Knuddelige Totmacherin

Harveys neue Augen Preview

Mit Harveys neue Augen erscheint Ende August das nächste Daedalic-Adventure. Wir haben uns kurz vor Release in einem letzten Kontrollbesuch durch die Previewversion gerätselt und die ersten anderthalb Akte des Spiels erlebt. Und verraten euch im Folgenden, warum wir uns sehr auf das fertige Spiel freuen.
Philipp Spilker 6. August 2011 - 12:52 — vor 7 Jahren aktualisiert
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"Leichen pflastern ihren Weg" scheint auf den ersten Blick nicht unbedingt eine angebrachte Charakterisierung für die unschuldig dreinschauende Klosterschülerin Lilli zu sein. Zumal dann, wenn sie in geradezu argwillig täuschender Manier in kunterbunter Zeichentrickgrafik dargestellt wird. Lilli kuscht unter der unbarmherzigen Regentschaft der Klosteroberin, bringt aus Schüchternheit nur selten mal ein vollständiges Wort hervor und für ihr Alter ist sie noch dazu manchmal ein bisschen zu naiv. Und dennoch ist sie am Ende des ersten Akts von Harveys neue Augen für in etwa zehn tote Mitschüler verantwortlich -- wobei das eine vorsichtige Schätzung ist, da wir ab einem gewissen Punkt mit dem Zählen nicht mehr ganz mitgekommen sind. Moment mal! Tote? Durch eine Klosterschülerin umgebracht? In einem so niedlich aussehenden Adventure? Was ist denn hier bitte los? Diese Frage ist einfach beantwortet: Daedalic ist los. Und so makaber wie im Nachfolger zum Überraschungshit Edna bricht aus war die Adventureschmiede aus Hamburg noch nie.
Im Bild zu sehen: Die "vertrauenserweckende" Klosteroberin, der im Rollstuhl sitzende Dr. Marcel und der Stoffhase Harvey, mit dem irgendwas anders ist als sonst. Und natürlich Lilli: Heldin, Klosterschülerin und unbewusste Massenmörderin.

Im Zweifel für den Angeklagten
Das Schicksal spielt Lilli aber auch wirklich übel mit! Was kann sie denn dafür, wenn der alte Silvesterböller, den sie in einer ihrer Launen nun mal gerade dringend zum Explodieren bringen möchte, direkt neben einer durch den Zahn der Zeit bereits bröcklig gewordenen Steinskulptur eingeklemmt ist? Und was kann sie denn dafür, wenn sich ausgerechnet in dem Moment, in dem der Böller hochgeht, zwei Mitschüler zum Knutschen auf dem Balkon der Klosterschule treffen? Und dafür, dass die Steinskulptur sich nun einmal leider direkt oberhalb des Balkons befindet, durch die Böllerexplosion aus der Verankerung bricht und genau auf den beiden Turteltauben landet -- also dafür kann Lilli ja wohl erst recht nichts. Oh, was ist denn das? Einer der beiden Verliebten hatte einen nützlichen Gegenstand dabei, den wir für unseren nächsten Mord... äh... die nächste Rätselkette gebrauchen können. Wie praktisch.

Im ersten Akt von Harveys neue Augen ist es keinesfalls unsere Aufgabe, unsere Mitschüler zu dezimieren. Vielmehr wollen wir unserer Freundin Edna (als irrer Satansbraten in Edna bricht aus zu einigem Ruhm gekommen) dabei helfen, aus der Klosterschule zu flüchten. Denn die Oberin hat einen Psychologen namens Dr. Marcel in die Schule eingeladen, um den aufmüpfigen Schülern mit einer effektiven und neuartigen Behandlungsmethode ihre Flausen auszutreiben. Kenner des Vorgängers wird es nicht groß wundern, dass Edna davon alles andere als begeistert ist. Also heißt es: Spuren verwischen, Oberin austricksen, aus dem Kloster entkommen. Letzten Endes läuft dieses Unterfangen aber nun mal auf immer mehr Tote hinaus. Der erste Akt von Harveys neue Augen fühlt sich in etwa so an wie ein Filmabend mit der Final Destination-Reihe. Als wir in der Kirche ein wackliges Holzkreuz entdecken und einen unserer Mitschüler direkt darunter, ist u
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ns sofort klar: Der wird sterben! Die spannende Frage bleibt: Wie wird er sterben?

Der morbid-makabre Humor von Harveys neue Augen ist eine der großen Stärken des Spiels. Und er wird dadurch auf die Spitze getrieben, dass Lilli die Konsequenzen ihrer Handlungen nie so recht registriert. Statt der grausamen Wahrheit sieht sie im Umfeld von Leichen nur lustige Zensurgnome, die mit einem lila Pinsel alles anstreichen, was sonst eher unappetitlich aussehen würde. Und als wäre das noch nicht genug der Überspitzung, setzt der märchenonkelhafte Erzähler (gesprochen von Götz Otto) dadurch noch einen drauf, dass er uns an Lillis völlig unschuldigen und nichtsahnenden Gedanken teilhaben lässt. Uns hat diese spezielle Art von Humor gut gefallen, jedoch fragen selbst wir uns, ob Daedalic mit einem besonders makabren Todesfall innerhalb des ersten Aktes der Grenze des Machbaren nicht doch etwas zu nahe kommen. Kennt ihr das Gefühl, wenn euch das Lachen vor Schreck im Hals stecken bleibt, weil ihr plötzlich feststellt: "Worüber lache ich hier eigentlich gerade?" In Harveys neue Augen könnt ihr es erleben. Mehrfach sogar.
before
after
Ups, was ist denn hier passiert? Wo ist der liebe Mitschüler hin? Hatte wohl was zu erledigen. Stattdessen sind jetzt die Zensurgnome da.

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