DSA im Actionkostüm

Demonicon Preview

Das Schwarze Auge ist bei RPG-Genießern längst über die deutschen Landesgrenzen hinaus bekannt. Kalypso entwickelt derzeit auf Basis der berühmten Pen-&-Paper-Lizenz das Action-RPG Demonicon. Knapp ein Jahr nach unserem ersten Selbstversuch haben wir das Abenteuer in den Schattenlanden nochmals vorab ausführlich für euch gespielt.
Benjamin Braun 15. März 2013 - 20:58 — vor 6 Jahren aktualisiert
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Alle Screenshots stammen von GamersGlobal

Bereits im März 2012 hatte uns Kalypso nach Berlin eingeladen, um erstmals selbst Hand an das DSA-Rollenpiel Demonicon zu legen. Eine mutige Entscheidung, denn große Teile des Spiels befanden sich zu diesem Zeitpunkt noch in einem sehr rohen Zustand. Auf der Gamescom ein halbes Jahr später zeigte Entwickler Noumena nicht allzu viel Neues. Mittlerweile ist laut den Entwicklern sämtlicher Hauptcontent ins Spiel integriert. Zeit, ein weiteres Mal selbst das Gamepad in die Hand zu nehmen und dem actionlastigen Rollenspiel erneut auf den Zahn zu fühlen. Denn ein DSA-Action-RPG in einem "grauen Aventurien", das klingt nach wie vor sehr spannend für uns!

DSA-Kenner bei der ArbeitFür Freunde von Das Schwarze Auge mag es zunächst befremdlich klingen, aus dem klassischen Pen-&-Paper-Stoff ein Action-Rollenspiel zu machen. Denn das heißt: keine Party, kein Pausieren von Kämpfen und kein großes Vorausplanen der Angriffe, sondern schnelle Kombos, Ausweichrollen und Co. Doch genauso wie in Dragon Age 2 verbirgt sich hinter der Actionfassade ein vergleichsweise komplexes Charaktersystem. Ihr steigert in Demonicon nicht nur Gesundheit, Mana, Körperkraft und ähnliches, dort finden sich auch diverse Spezialangriffe, Zauberattacken und Craftingskills. Mit letzteren dürft ihr zum Beispiel Pflanzen zu Giften für eure Waffen umwandeln. Aber es gibt einen ganz anderen Bereich, in dem Demonicon trotz aller Action noch viel mehr von einem klassischen Rollenspiel hat: die Story.

Mit Daniel Heßler arbeitet einer der bekannteren DSA-Autoren am Spiel. Er kennt sich mit der Materie bestens aus, was man sofort merkt. Heßler hat die Handlung um Krieger Cairon und seine Familie in die Schattenlande im Jahr 1034 aventurischer Zeitrechnung verlegt. Azaril Scharlachkraut, das Oberhaupt und Hohepriesterin der Borbarad-Kirche, trachtet Cairon nach dem Leben und will die Schattenlande in die Finsternis stürzen. Um das zu verhindern, bereist ihr mit Cairon unter anderem die Stadt Warunk. Nicht nur dort liefern sich Unter- und Oberklasse einen Zwist und sehen sich den zunehmenden Einflüssen von Nekromanten ausgesetzt. Das Besondere dabei ist, dass die Geschichte euch immer wieder vor eine Wahl stellt. Eure Entscheidungen haben tatsächlich Einfluss auf die Geschichte und Cairons Entwicklung. Manche Entscheidungen wirken sich zum Beispiel auf Cairons Ansehen in der Bevölkerung aus, andere beeinflussen eure Stellung bei der Garde oder dem Kartell (einer Verbrecherorganisation aus dem Horasreich).

