Angetestet: Der Italienfeldzug

Napoleon Total War Preview

Erstmals konnten wir nun Napoleon Total War in Ruhe in der Redaktion spielen und die erste von drei Kampagnen bewältigen -- den Italienfeldzug. Viele kleine, aber sinnvolle Verbesserungen verstecken sich unter der merklich aufgehübschten Grafik. Sogar die Diplomatie scheint verbessert worden zu sein. Lernt Creative Assembly dazu?
Jörg Langer 16. Januar 2010 - 16:34 — vor 9 Jahren aktualisiert
PC
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Eigentlich wollen wir es bei GamersGlobal vermeiden, euch mit zig Previews zu langweilen, bevor dann irgendwann der Test eines Spiels kommt. Aber in der ersten wirklich selbst spielbaren Version von Napoleon Total War konnten wir doch sehr viele Details entdecken, die für Fans (oder Zweifler an) der Serie interessant sein dürften. Wenn euch Napoleon Total War noch nichts sagt, ist unsere frühere Preview besser geeignet, um das Spiel an sich kennen zu lernen.


Wir haben für euch die beiden bisherigen Gameplay-Trailer zusammengefügt; trotz des werbenden Kommentars zeigt euch das Video viele Details aus dem Spiel (ein eigenes Video wurde uns aktuell nicht gestattet).


Die Tutorials

Im Hauptmenü habt ihr Zugriff auf drei Tutorials, eines für Seeschlachten, eines für Landschlachten und eines für die Kampagne. Letzteres lässt euch gleichzeitig -- stark abstrahiert und im wesentlichen durch Textfenster -- die frühen Jahre Napoleons miterleben, also wie er Korsika verlässt und nach Frankreich reist. Obwohl die Europakarte bereits vorhanden ist in diesem Tutorial, bleiben uns weite Teile versperrt. Auch scheint die Karte nicht ganz der zu entsprechen, die uns in der Europäischen Kampagne erwarten wird: Sie wird im Nordwesten von Irland begrenzt, enthält im Norden den südlichen Teil Skandinaviens und reicht im Osten bis vor den Ural. Im Südosten ist die Türkei (in den Grenzen von Anfang des 18. Jahrhunderts) das letzte vollständige Land, von Afrika seht ihr nur den Nordzipfel Marokkos -- schwer zu glauben, dass Ägypten nicht enthalten sein wird, oder wieso man Schweden und Norwegen amputieren sollte. Wir vermuten stark, dass die "große" Europakarte zumindest nach Süden noch wachsen wird.

Nachdem ihr Einheitenbau, Diplomatie und Forschung ausprobiert habt, müsst ihr Toulouse erobern. Das alles zieht sich (historisch von 1778 bis 1793), und wir fanden es nervig, dass wir die Erklärungen nicht beschleunigen konnten. Das mehrstufige Nordamerika-Tutorial in Empire Total War hat uns besser gefallen (es stellte zudem im letzten Kapitel in sich eine interessante Minikampgagne dar), aber für Neueinsteiger dürfte die neue Tutorial-Kampagne besser geeignet sein.

Die Kampagnen werden von "gestellten Spielszenen" eingeleitet, was erstaunlich gut funktioniert.


Die Einzelschlachten

Es gibt zwei Arten von Einzelschlachten: Zum einen "Napoleon's Battles". Das ist eine Serie historischer Entscheidungsschlachten, die ihr in Folge spielen müsst: Arcole, Pyramiden, Austerlitz, Borodino (Napoleons vorletzter großer Sieg, wenn auch bereits ein Phyrussieg), Dresden/Leipzig, Ligny und Waterloo. Außerdem gibt es mit Kampf um den Nil und Trafalgar zwei Seeschlachten.

Die zweiten Solokämpfe sind aller Wahrscheinlichkeit nach solche, die ihr euch nach Vorbild von Multiplayer-Partien wahlfrei zusammenklickt aus Schlachtfeld, zur Verfügung stehendem Geld, eigenen Truppen und Feindkräften. Ausprobieren konnten wir diesen Punkt -- wie auch den kompletten Multiplayer-Modus, noch nicht. Was wir aber schon sagen können: Die Beschränkung auf 20 Einheiten pro Seite in einem Gefecht reicht für Kampagnenschlachten aus -- doch bei der versuchten Simulation von riesenhaften historischen Schlachten, bei denen in Wahrheit Zehn- und manchmal Hundertausende kämpften, stört sie enorm.

Apropos Multiplayer: Neben den oben schon beschriebenen, selbst zusammengeklickten Schlachten wird es "Drop in"-Battles geben: In Solokampagnen könnt ihr solche Gefechte, bei denen beide Seiten ungefähr gleichstark sind, auch mit einem menschlichen Gegner austragen, und zwar entweder mit euch Unbekannten oder mit Freunden. Was die Multiplayer-Kampagne anbelangt, so können wir nichts neues berichten -- vielleicht wird es sie geben, wir vermuten aber eher, dass nicht oder erst später.

