Die Fortsetzung wird noch besser

Chaos auf Deponia Preview

Gerade mal acht Monate nach der Veröffentlichung des ersten Teils steht mit Chaos auf Deponia die erste von zwei Fortsetzungen der Abenteuer des sympathischen Taugenichts Rufus in den Startlöchern. Wir haben die ersten beiden Kapitel gespielt und sind von weit mehr als nur von Jan Müller-Michaelis' neuen Gesangseinlagen angetan.
Benjamin Braun 13. August 2012 - 21:44 — vor 7 Jahren aktualisiert
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Alle Screenshots stammen von GamersGlobal.


„Wer Visionen hat, soll zum Arzt gehen" hat Helmut Schmidt einst gesagt. Ob der Alt-Bundeskanzler den Arztbesuch auch Leuten empfehlen würde, die eine überbordende Fantasie haben und vor lauter kreativer Energie manchmal den Eindruck machen, als wüssten sie gar nicht wohin mit all ihren Ideen, ist nicht überliefert. Sollte Schmidt allerdings dieser Meinung sein, würde er bei Jan Müller-Michaelis womöglich noch hinzufügen, dass die zehn Euro Praxisgebühr pro Quartal gar nicht so viel wären. Denn der wäre dann wohl ein Dauergast im Wartezimmer. Welche Ideen der Kreativ-Chef von Daedalic und der Erfinder von Edna und Harvey sonst noch so für die Zukunft hat, bleibt wohl sein Geheimnis. Fest steht in jedem Fall, dass am 9. Oktober mit Chaos auf Deponia die erste von zwei geplanten Fortsetzungen zu seinem Adventure Deponia (GG-Test: 9.0) erscheint.

Wie der Name schon erahnen lässt, spielt die Geschichte auf einem Müllplaneten – und auch im zweiten Teil steht mit dem selbstgerechten Rufus eine gewohnt skurrile Hauptfigur im Mittelpunkt. Im ersten Teil wollte Rufus um jeden Preis von Deponia und aus seiner Heimatstadt Kuvaq entkommen und träumte von einem privilegierten Leben in der Welt der Reichen und Schönen hoch oben über den Wolken. Nach einem gescheiterten Fluchtversuch kam es ihm scheinbar wie gelegen, dass mit Goal eine Frau aus der Oberschicht im wahrsten Sinne des Wortes aus den Wolken fiel. Wenn das nicht seine Fahrkarte raus aus dem Drecksloch sein würde! Doch es kam anders. Rufus verliebte sich in das hübsche Mädchen und beging am Ende des ersten Teils eine selbstlose Tat, die wohl nicht mal er selbst sich zugetraut hätte. Jetzt ist er immer noch auf Deponia – und will immer noch weg.

Ein Schwarzmarkt und drei Goals
Nach dem Prolog öffnet sich das Spiel und lässt euch den schwimmenden Schwarzmarkt weiträumig und frei erkunden.
Erstaunlich, wozu Gefühle einen Menschen verleiten können! Denn dass Rufus seine Flucht ins vermeintliche Schlaraffenland und Wolkenreich Elysium für eine Frau ausschlägt, das hätten ihm wohl die wenigsten zugetraut. So richtig geändert hat sich der vorlaute Kerl mit dem Anflug eines Bartes in einer nicht unbedingt kleidsamen Müllweste allerdings nicht. Denn die Geschichte, die er Goal zu Beginn des Abenteuers erzählt und die beide später auf den schwimmendem Schwarzmarkt des Müllplaneten Deponia bringen wird, ist mehr als nur ein bißchen vom rustikalen Charme Rufus' angereichert, sondern von vorne bis hinten erstunken und erlogen. Jetzt gilt es allerdings Cletus zu entkommen und irgendwie schafft der Antiheld Rufus es tatsächlich. Er sorgt aber auch zum wiederholten Mal dafür, dass der hübsche Rotschopf aus allen Wolken fällt und gemeinsam mit ihm in den Ozean stürzt. An dem Plan von Cletus und dem Organon (die Ordnungsmacht Elysiums), Deponia zu vernichten, hat sich in der Zwischenzeit aber nichts geändert. Also müssen die beiden ihm irgendwie hinterher.