Die Quest, die eure Figur von diesem Zwerg erhält, endet mit einer Entscheidung, die Einfluss auf Cairons Ansehen hat.
Auf den grundlegenden Verlauf der Handlung soll es sich zwar nicht auswirken, ob ihr etwa den Nekromanten Tyakranor verschont oder tötet. Dennoch versprechen die Entscheidungen eine höhere Spieltiefe, da sie immer Änderungen in der Spielwelt hervorrufen. Ein Kannibale, der einem satanischen Bund angehört, entführt und verspeist etwa Bewohner aus Warunk. Töten wir den Menschenfresser, verhindern wir künftiges Leid, sind aber nicht mehr in der Lage, das magische Siegel zu den verbliebenen Geiseln zu öffnen. Der Tod des Kannibalen sorgt somit dafür, dass wir uns mit der Stadtgarde gutstellen, allerdings leidet Cairons Ansehen bei den Bürgern, deren Angehörige wir durch einen Deal mit dem Kannibalen hätten retten können.

Das komplette Abenteuer soll für 15 bis 20 Stunden gut sein. Denn auch wenn wir hier und dort Entscheidungsfreiheit genießen, durchläuft Cairon große Teile des Spiels in linearer Abfolge. Zumindest in Warunk ist es nach Erlangung der Zugangsberechtigung aber möglich, frei zwischen den vier Stadteilen zu wechseln. Allzu viel scheint es dort aber, abseits von ein paar Nebenquests, nicht zu geben. Ausführliche Dialoge mit NPCs waren bislang fast ausschließlich mit Questgebern möglich.

Roll dich weg!Während das an Mass Effect angelehnte Dialog- und Entscheidungssystem einen vielversprechenden Eindruck macht, sind wir von den Kämpfen noch nicht so angetan. Bei den normalen Kämpfen, in denen wir uns zum Beispiel mit Riesenratten und Spinnen anlegen mussten, bekommt Cairon es für unseren Geschmack zu oft mit Masse statt Klasse zu tun. Der Einsatz von Spezialfähigkeiten und Zaubern will aufgrund des begrenzten Vorrats an Ausdauer und Mana gut überlegt sein. Und ohne die Ausweichrolle sowie den Einsatz von Heilpäckchen kann es durchaus passieren, dass uns ein paar Spinnen aus den Socken hauen. Flüchten ist nämlich keine Option: Sobald ein Kampf startet, wird Cairons Bewegungsfreiheit beschränkt. Im fertigen Spiel dürfte es eine optisch sichtbare Kuppel oder ähnliches geben, noch aber blei
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ben wir an einer unsichtbaren Barriere hängen. Wir gehen zwar davon aus, dass die Kämpfe aufgrund des umfangreichen Angebots an Sonderfähigkeiten und neuen Gegnertypen später genügend Abwechslung und taktische Finesse bereithalten, aktuell finden wir sie noch ein wenig eintönig.

Zusätzlich trifft Cairon im Spiel auf Bossgegner, die er wie alle anderen Kämpfe im Spiel komplett ohne Hilfe bestreitet. Für gewöhnlich trefft ihr nicht nur auf den Boss, sondern auch auf diverse seiner Lakaien. Die setzten uns zwar noch nicht wirklich unter Druck, gebraucht werden sie vor allem, um Mana beziehungsweise Essenz zu generieren. Ein paar der Bosse werden nämlich ohne spezielle Angriffe oder Magie nicht besiegbar sein. Noch mehr typische Bosskampf-Eigenschaften ergeben sich durch die Aufteilung in mehrere Phasen. Wie gut die am Ende werden, hängt auch von ihrer Choreografie ab. Aktuell wirken die von uns gespielten Bosskämpfe noch ziemlich lahm. Ein Gegner, der mit Felsbrocken nach uns wirft, klingt zunächst vielleicht spektakulär. Glaubt uns: Er ist es, in der aktuellen Fassung, überhaupt nicht.
Die Kämpfe sind sehr actionbetont, im Hintergrund arbeitet aber ein komplexes Charaktersystem mit diversen Skills.

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