuck’s Revenge erinnert, nur noch mehr essen. Glasklar, die Dame ist alles andere als glücklich, ihr mangelt es an Zurückhaltung. Daher machen wir uns gleich auf die Suche nach jemanden, der Zurückhaltung im Überfluss hat und gewillt ist, sein Herz mit uns zu teilen. Ist alles geschafft, zeigt sich die Kuhlifin mehr als dankbar und überreicht uns den begehrten Freibrief. Ihr merkt schon, in den Quests folgt eine Aufgabe auf die nächste. Zudem sind die Aufträge wunderschön in Szene gesetzt und unterhalten uns mit vielen Zwischensequenzen und klasse Dialogen. Aber schon in der kurzen Demo schickte uns Ni No Kuni öfters von A nach B und wieder zurück. Wir hoffen stark, dass dieser Umstand dem gewählten Spielabschnitt geschuldet war und sich das starke Backtracking nicht durch das gesamte Spiel ziehen wird.
Neben der Hauptstory gibt es auch zahlreiche Nebenquests, die ihr beispielsweise von Stadtbewohnern erhaltet. Oft müsst ihr die Herzen der Menschen wieder vervollständigen.

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