Shogun-2-Addon: Volle Ladung

Fall of the Samurai Preview

Kennt ihr Last Samurai mit Tom Cruise? Diesen opulenten Film, der hätte toll sein können, hätte es Cruises Persona am Ende erwischt? Führt der doch einen etwa 2000 Meter überbrückenden Frontalangriff auf eine Stellung Gatling Guns an. Dieses Bild bitten wir euch, im geistigen RAM zu belassen, denn wir werden noch darauf zurückkommen.
Jörg Langer 19. Februar 2012 - 10:50 — vor 7 Jahren aktualisiert
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Alles Screenshots im Artikel stammen von GamersGlobal.


Wäre aus dem Autoren dieser Zeilen ein besserer Mensch geworden, hätte er in den 90ern nicht Liedtexte wie "Once a singer sang 'bout bullshit // Everyone could see him fall" hören müssen? Gesungen mit deutschakzentuierter Fistelstimme im Speedmetal-Takt. Gut, das traf auf allermindestens hundert Bands damals zu, aber waren auf dem Platten-Cover Kürbisse zu sehen? Dann konnte es nur die Gemüse-Gore-und-Fantasy-Truppe Helloween sein, und im speziellen Fall: der Song "Rise and Fall". Ah, diese Erinnerungen! Die Scham, selbst heute noch! Und was hat diese peinigenden Gedanken, die kraft der Eigenheiten des menschlichen Gehirns mit einem leisen Playback des Songs einhergehen, evoziert? Die Entscheidung Creative Assemblys, auf den 7-Euro-DLC Rise of the Samurai am 23. März das allein lauffähige 30-Euro-Addon Fall of the Samurai für Shogun 2 folgen zu lassen. Danke, CA, vielen, vielen Dank...

"So groß wie Shogun 2"
Mindestens die Größe von Shogun 2 soll Fall of the Samurai haben, und diese Behauptung können wir im Großen und Ganzen bestätigen: In der Tat ist die Ingame-Enzyklopädie wieder gut gefüllt, und zwar mit 40 neuen Truppentypen und Schiffen, die auf Schießpulver und seine waffentechnischen Derivate setzen. Die Karte ist sogar noch größer geworden: Vier kleinere, in Shogun 2 noch unzugängliche Inseln (Tanegashima, Goto, Tsushima, Sado) sind nun zur Provinz mit eigener Stadt befördert worden. Und endlich, nach all den Jahren (sie war bereits im Debüt-Total-War, Shogun, ausgespart) ist die zweitgrößte der vier japanischen Hauptinseln, Hokkaido, dazu gekommen, oder zumindest der südwestliche Zipfel davon, mit etwa einem halben Dutzend Provinzen (als Ezo zusammengefasst). Die Landkarte wurde auch grafisch etwas überarbeitet, insbesondere wurden die Berge bergiger. Vor allem aber ist nun überall Rauch zu sehen: Brennen die Flotten, die wir bewegen? Herrschen Feuersbrünste in den Städten, die wir kontrollieren?

Neu dabei: Ein Teil von Hokkaido, der nördlichsten Großinsel.
Nein, die industrielle Revolution hat Japan erreicht. Wir schreiben das Jahr 1864, und die lieben Westmächte, vor allem Engländer, Nordamerikaner und Franzosen, bringen den Japanern seit elf Jahren die Segnungen des modernen Warenhandels. Leider ein wenig einseitig zum Nachteil Nippons. Darum will der Kaiser, eigentlich längst vom Shogunat entmachtet, die Ausländer wieder aus dem Land vertreiben, die speziellen Häfen schließen lassen und auch sonst wieder etwas mehr auf Tradition machen. Es kommt zum Boshin-Krieg: Japan teilt sich in Shogunats- und Kaiserhof-Getreue, und wir sind mittendrin. In unserer spielbaren Preview-Version können wir nur die Rolle der Satsuma übernehmen, eine trotz ihrer Vorfahren, den Minamoto-Shogunen, kaisertreue Fraktion. Sie starten auf der drittgrößten Insel, Kiushu, linksunten auf der Karte (in Wahrheit im Süden, CA dreht traditionell die Japan-Karte um 45 Grad nach rechts, die Gründe dafür liegen im Geheimen).


