Vom Dschungel in die Ruinen

Crysis 2 Preview

Der erste Teil gehört mit entsprechenden Mods noch heute zu den prächtigsten (und rechenintensivsten) PC-Spielen, obwohl er bereits Mitte 2007 erschienen ist. Teil 2 aber soll auf Playstation 3 und Xbox 360 ebenso reinhauen, wie auf PC. Ist das überhaupt möglich? Gibt's noch Open-World-Elemente? Und wo ist der ganze Dschungel hin?
Jörg Langer 21. Februar 2011 - 0:59 — vor 8 Jahren aktualisiert
PC 360 PS3
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Wir sind misstrauisch, als wir uns an eine Debug-Konsole setzen müssen, statt den Nachfolger eines der großen PC-Actionspiele der letzten Jahre auf einem Rechner spielen zu können. Crysis 2 und Konsole, kann das denn gut gehen? Dabei ist es nicht so, als hätte Crytek eine Wahl gehabt: Der 2007er Erstling (der jedoch in der Tradition von Far Cry 1 stand) war damals ungeheuer hardware-zehrend, und damit außerhalb Mittel- und Nordeuropas nur schwer verkäuflich. Wer Entwicklungsressourcen in den Regionen eines Hollywood-Blockbusters in ein Spiel versenkt, will es danach auch millionenfach verkaufen -- und das geht heutzutage eben nur noch als Multiplattform-Titel. Aber keine Bange, "es hat gar nicht weh getan", mit Xbox-360-Gamepad statt mit der Maus los zu ziehen. Auch wenn das Spielgefühl sich vom aus Crysis und Far Cry Gewohnten doch unterscheidet.
 
Das Schwarze Herz
 
Der von uns gespielte, in mehrere Abschnitte unterteilte Level heißt Black Heart, er stammt etwa aus der Mitte des Spiels. Eindringlich bittet uns Cryteks PR-Fachfrau, auf gar keinen Fall die Namen der anderen Levels zu erwähnen, um Spoiler zu vermeiden. Wir halten uns natürlich an unser Versprechen, auch wenn seit dem Probespielen ein gewisser Leak (wir berichteten) solche Spoiler für jeden, der sie wissen möchte, problemlos zugänglich gemacht hat.
 
Es sei genug damit gesagt, dass Teil 2 einige Zeit nach dem Ende von Teil 1 einsetzt. Die Aliens wurden ganz offenkundig nicht besiegt, vielmehr rächen sie sich an den Menschen für die in Ostasien erlittene Schmach. Die Invasion New Yorks durch die Seph ist in vollem Gange, und die regierungstreuen Truppen befinden sich auf dem Rückzug. Wobei das mit dem "regierungstreu" so eine Sache ist -- wie in Crysis 1 trefft ihr keinesfalls nur auf außerirdische Gegner, sondern auch auf ganz irdische Schurken.

Unser Kommandeur, General Hargreave, gibt uns über Funk die nächste Mission durch. Das Verteidigungsministerium plant, die Rawson Flutbarriere zu sprengen, um durch das dann Manhattan überflutende Wasser eine große Zahl von Seph auf einmal zu töten. Toller Plan, der mal eben kurz auch zahllosen Menschen das Leben kosten würde -- uns eingeschlossen. Wir müssen deshalb in ein Aliennest (Hive) nahe der City Hall eindringen -- die Hives sind gigantische, aus dem Boden wachsende Türme, die den Seph als Basis und Energiequelle dienen. Wir sollen den inneren Kern des Nests erreichen, diesen zerstören und dann schnell wieder abhauen.
 
Der neue Nano Suit
 
Ein echter Screenshot ist das wohl kaum, die Waffe (Bazooka) kommt jedoch im Spiel vor.
Wir spielen nicht mehr Jake Dunn alias Nomad, sondern einen neuen Charakter namens Alcatraz. Aber auch der ist ein Elitesoldat in einem Nano Suit, der ihm ganz außergewöhnliche Kräfte schenkt. Schaltete man in Crysis 1 noch zwischen den vier Anzugsverstärkungen Armor, Power, Stealth und Speed um, so wurden nun Power und Speed kombiniert und quasi "voreingestellt". Solange ihr genug Energie habt, rennt ihr automatisch schneller und springt höher. Mit der linken Schultertaste des Gamepads löst ihr nun die Fähigkeit Armor (Panzerung) aus, mit der rechten den Stealth-Modus (Tarnung).
 
Das klappt nach ganz kurzer Umgewöhnung besser als früher, aber natürlich müsst ihr immer noch an die Anzugsenergie denken. Eine der Stealth-Unterkategorien ist übrigens der Taktische Modus, mit ihm seht ihr alle Feinde und Ziele um euch herum, könnt so euer Vorgehen planen und sogar das jeweils hervorgehobene Objekt (etwa eine starke Waffe, die wir uns holen wollen) oder bestimmte Gegner "taggen", um sie nach Verlassen des Modus' hervorgehoben angezeigt zu bekommen.
 
Ein komplett neues Setting

New York ist von riesigen Kratern übersät, außen rum oder mitten drin liegen die geborsteten Reste einstmals stolzer Wolkenkratzer. Und auch wenn das Sprachbild vom "Großstadtdschungel" etwas anderes suggeriert: Mit dem alten Crysis oder dessen Vorgängerspiel Far Cry hat die Szenerie überhaupt nichts mehr zu tun. Klar, das wissen wir seit den ersten Trailern, und dennoch ist es erstmal ungewohnt. Laut Lead Designer Sten Hübler hat das nichts damit zu tun, dass die Engine auch auf PS3 und Xbox 360 flüssig laufen muss, doch so ganz überzeugt sind wir nicht: Statt bewaldeter Hügel und Täler, statt wogendem Gras und zerstörbaren Stämmen, statt kilometerweiter Sicht in weitgehend frei zu erkundenden Großarealen... seid ihr hier eben in Abschnitten einer zerstörten Großstadt unterwegs. Hier müssen keine Bäume animiert werden, soviel ist klar.
 
Das heißt nicht, dass die Grafik nicht sehr gut aussehen würde, die Texturen sind scharf, der Detailreichtum groß -- ob nun Mülltexturen auf öligen Wasserpfützen schwimmen oder Schüsse Stücke aus Betonpfeilern heraus hauen (diese aber niemals ganz zerstören, sofern wir nachprüfen konnten). Die Weitsicht ist immer noch hoch und die Levels groß -- auch wenn manche Passagen typischen Shooter-Schlauchlevels gleichen, habt ihr anderswo durchaus die Wahl, wie ihr vorgehen wollt, und könnt euch sogar verirren. Aber so weitläufig wie von bisherigen Crytek-Spielen gewohnt, scheint Crysis 2 nicht zu sein. Und einen massiven grafischen Sprung wie damals von Far Cry auf Crysis stellt es auch nicht dar. Wir würden soweit gehen und sagen, dass die Optik ungefähr auf dem Niveau von Teil 1 ist, wenngleich mit noch detaillierteren Charaktermodellen. Außerdem bekommt ihr wirklich aufwändige Skriptereignisse Marke einstürzendes Hochhaus zu sehen.

Keine Stadt wurde in Filmen und Spielen wohl öfter zerstört als New York. Crysis 2 erhöht den Zähler um 1.

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