Wiedervereintes Helden-Duo

Geheimakte 3 Preview

Nach dem Indiana-Jones-inspirierten Lost Horizon schickt Animation Arts bald wieder ihr Vorzeigeteam ins Abenteuer, Nina Kalenkow und Max Gruber: Teil 3 soll die erfolgreichste deutsche Adventure-Reihe bei den Rätseln und vor allem beim Storytelling verbessern. Zahlt sich die Zusammenarbeit mit einem professionellen Autorenteam aus?
Benjamin Braun 5. Januar 2012 - 0:03 — vor 7 Jahren aktualisiert
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Ihr Erstlingswerk Geheimakte Tunguska schlug 2006 ein wie ein Bombe: Animation Arts, das kleine Entwicklerstudio aus Halle an der Saale, legte mit dem ersten Abenteuer des Archäologen-Duos Nina Kalenkow und Max Gruber den Grundstein für die erfolgreichste deutsche Adventure-Serie überhaupt. Besonders überzeugend gelang den Entwicklern die cineastische Präsentation mit üppig ausgerenderten Hintergründen und zahlreichen rasanten Zwischensequenzen. Vor allem das mittlerweile oft kopierte Interface war gelungen: Dessen Mauszeiger verdeutlichte direkt, welche Inventarkombinationen überhaupt möglich sind, und ein Highlighting-Feature markierte die Hotspots. Zumindest Letzteres gab es zwar bereits einige Jahre zuvor in Simon the Sorcer 2, aber erst nach Geheimakte Tunguska setzte sich das Feature weltweit als Genrestandard durch. Dass der erste Teil der Geheimakte-Reihe tatsächlich der Auslöser dafür war, zeigte sich auch darin, dass die von Animation Arts als Snoop Key bezeichneten Funktion zumindest im Kreise der deutschen Genrefans zum Synonym für "Hotspotanzeige" wurde.

Aber nicht alle Adventure-Spieler zeigten sich von den Spielen des Halleschen Entwicklers vollends begeistert. Dass der internationale Erfolg nicht so groß war wie der hierzulande, ist für deutsche Produktionen Genre-übergreifend nichts Außergewöhnliches. Doch auch nicht wenige Adventure-affine Deutsche kritisierten das Spiel, vor allem aufgrund der zu oberflächlich ausgearbeiteten Story, den klischeehaften Charakteren und teilweise auch wegen des Rätseldesigns. Besonders der 2008 erschienene Nachfolger, Geheimakte 2 - Puritas Cordis, schnitt in der Spielergunst diesbezüglich alles andere als gut ab. Trotz des anhaltenden Erfolges ihrer Spiele ignorierte Animation Arts die Kritik der Spieler nicht und lieferte 2010 mit Lost Horizon, das nichts mit der Geheimakte-Reihe zu tun hat und im Gegensatz dazu auf gezeichnete Hintergründe setzte, ihr in jeglicher Hinsicht bislang bestes Spiel ab (GG-Test: 9.0). Mit Geheimakte 3 kehren 2012 wieder Nina und Max in vorgerenderten Umgebungen zurück. Erneut bildet ein Mysterium der Menschheitsgeschichte, der Archimedes-Code, den Hintergrund für die Story. Diesmal arbeiteten die Entwickler mit einem professionellen Autoren-Trio zusammen, was die Story-Schwächen der vorherigen Spiele von Animation Arts vermeiden sollte. Ob das Unterfangen gelingen könnte, haben wir nun mit einer Vorschauversion angetestet.

Bis dass der Tod euch scheidet
Auch ungewöhnliche Perspektiven sollen das Geschehen aufwerten. Hier schleicht sich Menis Ra unbemerkt an den patroullierenden Wachen in einem Tempel vorbei.
Zu Beginn des Abenteuers schlüpft ihr in die Haut des ägyptischen Meisterdiebs Menis Ra. Es ist das Jahr 48 vor Christus, euer Auftrag lautet, einige Schriftrollen im Tempel von Alexandria zu vernichten. Die Bezahlung ist gut. So gut, dass selbst Menis skeptisch wird. Aber das Fragenstellen ist nicht Teil seines Berufsethos, also begibt er sich mit einigen Brandbomben bewaffnet in den Tempel, um sich sein bereits erhaltenes Salär zu verdienen. Der Anschlag gelingt, doch irgendwie landet eine der Urnen mit den wertvollen Papyrusrollen im Abwasser und übersteht das vernichtende Flammenmeer unbeschadet.

Viele hundert Jahre später ist Menis Ras Brandangriff längst vergessen. Die rothaarige Archäoligin Nina hat wieder mit Herzensbrecher Max Gruber zusammengefunden und will ihn sogar demnächst heiraten. Ein bisschen Respekt vor dem großen Ja-Wort scheint die selbstbewusste Dame mit Modelmaßen zu haben – oder haben ihre wiederkehrenden Alpträume von der Trauungszeremonie in Frankreich vielleicht doch etwas mit ihrer Suche nach dem Tunguska-Geheimnis zu tun? Viel Zeit bleibt ihr nicht, um den wahren Grund für die äußerst real wirkenden Träume zu eruieren, denn aus heiterem Himmel stehen einige schwer bewaffnete Sondereinsatzkräfte im Schlafzimmer ihrer gemeinsamen Wohnung und nehmen Ninas Angetrauten Max mit. Der scheint bereits zu ahnen, dass an der Sache irgendetwas faul sein muss und ruft Nina noch "Kümmere Dich um den Vogel" zu, bevor die vermeintlichen Polizisten ihn verschleppen. Und dabei haben Nina und er gar kein Haustier...

Komfort vor Rätseldesign?Im Vorfeld hatte Animation Arts versprochen, das Rätseldesign zu verbessern. Bi
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sher hatten die Entwickler die Rätsel erst zu einem relativ späten Zeitpunkt in der Entwicklung ins Spiel integriert, was immer wieder dazu führte, dass einzelne Aufgaben oder gar längere Rätselketten nur über eine sehr fadenscheinige Daseinberechtigung verfügten. Das soll bei Geheimakte 3 verbessert werden, indem die Rätsel bereits zu einem früheren Zeitpunkt an die einzelnen Handlungsabschnitte angepasst werden und sie zudem in enger Kooperation mit den Autoren abgesprochen werden. Ob den Machern damit die gewünschte engere Verknüpfung von Story und Rätseln gelingt, das lässt sich nach den Eindrücken aus der Preview-Version noch nicht gut genug abschätzen. Zumindest für die Aufgaben, die wir bisher gelöst haben, können wir die Verbesserung bestätigen. Und noch viel wichtiger: sie waren in jedem Fall logisch nachvollziehbar und blieben dank des unveränderten, sehr komfortablen Interfaces sowie der in der Anspielfassung noch relativ kleinen Schauplätze in jedem Fall sehr gut lösbar, ohne uns zu unterfordern. Denn uns begegneten bereits ein paar Aufgaben, die mehr als nur einen Hauch anspruchsvoller waren als in den bisherigen Spielen des Entwicklers.
Für manche beginnt der Albtraum erst nach der Hochzeitszeremonie. Nina hat die wiederkehrenden Schreckgespinste schon lange, bevor ihr Max den Ring tatsächlich an den Finger stecken kann. Was hat dieser Traum nur zu bedeuten?
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