PhysX "am eigenen Leib" erlebt

Mafia 2 (PC) Preview

Was können wir nach drei Previews im letzten Jahr noch zu Mafia 2 schreiben, das wir nicht längst geschrieben haben? Wie sich die PC-Version spielt! Und was die kürzlich angekündigten (und von uns schon ausprobierten) PhysX-Effekte wirklich bringen. Um es vorweg zu nehmen: Wenn ihr einen guten PC habt, vergesst die Konsolenfassung.
Jörg Langer 3. Juni 2010 - 16:30 — vor 9 Jahren aktualisiert
PC
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In anderen Branchen wäre schon längst jemand auf die Idee gekommen, Take 2 wegen ihrer Monopol-Stellung im Open-World-Genre zu zerschlagen. Auch wenn Rockstar Games (GTA 4, Red Dead Redemption) und 2K Games intern getrennt sind, gehören sie doch zum selben Spielepublisher – und machen sich demnächst selbst Konkurrenz. Denn das einzige Spiel, das aus unserer Sicht in mittlerer Zukunft GTA 4 und seine Episodes from Liberty City schlagen könnte, kommt aus dem eigenen Stall: Mafia 2. Ganz kurz für alle Leser, die gerade erst vom Mond zurückgekehrt oder aus einer Phase der iPhone-Casual-Games-Fixierung erwacht sind: Ihr spielt darin zehn Jahre der kriminellen Karriere eines Italo-Amerikaners nach, beginnend kurz nach Ende des Zweiten Weltkriegs, und in einer fiktiven, aber realistisch simulierten Stadt namens Empire Bay.
 
Aufgebohrte Effekte mit Nvidia-Karten
 
Wir hatten kürzlich die Gelegenheit, erstmals die PC-Fassung von Mafia 2 zu spielen. In Zeiten, wo viele Spiele erst nachträglich für PC erscheinen oder gar nicht (selbst Rockstars RDR ist immer noch nicht für Windows angekündigt), war das eine Offenbarung! Zunächst einmal werden die Selbstverständlichkeiten geboten: Maussteuerung oder 360-Gamepad-Unterstützung, diverse Grafikoptionen, um das Spiel passend zu CPU-Power, Grafikkarte und Monitor zu skalieren. Schon das dürfte vermutlich für viele ausreichen, um die PC-Version vorzuziehen -- vom "Couch vor Großbildschirm"-Effekt einmal abgesehen, der auch im GamersGlobal-Büro eher für die Konsolen spricht. Wer nun bei seiner Grafiklösung auf Nvidia statt ATI setzt und eine Karte ab der 8000er Serie sein Eigen nennt, erhält zudem kräftig aufgebohrte Physik-Effekte, die das Spielerlebnis definitiv noch intensiver machen. Und wer auch noch eine 3D-Vision-Ausstattung, ebenfalls von Nvidia hat,soll Mafia 2 sogar in nativem 3D erleben können – das aber konnten wir noch nicht selbst ausprobieren.

Hier seht ihr den gerade erst veröffentlichten PhysX-Trailer zu Mafia 2, der viele der in unserem Artikel beschriebenen Effekte eindrucksvoll zeigt. Wer möchte, kann sich auf YouTube den Tailer auch in 1080p ansehen, und zwar hier.

Keine Physik auf Radeon-Karten?
 
Selbstverständlich werden auch Radeon-Nutzer mächtige Explosionen erleben, deren Druckwellen Personen umwerfen, und die zu Folgeexplosionen, etwa von umstehenden Autos, führen können. Selbstverständlich erleben sie eine überzeugende Fahrphysik und deformierbare Autos. Auch ATI-Kunden werden eine Menge Physik-Effekte genießen können, die wahrscheinlich über das hinausgehen dürften, was auf Konsolen zu erleben ist.
 
Doch 2K Games hat sich zusätzlich entschieden, Nvidias PhysX- und APEX-Technologie (mehr Infos hier) voll in die hauseigene Illusion-Engine zu integrieren. Das heißt, kurz gesagt: Ausgeprägtere "Decals" (Schussspuren), die Option, Betonpfeiler zu zerfräsen oder Glasstein-Wände stückweise echtzeitberechnet zersplittern lassen, statt dass nur vordefinierte Stücke herausbrechen. Das heißt unzählige Partikel, das heißt einzeln zerschossene Holzbalken und zerberstende Fässer. Während auf Konsole bei einer Explosion zwar einiges in der Gegend herumzufliegen scheint, handelt es sich dabei vor allem um einen Grafikeffekt -- die meisten Trümmer landen nicht wirklich auf dem Boden und bleiben dort liegen. In der von uns gespielten PC-Fassung mit PhysX hingegen flog sehr viel herum – und war danach dann auch in der Umgebung zu besichtigen. Laut der anwesenden Nvidia-Vertreter handelt es sich bei den Trümmern um echte 3D-Objekte, auch wenn sie am Boden liegen. Allerdings wollte es uns nicht gelingen, die "Partikel" der einen Explosion mit einem gezielten Molotow-Cocktailwurf erneut in alle Richtungen zu verteilen.

Spielerische Vorteile
 
Vor allem die zerstörbaren Umgebungen heben die Atmosphäre im Spiel kräftig an. Klar, auch auf Konsolen geht einiges zu Bruch, doch nicht in dieser Konsequenz und mit diesen Auswirkungen auf die Umgebzung. Was uns allerdings auffiel: Während beim aktuellen Alpha Protocol die Gegner (oder, beim Ableben, man selbst) schon von kleinkalibrigen Waffen meterweit umhergeschleudert werden, scheinen die Ragdolls bei Mafia 2 eher zu schwer zu sein: Selbst ein direkt neben ihnen explodierender Wagen schleudert sie nur wenige Meter weit, statt, wie wir aus dem Bauch heraus vermuten würden, 10, 15, 20 Meter. Dass die virtuellen Figuren dabei ganz bleiben, statt zerrissen zu werden, nehmen wir hingegen als pietätvolle (und indizierungsvermeidende) Abkehr von der Wirklichkeit gern inkauf.
 
Ihr seid hinter einer Betonsäule in Deckung gegangen? Schon in der Konsolenfassung konnten wir beobachten, wie die durch Beschuss optisch Schaden nahm. Doch in der gespielten PC-Fassung schien der Pfeiler tatsächlich Stück für Stück zerstört zu werden, nicht nur an vordefinierten Stellen. So etwas bringt auch spielerisch etwas: Ihr könnt viele Deckungsmöglichkeiten für Gegner wirklich auseinandernehmen. Und wenn eine halbtransparente, aus Glasziegeln bestehende Wand wirklich dort zerstört wird, wo ihr sie trefft, könnt ihr auch genau dort hindurchsehen und dahinter platzierte Gegner unter Beschuss nehmen. Von dem glaubwürdigeren Gefühl, das euch die Spielwelt dadurch vermittelt, einmal ganz abgesehen.
 

Links: Eine Explosion in der Konsolenfassung (wenig fliegt umher). Rechts: Eine Explosion mit PhysX -- viele Trümmer...
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