Hurra-Offensive & Kompaktabwehr

FIFA 13 Preview

Im vergangenen Jahr wagte Electronic Arts mit FIFA 12 eine kleine Revolution. Nicht, weil die Fußballsimulation noch mehr Realismus bot, sondern weil sie mit der Taktischen Verteidigung die Defensive stärker betonte als die Offensive. Mit FIFA 13 kombinieren die Kanadier nun eine kompakte Defensive mit offensivem Hurra-Fußball.
Benjamin Braun 30. Mai 2012 - 10:00 — vor 6 Jahren aktualisiert
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Keine Frage, seitdem Produzent David Rutter die Verantwortung für EAs FIFA-Reihe trägt, hat sich vieles verändert. Die Player Impact Engine, die unter anderem ein realistisches Kollisionssystem in Kombination mit gewohnt hochwertigen Animationen ermöglichte, ist nur eines der Stichwörter, das uns dazu einfällt. So gelang es EA Canada seit 2007 nicht nur, mit dem noch vor wenigen Jahren spielerisch haushoch überlegenen Konkurrenten gleichzuziehen. Spätestens mit FIFA 12 (GG-Test: 9.0) nahm EA gar die Spitzenposition unter den Fußball-Spielen ein – und das auch spielerisch! So fantastisch das Taktische Verteidigungssystem auch sein mag und so spannend es war, die gegnerischen Angriffe mit einer geschickt gestaffelten Abwehr vom Toreschießen abzuhalten  – manchen Spielern war die Simulation dadurch eine Spur zu defensiv geraten. Und vor allem: Tore zu erzielen war selbst Profis (auf den höheren Schwierigkeitsgraden) erst nach einer längeren Eingewöhnungsphase möglich. Manch einer – laut David Rutter aber eine Minderheit von gerade mal drei Prozent – schaltete deshalb gar auf das alte System zurück, denn wie die Fans im Stadion wollten sie auch im Einzelspielermodus keine anstrengenden Partien, sondern den schnellen und spektakulären Kick zwischendurch.

Mit FIFA 13 könnte EA aber selbst diese letzten Spieler noch überzeugen, die Taktische Verteidigung aktiviert zu lassen. Denn im kommenden FIFA lassen sich die Abwehrreihen damit weiterhin sehr gut organisieren. Gleichzeitig aber stärken die Kanadier die Offensive wieder deutlich mit verbesserter Angriffs-KI, einer realistischeren Ballan- und -mitnahme und einem neuen Freistoßsystem, das deutlich mehr Variationen bei ruhenden Bällen zulässt. Wir konnten FIFA 13 bereits jetzt, gut fünf Monate vor dem voraussichtlichen Release, ausführlich anspielen. Ist EA auf besten Weg, seinen Referenzkicker nochmals zu verbessern?
Auch in FIFA 13 sind Tore aus der Distanz kein leichtes Unterfangen, zumal die Verteidiger Schüsse noch besser abblocken. Allerdings haben Torchancen im neuen FIFA keinen so großen Seltenheitswert wie in FIFA 12 letztes Jahr.

Präziseres Dribbling, schwierigere Ballannahme Mit dem letzten FIFA erhielt unter anderem auch das präzise Dribbling, wie EA es nannte, Einzug in die FIFA-Reihe. Das System bewirkte, dass die Spieler den Ball deutlich enger führten, sobald ein Gegner in der Nähe ist. Damit war es mit ein wenig Übung schon möglich, die Betonmischmaschine des Gegners zu übertrumpfen. Richtungsänderungen, etwa zur Seite, waren so aber kaum möglich, da der Spieler sich den Ball dafür quasi in die gewünschte Richtung „vorlegen“ musste. Das Ergebnis: Eine gute Gelegenheit für den Gegner, den Ball ohne jegliche Mühe abzufangen. In FIFA 13 funktioniert das System etwas anders: Die Ballführung ist noch ein bisschen enger und nun sind auch Seitwärtsbewegungen möglich, ohne die direkte Tuchfühlung zum Ball zu verlieren. Man denke nur an das Tor des Monats im April 2012 von Raul vom FC Schalke 04, bei dem er die Pille am kurzen Eck unmittelbar vor dem Torhüter noch mit der Sohle seines linken Fußes kurzerhand Richtung Außenlinie rollt und dann mit dem rechten Schlappen locker einschiebt. Selbst solch geniale Finten könnt ihr zukünftig in FIFA ausführen – wenn ihr euch ausreichend mit dem System beschäftigt.