Die historischen Schlachten müsst ihr nacheinander gewinnen, um weitere freizuschalten.


Die 4 Kampagnen

Zählt man das Tutorial nicht mit, verstecken sich in Napoleon Total War mindestens vier Kampagnen. Im Spiel werden vermutlich gleich alle anwählbar sein, bei uns aber funktonierte nur die kleinste, der Italienfeldzug Napoleons als frischgebackener Anführer der "italienischen Armee". Das war die weniger wichtige Streitkraft im Kampf der revolutionären Republik Frankreich gegen die Alten Mächte, zuvorderst Österreich. Während die eigentlichen Großtaten nördlich der Alpen vollbracht werden, nimmt Napoleon den Österreichern 1796 bis 1797 ihre Besitztümer in Norditalien weg und soll bis nach Klagenfurt durchstoßen, um von dort den Angriff auf Wien zu unterstützen. Die Zeit in dieser Kampagne läuft viel langsamer ab als in Empire Total War: Gab es dort nur zwei Runden pro Jahr, so sind es hier 24. Nach Late September folgt also Early October, alle 6 Runden ändert sich die Jahreszeit und damit der Look der Karte. Zur Italien-Kampagne kommen wir später noch genauer.

Kampagne Nummero 2 ist die berühmte Expedition Napoleons nach Ägypten 1798 bis 1799. Was als Versuch begann, der Grande Nation neue Territorien und Schätze zu verschaffen und die Vorherrschaft der Engländer im Orient zu brechen, endete nach wenig ergiebigen Schlachten gegen Rotröcke, Mameluken und Türken mit der heimlichen Flucht Napoleons zurück nach Frankreich, wobei er etwa 30.000 Soldaten zurückließ. Das 1798 eroberte Ägypten fiel bereits 1801 wieder an die Osmanen. Könnt ihr es besser machen als der historische Napoleon? Ihr könnt es bald versuchen.

Kampagne Nummero 3 wird das Herzstück von Napoleon Total War werden: Hier steht euch der gesamte europäische Kontinent sowie Teile Afrikas und des Nahen Ostens als Schlachtfeld zur Verfügung. Die Karte wird etwa um den Faktor 2 detaillierter sein als in Empire Total War (sprich: es sind mehr Städte zu sehen, und die spielmechanischen Entfernungen zwischen den Siedlungen sind größer), aber vermutlich  weniger detailliert ausfallen als in den beiden anderen Feldzügen. Die Europäische Kampagne fängt 1805 an und geht bis 1812, reicht also ungefähr von der Kaiserkrönung des Korsen bis zu seiner Niederlage in der Völkerschlacht von Leipzig.

Kampagne Nummero 4 ist mit "Die Koalitionskampagnen" überschrieben -- hier wechselt ihr die Seiten und spielt als England, Russland, Frankreich oder Preußen. Wieso daraus ein eigener Menüpunkt gemacht wurde, ist uns noch nicht klar -- vielleicht hält Creative Assembly ja noch eine Überraschung bereit.

Übrigens ist auch noch Waterloo in der Kampagnenauwahl zu finden. Ob es sich dabei nur um eine einzelne Schlacht handelt -- was eigentlich wenig sinnvoll wäre, weil es sie ja auch schon bei "Napoleon's Battles" gibt, oder um eine Minikampagne -- wer weiß? Letzteres wäre reizvoll, denn in den berühmten "100 Tagen" Napoleons von seiner Rückkehr aus dem ersten Exil bis zur endgültigen Niederlage manövrierte er Preußen und Engländer nochmal um Sinn und Verstand. Nachdem er den französischen König Ludwig XVIII. aus Paris vertrieben und nochmal ein 125.000-Mann-Heer aufgestellt hatte, schlug er am 16. Juni 1815 in zwei Schlachten bei Ligny und Quatre-Bas Preußen und Engländer und hätte letztere zwei Tage später vielleicht vernichtend besiegt -- hätte nicht der greise Marshall Blücher seine geschlagenen Preußen gesammelt und rechzeitig aufs Schlachtfeld geführt. Genau das sollte übrigens Marshall Grouchy verhindern, der dazu ein Viertel der französischen Streitkraft zur Verfügung bekam. Ihr seht schon: Stoff für eine Minikampagne statt nur für eine Schlacht gäbe es schon. Wenn ihr einmal die Europäische Kampagne bewältigt habt, könnt ihr es herausfinden -- bis dahin soll der Menüpunkt "Waterloo" versperrt bleiben.

Norditalien in der weitesten Zoomstufe: Schon für die kleinste Kampagne dürftet ihr einen vollen Tag brauchen.

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