Für Rufus geht der Sturz aus der Höhe indes wieder mal glimpflich aus, obwohl ihn der Schlag auf den Kopf schon ein bisschen mitgenommen hat. Goal allerdings erwischt es ungleich unangenehmer. Sie ist wieder mal ohnmächtig und zu allem Überfluss hat ihre Datasette Schaden genommen. Jener Chip, auf dem ihr ganzes Charakter, ihr ganzes Wesen abgespeichert ist. Der Doc könnte das Problem zwar richten, aber Rufus zieht einen Lolli als Geschenk den teureren Datasetten vor und schon ist der Schlamassel perfekt: Goals Wesen ist nun auf drei unterschiedlichen Datenträgern gefangen, mit denen ihr euch nun wohl oder übel arrangieren musst. Unter anderem erwartet euch auch die "Krawall-Goal". Wir ahnen Böses.

Ein Hort der SkurrilitätenChaos auf Deponia entlässt euch nach einem süffisanten Tutorial, wie ihr es schon aus Teil 1 kennt, und einem überaus köstlichen Prolog, in dem Rufus Goal eine haarsträubende Lügengeschichte auftischt, sogleich in ein großes Gebiet. Auf dem schwimmenden Schwarzmarkt gibt es so ziemlich alles, was man sich vorstellen kann: Einen blinden Apotheker, der sein Augenlicht offenbar in Folge von Arzneimittelmissbrauch verloren hat und der uns jede Menge Drogen verkaufen könnte, eine Widerstandsbewegung gegen die oberste Ordnungsmacht Organon, die so passiven Widerstand leistet, dass sie oft nicht einmal ein schlechtes Wort über ihren Gegner verliert, Schrottkrabben, die so spitz sind, dass sie beim Liebesgesang eines Gondoliere ganz wild werden oder einen Roboterwachhund, den Rufus nur überwinden kann, wenn er sich so dermaßen lächerlich macht, d
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ass sich beim Gelächter des mechanischen Köters sämtliche Schaltkreise überladen.

Viel gibt es dort also zu entdecken und allerlei zwielichtige Figuren treiben sich in der Spelunke herum, in der schon als mutig gilt, wer freiwillig die Toilette betritt. Aber wer würde es auch anders erwarten, wenn Wirt Gulliver in bester Monkey Island-Manier seine Gläser poliert, indem er erst mal kräftig draufspuckt und uns Verzichtserklärungen unterzeichnen lässt, die ihn vor Regressansprüchen bei gesundheitlichen Auswirkungen seiner Kneipe schützen! Und mittendrin Rufus und sein loses Mundwerk, das ihm schließlich auch noch Prügel der Schläger Rod und Wink einbringt, Mitglieder des „unorganisierten Verbrechens“, die unter ihren pinken Wollmützen nur mit jeweils einem Auge hervorlinsen. Wer allerdings Zucker in den Tank eines Generators schüttet und sich vom blinden Apotheker mit den Worten „Wir sehen uns“ verabschiedet, darf sich auch nicht wundern. Ihr merkt schon, der Humor im Spiel nimmt auch in Chaos auf Deponia eine zentrale Stellung ein. Aber bei all dem, mitunter sehr flachen Humor, kommt der spielerische Anspruch nicht zu kurz.
In der Spelunke trefft ihr auf lauter seltsame Gestalten. Noch viel seltsamer als der Mützenmann links oder der Zwerg in der Jukebox, ist jedoch Goals Zustand. Ihr Wesen ist nun auf drei unterschiedliche Datasetten verteilt und Rufus muss jede davon überzeugen, mit ihm mitzukommen. Gerade mit der "Krawall-Goal" ergeben sich einige witzige Dialoge.
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