Kriegsdrama an der Ostfront

Company of Heroes 2 Preview

Es war vielleicht der schrecklichste Kriegsschauplatz des Zweiten Weltkriegs: die Ostfront. Relic Entertainment will den gnadenlosen Kampf zwischen Nazis und Kommunisten, Hitler und Stalin, in all seiner Härte abbilden – und scheut im RTS nicht vor Szenen zurück, bei denen die Rotarmisten das Feuer auf die eigenen Truppen eröffnen.
Benjamin Braun 22. Mai 2012 - 17:00 — vor 6 Jahren aktualisiert
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2006 gehörte Company of Heroes zu den am meisten beachteten Echtzeitstrategie-Spielen, da es viel Wert auf Realismus und taktisch anspruchsvolle Gefechte zwischen Deutschen und Amerikanern legte und zudem überaus ansehnlich zelebrierte. Die größtenteils zerstörbare Umgebung ließ zudem ein hohes Maß an Authentizität zu und war auch spielerisch von entscheidendem Belang. Alles begann damals mit der Invasion in der Normandie und endete mit der Rückeroberung der Niederlande und Belgien. Nur ein kleiner, wenige Monate umfassender Ausschnitt aus dem Zweiten Weltkrieg und ein Szenario, das in zahlreichen Filmen aber auch in anderen Computerspielen vielfach Verwendung fand. THQs Warhammer-RTS Dawn of War legte 2004 mit der Fokussierung auf Kontrollpunkt-Eroberungen den spielerischen Grundstein, Company Heroes beeinflusste dann seinerseits stark Dawn of War 2.

Mit dem zweiten Teil, Company of Heroes 2, verlegt Relic Entertainmen den Kampf viele hundert Kilometer Richtung Osten. Dort ist die Wehrmacht nach ihrem Überfall auf die Sowjetunion im Juni 1941 und gewaltigen Vorstößen tief in das Riesenreich hinein mittlerweile auf dem Rückzug. Die Niederlage in Stalingrad im Januar 1943 markierte die große Wende im Krieg an der Ostfront und bildet gleichzeitig auch den Ausgangspunkt der 15 Missionen umfassenden Kampagne des RTS-Spiels. Realismus ist laut Quinn Duffy, Producer bei Relic Entertainment, oberstes Gebot. Und so bemühten sich die Entwickler nicht nur darum, historisch korrekte Missionen zu entwerfen und Truppentypen erkennbar abzubilden. Sie begaben sich auch nach Russland und Berlin, um die historischen Schlachtfelder zu besuchen. In jenem Krieg, der nicht zuletzt auch ein Krieg der Ideologien und von unzähligen Kriegsverbrechen auf beiden Seiten gekennzeichnet war. Sogar die Geräusche der damaligen Waffen nahmen sie auf.

Realistisch, taktisch, gnadenlosQuinn Duffy stapelt nicht gerade tief, als er die hohen Ansprüche des Spiels an den Realismus formuliert. Er holt weit aus, schildert die Kämpfe zwischen Rotarmisten und Wehrmacht, die unmenschlichen Verhältnisse, unter denen die in Kriegsgefangenschaft geratenen Russen zu leiden hatten. Aber auch die Ideologie der russischen Seite (die man übernehmen wird) verdeutlicht die Gnadenlosigkeit. Es fallen Stichworte wie Stalins Weisung 227, die besagt, dass ein Rotarmist keinen Schritt zurückweichen dürfte, wenn er nicht Verrat am Vaterland begehen wolle. Argumentiert wird auch mit Zahlen: geschätzte 13 Millionen gefallene Rotarmisten bis Kriegsende, kaum schätzbare Opfer unter den Zivilisten. 13 der 15 verlustreichsten Schlachten des Zweiten Weltkriegs fanden an der Ostfront statt. Einige davon, wie etwa die Schlacht von Rshew, werden die Spieler selbst nachspielen.

Relic will auch eine Geschichte erzählen, Dynamik und Dramatik der Ereignisse schildern und auf den Spieler übertragen. Als Beispiel führt der Entwickler eine erste Mission vor, bei der wir mit einer kleinen Einheit auf ein Lager der Deutschen zupirschen. Aus größerer Entfernung können wir die Lage noch kaum einschätzen und kaum sind wir nahe genug dran, eröffnen die Wehrmachts-soldaten auch gleich mit einem MG42 das Feuer auf uns: ein ohrenbetörender Lärm, der einem zumindest mit der wuchtigen Surround-Anlage des Präsentationsraums das Blut in den Adern gefrieren lässt. Die Deutschen verfügen auch über Mörser, die unter donnerndem Getöse wenige Meter neben uns kleine Krater in den schneebedeckten Boden reißen. Unser kleiner Trupp nimmt die Stellungen der Deutschen ins Kreuzfeuer. Es dauert nicht lange, bis das MG-Nest ausgehoben ist und auch das Mörserfeuer für einen Moment zum Stillstand kommt.

