Kleiner kriegerischer Korse

Napoleon - Total War Preview

Zu groß für ein Addon, aber groß genug für ein eigenes Spiel? Ab Februar 2010 könnt ihr in drei "echten" Kampagnen in die Fußstapfen des kleinen, großen Korsen treten, von seinen bescheidenen Anfängen als junger General in Italien bis zu seinen Triumphen gegen ganz Europa. Doch werdet auch ihr Moskau kampflos wieder aufgeben müssen?
Jörg Langer 27. November 2009 - 17:34 — vor 9 Jahren aktualisiert
PC
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Von Napoleon Bonaparte (1769-1821) hat jeder schon mal gehört, auch wenn er sich sonst nicht groß für Geschichte interessiert. Franzose. Klein. Feldherr. Hand ins Hemd eingeklinkt. Was der gebürtige Korse in seinem Leben geschafft hat, ist allerdings tatsächlich außergewöhnlich: Als korsischer Exilant brachte er es bis zum General, später zum Ersten Konsul und Kaiser der Franzosen, 1810 herrschte er über einen großen Teil Europas. 

All dies gelang ihm vor allem mit einer völlig anderen Organisation der Kriegsführung: Statt nur ein kleines stehendes Heer aus professionellen Soldaten zu haben, das im Kriegsfall noch durch Veteranen oder "Landwehr" verstärkt wurde, rief er im Prinzip die ganze wehrfähige männliche Bevölkerung Frankreichs zu den Waffen. Er erfand das corps d'armée (Armeekorps), mit dem er seine Armee in kleinere autarke Einheiten unterteilte, von denen jede alle Waffengattungen wie Artillerie und Kavallerie enthielt und damit flexibler und schlagkräftiger war als andere Streitkräfte. Obwohl jedes Corps seinen eigenen Versorgungstross hatte, ernährte es sich möglichst "aus dem Lande" und bewegte sich in für damalige Verhältnisse rasender Geschwindigkeit von einem Punkt zum anderen. Wie viele Jahrhunderte vor ihm Caesar, siegte Napoleon mindestens so oft durch die Geschwindigkeit seiner Märsche wie mit seiner Feldherrnbegabung, indem er wichtige Punkte vor dem Gegner erreichte oder seine Schlachten schlug, bevor die Feinde komplett aufmarschiert waren. Eine weitere wichtige Komponente seiner Kriegsführung war zudem massierte Artillerie, die unter den damals noch in Reih und Glied kämpfenden Infanteristen schreckliche Verluste anrichtete.

Doch nicht nur viele Schlachten gewann der Korse, er schuf mit dem Code civil auch das erste moderne bürgerliche Gesetzbuch, das in Frankreich im Grunde noch heute gilt. Dann der Größenwahnsinn, Russland erobern zu wollen, die glorreichen Siege, der Rückzug aus dem brennenden Moskau. Die Völkerschlacht von Leipzig, die Verbannung auf die Mittelmeerinsel Elba in 1814. Und 1815 dann die "Hundert Tage", als Napoleon mit einer Ministreitmacht nach Frankreich zurückkehrte, die gegen ihn entstandten Truppen zu ihm überliefen, er im Triumph in Paris einzog, König Ludwig XVIII in die Flucht schlagend. 100 Tage, in denen Europa nochmals den Atem anhielt, an dem der selten Besiegte nochmals schneller Truppen aushob und bewegte, als irgendwer es für möglich gehalten hätte. Und dann die Schlacht von Waterloo, in der er endgültig besiegt wurde, und die zahlreiche Mythen wie die angebliche Todesverachtung seiner Alten Garde ("Die Garde stirbt, aber sie ergibt sich nicht!")  -- in Wahrheit ergaben sich die Veteranen sehr wohl -- begründete. Und einen unsäglichen Abba-Song. Selbst um seinen Tod 1821 auf Helena (sein zweites Exil war vorsorglich ein wenig weiter weg gelegen) ranken sich diverse Theorien: War es wirklich Magenkrebs, oder wurde Napoleon mit Arsen vergiftet? Ende des Geschichtsexkurses, kommen wir zu Creative Assemblys Empire-Nachfolger Napoloen - Total War!

Wie schon in Empire sollen sich viele Schlachten "um etwas drehen" (also meist eine Stadt), statt nur irgendwo in der Pampa stattzufinden. Dennoch ist das eure Entscheidung.

Addon oder Vollwertspiel?

Kieran Bridgen, bei Creative Assembly für die Presse zuständig, antwortet auf die Frage aus der Überschrift sinngemäß so: Schon immer habe Creative Assembly immer einen Nachfolger gebracht, der eher "Evolution" verkörperte, bevor dann das nächste Spiel wieder "Revolution" brachte. Damit ist gemeint, dass Shogun und Medieval im wesentlichen dieselbe Engine benutzten (die noch pixelbasiert war und Soldaten nur in einem von acht Winkeln darstellen konnte), ebenso Rome und Medieval 2 -- wenngleich letzteres grafisch ein gutes Stück schöner war als Rome. Empire sei dann die nächste Revolution gewesen. Und Napoleon sei nun eben die Evolution von Empire.
Ein großer Unterschied aus unserer Sicht ist jedoch, dass Napoleon Total War nicht nur dasselbe technische Grundgerüst verwendet wie der Vorgänger, sondern auch in derselben Epoche stattfindet -- während ETW spätestens 1799 endet, beginnt die erste Napoleon-Kampagne 1796. Es benutzt dieselbe Engine, auch wenn diese nochmal optimiert wurde. Wieso dann nicht "Addon" dazu sagen, wie bei Shogun: Mongol Invasion oder Medieval: Viking Invasion oder Rome: Barbarin Invasion? Schon das Medieval-Addon hatte eine neue Karte (Britannien), und bei Medieval 2: Kingdoms gab es gleich vier neue Kampagnen.

Doch nach dem, was wir bei einem Termin bei Sega sehen konnten, ist Napoleon: Total War tatsächlich eher ein eigenes Spiel als die gerade erwähnten vier Nachschläge. Man könnte argumentieren, die DLC (also das Mini-Addon Warpath sowie die zusätzlichen Truppentypen) zu Empire hätten die Rolle des Addons übernommen. Und verglichen mit einem Vollpreis-Addon wie Left 4 Dead 2 darf sich Napoleon mit deutlich mehr Berechtigung "Vollwertspiel" nennen. Denn es verbessert zum einen die die Engine ein wenig, unter anderem sehen Bäume detaillierter aus, die Weltkarte und die Schlachtfelder werden detaillierter, die Truppen noch feiner dargestellt -- unter anderem werden die Gesichter der Soldaten nun aus mehreren Komponenten zusammengesetzt, was wohl 64 unterschiedliche Gesichter ermöglicht. Napoleon ändert einige Spielmechaniken, dazu später mehr, und auch das Spielprinzip, indem es den Spieler in die Rolle von Napoleon versetzt und dessen historischen Weg durch Missionen und Events abbildet. Und es enthält gleich drei neue Weltkarten sowie (streng genommen) vier Kampagnen.

Eine wichtige Formation der Napoleonischen Zeit war das Karree: Es schützte Infanterie davor, von Kavallerie überrannt zu werden. Doch gegen feindliche Linienformationen war das Karree chancenlos.

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