Richtungswechsel beim Dribbeln erfordern jetzt grundsätzlich nicht mehr, dass ihr euch den Ball ein Stück "vorlegen" müsst.
Ganz so simpel, sich damit durch die eng geführten Dribblings in die bestmögliche Position zum Tor zu bringen und dann auch zu punkten, ist es natürlich nicht. Denn die Defensiv-KI des Gegners ist wenigstens auf den höheren Schwierigkeitsgraden eine Macht. Aber keine übermächtige mehr! Zum einen macht sie mehr Fehler als zuletzt, was bei dieser frühen Version des Spiels aber noch nichts bedeuten muss.  Zum anderen, und das ist die wichtigste Neuerung an FIFA, wurde die Offensiv-KI stark überarbeitet, läuft sich besser frei, stößt geschickter in offene Räume und agiert auch sonst cleverer. Davon profitiert logischerweise nicht nur euer Angriff, sondern auch der eures Gegners. Beobachten konnten wir das beim Anspielen noch nicht in jeder Situation, aber es ergaben sich selbst auf dem Legenden-Schwierigkeitsgrad deutlich mehr Torchancen als im letzten Serienableger. Wie effektiv eure Mitspieler im Sturm sind, hängt auch stärker von ihren individuellen Charakterwerten ab. Ein Spieler wie Robin van Persie lauert regelrecht auf ein schnelles Zuspiel, stößt blitzschnell vor, lässt sich aber auch wieder zurückfallen, wenn er im Abseits steht. Ihn und seine Körperhaltung zu beobachten, gibt sehr gut Aufschluss darüber, in welchem Moment ihr den Pass spielen solltet. Äußerst dynamisch!

So kommen deutlich mehr Torchancen zusammen als letztes Jahr und Fehler und präzise Zuspiele sind von noch entscheidenderer Bedeutung. Im Zusammenhang damit hat EA unter anderem auch an der Ballannahme geschraubt, die nun nicht mehr ohne Weiteres so perfekt funktioniert wie bei FIFA 12. Schnelle, unpr
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äzise oder wenigstens schwer einzuschätzende Bälle springen nun bei der Ballannahme öfters ein Stück vom Fuß ab – ganz besonders in der Bewegung. Wiederum abhängig von den Fähigkeiten des virtuellen Akteurs als auch der des Spielers, lässt sich die Ballkontrolle aber auch in FIFA 13 bis zur Perfektion bringen. Noch funktioniert das System aber nicht einwandfrei und wirkt hier und da noch etwas künstlich. Denn immer wieder sind selbst kurze, weniger druckvolle Pässe selbst von einem Ballkünstler wie Lionel Messi relativ schwer zu kontrollieren. In der aktuellen Version können wir das System also noch nicht uneingeschränkt unter dem Begriff Realismus verbuchen. Wenn EA die Künstlichkeit noch rausbekommt, wovon wir gut ein halbes Jahr vor Release ausgehen, wird die Ballannahme aber zweifellos ein Feature, das insbesondere den erfahrenen Spielern entgegenkommt, ohne Einsteiger vor den Kopf zu stoßen. Ziel dieser Funktion ist die „Unvorhersehbarkeit“ des Spiels, wie David Rutter es nennt. Er meint damit nicht, dass das Spiel unberechenbar würde, aber stets eine eigene Dynamik entwickelt, die den Spieler bei jeder Partie vor eine neue Herausforderung stellt.
Eure Mitspieler bieten sich in FIFA 13 nun besser an und stoßen in die freien Räume vor, was häufiger zu Torchancen führt.
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