Mass Effect im Fantasy-Gewand?

Dragon Age 2 Preview

Auf dem PC war Dragon Age Origins ein sehr gutes Old-School-Rollenspiel vom Schlage eines Baldur’s Gate. Der im März erscheinende Nachfolger orientiert sich hingegen mehr an der etwas actionreicheren Konsolenfassung -- und der Mass-Effect-Serie. Wir konnten Dragon Age 2 vier Stunden lang probespielen und verraten, was euch erwartet.
Christoph Licht 8. Februar 2011 - 19:00 — vor 8 Jahren aktualisiert
PC 360 PS3
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Mit Mass Effect 3 und Dragon Age 2 hat Bioware dieses Jahr gleich zwei heiße Rollenspiel-Eisen im Feuer. Während wir auf den voraussichtlich letzten Teil der Science-Fiction-Saga um Commander Shepard noch bis Ende des Jahres warten müssen, erscheint der Nachfolger von Dragon Age Origins bereits am 10. März.

Wir haben eine fast fertige, englische Version von Dragon Age 2 mehrere Stunden lang gespielt und können feststellen: War Dragon Age Origins noch ganz deutlich ein Rollenspiel der alten Schule, fühlt sich der Nachfolger mehr wie ein Mass Effect mit Fantasy-Setting an -- aber das muss ja nichts Schlechtes sein, schließlich war Mass Effect 2 das beste Rollenspiel 2010 aus Sicht von GamersGlobal. Das Spielgefühl von Dragon Age 2 ist folglich in einigen Punkten anders als in Teil 1. Statt Multiple-Choice-Dialogen gibt es das Dialog-Rad aus Mass Effect, die Kamera ist näher an eurer Spielfigur dran, die Kämpfe sind actionreicher und auch sonst wurde vieles überarbeitet und übersichtlicher gestaltet. Gleichzeitig kann der Spielercharakter endlich sprechen und eure Begleiter sind wesentlich eigenständiger. Am auffälligsten ist der geänderte Grafikstil, der die Umgebungen etwas farbreduziert und die Charaktere ein klein wenig ins Cartoonhafte überzeichnet. Doch keine Bange, unter der Haube ist doch vieles beim Alten geblieben, Dragon Age 2 ist also nicht nur dem Namen nach die Fortsetzung eines spannenden Fantasy-Rollenspiels.

Auch im zweiten Teil kämpft ihr gegen die fiesen Darkspawn, die erneut Zulauf erhalten haben.

Tod dem Drachen

Springen wir mitten hinein in eine typische Situation: Als wir aus einer Mine auf ein mit Gras bewachsenes Plateau treten, landet ein Drache vor uns. Das Geschehen pausiert sofort, wir können uns in aller Ruhe unsere Taktik zurechtlegen. Als erstes wollen wir weiter herauszoomen, um den vollen Überblick über das Schlachtfeld zu erhalten. Doch wir können so stark am Mausrad drehen, wie wir möchten -- die Kamera bleibt, wie schon in der Konsolenfassung von Dragon Age Origins, nah an unserem derzeit aktiven Charakter kleben. Nun gut, wir haben drängendere Probleme, namentlich besagten Drachen.

Unsere vier Mann starke Truppe besteht aus zwei Menschenmagiern (Heiler und Damage-dealer), einem Zwergenkrieger und einem Elfenschurken. Wie gewohnt lassen wir den Schurken unsichtbar werden und sich hinter den Drachen schleichen, während der Zwergenkrieger die ganze Aufmerksamkeit auf sich zieht. Die Magier halten sich derweil im Hintergrund, von wo sie abwechselnd wütende Eisstürme entfachen und den Krieger heilen. Bei alledem führen eure Recken übrigens umfangreiche Kampfkombos aus. Spielerisch haben sie keine Relevanz, bringen aber angenehme Abwechslung in das ewige Hin und Her der Zauber- und Schlaganimationen. Dragon Age 2 wirkt dadurch actionreicher.

So tobt der Kampf eine Weile und scheint zu unseren Gunsten auszugehen, als der Drache plötzlich Verstärkung durch seine Jungen erhält. Tapfer schlagen wir deren Flankenangriff zurück, schaffen es aber dann nicht mehr, den Krieger am Leben zu halten. Auch der zweite Magier sackt mangels Heiltränken zu Boden. Nur noch der Schurke und unser Hauptcharakter, der Heiler, sind noch übrig. Den Wiederbelebungszauber haben wir noch nicht gelernt, eigentlich ist dieser Kampf verloren. Da erinnern wir uns an Teil 1, und wie wir dort die fiesen Drachen immer besiegt haben. Und tatsächlich, es klappt: Wir schnappen uns den Charakter, der derzeit die "Aggro" des Drachen abbekommt, und laufen mit ihm ständig im Kreis herum. Statt seinen Fernkampfangriff zu nutzen oder den zweiten Überlebenden anzugreifen, folgt der Drache diesem Kreistanz. Angreifen kann er uns nicht, da wir zu schnell für ihn sind. Derweil knabbert unser Kollege langsam aber stetig an der Lebensenergie des Drachen. Wenig später ist er tot, die Quest erfüllt und wir können uns wieder auf den Weg nach Hause machen.

Alles beim Alten?

Trotz der Kamerabeschränkungen fühlen sich Veteranen bei Dragon Age 2 sofort zuhause. Zwar wurde das Interface modernisiert, aber sowohl auf dem PC als auch der Xbox 360 ist die Anordnung der Spezialfähigkeiten und der Porträtbilder eurer Helden gleich geblieben. Die Kämpfe spielen sich wieder so intuitiv und taktisch wie im ersten Teil und bauen erneut auf bekannten MMO-Mechaniken auf. Sogar einige alte Bekannte werdet ihr in den Freien Marschen wiedertreffen und in eure Gruppe aufnehmen, darunter den Geistheiler Anders (aus dem Addon Awakening) oder Isabela, dem weiblichen Kapitän des Piratenschiffs The Siren’s Call. Anders als im Vorgänger haben eure Begleiter ein stärkeres Eigenleben. Gleichzeitig dürft ihr ihre Rüstung und Kleidung nicht mehr ändern, womit auch ihr Aussehen im Spiel fest vorgegeben ist. Nur noch Waffen, Ringe und Amulette dürft ihr ihnen vorgeben.

Doch zurück zu ihrem Eigenleben: Der Elf Fenris beispielsweise besitzt ein eigenes Haus in Kirkwall, in dem er sich auch tatsächlich aufhält, wenn ihr ihn nicht gerade aktiv in eurer Gruppe habt. Die Kriegerin Aveline (rechts) hängt hingegen den ganzen Tag in der Wachstube herum. Besucht ihr eure Mitstreiter an diesen Orten, enthüllen sie ihre Lebensgeschichte (schaltet Quests frei) oder ihren Körper (löst eine weitgehend jugendfreie Beischlaf-Sequenz aus). Beispielsweise verrät uns Fenris, dass er früher Sklave war und immer noch von seinem ehemaligen Herrn drangsaliert wird. Wir können ihm in einer längeren Questreihe helfen, endlich frei zu kommen. Oder es auch einfach lassen. Ihr müsst eure Recken jedoch nicht an ihrem Aufenthaltsort abholen, wenn ihr weiterziehen wollt: Verlasst ihr die Stadt, wählt ihr wie gewohnt aus einem Menü die maximal drei Begleiter eures Helden aus, und schwupps sind sie auch schon da.

Der Dalishelf Fenris wohnt in Kirkwall und ist ein ehemaliger Sklave eines Magisters des Tevinter Imperiums.
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