Angetestet: Feuriger Luftkampf

Heroes over Europe Preview

Der Zweite Weltkrieg ist eines der ausgelutschtesten Szenarios bei Spielern. Nicht so häufig wie Infanteriegefechte oder Panzerschlachten wurde bislang der europäische Luftkrieg als Szenario verwendet. Heroes over Europe lässt euch an alliierten Bombereinsätzen teilnehmen und unzählige deutsche Flieger abschießen.
Tim Gross 29. Juli 2009 - 17:21 — vor 9 Jahren aktualisiert
360
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Vor uns ein feindlicher Bomber, der es auf das unter uns liegende, friedliche Dörfchen abgesehen hat. Hinter uns ein deutscher Jagdpilot, der und ans Leder will. Die linke Tragfläche unseres Hurricane-MK1-Jägers ist durchlöchert, wir zittern von einer auf die andere Seite. Der sich langsam rot-färbende Bildschirm macht das Zielen nicht gerade leichter. Wir suchen uns einen schwachen Punkt des gegnerischen Bombers, treffen mit einem einzigen Schuss und ziehen mit Vollgas nach oben, um unseren Hintermann abzuschütteln. Die Bewohner des Dörfchens können durchatmen, aber nur für eine Minute; dann ist schon der nächste Bomber im Anflug. Um es dieses Mal nicht so knapp werden zu lassen, setzen wir uns zunächst durch einen geschickten Looping hinter den deutschen Jäger und lassen unser Maschinengewehr sprechen. Eine heftige Explosion und viel Rauch später, können wir uns um das nächste Ziel kümmern. Willkommen bei den spektakulären (aber nicht gerade realistischen) Luftschlachten von Heroes over Europe, dem Nachfolger von Heroes over the Pazific.

Leichter Start

Die Steuerung ist schnell erlernt und bereitet nie Probleme - auch nicht in einem Schneegestöber.
Bevor wir uns um die ersten Deutschen kümmern können, müssen wir unsere Maschine erst einmal in die Luft bekommen. Heroes over Europe ist ein actionlastiges Arcade-Spiel, dementsprechend einfach geht unser erster Start von der Hand. Dazu bemühen wir die beiden Analogsticks auf dem Xbox-360-Pad; mit dem rechten wird beschleunigt, mit dem linken ziehen wir unseren Flieger hoch und runter oder nach links und rechts. Natürlich dürfen wir uns aber nicht gleich ins Gefecht stürzen, sondern sollen unserem Vorgesetzten erst einmal zeigen, dass wir überhaupt fliegen können. Der nämlich ist ein Engländer, wir aber ein amerikanischer Nachwuchspilot, der sich erst noch beweisen muss. Also fliegen wir in möglichst geringer Höhe über die Dächer der umliegenden Dörfer, bevor die erste Mission beginnt. Da die Steuerung sehr eingänglich ist und die vergleichsweise langweilige Flugstunde nur wenige Minuten dauert, ist der Einstieg in Heroes over Europe sehr gut gelungen, besonders da es kurz nach dem Schaufliegen schon was zu Beschießen gibt.

Eure Finger werden sich auf keinen Fall verknoten, benötigt ihr doch nur gelegentlich etwas anderes als die Feuertaste (RT). Mit B könnt ihr sehen, was hinter euch los ist, mit Y zoomt ihr an etwaige feindliche Flieger heran;  mit X wählt ihr zwischen Sekundärwaffen (Raketen, Bomben, Torpedo), so diese vorhanden sind. Dann gibt es noch eine Besonderheit, nämlich den sogenannten "Zielschuss" -Modus. Hier solltet ihr euch idealerweise hinter eurem Ziel befinden und so nah wie möglich heranfliegen. Je näher ihr eurem Gegner seid, desto mehr lädt sich eine Anzeige rund um das Fadenkreuz auf. Sobald mindestens die Hälfte des Kreises aufgefüllt ist, könnt ihr mit LB eine Art Bullet-Time aktivieren, in der sich das Spiel verlangsamt, an den Feind heranzoomt und euch die besonders verletzlichen Stellen am Flugzeug in gelb hervorhebt. Teilweise sind Schüsse auf verschiedene Schwachstellen nötig, um einen Absturz herbeizuführen, dementsprechend braucht ihr für die Funktion ein wenig Übung. Der Modus ist eine nette Dreingabe und bringt ein wenig Abwechslung in den Maschinengewehr-lastigen Alltag eures Fliegers. Ach ja, um Munition oder Treibstoff müsst ihr euch nicht sorgen, selbst eure Raketen laden sich wie von Zauberhand nach, sobald ihr sie verschossen habt.

