Deutsches Old-School-RPG

Chaos Chronicles Preview

Auch Rollenspiele gehen mit der Zeit: Zeichneten früher die Spieler ihre eigenen Karten auf Karopapier, wurden längst immer mehr Spielelemente durch Komfort- und Automatikfunktionen ersetzt. Dass es aber auch möglich ist, alte Tugenden mit modernem Einschlag zu verbinden, will im kommenden Jahr ein RPG aus deutschen Landen beweisen.
Christoph Vent 18. Dezember 2012 - 15:44 — vor 6 Jahren aktualisiert
Titel wie Skyrim (GG-Test: 9.5) oder Mass Effect 3 (GG-Test: 9.5) mögen tolle Spiele sein – mit RPG-Klassikern wie Baldur's Gate haben sie nur noch wenig gemein, ganz zu schweigen von echten Oldies wie Wizardry, Bard's Tale oder Ultima. Dass aber durchaus noch Bedarf nach klassischerem Spieldesign besteht, bewies im Sommer Legend of Grimrock (GG-Test: 7.5, User-Wertung: 8.5) oder kürzlich Baldur’s Gate Enhanced Edition (GG-Test: 7.0). Das erkannte auch der deutsche Entwickler Coreplay, der unter anderem für Jagged Alliance – Back in Action (GG-Test: 8.0) verantwortlich zeichnet. Chaos Chronicles, so der Name der Rollenspiel-Hoffnung aus Deutschland, soll sich vornehmlich an erfahrene Spieler richten. Das fängt beim Schwierigkeitsgrad an, an dem Einsteiger vermutlich nicht viel Freude haben werden, und geht bis zum Kampfsystem, das rundenbasiert auf Hexfeldern verläuft. Vor wenigen Tagen hatten wir die Gelegenheit, uns in der GamersGlobal-Redaktion eine Pre-Alpha-Version des Rollenspiels anzusehen.

Seit der Gamescom hat sich einiges getan – unter anderem wurde die Geschichte, die bisher kaum als solche zu bezeichnen war, über Bord geworfen und neu geschrieben. Dazu holte Publisher Bitcomposer den Story-Writer Falko Löffler ins Boot, der unter anderem schon an Jack Keane, Jack Keane und das Auge des Schicksals (GG-Test: 7.5) sowie Sacred 2 mitarbeitete. Das Szenario spielt in Eshnur, einem ehemals blühenden Königreich. Darin stehen zwölf magische Obelisken, die das Land vor den Horden der Unterwelt beschützen. Einer der beiden Söhne des Königs sieht in den Obelisken jedoch das göttliche Gleichgewicht gestört und schaltet diese ab – die Folgen, die sich daraus ergeben, dürften jedem klar sein: Die Monster aus der Unterwelt übernehmen die Kontrolle und können nur durch das erneute Einschalten der Obelisken aufgehalten werden. Das Abenteuer kann beginnen.

Fünf Freunde
Vor dem Spielstart erstellen wir eine Party aus bis zu fünf Teilnehmern. Die Rassen und Klassen wählen wir frei aus.
Zu Beginn von Chaos Chronicles stellen wir uns eine Abenteurergruppe zusammen. Einen festen Helden bietet uns das Spiel nicht, unsere komplette Gruppe basteln wir nach eigenem Gutdünken. Wir haben die Wahl zwischen typischen High-Fantasy-Rassen wie Elfen, Zwergen oder Menschen. Darüber hinaus legen wir auch ihre Klasse fest, etwa Magier, Dieb oder Kämpfer. Mindestens drei Recken sind Pflicht, bis zu fünf dürfen wir mitnehmen. Allerdings empfiehlt der Entwickler, auf die höchstmögliche Anzahl zurückzugreifen, denn verringern werde sich diese früher oder später schon von ganz alleine. Der einzige Vorteil, der sich durch eine kleinere Party ergibt: Die Erfahrungspunkte, die wir durch Kämpfe und andere Aktionen erhalten, teilen sich auf weniger Charaktere auf, sodass diese etwas schneller im Rang steigen.

