Rückkehr des Shooting-Stars

Max Payne 3 Preview

Unser herzallerliebster Antiheld im sonnigen Brasilien statt düsteren New York? Als fetter Sack mit Glatze? Geht ja mal gar nicht! So tobte die Fangemeinde, als erste Details zu Teil 3 ihrer Leib-und-Magen-Serie durchsickerten. Nachdem wir zwei spielbare Levels gesehen haben, können wir in vielen Punkten Entwarnung geben.
Harald Fränkel 6. Oktober 2011 - 18:00 — vor 7 Jahren aktualisiert
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In München konnten wir kürzlich ein Spiel antesten, das von seinen Fans seit Jahren herbei gesehnt wird (seit sehr vielen Jahren, um ungenau zu bleiben), und über das es auf der Gerüchte-Ebene einige Aufreger gab. So können wir als eine positive Überraschung verkünden, dass das im März für Xbox 360, Playstation 3 und PC erscheinende Max Payne 3 sehr wohl in New York spielt – zumindest teilweise. Doch es findet sich auch darüber hinaus viel Vertrautes. Neben den charakteristischen Zeitlupe-Feuergefechten, bekannt als Bullet-Time-Modus, bekommen wir während einer Präsentation im deutschen Rockstar-Hauptquartier in München eine kinoreife Inszenierung zu sehen, inklusive der aus den Vorgängern beliebten Comic-Zwischensequenzen. Aus den Boxen dringt Musik, die Erinnerungen weckt, weil sie stilistisch passt wie die Faust aufs Ohr. Außerdem erklingt die altbekannte Stimme des Protagonisten. Schönschön.

Beim Thema Gesundheit bleibt ebenso alles klassisch: Max Payne behandelt seine Wunden, indem er Tabletten futtert, statt feige hinter einer Deckung zu warten, bis die aus anderen Genrevertretern bekannte Spontanwunderheilung eintritt. Wobei die Lebensenergie sogar fast 1:1 wie im zweiten Teil anhand einer stilisierten grauen Figur dargestellt wird, die sich bei Verletzungen mit roter Farbe füllt. Letztlich gipfelt die Präsentation in einer superspektakulären Szene, die es in puncto Dramatik locker mit dem Kinofilm Speed aufnehmen kann. Der Held nimmt von einem fahrenden Omnibus aus ganze Horden von Bösewichten aufs Korn und … doch stopp, dazu erst später mehr. Wir wollen ja ein bisschen Spannung aufbauen. Und ehe wir's vergessen, hier noch eine Neuerung: Teil 3 der Serie verfügt über einen Mehrspielermodus. Details? Sind noch top secret, um nicht zu sagen streng geheim.

Angst vor dem Unbekannten
Teile der Levels sind zerstörbar. Hier ballert Hauptdarsteller Max Payne einen bösen Buben durch eine Scheibe.
Wie verunsichert die Fangemeinde war, als erste Einzelheiten zu Max Payne 3 bekannt wurden, beweisen die aus unserer Leser-Aktion resultierenden E-Mails. „Ich fürchte, das Spiel wird ein mit dem Bullet-Time-Feature beworbenes GTA: Brazil“, formuliert einer seine Bedenken sehr provokant. Einem anderen schwant „ein Massenprodukt für Gelegenheitsspieler und kein würdiger Nachfolger“. Wenn das nächtliche New York durchs sonnige Südamerika ersetzt werde, gebe es auch keinen Film-Noir-Stil, schimpfen gar einige. Die Anhänger der Reihe treibt die Angst vor dem Neuen, dem Unbekannten um. Jene Furcht resultiert aus Vorurteilen, die besonders der erste Trailer schürte. Dieser hatte als Schauplatz Brasilien gezeigt und einen deutlich gealterten Protagonisten, der am Ende sogar mit Vollbart und Glatze auftrat. Das soll unser Max sein? Niemals!

Die Skepsis ist nicht ganz unangebracht, immerhin haben Max Paynes geistige Väter, Remedy Entertainment aus Finnland, ihre Markenrechte komplett an Take 2 Interactive abgegeben, sodass nun gewissermaßen Fremde an Teil 3 werkeln. Rockstar nämlich, die zwar für die Konsolenumsetzungen der ersten Teile verantwortlich zeichneten, sich in puncto Eigenkreationen aber vor allem mit der Grand Theft Auto-Reihe einen Namen machten. Damit sind die Jungs ausgewiesene Spezialisten für offene virtuelle Welten. Jetzt jedoch gilt es plötzlich, statt einer „Open World“ ein lineares Abenteuer zu schaffen, das vor allem cineastischen Ansprüchen genügt. Damit das klappt, haben die Macher – allesamt Filmfreaks, wie es heißt – massenhaft Material gesichtet. Und so ließen sie sich von Streifen wie City of God, Mann unter Feuer oder Tropa de Elite inspirieren. Doch auch Matrix kommt einem sofort wieder in den Sinn, wenn man das Spiel in Aktion erlebt.

