Weine nicht, mein Dämon

DmC - Devil May Cry Preview

Mit dem Erscheinen von DmC - Devil May Cry endet im Januar eine fünfjährige Durststrecke. Doch den fünften Serienteil hat Capcom dem westlichen Entwickler Ninja Theory anvertraut. Der erzählt die Geschichte des Halbdämons Dante von Grund auf neu. Wir haben den Reboot mehrere Stunden vorab gespielt und können euch einiges berichten.
Benjamin Braun 14. Dezember 2012 - 11:23 — vor 6 Jahren aktualisiert
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Alle Screenshots stammen von GamersGlobal

Japanische Spielehersteller sind sich mittlerweile bewusst, dass typische Nippon-Games im Westen nicht unbedingt massenmarkttauglich sind. Nicht zuletzt deshalb erschuf so mancher Publisher ganze Spieleserien mit dem Ziel, auch in Nordamerika und Europa Erfolge zu feiern. Konami gelang dies mit der Silent Hill-Reihe, Capcom mit Resident Evil, Bionic Commando und Lost Planet. Als Silent Hill ein bisschen aus der Erfolgsspur geriet, entschied sich Konami, das Spiel noch weiter zu "verwestlichen", indem sie westliche Studios mit der weiteren Entwicklung betrauten – was nach Meinung vieler Fans dem Niedergang der Serie gleichkam. Capcom hat sich ebenfalls für einen solchen Wechsel entschieden, der Serienreboot DmC - Devil May Cry wird vom britischen Studio Ninja Theory (Heavenly Sword, Enslaved - Odyssey to the West) gemacht. Wird sich dieser riskante Schritt ähnlich wie bei Silent Hill als Fehler erweisen? Wir haben das neue Abenteuer von Halbdämon Dante mehrere Stunden gespielt und geben euch eine sehr klare Antwort.

Alles auf NullDmC - Devil May Cry setzt alles, was bisher gewesen ist, komplett zurück. Die Handlung beginnt in der Stadt Limbo City, die von einem gewissen Kyle Ryder kontrolliert wird. Der hässliche Kerl im Anzug ist aber kein Mensch. Tatsächlich ist er ein Dämon, der die Menschen bereits seit Jahrhunderten unterjocht und immer noch nach Dante sucht. Unser Alter Ego ist der Sohn des abtrünnigen Dämonen Sparda und der Menschenfrau Eva, die beide im Zwist mit Ryder umkamen, aber vorher zumindest Dante und seinen Zwillingsbruder Virgil vor dem bösen Dämon verstecken konnten.

Zu Beginn lebt Dante in den Tag hinein und genießt das Leben, feiert Partys und säuft. Regelmäßig hat der gutaussehende Jüngling in seinem  Wohnwagen am Stadtrand Besuch von Frauen. Mit der jungen Dame, die an jenem Tag beim verkaterten Dante an die Tür klopft, hat er aber nicht gerechnet: Sie nennt sich Kat und gehört zu dem ominösen Orden, von dem ständig in den Nachrichten zu hören ist. Sie will, dass Dante ihr folgt, um die Geschichte seiner verlorenen Kindheit auf den Grund zu gehen. Und so erfährt der neue Dante einmal mehr, wer seine Eltern waren, auch wenn die meisten Spieler das natürlich schon von früher wissen dürften. Schon bald steht er vor der Entscheidung, auf wessen Seite er stehen will: Menschen oder Dämonen.

Schwarz statt blondDer Aufschrei unter den Fans von Devil May Cry war groß, als Capcom erstmals Bilder vom neuen Dante vorstellte. Statt seiner Signatur-Mähne in Schneeweiß trägt der Halbdämon plötzlich eine schwarze Kurzhaarfrisur. Ansonsten ist aber vieles beim Alten geblieben: Dante gibt sich trocken und distanziert, scheut sich aber auch nicht davor, seinen Gegnern flotte Sprüche reinzudrücken. Aber ein bisschen arrogant war er schließlich schon immer! Das beweist Dante neuerdings auch komplett auf Deutsch, denn wie schon bei Resident Evil – Operation Raccoon City (GG-Test: 5.5) oder Resident Evil 6 (GG-Test: 6.5) hat Capcom eine vollständige Lokalisation springen lassen, die mal mehr, mal weniger gelungen ist.

