Xbox 360 gegen PC-Version

Dragon Age Origins Preview

Als Dragon Age 2004 für den PC angekündigt wurde, war noch nicht klar, dass zum Release fünf Jahre später kein Weg um eine Konsolenversion herumführen würde. Jetzt konnten wir die Xbox-360-Fassung selbst antesten. Ungewöhnliche wurde uns außerdem die PC-Version demonstriert: Von zwei parallel dieselben Szenen spielenden Entwicklern!
Armin Luley 8. Juli 2009 - 0:39 — vor 9 Jahren aktualisiert
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Fünf Jahre schon warten die Fans von Bioware auf das Rollenspiel-Epos Dragon Age Origins. Eine lange Zeit des Schweigens und zahlreiche Verschiebungen stellten die Geduld auf eine lange Probe. Seit einem Jahr aber häuften sich die Präsentationen, denen wir beiwohnen konnten – nicht weniger als zweimal auf Messen und zweimal bei Terminen in München konnten wir immer neue Facetten von Dragon Age kennenlernen. Das Spiel schien fast fertig zu sein – doch Anfang 2009 verschob EA den Release der PC-Fassung nach hinten, damit sie gleichzeitig mit den Konsolenversionen im Oktober erscheint. Doch wie will Bioware das komplexe Geschehen per Gamepad steuerbar machen? Und wie baut man Journalisten gegenüber einen neuen Spannungsbogen bei der PC-Fassung auf, die diese zum fünften Mal präsentiert bekommt? In München erhielten wir letzte Woche Antwort auf diese Fragen – nicht unbedingt immer zu unserer Zufriedenheit.

Zwei Gruppen, zwei ganz andere Erlebnisse

Bioware steht seit jeher für handlungsorientiertes Rollenspiel mit einem System aus Entscheidung und Konsequenzen. Dass dieses seit Jahren angesammelte Wissen in Dragon Age Origins einfließen sollte, ist seit langem bekannt. Um zu demonstrieren, dass sich unterschiedliche Abenteurergruppen und Spieler-Entscheidungen tatsächlich massiv auswirkten, ist Bioware auf folgende Idee gekommen: Zwei Entwickler Bruce Venne und Mike Avry saßen mit uns zusammen im selben Raum und spielten unabhängig voneinander dieselben Szenen, wobei beide unterschiedliche Gruppen steuerten.

Bruce führte dabei seine Gruppe als menschlicher Noble Fighter, mit der Hexe Morrigan als Begleiterin. Mike hatte eine menschliche Magierin gewählt und den Krieger Sten als Begleiter. Beide Heldengruppen wollen über einen See zum sogenannten Magierturm. Dazu benötigen sie ein Boot, das von einem Mitglied des Templerordens bewacht wird. Der aber will uns unsere edle Gesinnung nicht so ohne weiteres abkaufen.

Links seht Ihr Hexe Morrigan, die Bruce auf seiner Reise begleitet. Sten aus dem rechten Video ist ein rauer Barbar und reist mit Mike und seiner Zauberin.

Bruce bittet Morrigan, ausnahmsweise für die Gruppe zu sprechen. Es ist ihr ein leichtes, den Wächter mit ihren weiblichen Reizen zu bezirzen und somit die Überfahrt zu ermöglichen. Für Mike übernimmt dagegen Sten die Verhandlung. Der raue Barbar lässt im Dialog beiläufig fallen, wie er kürzlich jemandem beide Arme ausgerissen habe und siehe da: dem Wächter fällt die Entscheidung, uns durchzulassen, gar nicht mehr so schwer. Beide Wege führen zum Ziel, und es gäbe auch noch Alternativen.

Im Turm erwartet uns Gregor, der Hauptmann der Templer. Die Templer sind für den Schutz der Magier in Ferelden zuständig. Zudem ist Gregor in der Origin-Story des Magiers bereits auf Mikes Spielercharakter getroffen – mit unangenehmen Ausgang. Daher wird er von ihm sehr unfreundlich empfangen. Wir erhalten keinerlei Hilfestellung und müssen uns allein durchschlagen. Bruce und seiner Kriegertruppe begegnet er freundlicher und gibt sich wesentlich redseliger. Er klärt sie über die Probleme mit Monstern im Turm auf und verweist sie weiter an die Magierin Wynne,

Wer genügend Einfluss auf Morrigan gewinnt, wird möglicherweise mit einer Romanze belohnt.
Wynne, die den Widerstand der Magier gegen die Monster anführt, bietet beiden Gruppen ihre Unterstützung als Begleiterin an. Doch bei Bruce sträubt sich Morrigan sofort gegen den Beitritt der Ordensmagierin: „Du willst diesen traurigen Exemplaren eines Magiers helfen? Siehst du nicht, wie sie leben? Wie Diener. Sie haben keinen Respekt.“ Die Antwort folgt auf dem Fuße: „Ihr kommt hier nur über meine Leiche rein!“ Die folgende, durchaus formidable Schlacht gegen die Magierin und ihre Wächter endet mit dem Tod Wynnes. Übrigens sahen wir nach dem Tod eine Art Video-Nachruf auf Wynne, mit Szenen aus dem Spiel – aha, hier ist also ein wichtiger Handlungsträger über den Jordan gegangen! Leider wird es diese sehr nette Feature nach Aussage Bioware nicht ins fertige Produkt schaffen, es dient nur zu ihrer Illustration während der Demonstration und zum Anteasern des Spiels. Wir hätten Morrigan zwar bremsen können, doch dies hätte den Einfluss unseres Hauptcharakters auf sie merklich reduziert. Je höher der Einfluss jedoch, desto besser sind die Kampfwerte. Sinkt der Einfluss hingegen auf Null, dann gibt es eine gewisse „Bewährungszeit“ für uns aus Sicht des Partymitglieds  – und wenn wir dann unsere Beziehungen nicht wieder verbessern, verlässt uns der Charakter endgültig. Wie uns Bruce später verriet, sei es theoretisch möglich, alle Mitglieder aus der Gruppe zu ekeln. Geht also in dieser Szene bei der Morrigan-Gruppe kein Weg daran vorbei, es sich entweder mit ihr zu verscherzen oder die Magierin zu töten? Doch: Wir hätten die Streitlust unserer Hexe auch per Dialogauswahl dämpfen können. Dann wäre sie zwar auch sauer gewesen, aber der Malus auf den Einfluss wäre geringer ausgefallen.. Durch dieses Einfluss-System bleibt trotz automatischen Mitlevelns der nichtaktiven Begleiter – derer gibt es insgesamt 10, maximal drei begleiten unseren Hauptcharakter – ein leichter Unterschied bestehen.

Kommen wir zurück zu Mike und seiner Magierin. Mit dieser Klassenwahl entwickelt sich die Situation wesentlich entspannter. Wynne erkennt uns sofort und ist von Anfang an viel freundlicher. Aus der Gruppenkonstellation heraus gibt es keine Problem mit ihr und wir gelangen zu einem Auswahlbildschirm, wo wir die neue Gruppenkonstellation festlegen können. Diese kann nur an bestimmten Orten verändert werden, nicht selten zwar, aber eben auch nicht immer: Ein fliegender Wechsel während eines Kampfes beispielsweise ist nicht möglich.

Das PC-Interface ist übersichtlich und unterstützt die taktische Spielweise, wie man sie von Baldur's Gate gewohnt ist.


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