Auf dem linken Bild seht ihr den "Zielschuss"-Modus in Aktion, rechts könnt ihr einen wunderbaren Raketentreffer unsererseits bestaunen.


Während ihr in der Luft unterwegs seid, werden euch die richtig flüssigen Bewegungen eures Untersatzes auffallen, die die tolle Steuerung nochmal unterstreichen. Fans von Simulatoren kommen bei Heroes over Europe aber nicht auf ihre Kosten, das Fluggefühl ist stets actionlastig. Ihr könnt wilde Pirouetten und Loopings drehen bis euch schlecht wird, eurem Flugzeug ist das egal. Zwar dürft ihr die Steuerung von „Arcade“ auf „Simulation“ ändern, woraufhin ihr mit dem rechten Analogstick keine wilden Kurven mehr fliegen könnt, sondern euren Fluguntersatz ausschließlich mit dem linken Stick kontrolliert. Aber eine Simulation wird Heroes over Europe dadurch nicht. Wir fanden den Arcade-Modus nicht nur leichter zu steuern, sondern auch passender zum generellen Spiel.

Der London-Einsatz in bewegten Bildern. Neben deutschen Bombern kümmern wir uns auch um Feinde zu Wasser.

London brennt

Wir sind mitten im „Blitz“. Das war der monatelange Versuch der deutschen Luftwaffe, die Royal Air Force auszuschalten, um damit die Invasion Englands zu ermöglichen. Doch auch wenn euch das Spiel natürlich glauben macht, es sei eure Tapferkeit, die dieses Ansinnen vereitelt, halten Historiker drei andere Punkte für ausschlaggebend: Die Briten verfügten über Radar und konnten dadurch ihre unterlegenen Kräfte besser koordinieren, während den deutschen Bombergeschwadern bei schlechtem Wetter oft schon über Nordfrankreich der Jagdschutz abhanden kam. Abgeschossene englische Piloten konnten oft schon am nächsten Tag wieder in einer Maschine sitzen, die deutschen Piloten gerieten in Gefangenschaft. Vor allem aber konnten die deutschen Jagdflieger (und damit indirekt die Bomber) nur ein Zehntel Englands erreichen – in den restlichen neun Zehnteln konnten die Engländer unbehelligt ihre Verluste ausgleichen. Aber dennoch: In dem erreichbaren Zehntel lag London, das Herz des Imperiums.


Wir spielen die gleichnamige Mission:
Kommen wir mal zu einer typischen Mission von Heroes over Europe. In der Schlacht "Empire´s Heart" (Das Herz des Imperiums)  liegt London unter heftigem Beschuss der deutschen Luftflotte. Eine neue Angriffswelle beginnt, Bomber steuern auf die Innenstadt zu. Und so sollen wir uns in dieser Mission zunächst um eben diese Gegner kümmern, werden aber zeitgleich von deutschen Jägern attackiert. Dankenswerterweise sind die Bomber weder sehr wendig noch erwähnenswert schnell, und so können wir mehrere Wellen von ihnen auf die Schnelle wegpusten.

Kaum ist das geschafft, lauert die nächste Gefahr zu Wasser: Deutsche Schnellboote fahren (eine Idee der Designer, nicht der Geschichtsbücher...) mal eben kurz die Themse hoch, um einen Kreuzer zu zerstören. Also fliegen wir knapp über der Themse, durch die Pfeiler der Tower Bridge hindurch und erledigen die vergleichsweise kleinen Ziele aus nächster Nähe. Sind wir auch die Feinde zu Wasser losgeworden, kommt sofort die nächste Meldung. Die Deutschen greifen die St. Paul´s Cathedral an, und während wir noch auf dem Weg dorthin sind, erreicht uns schon die Information, dass auch der Tower of London unter Beschuss liegt. Wir schießen unzählige feindliche Flieger vom Himmel, bis die Gebäude gesichert sind. Aber dann tauchen auch noch echte Fliegerasse auf, die im Vergleich zu ihren normalen Kollegen nicht nur namentlich erwähnt werden (typische deutsche Namen wie Ernst), sondern auch besonders gut fliegen können. Hier solltet ihr den Zielschuss-Modus bemühen, um auch diese Gegner möglichst schnell vom Himmel zu holen. Dann kämpfen nämlich ihre Geschwaderkameraden schlechter.

Die Missionen sind voller Herausforderungen, zu Beginn unserer Karriere fliegen wir aber zunächst nur über kleine Dörfchen.

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Simulation
12
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17.09.2009
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