Radau in Panau

Just Cause 2 Preview

Das hier ist schräg, abgefahren, durchgeknallt: Wer immer schon Mal mit einem Enterhaken Autos miteinander verketten oder einen Soldaten an einer Gasflasche gefesselt gen Mond rasen lassen wollte, der ist genau richtig aufgehoben in der chaotischen Welt von Just Cause 2.
Armin Luley 31. Juli 2009 - 2:41 — vor 24 Wochen aktualisiert
PC 360 PS3
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Wenn man Just Cause mit GTA vergleicht, ist das ein bisschen ungerecht. Als Just Cause anno 2006 erschien, wirkte es zwar irgendwie witzig, wie ein GTA im Dschungel und auf Speed, aber auch schrecklich belanglos. Zudem brachte es eine KI mit sich, die so strohdoof ist, dass sie selbst Möchtegern-Topmodel Gina-Lisa Lohfink Konkurrenz machen könnte. Dennoch konnte man mit der übertriebenen Action, die in Handling und Geschwindigkeit keinen großen Unterschied zwischen einem Moped und einer, sagen wir, Weltraumrakete machte , eine ganze Weile (weitgehend sinnfreien) Spaß haben. Nur nachdenken, das durfte man nicht allzulange über das Spiel, die Handlung oder den "Realismus". Dummerweise sah sich Just Cause nicht ironisch, sondern schien sich ernst zu nehmen.
 
Nein, das ist kein Photoshop-Screenshot, so gut sieht Just Cause 2 schon jetzt aus. Und das ruckelfrei, bei 50-60 fps.

Mit Just Cause 2 wird das jetzt anders – die Macher der Avalanche Studios versuchen dieses Mal erst gar nicht ,eine tiefgehende emotionale Geschichte aufzubauen, sondern konzentrieren sich voll auf das, was sie am besten können: Autos, Hubschrauber, Boote, Häuser, Hotels, Baustellen und Drogenbosse in die Luft zu jagen. Das heißt, ihr seid es natürlich, der den Abzugsfinger drückt oder den Sprengsatz zündet. Oder, noch genauer, das ist euer Bildschirmheld, der nichts anbrennen lässt. Das Ganzenoch herrlich atmosphärisch untermalt und mit einem Helden, der nichts anbrennen lässt: Rico Rodriguez.

Sparmaßnahme: Nur noch eine Rakete pro Agent

Rico ist ein Elite-Agent der CIA und hüpft immer genau da rum, wo’s gerade Ärger gibt. Sein Exboss Tom Sheldon hat die Seiten gewechselt, stellt sich gegen die CIA und arbeitet für ein Kartell. Rico soll ihn zur Strecke bringen. Den Pulitzerpreis werden die Schweden für diese Hintergrundgeschichte nicht gewinnen, aber wie gesagt, Just Cause 2 stellt die Action in den Vordergrund. Zum Beispiel in luftiger Höhe, auf dem gläsernen Dach eines Wolkenkratzers. „Wie gut, dass Rico schwindelfrei ist“, scherzt Produzent George Wright. Gebannt beobachten wir die Geschehnisse auf dem Bildschirm, auf dem gerade zwei Kampfhubschrauber Marke Mi-24-Hind anrauschen. Statt einem Geschenk begrüßen die uns mit blauen Bohnen aus einem 12,7mm Maschinengewehr. Normalerweise haben wir eigentlich kein Problem damit, unsere Schokoriegel zu teilen, aber unter den Umständen ziehen wir jetzt doch lieber den Raketenwerfer!

Okay, soweit der Plan. Dummerweise hat uns die CIA nur eine Rakete eingepackt – verdammte Finanzkrise, keiner hat mehr Geld! Mit einer Rakete lässt sich nachvollziehbarerweise auch nur ein Helikopter abschießen – was ja doof wäre, denn währenddessen ballert uns der andere vom Dach. Ergo jagen wir eine Rakete nach unten – genau auf eine Verbindungsbrücke zwischen den beiden Türmen. Eine gewaltige Explosion später fliegen tausende Glassplitter fein animiert durch die Gegend. Jetzt kommt der eigentliche Star ins Spiel: der Enterhaken. Den feuern wir auf die frisch entstandene Lücke in der Glaskonstruktion und gleiten hinab.
 