Doch niemand weiß, was im Inneren des Gebäudes auf uns wartet. Wir schicken unseren Flammenwerfertrupp los, der das Holzhaus in Brand setzt. Das Gebäude brennt lichterloh und beginnt einzustürzen. Für Kenner klingt das zunächst nicht unbedingt neu, da schon im Vorgänger mehr oder weniger alles zerstört werden konnte. Es sieht aber noch besser aus, Relic verspricht zudem mehr betretbare Gebäude. Plötzlich geht die Tür auf und ein deutscher Soldat rennt brennend nach draußen. Er schafft es nicht allzu weit; zehn Meter vom Haus entfernt sinkt er zu Boden und hinterlässt nicht mehr als seine verkohlte Leiche. Weiter hinten im Abschnitt warten hinter einige Sandsäcke gekauert noch mehr Deutsche mit einem weiteren MG. Mit einer Kombination aus Gewehrfeuer und unserem Flammenwerfer schaffen wir auch dieses Hindernis aus dem Weg, bevor unsere Soldaten unter erneutem Mörserfeuer den Tod finden…

Neue Einheit, neues Glück
Wie groß die Bedeutung von Fahrzeugen im Spiel sein wird, ist noch unklar. Der Fokus liegt aber auf der Infanterie.
Momente, bei denen unseren Truppen unweigerlich ausgelöscht werden oder aus einem anderen Grund auf eine neue Einheit gewechselt wird, soll es im Spiel häufiger mal geben, obwohl wir bis zu diesem Zeitpunkt nichts verkehrt gemacht haben. Dann wechselt das Spiel innerhalb derselben Szene auf eine andere Einheit und es geht weiter. Das soll dem Spiel mehr Dramatik geben.

Wo wir gerade von Dramatik schreiben: Bevor wir, an einer ähnlichen Stelle später im Spiel, eine neue Einheit übernehmen, wird eine Zwischensequenz eingestreut, bei der unsere Infanteristen aus Angst vor der deutschen Übermacht das Weite suchen. Ein Offizier der Roten Armee warnt die flüchtenden Truppen ein einziges Mal, weiterzukämpfen. Als sie nicht stoppen, gibt er den Befehl, die „Fahnenflüchtigen“ im eigenen MG-Feuer zu töten.

Wie die Inszenierung im weiteren Verlauf noch aussehen könnte, ist nicht so ganz klar. Fest steht nur, dass Relic nicht einzelne Soldaten in den Mittelpunkt der Handlung rücken will, wie es beispielsweise Codename Panzers - Phase One vor einigen Jahren tat, sondern die Infanterie als solche stärker betonen möchte. Ihr kommandiert also vor allem kleine Trupps von Soldaten, doch ab und zu auch Panzer oder mal ein Flugzeug. Doch immer stehen die einfachen Soldaten sowie Spezialisten mit besonderer Ausrüstung im Zentrum. Das gilt im Spiel sogar für die Schlacht von Kursk, die sogenannte Operation Zitadelle, die als größte Panzerschlacht aller Zeiten in die Geschichtsbücher einging. Realismus und Authentizität haben also ihre Grenzen. Inwieweit das für das Balancing bestim
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mter Waffen gilt, dazu wollte Relic sich noch nicht konkret äußern. Aber so ganz wird es sich wohl nicht vermeiden lassen, dass ein Tiger auch mit Kanonen kleineren Kalibers besiegt werden kann. Eine wichtige Rolle wird aber in jedem Fall der russische Panzer T34 spielen, dessen Kampfkraft und Robustheit die Deutschen in den ersten Kriegsjahren vollkommen überraschte. Aber auch da betont Duffy, dass der Panzer nichts ohne seine Besatzung sei (die ihr übrigens zu jeder Zeit aus dem Panzer aussteigen lassen könnt).

In Company of Heroes 2 erlaubt es euch Relic, feindliche Vehikel zu erbeuten und dann im Kampf gegen die Wehrmachtsverbände einzusetzen. Umgekehrt wird das natürlich auch mit den russischen Fahrzeugen möglich sein – aber nur online. In der Kampagne steuert ihr wie schon geschrieben nur die Russen. Über eine zweigeteilte Kampagne hat Relic zwar nachgedacht, die Idee aber vorerst verworfen. Ebenfalls nicht sonderlich konkret wurde Relic mit Blick auf die so wichtigen Nachschubwege in Russland, die in der weiten Steppe und den kaum besiedelten Gebieten der Sowjetunion von größter Wichtigkeit waren. Sie sollen irgendwie eine Rolle spielen.
Wer einfach vorprescht, wird in den nur spärlich besiedelten Weiten Russlands schnell den Tod finden. Taktisches Vorgehen ist gefragt, zudem gilt in jeweiligen Terrain, den Feind zu entdecken, bevor er uns entdeckt.

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