Roland Austinat 23. März 2012 - 20:59 — vor 7 Jahren aktualisiert
Der Mann hat es nicht eilig: In 15 Jahren schrieb George R. R. Martin gerade mal fünf seiner auf sieben Bände angelegten Fantasy-Serie A Song of Ice and Fire, in Deutschland als Das Lied von Eis und Feuer bekannt. Dass der gemütliche 63jährige Autor in den USA ungeahnte Popularitätswellen erlebt, liegt am TV-Sender HBO. Der produzierte nämliche eine TV-Serie namens Game of Thrones, die sich inhaltlich am ersten Buch A Game of Thrones orientierte und seit ihrem Start im April 2011 mit Lob und 13 Emmy-Nominierungen überhäuft wurde, von denen sie zwei gewann. Soweit noch alles klar? Dann verwirren wir euch nicht mit dem Hinweis, dass es zu Game of Thrones auch eine Comic-Serie gibt sowie Cyanide, mit dem Publisher dtp, ein Action-RPG namens Game of Thrones erstellt, das demnächst erscheinen soll. In diesem Artikel soll es darum gehen, was das norwegische Entwicklungsstudio Artplant derzeit im Auftrag von Bigpoint erschafft: Das offizielle MMO zur Serie zum Buch. Wir trafen uns mit PR Director Alan Dunton von Bigpoint in San Francisco, um ihn über den aktuellen Stand der Dinge zu befragen.
 
Die Schlösser in Game of Thrones sollen – wie alles – realistisch anmuten.
Das MMO zur TV-Serie zum Buch
Weil Game of Thrones das MMO zur TV-Serie ist, arbeiten die Entwickler von Artplant primär mit HBO zusammen. George R. R. Martin kann so ungestört an den zwei letzten Büchern arbeiten, denn wenn der TV-Sender mit dem gleichen Tempo weiterarbeitet, braucht er spätestens 2016 neues Futter. Und das wird sowieso schon schwierig: Vom dritten Band zum vierten vergingen drei Jahre, vom vierten zum fünften (A Dance of Dragons, 2011) schon ganze fünf.

Dennoch interessiert sich der schrullige Meister für die weitere Proliferation seines Werks: "Unser Team hat sich mit ihm getroffen, um sein Feedback einzuholen", erklärt Alan Dunton. "Er war von der Idee sehr angetan und hat sogar schon auf seinem Blog darüber geschrieben." Hatte Martin weise Ratschläge für das Team? "Ja", antwortet Dunton. "Und zwar: 'Stellt sicher, dass weibliche Charaktere weiblich aussehen und sich weiblich bewegen.' Und dass wir sicherstellen sollen, dass die ganzen politischen Verwicklungen im Spiel enthalten sind." Das klingt nach guten Ratschlägen. Und dass die Norweger von Artplant werkgetreu arbeiten, zeigen über zwei Millionen registrierte Spieler, die ihr letztes Projekt Battlestar Galactica Online in dessen ersten drei Monaten ausprobieren wollten. "Derzeit haben wir da zehn Millionen Registrierungen", freut sich Alan Dunton. Damit Game of Thrones in handelsüblichen Webbrowsern läuft, setzt Artplant übrigens auf die Unity-3D-Engine beziehungsweise deren Browser-Plug-in.
 
Drei Häuser, drei Konkurrenten
Auch wenn Buch und TV-Serie eine überwiegend lineare Erzählung liefern (nur das erste Drittel von Band 5 überschneidet sich mit den Ereignissen in Band 4), soll das Spiel sich freier entfalten – immerhin ist es ein MMO. Ihr seht darin jedoch aus der Fernsehserie bekannte Schauplätze und entscheidet euch zu Beginn des Spiels für eines der drei verfeindeten Häuser Baratheon (Anführer zu Beginn von Band/Staffel 1: König Robert), Lannister (Lord Tywin) und Stark (Edward), die den Kontinent Westeros bevölkern und drei deren sieben Königreiche darstellen. Ihr müsst euch jedoch noch nicht sofort für ein Haus entscheiden – wohl aber den Startort im Norden, Süden oder Westen. "Dann müsst ihr die Frage beantworten, was euer Vater gemacht hat", erklärt Alan Dunton. "War er ein Lord? Konnte er gut mit Waffen umgehen? Oder war er ein guter Jäger?" Abhängig davon wird euer Held ein Anführer, ein Haudrauf oder ein Fernkämpfer. "Ihr könnt eure Entscheidung aber auch noch später im Spiel ändern, sollte euch eure Klasse nicht mehr gefallen."

Die drei Häuser deuten auch schon auf die PvP-Möglichkeiten von Game of Thrones an, denn jedes der Häuser versucht, nach dem Tode König Roberts die Macht an sich zu reißen. Das ist auch eine eurer Aufgaben im Spiel: den Titel "Hand of the King" verliehen zu bekommen, und so der mächtige "Zweite Mann" im Königreich von Westeros zu werden. Auch wenn das nur für einen begrenzten Zeitraum der Fall sein wird. "Vielleicht bringen wir später noch neue Häuser ins Spiel", deutet Alan Dunton mögliche neue Inhalte an. Interessant: Wenn ihr oder eure Gilde keine Lust mehr haben, einem bestimmten Haus anzugehören, könnt ihr eure Allianzen wechseln, ohne dabei Gold, Rohstoffe oder euren Rang bei verschiedenen Fraktionen zu verlieren. Ganz so, wie es in den Büchern alle paar Kapitel geschieht...
 
Realismus statt Kunterbunt-Optik
Auf den Bildern, die uns Alan Dunton nun zeigt, sehen wir einige Schlösser inmitten von grünen Wiesen und Wäldern. "Unser Ziel ist eine realistische Optik", verrät der Bigpoint-Mit
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arbeiter. "Ein Baum soll wie ein Baum, der Himmel wie der Himmel und eine Wiese wie eine Wiese aussehen. Stilisierte Grafik müsst ihr in anderen Titeln suchen. Wir können schließlich auf alle Grafiken und Soundbibliotheken der TV-Serie zurückgreifen." Wenn also ein Pferd in der Serie auf eine bestimmte Weise wiehert, sollen wir das auch im Spiel zu hören bekommen. Und wenn Schwerter beim Schlag auf eine bestimme Rüstung einen charakteristischen Klang erzeugen, ist der ebenfalls im Spiel. Selbst der Vorspann, bei dem sich Westeros und Umgebung wie in einem mechanischen Spiel als stilisierte Objekte in die Dreidimensionalität schrauben, soll sich im MMO wiederfinden – als Landkarte. Falls euch die Zeit fehlt, das (in Deutschland in zwei Bücher gesplittete) erste Buch zu lesen oder euch die erste Staffel anzuschauen, keine Sorge: "Wir richten uns auch an die Spieler, die weder Buch noch Fernsehserie kennen", sagt Alan Dunton. "Wir wollen aber auch die Inhalte der zweiten und weiteren Staffeln ins Spiel einbauen." Das könnte spannend werden, denn die Helden in einer Fernsehserie leveln ja nicht mit jedem Jahr fünf Stufen auf...
Automatischer Angriff? Nein danke, in Game of Thrones bestimmt ihr Höhe des Schlags und die Angriffsart selbst.
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