Sprung in die dritte Dimension

Castlevania - Lords of Shadow Preview

Auf der E3 konnten wir Castlevania - Lords of Shadow erstmals erleben, nun haben wir die zwei Levels und drei Cutscenes umfassende Demo auch noch mal in der Redaktion angetestet. Gelingt es Konami, nach zwei eher unglücklichen Versuchen, die traditionelle Serie in die dritte Dimension zu portieren? Unser Eindruck: Ja, wäre möglich.
Jörg Langer 18. Juli 2010 - 12:50 — vor 9 Jahren aktualisiert
360 PS3
Castlevania - Lords of Shadow ab 15,70 € bei Amazon.de kaufen.
von Nico Hertel

Auf der letzten Games Convention in Leipzig, 2008, kündigte Konami das Action-Spiel Lords of Shadow an. Erst auf der E3 2009 ließ der Publisher die Katze aus dem Sack: Der Titel werde nicht nur von Kojima Productions (Metal Gear Solid) mitentwickelt, sondern er sei zudem Teil der populären Castlevania-Serie. Das mit der Mitentwicklung hat sich zwar mittlerweile zu einer nicht näher beschriebenen Mentorenrolle umdefiniert, die Programmierung erfolgt -- erstmals für ein Spiel der Serie -- komplett im Westen: Mercury Steam in Spanien hat zuletzt mit Clive Barker's Jericho ein äußerst brutales Spiel entwickelt. Und klingt damit nicht nach der naheliegendsten Schmiede, um eine Serie weiterzuentwickeln, die seit jeher jung und alt gleichermaßen angesprochen hat.

Immerhin, das mit Castlevania ist geblieben: Auch im grafisch und spielerisch generalrenovierten Lords of Shadow übernehmt ihr wieder einen Vertreter der Belmont-Dynastie. Gabriel Belmont heißt der Protagonist. Seine Frau ist unter schrecklichen Umständen ums Leben gekommen, und um sie zu retten, ist er, Orpheus gleich, zu vielem bereit.

Die Menschen in dem nicht näher beschriebenen Teil Europas, in dem Lords of Shadow spielt, sind auf der Flucht.
 
Finstere Zeiten im Mittelalter

Im südlichen Teil Europas, wo Castlevania - Lords of Shadow um 1000 nach Christus herum spielt, herrscht Krieg. Die Menschheit steht kurz vor ihrer Auslöschung, die Allianz mit den himmlischen Göttern scheint zu zerbrechen. Schuld daran sind die mysteriösen Lords of Shadows -- drei an der Zahl -- die die Erde heimsuchen und Dunkelheit über sie bringen. Sie lassen die Toten auferstehen und normale Menschen zu Werwölfen mutieren. Der serientypische Kampf gegen Dracula wird also variiert. Ihr übernehmt die Rolle des Einzelkämpfers Gabriel Belmont. Dieser ist Mitglied der Bruderschaft des Lichts, einem Zusammenschluss von heiligen Kriegern, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, die unschuldige Bevölkerung zu beschützen.
 
Getrieben wird er durch seinen Hass auf die Kreaturen, die seine Frau getötet und ihre Seele gefangen genommen haben. Ihr reist durch die verwüsteten Lande, um den Lord der Werwölfe, den Lord der Vampire und den Lord der Untoten zu finden und zu bekämpfen.  Denn diese haben ein Relikt unter sich aufgeteilt, was es Gabriel ermöglichen würde, seine Frau wieder zurück zu den Lebenden zu holen. Die Geschichte wird während den Ladepausen durch einen Sprecher aus dem Off erzählt, der dem Helden folgt. Im Verlauf der Handlung erkundet ihr typische Castlevania-Kulissen, also etwa Wald, Sumpf, Gebirge und auch in verschneite Eiswelten. Und natürlich wird es auch mindestens eine düstere Burg zu durchkämpfen geben. Wer nur der Haupthandlung folgt, soll laut Aussagen der Entwickler rund 20 Stunden unterhalten werden.

Zeiten- und Technikwechsel
 
Die Kämpfe fühlen sich immer noch nach Castlevania an. Ihr müsst ausweichen, blocken und im richtigen Moment zuschlagen (oben). Solltet ihr trotzdem getroffen werden, könnt ihr euch an den Heilbrunnen erfrischen (unten).
Mercury Steam macht beim Neuanfang der Castlevania-Serie klaren Tisch. Lords of Shadow wird nicht mehr serientypisch zweidimensional von der Seite gespielt. Stattdessen ist der Titel komplett in 3D gestaltet. Doch anders als beim 3D-Ableger Castlevania - Legacy of Darkness wird auch das Spielprinzip an die westliche Konkurrenz angepasst. Castlevania wird nach unserem Dafürhalten kein geschicklichkeitsbetontes Action-Adventure mehr, sondern gleicht im Kampfsystem und in der Darstellung stark einem God of War. Wie Kratos kämpft sich Gabriel durch die Monsterhorden und vergießt dabei viele Liter Blut. Mal werden Wölfen die Beine abgetrennt, mal verwandeln sie sich in ein großes, rotes Fellknäuel. Der Kampf gegen einen Bossgegner endet damit, dass wir ihm im Sprung einen riesigen Holzpfahl ins Herz stoßen. Für erwachsene Spieler mag die Brutalität kein Problem sein, und sie erreicht auch unserem bisherigen Wissensstand nach nicht die Dimensionen eines God of War. Dennoch dürften die knallroten Blutfontänen in den Augen eines alten Castlevania-Fans sicher ungewöhnlich wirken.