Der Manga-Charme früherer Tage ist allenfalls noch in Ansätzen vorhanden, dafür wirkt die dämonische Welt so düster und bedrohlich wie selten zuvor. Überall bricht der Höllenpfuhl durch die aufbrechenden Straßen in die Welt der Menschen durch, entfacht allerorts einen drohend roten Schleier aus Flammen und Asche und lässt ganze Straßen und Gebäude vor unseren Augen zusammenstürzen.

Aber DmC – Devil May Cry zeigt auch andere Seiten, die manch ein Spieler vielleicht als Kniefall vor dem Massenmarkt deuten könnte. Dante empfängt die Abgesandte des Ordens im Adamskostüm, kurz bevor er von einem riesigen, affenähnlichen Jäger-Dämon attackiert wird, der Kleinholz aus seinem Wohnwagen macht. Der Dämon schleudert den nackten Dante mitten durch seine Behausung und in einer Zeitlupensequenz verdecken ein vorbeifliegender Baseballschläger oder ein Stück Pizza das Gemächt des Protagonisten. Das Ganze ist, wie so ziemlich jede Actionsequenz im Spiel, mit hämmernden Techno- oder Rock-Klängen untermalt – abgefahrenes Popcorn-Kino in Reinkultur. Ob man solche Anflüge nun mag oder nicht: Wir finden die Inszenierung erstklassig; sie lässt keine Wünsche offen – wenn es in erster Linie um leicht verdauliche Kost geht statt um epische, tiefgreifende Erzählkunst.

Kombiniere, kombiniere
Der neue Dante ist jung, vorlaut – und war beim Friseur.
Schon in den ersten paar Kapiteln geht es in DmC – Devil May Cry hoch her. Es brechen nicht nur regelmäßig große Teile der Umgebung zusammen und zwingen euch in gewagte und spannende Fluchtpassagen. Nein, es tauchen bald schon eine ganze Reihe fieser Dämonen auf, die von euch mit dem Schwert und euren beide Pistolen Ebony und Ivory besiegt werden müssen, Schwert und Pistole sind aber selbstverständlich noch lange nicht alles, womit ihr euch wehren dürft. Wie üblich teilen sich Dantes Waffen auf eine Engels- und eine Dämonenkategorie auf. Ihr erhaltet Stück für Stück Zugriff auf weitere Schlagwerkzeuge wie den Arbiter, eine mächtige Dämonenaxt, oder auch die Engelssense. Die vergleichsweise behutsame Einführung der neuen Waffen ist notwendig. Denn auch wenn die Steuerung anfangs beinahe primitiv wirkt, zeigt DmC doch ziemlich rasch, dass weit mehr dahinter steckt. Über Erfolg und Misserfolg gegen eure vielfältigen Feinde entscheiden nicht nur die richtige Wahl der Waffe, sondern vor allem auch eure Fähigkeit, lange Komboketten zu starten.
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Also ziehen wir uns an fliegende Feinde heran, um sie in der Luft zu attackieren, oder wir ziehen sie zu uns herunter, um sie in Bodennähe zu bekämpfen. Feinde mit Schilden können wir nur besiegen, wenn wir ihnen in den Rücken fallen oder ihnen mit dem Arbiter den Schild zertrümmern. Das ist auf dem normalen Schwierigkeitsgrad zwar nicht allzu schwer zu erlernen, aber bis ihr es auf dem höheren Schwierigkeitsgrad gemeistert habt, ist schon deutlich mehr Perfektion vonnöten. Erst dann schleudert ihr Gegner in die Luft, springt ihnen hinterher, um sie im Flug zu knüppeln oder mit dem Arbiter zu Boden zu schmettern, ohne die Kombo zu unterbrechen – dann nämlich kassiert ihr Bestnoten.

Spätestens wenn ihr euch so weit in die Steuerung reingefuchst habt, weisen die Kämpfe eine große Vielfalt, eine gigantische Geschwindigkeit und eine Flüssigkeit auf, wie wir das in kaum einem vergleichbaren Spiel zuvor gesehen haben. Großartig! Da stört es uns nur am Rande, dass die oft Arena-artigen Kämpfe sich manchmal etwas zu sehr ähneln und schon auf dem zweiten von vier Schwierigkeitsgraden („Dämonjäger“) für erfahrene Spieler zu leicht sind.
before
after
... als die PS3-Fassung rechts. Einzelne Texturen, insbesondere der Boden rechts neben Dante, scheinen auf PS3 zudem weniger Details zu zeigen, was sich unter anderem bei den Kratzspuren auf dem Boden rechts neben Dante zeigt – oder eben nicht, sie fehlen auf PS3 nämlich schlicht.

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