Tolle Weitsicht: Die runderneuerte Just Cause 2-Engine überzeugt mit scharfen Texturen, tollem Geschwindigkeitsgefühl im freien Fall und unglaublicher Weitsicht.


Höhenmessgerät und Panoramablick

Und für wen machen wir das alles? Für einen Anzugträger mit hochrotem Kopf, Karl Blaine. Als Kontaktmann ist er wichtig für die CIA, Rico soll ihn retten. Nur wie, überall stürmen mit AK-47 bewaffnete Typen herein und die feindlichen Kampfhelikopter dürften auch nicht weit sein? Nach dem Motto "no risk, no fun" schnappen wir uns Blaine, zerren ihn zum Fenster, zerschießen die Scheibe: „Hast du einen Knall. Und so einer will mich retten“, poltert der Anzugträger. Einen Stups später segelt er in atemberaubendem Tempo nach unten, Rico hängt auf ihm.

Bei genauerem Hinsehen erkennen wir eine Ziffer, die runter zählt: 600 Meter, 500 Meter, 450 Meter – Warum denn jetzt schon den Fallschirm öffnen? Lassen wir noch ein bißchen das Adrenalin durch die Blutbahn jagen. Die Höhen-Messgeräte haben durchaus einen Sinn: „In deiner Statistik steht, was dein höchster oder schnellster Basejump war, oder aus welcher Höhe du mal von einem Helikopter abgesprungen bist – die Leute stehen total auf abgefahrene Rekorde.“ Bei 400 Metern öffnet wir dann endlich den Fallschirm, die Anspannung weicht und wir genießen den herrlichen Panorama-Blick. Wow, dass ist wirklich atemberaubend. Absolut flüssig, ohne jeden Ruckler öffnet sich eine Vista, die uns mit strahlend grünen Palmenlandschaften empfängt. Hier und da verstecken sich kleine Dörfer, dort schimmert der Wachposten einer Militärbasis durchs Laub. „Wir simulieren sogar komplette Gewitter, bei denen du siehst, wie sich die Wolken zusammenbrauen und dann richtig schwerer Regen herunter fällt.“ – die Worte stammen Peter Johannson, der hinter uns aufgetaucht ist. Das ist nicht etwa der Wetterfrosch, sondern Chefdesigner von Just Cause 2. Erzählen kann man viel, wir wollen es sehen! Peter schnappt sich kurz das Pad, gibt ein paar Button-Kombinationen ein und schon fängt es an, wie aus Kübeln zu gießen.
 
Dieses Spiel basiert auf Chaospunkten: Je mehr Drogenkartelle wir beispielsweise in die Luft jagen, desto mehr Ansehen bekommen wir beim Militär. Dadurch werden neue Aufträge freigeschaltet.

Just Dirt

Wirklich faszinierend ist, wie sich das Gewitter auf die Umgebung und die Steuerung auswirkt: Als wir landen, steht natürlich direkt ein Humvee abfahrbereit da. Wir geben Vollgas, und wirbeln damit nur Schlamm auf. Der Humvee schlittert erst ein bisschen rum und kommt nicht so richtig vom Fleck. Behutsam Gas geben wäre hier das richtige -- das fühlt sich ja fast ein bisschen wie Colin McRae Dirt an. Bei der anschließenden Verfolgungsjagd empfinden wir Wetter und Schlamm dann endgültig als Bereicherung: Das Militär der Bananenrepublik Panau ist hinter uns her, sie versuchen uns mit ihren kleinen Jeeps und mörderischer Geschwindigkeit abzudrängen. Doch mittlerweile ist die Fahrbahn so vom Regen durchtränkt, dass die kleinen Jeeps leicht die Kontrolle verlieren – unser Humvee hingegen ist schwer gepanzert und mit extra dicken Offroad-Reifen ausgestattet – ergo drängen wir die Kerle einfach von der Piste. Auf der anderen Seite geht’s ja ziemlich tief herunter...

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