Splatter-Horror und Koop-Action

Dead Space 3 Preview

Das erste Dead Space war eine der Überraschungen des Jahres 2008. Visceral Games' Spiel kombinierte subtilen Horror, Survival und packende Action wie kaum ein zweites. Mit Dead Space 3 legen die Entwickler den Fokus noch stärker auf die Action als in Dead Space 2 und erweitern das Spielerlebnis um einen Koop-Modus. Ende des Horrors?
Benjamin Braun 8. November 2012 - 16:00 — vor 6 Jahren aktualisiert
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Erst kurz vor dem Ende von Dead Space zeigte uns Visceral Games das Gesicht des Protagonisten Isaac Clarke. Bis dahin bekamen wir den Techniker nur von hinten oder nur mit Helm zu sehen. Isaac kam zwar mit einigen Begleitern auf ein Abbauschiff, von dem ein rätselhaftes Notsignal gesendet wurde, doch schon bald musste er es ganz allein durchstreifen. Aus jeder dunklen Ecke konnten jederzeit Necromorphs hervorspringen, die zu albtraumhaften Gestalten mutierten ehemaligen Besatzungsmitglieder. Die anfängliche Gänsehautstimmung wechselte bald zu blankem Splatter-Horror, und die von Spielminute 1 an knappen Ressourcen sorgten zusätzlich dafür, dass an Entspannung nie zu denken war. Aber "Splatter" wurde auch aufseiten des Spielers belohnt: In den Kämpfen waren wir effektiver, wenn wir nicht einfach wild drauflos ballerten, sondern mit Schneidlasern sowie Stase- und Kinese-Modulen (aka "Zaubersprüchen") die Monstren fachgerecht zersäbelten. Dazu noch teils gigantische Bossgegner, und fertig war der Horrortrip.

Dead Space 2 (GG-Test: 9.0) verabschiedete sich gänzlich von Subtilitäten, aber auch großteils von der taktisch angehauchten Action: Isaac lief schneller, ballerte mehr – und manchmal wirkte es so, als wenn uns Visceral Games bewusst beim ersten Anlauf scheitern ließ, nur damit wir all die fies-ekligen Sterbeszenen zu Gesicht bekommen. Nun haben wir Dead Space 3 kürzlich in London erneut selbst angespielt und wollen euch unsere jüngsten Eindrücke schildern.

Koop-Modus, mehr Außenlevels,
Deckungssystem
Isaac muss ein weiteres Mal gegen die Necromorphs ran. Diesmal muss er sie allerdings nicht im Alleingang besiegen.
In Dead Space 3 wollen die Entwickler wieder einiges anders machen, einerseits die Action betonen und ein Deckungssystem einführen, aber auch wieder ein Stück weit zum zumindest subtil angehauchten Horror des ersten Teils zurück. Beides steht im Zusammenhang mit dem Koop-Modus des Spiels, durch den Isaac einen in den ersten beiden Teilen unbekannten Charakter namens Carver an die Seite gestellt bekommt. Und es steht auch im Zusammenhang mit dem Schauplatz: Auf dem Eisplaneten Tau Volantis werden wir deutlich häufiger als in Dead Space 2 in weitläufige Außenareale reisen.

Haben wir gerade von Koop gesprochen? Dann macht euch mal keine Sorgen: Dead Space 3 werdet ihr genauso wie die Vorgänger auch komplett im Alleingang bestreiten können. Begegnungen mit Carver wird es im Laufe der Kampagne dann zwar auch geben, sie beschränken sich allerdings im Wesentlichen auf Zwischensequenzen und Funknachrichten. Nur in seltenen Fällen werdet ihr Carver im Solomodus direkt im Spiel sehen können, wenn er etwa in einem Außenlevel über einen Steg über euch läuft. Spielmechanische Unterschiede zwischen Isaac und Carver sind uns keine aufgefallen, die beiden Kompagnons unterscheiden sich in rein optischer Hinsicht. Aber auch diese äußerlichen Unterschiede sind nicht riesengroß: Bei geschlossenem Visier unterscheiden sich die beiden Heroen vor allem dadurch, dass Isaacs Rüstung bläulich leuchtet und Carvers rötlich. Aber halt, es gibt doch einen größeren Unterschied zwischen Isaac und Carver ...

Dead Space 3 soll nach dem action- und splatterbetonten zweiten Teil wieder etwas subtilen Horror bieten. Erstaunlicherweise scheint es insbesondere im Koop-Modus mit Carver solche Momente zu geben.

Mehr Horror zu zweit?Was uns sehr gut gefällt: In den Koop-Modus könnt ihr jederzeit hinein- und wieder herausspringen. Mehr Munition liegt allerdings nicht in den Levels herum, wenn ihr Carver an eurer Seite habt (oder ihr den Carver bei einem anderen Spieler gebt). Stattdessen müsst ihr und euer Mitspieler gemeinsam haushalten und gegebenenfalls Munition oder Heilpacks austauschen. Selbstregenerative Lebensenergie gibt es nicht.

Doch sofern Visceral Games nicht mit der Auswahl der Beispielmission getrickst hat, ist erstaunlicherweise ein Mehr an Psychohorror zu erwarten, wenn ihr kooperativ spielt. Ein Beispiel: Als wir allein in einem unterirdischen Komplex unterwegs sind, stehen wir vor einer verschlossenen Tür, die wir nicht aufbekommen. Im Koop-Modus, wir spielen dabei Carver, bekommen wir die Tür jedoch gemeinsam auf, was eine von Carvers Visionen auslöst. Der erlebt nämlich, wie Isaac in Teil 1, Tagträume (unter anderem mit sonderbaren, lebensgroßen Holzsoldaten wie von einem Karussell entflohen) und hört auch leise Stimmen. Hinter der Tür wartet dann ein optionaler Bereich: Immer wieder greifen uns Necromorphs an, die wir gemeinsam aufs Korn nehmen. An der nächsten Tür allerdings übermannen uns die Visionen und die gesamte Umgebung verwandelt sich in ein absurdes Höllenszenario – das jedoch erneut nur wir
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als Carver auf unserem Bildschirm sehen, nicht unser Mitspieler in der Haut von Isaac. Wir müssen einfach nur rennen, um der Vision zu entfliehen, während Isaac auf sich allein gestellt ist und von all dem, was sich in Carvers Kopf abspielt, nichts mitbekommt – er sieht weiterhin die tatsächliche Umgebung und hört auch nicht das Flüstern der Stimmen. Wohl aber bekommt er mit, dass er plötzlich allein mit den natürlich weiterhin angreifenden, nun zahlenmäßig deutlich überlegenen Gegnern fertig werden muss.

Wenn diese Sequenz nicht die Ausnahme war, dürfen wir uns im Koop-Modus auf ein paar richtig starke Horror-Extraeinlagen gefasst machen, in denen die Ballerei zur Nebensache gerät. Was aber, wenn wir allein mit Isaac unterwegs sind? Gibt es ähnliche Momente auch für ihn, oder steht ausgerechnet für Solisten die Action stärker im Vordergrund? Als wir Steve Papoutsis, Executive Producer des Dead-Space-Franchises, darauf ansprechen, weicht er unserer Frage mehrfach aus. Wir deuten das als sachten Hinweis, dass wir mit unserer Vermutung Recht haben könnten.
Visionen wie diese großen Holzsoldaten sieht nur Carver – Isaac sieht an derselben Stelle zum Beispiel eine Apparatur.
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