Realismus trifft Arcade

Grid 2 Preview

Steckbrief
MacOSPCPS3360XOne
Sport
Rennspiel
3
Codemasters
27.05.2013
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Codemasters hat mittlerweile alles außerhalb ihrer Paradedisziplin Rennspiele gestrichen. Die aber beherrschen sie in der Tat. Wir haben die Kampagne von Grid 2 angespielt, sind Rennen und Driftevents gefahren und haben uns im Eliminator auf Platz 1 gekämpft. Doch haben wir dabei mehr als nur die Cockpitperspektive vermisst?
Benjamin Braun 1. Mai 2013 - 15:45 — vor 5 Jahren aktualisiert
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Alle Screenshots stammen von GamersGlobal

Paris, die Stadt der Liebe. Wo ansonsten junge Pärchen unbeschwert zwischen Eifelturm und Arc de Triomphe flanieren, bevor sie sich dem Ernst der Ehe widmen, ist in jener Nacht kein Platz für Schmetterlinge im Bauch. Wohl aber für Adrenalin-Junkies, für die es nichts Schöneres gibt als Benzingeruch, quietschende Reifen oder das bedrohliche Aufbrausen ihrer 16-Zylinder. Das gilt auch für uns und unser 16jähriges Nachwuchstalent, das im Bugatti Veyron an den Start geht. Ein zweiter Platz wäre uns nicht gut genug, und so drücken wir das Gaspedal von der ersten Kurve an bis zum Anschlag durch, wann immer der kurvige Straßenkurs es zulässt.

Von Platz 14 gestartet, kämpfen wir uns stetig nach vorn, fahren die Kurven innen an und warten bis zum letzten Moment, um unsere brachial zupackenden Bremsscheiben zu aktivieren. Wie eines wildes Tier lassen wir am Ausgang der Enge unser mehr als 1000 PS starkes Triebwerk aufheulen und gewinnen sogleich ein paar Meter auf den gerade überholten Kontrahenten. Der Tacho zeigt fast 300 km/h, als wir in eine langgezogene Kurve schießen. Nur dezent nehmen wir den Fuß vom Gaspedal, um nicht zu weit nach außen getragen zu werden. Mit einem Affenzahn nähern wir uns einer Schikane, die wir galant umfahren wollen. Doch zu spät: In einem kläglich Verbund aus Bremsen und Lenken bricht das Heck aus und wir landen mit Totalschaden im Reifenstapel. Das allerdings ist eine der wenigen Szenen, in der wir uns in einer echten Rennsimulation wähnen, bevor wir die Situation per Rückspulfunktion einfach nochmals angehen. Denn trotz so vieler realistischer Ansätze und einem tollen Schadensmodell zeigt Grid 2 auch viel von einem Arcade-Racer. Im Folgenden wollen euch verraten, weshalb wir uns dennoch auf Codemasters' Rennspiel freuen.

Das Zünglein an der Waage
Jedes Rennen wird mit einer kleinen Sequenz eingeleitet, die PS-Fans schon mal vorglühen, ähm in Stimmung bringen.
Den Namen Patrick Callahan werdet ihr in Grid 2 häufiger hören. Der nämlich ist so etwas wie euer Auftraggeber in der Kampagne und will eure Hilfe bei seinem Versuch, eine neue weltweite Rennserie auf die Beine zu stellen. Natürlich lässt er euch nicht gleich ganz oben einsteigen, langfristig aber will er euch als Zugpferd vor seinen Karren spannen. Und es gibt viel zu tun, um Sponsoren aufzutreiben und eine große Fanbasis zu schaffen! In Grid 2 müsst ihr allerdings nicht die richtigen Fragen in irgendwelchen Interviews geben, sondern lasst einfach eure Rennerfolge für euch sprechen.

Je besser ihr abschneidet, umso mehr Fans gibt es, und desto mehr Prestige ihr habt, umso leistungsstärker werden eure Boliden. Während ihr also am Anfang ein Rennen irgendwo auf einer abgesperrten Straße an der Küste von Kalifornien mit einer Ford Mustang bewältigen müsst, landet ihr später im Werkswagen von Volvo auf dem Red Bull Racing Circuit im österreichischen Spielberg. Neben normalen Rennveranstaltungen warten zudem besondere Einladungsevents von Sponsoren auf euch, in denen ihr beim Driften Punkte sammeln oder in einem Eliminations-Rennen möglichst alle hinter euch lassen müsst. Zum Gewinnen verdammt seid ihr zunächst nicht: Ein Sieg bringt euch zwar mehr Fans und bessere Sponsoren, wichtig sind aber zunächst vor allem gute Platzierungen.