Gewehre statt Schwerter
Ein erfolgreicher Torpedoangriff.
Die Zeit der Samurai neigt sich dem Ende zu, von Beginn an könnt ihr – neben dem beliebten Speer-Kanonenfutter – auch Gewehr-Fußvolk anheuern. Die besseren Nahkampf-Truppentypen müsst ihr erst noch erforschen, doch ob sich das lohnt? Die industrielle Entwicklung schreitet voran: Für jeden Clan gibt es einen entsprechenden Entwicklungswert, der durch bestimmte Gebäude ansteigt. Obwohl das für Unruhe in den Städten sorgt, schenkt  euch der Entwicklungswert auch immer effektivere Feuerwaffen und Kanonen, indem er neue Forschungen im Technologiebaum ermöglicht. Es wird wohl kaum möglich sein, im Stil von The Last Samurai mit einer rein traditionellen Streitmacht das Spiel zu gewinnen, allenfalls lässt sich der technische Fortschritt zugunsten größerer Loyalität der Städte und einiger fescher Nahkampfeinheiten verzögern.

Außer in modernen Fabriken und anderen Gebäudetypen und den resultierenden Truppentypen macht sich das Industriezeitalter spielmechanisch auf zwei Arten bemerkbar. Zum einen dauert ein Jahr jetzt nicht mehr vier Runden, sondern 24: Jede Jahreszeit besteht also aus sechs Runden. Somit erhöhen sich im selben simulierten Echtwelt-Zeitraum die Produktion und die Zahl der Truppenmanöver enorm. Und während die Auswirkungen des Winters (Truppen in feindlichen Gebieten erleiden automatisch Verluste) früher gut zu umschiffen waren, dauert derselbe Winter nun sechs lange Runden oder umgerechnet anderthalb "alte" Shogun-2-Spieljahre. Zum anderen wird es möglich sein, in den zentralen Provinzen eine Eisenbahn zu errichten. Verfügt ihr dort über eine zusammenhängende Kette von Regionen und sind die Gleise fertig gestellt, könnt ihr in nur einer Runde Truppen und Agenten von A nach B transportieren, unabhängig von der Entfernung. Das sollte die Zentralisierung eurer Truppenproduktionsstätten in einigen wenigen Städten unterstützen, statt, wie noch in Shogun 2 nötig, nach größeren Eroberungen ein neues Machtzentrum aufzubauen, auf dass der Truppennachschub nicht abreiße.

Erweiterter Schiffskampf
Auch auf dem Meer wird aufgerüstet: Die aus heutiger Sicht putzig wirkenden Ironclads (Eisenverkleideten) putzen die noch vorhandenen Segelschiffe mit Leichtigkeit von der Wasseroberfläche, fest platzierte Küstenbatterien können in manchen Schlachten durch "Vorbeifahren" erobert und dann gegen vorbeischippernde Feindpötte eingesetzt werden. Es gibt sogar Torpedos, ein uns bislang unbekanntes, von Creative Assembly aber sicherlich recherchiertes Detail der Seekriegsführung.

Flotten haben aber auch eine strategische Bedeutung bekommen: Sie können nun, in einem gewissen Radius, Armeen und Städte direkt auf der Landkarte bombardieren. So lassen sich Gegner schwächen, bevor es zur Schlacht kommt, oder der wirtschaftliche Aufbau sabotieren. Sogar in küstennahen Landschlachten bringen Flotten nun Vorteile. Sie greifen zwar immer noch nicht direkt ein, ihr werdet also nie Schiffe und Landeinheiten gleichzeitig in einer Schlacht befehligen. Doch ihr habt dann in der Schlacht einen Spezialangriff zur Verfügung: Alle paar Minuten dürft ihr ein "Offshore-Bombardement" befehligen, habt also quasi eine Bonus-Einheit schwerer Artillerie in der Hinterhand.

Armee-Figur und Einheiten-Porträttafeln zeigen es: Der moderne Krieg hält Einzug ins traditionelle Japan.
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