Black Mirror ohne Horror

Lost Chronicles of Zerzura Preview

Benjamin Braun 11. Januar 2012 - 22:37 — vor 10 Jahren aktualisiert
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In Tripolis müssen Feodor und Jamila zu einer List greifen, um in den Tempel hinter der großen Mauer zu gelangen.
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Black Mirror im 16. JahrhundertSo anders die Ausgangslage im neuen Cranberry-Spiel auch ist, so ähnlich sind einige Details. Immer wieder streuen sie Schleichabschnitte oder kleinere Actionsequenzen ein, die das gefühlte Spieltempo merklich erhöhen oder spannungserfüllt verlangsamen. Wenn wir nicht schnell genug oder einfach unüberlegt handeln, kann unser Held auch sterben. Doch wie in Black Mirror ist all das in klassischer Point-and-Click-Manier umgesetzt, die richtige Aktion muss innerhalb eines großzügigen Zeitraums ausgeführt werden. Und das Spiel legt vorher einen Speicherstand an. Dadurch sind die Abschnitte frustfrei, aufgrund der zumindest theoretischen Gefahr trotzdem besonders intensiv.

Neben den üblichen Inventar- und Kombinationsrätseln gibt es auch immer wieder Aufgaben, die ein Herantasten an die Lösung ermöglichen und manchmal auch erfordern. Auf dem Vorhof eines Palastes müssen wir beispielsweise die Wache zu bestimmten Positionen locken, damit sie uns nicht bei unseren Aktionen beobachten kann. Das ist aber bei weitem nicht die einzige Stelle, an der das Design der Rätsel clever und motivierend zugleich wirkt.

Grundsätzlich präsentiert sich die Spielwelt nicht ganz so offen wie etwa in Klassikern wie The Secret of Monkey Island oder im bald erscheinenden Deponia. Zumeist sind die Aufgaben auf einen mehr oder weniger stark abgekapselten Bereich beschränkt, die auch im Spiel in einer vorgesehenen Reihenfolge durchlaufen werden. Erst später werden die Schauplätze etwas weitläufiger und ihr müsst zunächst an verschiedenen Stellen Rätsel lösen oder Objekte einsammeln, die an anderer Stelle zum Einsatz kommen. In einem Spielabschnitt dürft ihr sogar zwischen drei möglichen Aufgaben wählen. Einen Einfluss auf den Fortgang der Geschichte haben sie, genauso wie die alternativen Dialogoptionen, nicht. Der Ansatz ist aber dennoch gelungen und sorgt für zusätzliche Spieltiefe. Hinweise finden sich in den Dialogen und Kommentaren zuhauf, was die Lösung hier und dort für Genre-Veteranen fast schon zu einfach macht. Auch ein paar Rätsel mit Minispielcharakter haben es ins Abenteuer geschafft, sind jedoch, wie mittlerweile üblich, nach ein paar Fehlversuchen überspringbar. Besonders schön ist eines, für das wir die gezinkten Würfel eines Korsaren wieder wettbewerbsfähig machen müssen.
Wie alle Schauplätze im Spiel ist auch diese Höhle detailliert gestaltet und stimmungsvoll ausgeleuchtet.

AusblickSchon in den letzten Monaten wurde nach Verschiebung einiger anderer Adventures klar, dass das erste Quartal 2012 von vorne bis hinten mit Point-and-Click-Abenteuern vollgepackt sein würde. Dass es, weitere Verschiebungen einmal außen vor gelassen, aber gleich mehrere potentielle Genre-Highlights innerhalb der ersten Wochen des neuen Jahres sein würden, davon hätten wohl nur die größten Genre-Liebhaber zu träumen gewagt. Lost Chronicles of Zerzura war nach der relativ späten Ankündigung auf der gamescom 2011 nicht unbedingt ein Kandidat, von dem besonders viel zu erwarten war. Umso erfreulicher finden wir es, dass dieser Eindruck sich mit unserer Vorabversion verflüchtigt hat.