Arcadiges FahrgefühlGrid 2 ist ein reinrassiges Rennspiel, aber keine reinrassige Simulation. Allzu restriktiv gehen die Entwickler mit Fahrfehlern nämlich nicht um. Vor allem das Driften betonen sie zu stark, als dass wir ihnen einen echten Simulationsanspruch unterstellen könnten. Gleichzeitig legen sie viel Wert auf das Fahrgefühl und ein realistisches Schadensmodell – beides war im Vorgänger Race Driver Grid nicht anders. Alle Fahrzeuge, die wir bislang freigeschaltet haben, steuern sich merklich anders und vermitteln ein gutes Gefühl für Beschleunigung und Gewicht der Vehikel. Sehr stark gemacht sind auch die Auswirkungen von Beschädigungen auf das Fahrverhalten – vorausgesetzt, dass ihr das Schadensmodell auf "voll" schaltet. Dann kann es euch zum Beispiel passieren, dass ein beschädigter Kotflügel unsanft am Vorderreifen schrammt und so Antriebsentwicklung und Lenkungen massiv beeinflusst.

Ähnliches gilt für die Aerodynamik des Fahrzeugs. Nach einem kleinen Auffahrunfall löste sich mit der Zeit die Motorhaube unseres Volvo S60 BTCS. Bemerkenswert in dem Zusammenhang waren aber weniger die langfristigen Nachteile etwa für die Streckenhaftung in Kurven, sondern der Moment, als die Haube hochging: Wir spürten deutlich den kurzzeitigen Luftwiderstand, und das nicht durch ein einfaches "Zurückdrücken" des gesamten Fahrzeugs, sondern mit Schwerpunkt auf der rechten Fahrzeugseite, wo die Haube als erstes hochging. Das sind dann auch die zentralen Momente, in denen Grid 2 zeigt, dass es eben doch kein reiner Arcade-Racer ist.

Wir hoffen nur, dass im finalen Spiel mehr einstellbar sein wird als Schadensmodell und Schwierigkeitsgrad. Letzter erhöht nämlich tatsächlich nur die Fahrkünste eurer Gegner und nicht etwa den Anspruch an eure Fahrzeugbeherrschung. Gut verzichten können wir hingegen auf die eingefärbte Ideallinie, die es wohl nicht gibt.
Abwechslungsreicher Mix
Es gibt nicht nur normale Rennen, sondern etwa auch Driftwettbewerbe.
Dass es sich bei Grid 2 nicht um eine Rennsimulation im eigentlichen Sinne handelt, lässt sich noch an weiteren Stellen ablesen: Da wäre zum Beispiel das Fehlen von Cockpit-Perspektiven, die laut Codemasters einfach zu wenig Spieler genutzt hätten. Zum anderen wird es in Grid 2 weder Boxenstopps geben noch eine Qualifikation für die einzelnen Events.

Dafür wird das Thema Abwechslung groß geschrieben. Haufenweise echte Rennstrecken und von Codemasters ersonnene Kurse warten darauf, von euch bewältigt zu werden. Das Angebot an Fahrzeugen scheint mit Muscle Cars, Boliden unterschiedlicher Motorklassen aus bekannten Werksserien oder anderen Edelkarossen ziemlich groß zu werden – wenn auch nicht den gigantischen Umfang eines Gran Turismo 5 zu erreichen.

Abwechslung bringen die Entwickler auch ins Spiel, indem sie nicht nur normale Rennen, sondern auch die Teilnahme an spezielleren Rennserien erlauben. Die offline vielleicht nicht für jeden interessanten Elimination-Events, bei denen in regelmäßigem Abstand der Letztplatzierte rausfliegt, dürften im Online-Wettstreit mit anderen ziemlich spannend werden. Selbst von den Drift-Events haben wir bislang einen vergleich
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sweise positiven Eindruck. Wo andere Spiele bei einem eigentlich identischen Fahrzeug in den Driftevents gerne eine vollkommen andere Fahrphysik als in den normalen Rennen anbieten, muss man sich in Grid 2 diesbezüglich offenbar nicht umgewöhnen. Wir finden das sehr gut, auch wenn uns unser erstes Drift-Event zu leicht erschien. Aber das könnte sich später in der Karriere noch ändern.

Der Weg durch die Karriere könnte unseren bisherigen Eindrücken nach etwas packender gestaltet werden. Es gibt zwar immer wieder hübsche Einleitungsfilmchen, im Moment spricht aber vieles dafür, dass wir zwischen den Events nur in unserer Garage verbringen werden, um Fahrzeuge optisch zu individualisieren und das nächste Rennen zu bestimmen. Auf der Piste selbst macht Codemasters es besser: In Spielberg dröhnen etwa Kommentare im Wiener Schmäh aus den Streckenlautsprechern, die zusammen mit dem Motorenlärm für eine intensive Rennkulisse sorgen. Zum Mittendringefühl trägt auch der Boxenfunk bei, in dem wir etwa zum Angriff auf den Vordermann angestachelt werden. Auch Informationen zu Schäden am Fahrzeug oder Unfällen auf der Strecke werden regelmäßig durchgesagt.
Besonders im Startgedränge kommt eine intensive Rennatmosphäre zustande. In diesem Rennen im österreichischen Spielberg gibt es zudem Lautsprecherdurchsagen in der Landessprache, allgegenwärtig ist auch der Boxenfunk.

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