Sich seine komplette Party nach eigenen Vorlieben zusammenzustellen, hat allerdings einen Nachteil: Auf Charaktere wie in der Mass Effect-Serie, die ihre eigene Persönlichkeit haben und eine eigene Hintergrundgeschichte mitbringen, müssen wir verzichten – unsere Kämpfergruppe kommt letztendlich nur aus dem Baukasten. Die typischen Dialoge bis hin zu Streits, die wir seit der Baldur's-Gate-Serie kennen, entfallen damit. Geht uns auf unseren Wegen einer von ihnen verloren, müssen wir lediglich eine der Gildenhallen in den Städten besuchen, und können unsere Party dort wieder auffüllen. Ab und an werden wir zudem von einem sechsten, von der KI gesteuerten Begleiter verstärkt, wenn die Story das so will.

Klassisches Hexfeld-Kampfsystem
Die Kämpfe laufen rundenbasiert auf Hexfeldern. Die Farben zeigen uns, ob wir nach der Bewegung noch kämpfen können.
Das Kampfsystem in Chaos Chronicles verläuft rundenbasiert. Geraten wir in ein Gefecht, blendet uns das Spiel eine sogenannte Initiativleiste ein, die die Reihenfolge der Beteiligten festlegt. Wer den Vorteil des ersten Schlags hat, wird anhand unterschiedlicher Faktoren berechnet. Pirscht sich beispielsweise einer unserer Helden erfolgreich an einen Feind heran, beginnen wir. Wird er hingegen entdeckt, beginnt der Feind. Wenn wir an der Reihe sind, sehen wir direkt in der Spielwelt Hexfelder, die unseren Bewegungs- und Aktionsradius verdeutlichen. Möchten wir etwa in Richtung eines Goblins ziehen, um ihm einen Schlag mit dem Schwert zu verpassen, sehen wir anhand der Farbe der Hexfelder, ob unser Zug wie gewünscht funktioniert. Bleiben die Sechsecke grün, können wir nach unserer Bewegung noch eine weitere Aktion wie einen Angriff ausführen – sind sie hingegen gelb, ist nach der Bewegung Schluss.

Goblins stellen in Rollenspielen oft Füllmaterial dar, das lediglich durch seine Masse zur leichten Gefahr wird. In rundenbasierten Kämpfen führt das aber zu langen Wartezeiten, wenn jeder von ihnen nach der Reihe seinen Zug macht – man erinnere sich an die Massenschlachten aus Pool of Radiance. Aus diesem Grund hat sich Coreplay für Chaos Chronicles ein Gruppenfeature einfallen lassen, das solche Gegner gemeinsam ziehen lässt. Erspart das in der Theorie zunächst einfach nur Zeit, sind wir in der Praxis nun aber einer weite
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ren Gefahr ausgesetzt, da uns solche Gegner deutlich leichter umzingeln. Die Gegner in der Spielwelt sind fast ausschließlich von Hand platziert, und auch das Gruppenfeature greift nur dann, wenn es die Entwickler so vorgesehen haben.

Auch sonst achtet Coreplay verstärkt auf das Balancing. Besonders mächtige Zauber beschränken sich auf eine einmalige Nutzung pro Tag. Wer jetzt plant, vor schwierigen Stellen einfach durch Rasten einen Tag abzuwarten, wird sich wundern: Im Spielverlauf durchqueren wir zwölf Dungeons, die auf jeweils mehrere Ebenen aufgeteilt sind. Innerhalb dieser großen Levelgebiete bleibt die Zeit stehen – wir sollten unsere stärksten Zaubersprüche also nur mit Bedacht einsetzen. Stirbt innerhalb eines der Levels eines unserer Partymitglieder, steht es uns frei, zurück in eine Gildenhalle zu gehen und dort Ersatz zu rekrutieren. Auf die Frage, ob das ein Zurücksetzen des Dungeons inklusive Gegner-Respawn bedeutet, erhalten wir ein offene und direkte Antwort: „Natürlich!“ In Sachen Regelwerk basiert Chaos Chronicles auf der Open Game Licence (OGL) 3.5, einer freigegebenen Lizenz, die auf Dungeons & Dragons basiert.

Flächenzauber wie der Feuerangriff können sich sehen lassen; starke Zauber sind auf einen Einsatz pro Tag begrenzt.
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