Älter und mopsigerDer erste Level, den ein Mitarbeiter von Rockstar vorspielt, während der Pressesprecher uns mit Informationen versorgt, überrascht: Von Brasilien keine Spur, Max Payne befindet sich in seiner Wohnung in Hoboken nahe New York und sieht fast aus wie früher. Etwas älter und leicht speckig um die Hüften zwar, aber mit gewohntem Haarschnitt und dunkler Lederjacke. James McCaffrey, US-Schauspieler irischer Abstammung, hat dem Hauptdarsteller diesmal nicht nur die Stimme geliehen, sondern auch sein Äußeres. Das schließt die Bewegungen mit ein, die aufwändig per Motion-Capturing-Verfahren aufgezeichnet wurden. Serien-Anhänger müssen sich also an ein neues Gesicht gewöhnen, das einen Typen in den Fünfzigern widerspiegelt. McCaffrey wirkte übrigens bereits in Fernsehserien wie Criminal Intent und Sex and the City mit und synchronisierte auch Edward Carnby in Alone in the Dark 5.

Natürlich geht ein Austausch des Personals nicht ganz ohne Wehklagen ab, wie das etwa auch bei einem neuen James Bond der Fall ist. Die Fans sollten es, vielleicht mithilfe eines Defibrillators, dennoch überleben. Denn im Grunde sind sie Wechsel gewöhnt: Im Urspiel von 2001 wurde Max Payne durch Sami Järvi verkörpert. Der Story-Autor von Remedy Entertainment, der zuletzt den Hintergrund zu Alan Wake kredenzte, ist besser unter seinem Künstlernamen Sam Lake bekannt. Zwei Jahre später, bei The Fall of Max Payne, rückte der US-Schauspieler Timothy Gibbs ins Blickfeld. Dieser hatte kurioserweise auch schon eine Rolle bei Sex and the City – ob das noch Zufall ist? Doch zurück zum Spiel, zurück in Max' Bude, die wahnsinnig unordentlich und versifft aussieht.
Max Payne im Wandel der Zeit v.l.n.r.: Vom ersten Teil bis zum dritten ist Max deutlich gealtert. Der Alterungsprozess ist aber die einzige Konstante. In jedem Spiel der Reihe wurde die Hauptfigur einem anderen Vorbild nachempfunden.

Messie-Alarm!Genau genommen erinnert die Wohnung an Messie-Alarm!, eine auf Sat.1 laufende Doku-Soap. Payne betritt seinen Schweinestall mit einem Freund namens Raul Passos. Den kennt er aus seiner frühen Zeit beim New York Police Department. Während Max zwei Gläser hervorkramt, um sie mit Hochprozentigem zu füllen (und dann doch direkt aus der Flasche säuft), will ihn der Ex-Kollege überzeugen, mit nach São Paulo zu kommen. Er könne dort ein neues Leben beginnen, verspricht er. In der 20-Millionen-Metropole regiere das organisierte Verbrechen, weshalb großer Bedarf an privatem Sicherheitspersonal bestehe. Unser abgehalfterter, tragischer Held hat darauf keine Lust. Er will sich wohl lieber weiter seiner Sucht nach Alkohol und Schmerzmitteln hingeben. Dann jedoch kommt es zu einem Vorfall, der ihn zwingt, zu fliehen: Unten vor der Tür stehen im nächtlichen Schneefall plötzlich der Ober-Mafioso Anthony DeMarco und etliche seiner Schergen. Sie wollen Max Payne umlegen, weil er irgendwann mal den Sohn des Verbrecherbosses erschossen hat. Uiuiui!

Die Filmsequenz in Spielgrafik geht nahtlos ins Spiel über. Der Präsentator an der Konsole sorgt dafür, dass Max sich erst mal seitlich der Wohnungstür an die Wand presst, um vorsichtig die Lage zu überblicken; ähnlich wie das beispielsweise Adam Jensen in Deus Ex: Human Revolution tut. Das neue Max Payne verfügt über ein modernes Deckungssystem! Wie dominant es im fertigen Spiel ausfällt, lässt sich noch nicht abschätzen. Im besten Fall mimen wir nur dann den Duckmäuser und schießen blind aus der Deckung, falls Max schwer angeschlagen ist und alle Schmerztabletten aufgebracht hat. Denn Fans der Reihe wollen in der Regel natürlich forsch und offensiv im Zeitlupenmodus agieren.
Speed! Die rasante Fahrt in einem Bus war der dramaturgische Höhepunkt während der Max-Payne-3-Präsentation.

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