Party like it's 1999

Counter-Strike: Global Offensive Preview

Mit Multi-Plattform-Matchmaking und aufgehübschter Grafik setzt Valve den Team-Shooter Counter-Strike fort. Im Prinzip spielt sich Global Offensive wie die Vorgänger -- und das ist auch so beabsichtigt. Der Gameplay-Kern bringt das Blut zuverlässig in Wallung, behutsame Neuerungen und Verbesserungen sollen die Einstiegshürden senken.
Heinrich Lenhardt 5. September 2011 - 14:27 — vor 8 Jahren aktualisiert
Seit Counter-Strike anno 1999 erstmals in Form einer Fan-Modifikation für Half-Life erschien, stand das Ego-Shooter-Genre nicht still. Um nur einige wenige Beispiele zu nennen: Halo (2001) machte automatische Lebensenergie-Regeneration zu einem Standard-Feature, Battlefield 1942 (2002) verdeutlichte die Freuden der Vehikelsteuerung, Gears of War (2006) läutete die Blütezeit der Deckungssysteme ein und Call of Duty 4: Modern Warfare (2007) popularisierte Erfahrungspunkte und freischaltbare Waffen.

Fortschritt und StillstandCounter-Strike: Global Offensive soll Anfang 2012 erscheinen und ist von all diesem neumodischen Firlefanz wenig beeindruckt. Die nächste Version des Team-Shooters spielt sich im Prinzip so wie die letzte Version Counter-Strike: Source, die wiederum das Vermächtnis der nunmehr zwölf Jahre alten Erstausgabe ehrte. Es ist ein Sonderweg im Actionlager, ein Sub-Genre für sich, das immer noch eine siebenstellige aktive Community hat. Wenn Valve-Mitarbeiter sagen "Am Spiel an sich müssen wir nichts ändern, das ist exzellent", drängt sich natürlich die Frage auf, warum man überhaupt das erste "neue" Counter-Strike seit 2004 entwickelt.

Eigentlich ist Counter-Strike eines der einfachsten Spiele der Welt, zugleich aber eines der am schwersten zugänglichen. Die wenige Minuten währenden Partien des modernen Räuber-und-Gendarm-Konflikts finden auf kompakten Karten statt, in denen zwei Teams ausschwärmen, um simple Missionsziele wie das Legen einer Bombe zu absolvieren beziehungsweise zu verhindern. Damals wie heute ungewöhnlich für das Genre: Die Spielfiguren sind keine robusten Kugelauffangbehälter, sondern kippen schnell um. Zu diesem Realismus passt auch die Regel "Du sollst nicht respawnen"; wer überlebt, gewinnt die Runde. Das Geschehen ist schnell und einfach zu steuern; gewöhnungsbedürftig ist allenfalls die Waffenkaufphase zu Beginn einer neuen Partie.

Maßnahmen gegen den
plötzlichen Einsteiger-Tod
Wer immer noch auf Patch 1.6. von 2003 schwört, wird den Komfort- und Grafikverbesserungen wenig abgewinnen.
Tempo und Stress sind CS-Markenzeichen, an denen Valve auch bei CS GO nicht rütteln will. Wir haben eine halbe Stunde lang auf der PAX Seattle die klassische Dust-Karte in Global Offensive ausprobiert; unsere Erkenntnis: "Spielt sich wie Counter-Strike".

Beim Drumherum haben die Entwickler aber so einiges identifiziert, das sich ohne Versalzung dieses Grundgeschmacks verbessern lässt, um die Taktiksuppe bekömmlicher für Normalspieler zu machen. Dass Counter-Strike einen zweifelhaften "nur für angehende eSportler"-Ruf genießt, liegt sicher daran, dass es genug Veteranen mit jahrelanger Erfahrung und messerscharfen Reflexen gibt. Das ist schön so. Weniger schön ist es dagegen, als Einsteiger auf einem Server mit besagten Meisterschützen zu landen. Ein paar Schritte machen, tot umfallen und nicht so recht wissen, was genau passiert ist -- keine gute Grundlage, um mit dem kantigen Counter-Strike warm zu werden.

Die wirklich große Neuerung von Global Offensive ist deshalb nicht das Spiel an sich, sondern die Zusammenführung der Spieler. (Fast) egal, auf welchem System man zu Controller oder Maus greift, systemübergreifend kann sich die Community in Zukunft treffen. Kompatibilität zwischen PC-, Mac- und PS3-Versionen ist gewährleistet, nur bei der Xbox 360 bestehen noch erhebliche Fragezeichen. Auf der Microsoft-Konsole war Global Offensive spielbar, aber bislang gibt es keine Version von Valves Steam-Community-Service auf Xbox Live. Solange sich daran aus technischen und/oder politischen Gründen nichts ändert (Microsoft will keine Konkurrenz zum kostenpflichtigen Zwangsdienst Xbox Live Gold, und wohl auch keine sich darin einklinkenden Systeme), müssen 360-Spieler von CS GO unter sich bleiben. Sony reibt sich derweil die Hände, denn PS3-Besitzer dürfen nicht nur -- wie schon bei Portal 2 -- mit PC- und Mac-Usern spielen, sondern neben dem Standard-Gamepad auch Move-Controller oder Maus und Keyboard verwenden.
Die Aztec-Karte gehört zu den sieben klassischen Maps, die grafisch kräftig und inhaltlich geringfügig überarbeitet werden.

PC- gegen Konsolen-SpielerDie wahrhaft globale Community wird auf den offiziellen Valve-Servern von einem neuen Matchmaking-System analysiert. Darauf aufbauend sollen Spieler auf einer ähnlichen Könnensstufe zusammengeführt werden. Dass der unbedarfte Neuling als designierte
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s Opfer in einer Partie von Profis landet, sollte damit ausgeschlossen werden. Da das Matchmaking rein auf dem relativen Können des Spielers basiert, bügelt es zumindest in der Theorie Eingabegeräte-Ungleichheiten zwischen Computer- und Konsolen-Usern aus. Wenn etwa Nachwuchsschütze Jörg mit seinem Gamepad erheblich schlechter schießt als Spieler Benjamin an seinem PC, wird daraus keine echte Benachteiligung. Denn Jörg endet halt in Partien mit ähnlich unbedarften Usern und kommt da zu Erfolgserlebnissen.

Valve hat noch einige weitere Sanftheiten vor, doch die Counter-Strike-Community gilt als konservativ und wenig empfänglich für solche kleinen Annehmlichkeiten; Fundamentalisten schwören immer noch auf Patch 1.6 von 2003. Deshalb kommt die Aufteilung in zwei Spiel-Modi: "Casual" und "Competitive". Letzterer ist quasi Counter-Strike Classic, pur, ungezuckert, mit der Klarheit und Schärfe eines brennenden Rasierwassers. Private Server samt individuellen Regeln sind wie gehabt machbar. Die Modernisierungen (oder, je nach Lesart, Versündigungen gegen den wahren CS-Geist) bleiben dem Casual-Modus vorbehalten. Mehr dazu auf der nächsten Seite...

before
after
Ein bisschen anders sieht dieselbe Stelle in Global Offensive dann aber schon aus, doch die taktische Rolle bleibt dieselbe: "Chokepoint".
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