Zu einem reinen Metzelspiel aber soll Lords of Shadow keinesfalls degenerieren: Wie uns Konami auf der E3 versicherte, werden Sprung- und Rätsel-Passagen wichtige Bestandteile sein. Bislang müssen wir uns aber auf diese Aussage verlassen, die eher kurze E3-Version, auf der auch dieser Angetestet-Artikel beruht, zeigt nichts davon.
 
Der Sprung von 2D in die dritte Dimension ist den Entwicklern sehr gut gelungen. Die Welt von Lords of Shadows wurde technisch einwandfrei umgesetzt. Vor allem die sehr plastischen Texturen und die schönen Regeneffekte gefallen uns gut. Die Levels wurden detailliert gestaltet; in einem Planwagen sind kleine Löcher im Stoff zu sehen, vor einer Steinmauer liegt Geröll herum. Die dunkle Farbpalette erschafft eine bedrückende Atmosphäre die von dem zurückhaltenden Soundtrack noch untermalt wird. Und obwohl die Zwischensequenzen durchgehend in der Spielgrafik gehalten sind (Lords of Shadow wird keine vorgerenderten Videos enthalten) müssen sie sich vor der Konkurrenz nicht verstecken.

Laut den Entwicklern wird das Spiel vorwiegend für die Playstation 3 optimiert, die von uns gespielte Xbox-360-Version läuft dennoch durchgehend flüssig und ohne Abstürze. Eine PC-Version wurde von Konami bereits dementiert, ebenfalls ist keine deutsche Vertonung geplant. Wie bei der GTA-Serie bleiben die original Stimmen erhalten, nur die Untertitel werden übersetzt. Dafür hat Konami einige bekannte Sprecher engagiert, darunter Robert Carlyle (28 Weeks Later, 24: Redemption) als Gabriel oder Patrick Stewart (X-Men, Star Trek), der den mysteriösen Ritter Zobek mimt, der uns teilweise begleitet. Auch dabei sind Natasha McElhone (Californication, Die Truman Show) und Jason Isaacs (Black Hawk Down, Harry Potter). 
 
Neues Castlevania in 2D: Harmony of Despair
Neben Lords of Shadow entwickelt Konami mit Castlevania - Harmony of Despair auch noch ein klassisches 2D-Action-Adventure, das sich auf die alten Tugenden der Serie beruft und als Downloadspiel am 4. August exklusiv auf Xbox Live Arcade erscheinen soll.

In Harmony of Despair kämpft ihr euch wieder mit der beliebten Peitsche mehr oder weniger unblutig durch riesige, düstere Levels, die von der Seite gezeigt werden. Wie groß diese Levels sind, wird euch vom Spiel immer wieder ins Gedächtnis gerufen: Ihr könnt erstmals soweit herauszoomen, dass ihr die komplette Karte auf einmal sehen und trotzdem in Echtzeit weiterspielen könnt. In den bisher gezeigten Maps kommen auch die Rätsel- und Sprungelemente nicht zu kurz.

Harmony of Despair orientiert sich so stark an den alten Serienteilen, dass sogar die Hauptcharaktere übernommen wurden. Ihr spielt als Soma Cruz (Aria of Sorrow), Shanoa (Order of Ecclesia), Jonathan Morris und Charlotte Aulin (Portrait of Ruin) oder als Alucard aus Symphony of the Night. Da ihr alleine natürlich nicht alle sechs Charaktere gleichzeitig steuern könnt, könnt ihr via Xbox Live mit bis zu fünf Freunden gemeinsam spielen. Neben dem kooperativen Modus, in dem ihr die Kampagne durchspielt, tretet ihr im Survival-Modus gegeneinander an. Für eine vorlagengetreue Umsetzung ist wieder einmal Koji Igarashi mit dabei,der seit Harmony of Dissonace an jedem Castlevania als Producer beteiligt war. Ein bisschen Moderne konnte sich Konami aber auch hier nicht verkneifen: Harmony of Despair soll herunterladbare Zusatzinhalte (DLC) bekommen.

 
Um über diesen Inhalt mitzudiskutieren (aktuell 13 Kommentare), benötigst du ein Fairness- oder Premium-Abo.