Action-RPG statt Lebens-Sim

Darkspore Preview

Als 2008 nach größtem Tamtam Will Wrights Lebens- und Weltall-Sim Spore erschien, folgte schnell die Ernüchterung: Zu aufgesetzt wirkte das Kreaturenbasteln, zu repetitiv war die Weltall-Erkundung. Entsprechend gedämpft sind die Erwartungen zum Spin-off Darkspore -- das aber a) wenig mit Spore zu tun und b) ziemlich gut werden könnte.
Christoph Licht 6. Februar 2011 - 17:00 — vor 8 Jahren aktualisiert
PC
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Das neuste Werk von Maxis hat es nicht gerade einfach, Fans zu gewinnen. Nach der Lebenssimulation Spore, die an den von EA und Maxis erzeugten Erwartungen imposant gescheitert war, verbinden Spieler und Kritiker nicht gerade positive Erinnerungen mit dem Namen. Auch wir sind skeptisch an das bald erscheinende Spin-off Darkspore herangetreten und waren vom bisher gezeigten Material bislang nicht wirklich überzeugt. Nun konnten wir es selbst länger spielen, und waren auf gleich mehreren Ebenen überrascht.

Ist das noch ein Spore?

Mit dem Original hat das neue Maxis-Werk nicht mehr allzu viel gemein. Statt einer Lebenssimulation erwartet euch mit Darkspore Ende März ein düsteres Action-Rollenspiel im Science-Fiction-Ambiente. Ein starker Koop-Modus, viele taktische Möglichkeiten, unzählige Helden und der mächtige Charaktereditor aus Spore sind nur ein paar der Maßnahmen, mit denen sich das Spiel von traditionellen Action-RPGs abheben soll.

Auf eurem Raumschiff befindet sich unter anderem der Kreatureneditor mit dem ihr eure Helden verbessert.
Ihr spielt nicht mehr einen quasi allmächtigen Herrscher über eine weltraumfahrende Zivilisation (wie in der fünften, längsten Phase des Originals). Vielmehr versetzt euch Darkspore in die Rolle eines Angehörigen der Krogenitoren, einem Orden von Genetikern. Als letzter Überlebender seiner Art werdet ihr vom Computer eures Raumschiffs aus einem langen Kryoschlaf geweckt und mit der Aufgabe betraut die namensgebenden Darkspores auf den Planeten der Galaxie auszulöschen. Die fürchterlichen Darkspores waren es auch, die euer Volk vernichtet haben. Wem das noch nicht als Motivation reicht: euer Orden hat diese durch seine Experimente überhaupt erst erschaffen hat. Ihr seid also moralisch zum Handeln verpflichtet.

Statt tatsächlich von einem Planeten zum nächsten zu fliegen und dort zu landen, ist euer Raumschiff nicht viel mehr als eine grafisch ansehnliche Lobby. Hier verbessert ihr eure Helden mit gefundenen Kreaturenteilen, verabredet euch mit Freunden zu zünftigen Koop- oder PvP-Matches, entscheidet euch für die nächste Mission und stellt eure Dreiergruppe Helden zusammen. Nach dem Missionsstart erwarten euch dann keine frei begehbaren Planeten mehr, sondern stark lineare Levels. Hier seht ihr euren Held von schräg oben (frei zoombar) und kämpft euch in typischer Action-Rollenspiel-Manier à la Diablo durch unzählige Gegnermassen.

Zrin die Sonnenfaust (oben) ist ein Plasmawächter vom Planeten Cryos, der sehr gut zuschlagen kann.

Kampf auf Verdanth

Wir befinden uns auf Verdanth, einem blühenden Waldplaneten. Trotz der quasi identischen Grafikengine wirkt Verdanth aber wesentlich düsterer als typische Spore-Welten. Vor uns sehen wir vier sehr unterschiedliche Gestalten, unsere Heldengruppe. Wir selbst haben uns für den muskelbepackten Plasmawächter Zrin entschieden, der aussieht wie ein Vulkan kurz vor dem Ausbruch. Dank der Lava, die durch seine Venen fließt, kann er mit seinen energiefressenden Spezialfähigkeiten alles und jeden einschmelzen oder zumindest in Brand stecken. Oder er lässt die Lava kurzzeitig erkalten und bekommt so eine Steinhaut, die ihn nahezu unverwundbar macht.

Zusammen mit unseren drei Kollegen machen wir uns auf den Weg. Ein Pfeil auf der kargen Minimap zeigt uns, wo wir hinmüssen. Ernsthaft verirren konnten wir uns in den stark linearen Levels aber sowieso nicht. Wir können uns stattdessen voll auf die Kämpfe konzentrieren. Dank der genretypischen Steuerung finden wir uns sofort zurecht und bekämpfen kompetent die zahlreichen und äußerst gefährlichen Waldbewohner, darunter die Hydra-Gottesanbeterin, die gefallene Kollegen wiederbeleben kann. Wie gewohnt, erhaltet ihr im Gegenzug Erfahrungspunkte und findet den ein oder anderen Gegenstand.

Doch je weiter wir voranschreiten, desto mehr Monstrositäten belästigen unsere Gruppe, und unsere Lebensenergie nimmt stark ab. Zwar lassen getötete Widersacher mitunter Lebens- und Energieampullen fallen, eng wird es aufgrund der Gegnermassen trotzdem. Wir entscheiden uns dazu in einen unserer beiden anderen Helden zu aktivieren und Zrin eine Erholungspause zu gönnen. Ein Tastendruck, und statt Zrin steuern wir beispielsweise fortan Sage, einen Biovollstrecker. Ein beinahe fataler Fehler, denn unsere Gegner sind ebenso größtenteils "biologisch". Deshalb nimmt Sage doppelten Schaden, außerdem sind seine  Schläge weniger effektiv. Aber noch ist nicht alles verloren: Ein weiterer Tastendruck, und wir werden zum Roboter Meditron. Dessen Spezialfähigkeiten erlauben es ihm nicht nur unsere Verbündeten zu heilen, sondern auch einen Schwarm zerstörerischer Nanoroboter zu entfesseln. Rund 15 Minuten und mehrere Heldenwechsel später haben wir endlich die letzten Darkspore in diesem Level und kehren auf unser Raumschiff zurück.

Ein Druck auf die Tasten Q, W oder E -- schon schlüpfen wir in einen anderen Helden. In diesem Fall ist es Sage.

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