Spielerisch könnte Feodors Suche vor allem fortgeschrittenen Genre-Freunden zusagen, ohne aber Einsteiger oder Profis auszuschließen. Die Rätsel sind vielfältig, teils sehr kreativ und binden immer wieder auch Feodors Hintergrund als Erfinder ins Rätseldesign ein. Die Story um den Erfinder, der unerwartet in ein großes Abenteuer stürzt, ist mitreißend erzählt und mit Feodor Morales bietet das Spiel zweifellos den wesentlich sympathischeren Hauptcharakter als Darren Michaels aus Black Mirror. Wo der es allerdings mit seiner patzigen, oftmals extrem aggressiven Art übertrieb, ist Feodor vielleicht ein bisschen zu nett. Endgültig festlegen werden wir uns da aber erst im Testbericht in einigen Wochen. Optisch und akustisch steht das Spiel den letzten Abenteuern aus dem Hause Cranberry in nichts nach. Die Sprachausgabe ist gut und die Kulissen schon jetzt überwiegend erstklassig in Szene gesetzt. Steht mit Lost Chronicles ein weiteres absolutes Genre-Highlight in den Startlöchern? Das verraten wir euch um den 3. Februar herum.
 Lost Chronicles of Zerzura
Vorläufiges Pro & Contra
  • Unverbrauchtes Abenteuersetting
  • Spannende Geschichte
  • Sympathische Helden
  • Einfallsreiche Rätsel
  • Stimmungsvolle Schauplätze
  • Gute deutsche Sprecher
  • Hauptfigur zwar sympathisch, aber etwas zu glatt
  • Zwischensequenzen sehr "sparsam"
  • Für Profis zu leicht
Aktueller Zustand:
Quasi-finale Beta-Version
Wir wünschen uns:
... dass Cranberry die letzten noch fehlenden Animationen genauso gut hinkriegt wie die bereits enthaltenen. Schön wäre noch das eine oder andere etwas anspruchsvollere Rätsel und vor allem, wenn Feodor in manchen Szenen vielleicht ein bisschen mehr polarisieren würde. Ansonsten sind wir sehr zufrieden nach unseren Eindrücken und freuen uns auf ein voraussichtlich sehr gutes Spiel im Februar.
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Userwertung
7.7
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Adventure
16
03.02.2012
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Benjamin Braun 11. Januar 2012 - 22:37 — vor 10 Jahren aktualisiert
FPS-Player (unregistriert) 12. Januar 2012 - 6:44 #

Geil! Allein wegen der Synchro wird das gekauft!

Cubi 17 Shapeshifter - 6113 - 12. Januar 2012 - 9:42 #

Schöner Test, Danke.
Ein kleiner Rechtschreibfehler:
"Doch der Traum vom Fliegen rückt schon bald in den Hinte_grund: Die im ganzen Land wütende Inquisition...."

Anonymous (unregistriert) 12. Januar 2012 - 10:14 #

"Cranberry Production zieht nach Hamburg um. Dort wird Cranberry künftig Online-Spiele entwickeln."
Quelle: adventure-treff de (forum/viewtopic.php?f=1&t=18448&start=30#p460150)

Jörg Langer Chefredakteur - P - 434724 - 13. Januar 2012 - 9:36 #

Ja und?

Anonymous (unregistriert) 14. Januar 2012 - 20:15 #

Nix "und?" - reine Informationsweitergabe. Könnte doch Adventurefans interessieren, wenn LCOZ das letzte klassische Adventure des Studios wäre.

TASMANE79 (unregistriert) 12. Januar 2012 - 10:25 #

Endlich mal wieder Adventurekost in einem unverbrauchten Setting.
Fehlt nur noch eine Neuauflage zu Broken Sword!

Wurstdakopp (unregistriert) 12. Januar 2012 - 11:06 #

Die Neuauflage 3 & 4 waren ja eher eine Katastrophe, ähnlich wie Monkey Island 4 oder 5. Manche Hersteller sollten die Serien auch Ruhen lassen, wenn Sie in jedem Teil das Rad neu erfinden wollen. Black Mirror ist ein gutes Beispiel, wie eine Serie über 3 Teile sich nur ganz langsam technisch weiterentwickelt und dabei die Story im Vordergrund belässt. Mit diesem neuen Adventure kann man jetzt neue Sachen probieren, obwohl ich mittlerweile glaube, dass gerade die deutschen Adventureentwickler verstanden haben, dass man ein klassisches Point'n'Click-Spiel nicht mit anderen Genres verquicken sollten.