Angetestet: Endzeit in der Wüste

Fallout New Vegas Preview

Fallout 3 ist ein klasse 3D-Rollenspiel, unterscheidet sich aber bei aller Liebe zum Original doch deutlich von der ursprünglichen Serie. Ob sich der neueste Ableger noch stärker an seinen Vor-Vorgängern orientiert? Immerhin zeichnet mit Obsidian ein ausgemachter RPG-Spezialist verantwortlich. Wir haben uns auf nach New Vegas gemacht.
Mister G 17. Mai 2010 - 12:37
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von Mister G

Wir erinnern uns an das Jahr 2008, als Fallout 3 erschien -- ein Spiel, das von vielen vergöttert und von einigen gehasst wurde. "Gelungene Reanimation eines Rollenspiel-Klassikers in zeitgemäßem 3D-Gewand. Eines der besten modernen Rollenspiele.", titelte etwa die Fachzeitschrift GameStar. "Spuckt auf die Tradition der Fallout-Reihe", "spielt sich wie ein Oblivion mit Knarren" konterten Fans, etwa im Gamer-Forum neogaf.com. Auch wenn wir uns letzterer Meinung überhaupt nicht anschließen -- Bethesda hat sehr viel vom alten Witz und der Stimmung in die Neuzeit gerettet, dazu zahlreiche Details wie V.A.T.S. und die Ikonographie modernisiert und eingebaut --, gibt es unbestreitbare Unterschiede. Insbesondere war der Action-Aspekt stärker gewichtet als der Rollenspiel-Part. Bethesda Softworks betraute mit dem Spinoff Fallout New Vegas nun just Obsidian Entertainment. Also einen RPG-Spezialisten, bei dem viele ehemalige Black-Isle-Mitarbeiter sitzen, die 1997 mit dem ersten Fallout die Rollenspielwelt umgekrempelt haben. Creative Director Chris Avellone war schon damals dabei und sagt heute: "Bethesda hat mit Fallout 3 tolle Arbeit geleistet. Aber wir möchten etwas näher ans Original herankommen. Mehr auf den ursprünglichen Geist der Serie eingehen." Ob dies gelingen kann?

Für diese ulkigen, aber dennoch hochgefährlichen Einrad-Polizeiroboter lieben wir Obsidian schon jetzt.

Am Anfang stand... der Tod?

Obsidian macht alles ein bisschen anders als Bethesda: Während wir in Fallout 3 zunächst lernen mussten, wie man die Beinchen bewegt, bekommen wir zu Beginn von Fallout New Vegas gleich mal einen Kopfschuss verpasst und stehen kurz vor dem Tod in der Mojave-Wüste. Zum Glück findet uns ein hilfsbereiter Roboter namens Victor. Er ist eine Art Sanitätsdroide und bringt uns ins nahe Städtchen Goodsprings zu Doc Mitchell. Dieser flickt uns sodann wieder zusammen und fragt anschließend: "Hab ich das gut hinbekommen?" Was zunächst nach einer etwas plumpen Frage klingt, ist der Beginn der Charaktererstellung. Von der Wölbung des Nasenflügels bis hin zur Größe des Ohrläppchen können wir alles einstellen. Völlig neu ist der "Oldie-Faktor", wie Chris Avellone die Funktion nennt: So ist es euch diesmal gestattet, euren Alter Ego im Seniorenalter zu spielen. Da wir uns aber nicht sicher sind, ob wir mit einem Charakter im hohen Alter überhaupt eine Chance in der feindlichen Umwelt von Fallout - New Vegas haben, entscheiden wir uns doch lieber für einen klassischen Haudrauf-Typen, der auch prima in die Western-Welt von Red Dead Redemption passen würde.

Keine Sorge, ihr könnt euch die Werte auch exakt selber zuweisen; mitmachen müsst ihr den Eignungstest dennoch.
Was dann folgt, kennen wir bereits von früher: Auch in Fallout New Vegas gibt es einen Eignungstest, um unsere Erfahrungspunkte festzulegen. Doc Mitchell hat dafür die Vit-O-Matic-Maschine erfunden. Diese entspricht im Grunde dem S.P.E.C.I.A.L.-Buch aus Fallout 3, und so könnt ihr mit ihr eure Werte in den Punkten Intelligenz, Glück und Charisma festlegen. Auch der "Generalized Occupational Attitude Test" (das englische Akronym dazu übersetzt sich als ZIEGE) ist wieder mit von der Partie. Dieses Mal müsst ihr euch allerdings nicht mit Denksportaufgaben herumquälen, sondern absolviert eine Psychoanalyse in Form eines Rorschachtests. Ist das gezeigte Klecksbild vielleicht ein Licht in der Dunkelheit? Oder ein bärtiger Mann? Oder doch der Schatten von Pilzen? Aber keine Angst vor Fehlentscheidungen: Die Empfehlungen für eure Fähigkeiten sind ohnehin nicht bindend, sondern nur eine kleine Hilfestellung. Die Profis unter euch können die Ergebnisse einfach löschen und die wertvollen Punkte selbst verteilen. Insgesamt geht der Auftakt in Fallout - New Vegas deutlich schneller vonstatten als in Fallout 3; mehr als 10, 15 Minuten werdet ihr in den Einstieg nicht investieren müssen.

Intelligenter Smalltalk

Schon die ersten Gespräche -- etwa mit Easy Pete, einem etwas einfältigen Waffenverkäufer -- werden Fallout-Veteranen begeistern, denn diese richten sich nach den eigenen Fähigkeiten. Wir haben beispielsweise exzellente Sprengstoffkenntnisse. Dadurch könnten wir dem alten Pete locker etwas Dynamit abschwatzen, schließlich kennen wir uns dank unserer investierten Fertigkeitspunkte auf dem Gebiet sehr gut aus. Würden wir dagegen ein anderes Thema anschneiden, das uns weniger bekannt ist, wäre unser Auftreten entsprechend unsicherer. Chris Avellone erklärt hierzu: "Wir wollen die alten Fallout-Fans begeistern, aber auch neue Spieler nicht überfordern. Wenn du es in einem Gespräch beim ersten Mal versaust, dann kannst du später mit gestärkten Fähigkeiten wiederkommen und es nochmal versuchen. Das hier ist schließlich kein Datingsimulator." Ebenfalls wieder mit von der Partie ist das Karma. Wir können uns also Ansehen verdienen, indem wir den Bürgern der Wüstenstadt Novac aus der Patsche helfen. Steigt das Karma, haben wir Zugriff auf neue Missionen bei dieser Fraktion. Böse Handlungen aber senken das Karma -- was durchaus auch zu spielerischen Extras führen kann.

Für Nostalgiker: Die Fraktion "New California Republic" aus Fallout 2 feiert ihre waffenstarrende Rückkehr.
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