Bereit für die Unendlichkeit

Bioshock Infinite Preview

Bioshock war im Jahr 2007 für Actionspieler mit Hang zu guter Story und detaillierter Spielwelt eine Offenbarung, Teil 2 war keine Enttäuschung. Bald will Irrational Games den grandiosen Erstling noch überbieten und schickt uns ins Wolkenreich Columbia. Wir haben die ersten Stunden von Bioshock Infinite gespielt.
Benjamin Braun 8. Januar 2013 - 21:42 — vor 6 Jahren aktualisiert
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Irrational Games sorgte auf der E3 2011 für große Augen, als sie erstmals umfangreiches Ingame-Material aus Bioshock Infinite präsentierten. Ein Jahr sollte es damals noch in etwa bis zum Release dauern, doch dann verkündete Serienpapa Ken Levine eine mehrmonatige Verschiebung von Bioshock Infinite, „um aus einem sehr guten Spiel ein herausragendes zu machen“. Knapp drei Monate vor dem Release konnten wir nun die ersten vier Spielstunden des Actionspiels erleben.

Über den Wolken...Die See ist stürmisch an der Küste von Maine, als Booker de Witt als Passagier auf einem kleinen Paddelboot unterwegs ist. Als ehemaliger Agent wurden wir von einem ominösen Auftraggeber dazu verpflichtet, ein Mädchen namens Elizabeth zu finden und damit gleichzeitig etwas aus unserer Vergangenheit wiedergutzumachen. Wir erreichen einen Leuchtturm mitten im Meer – die in einem langen Bogen um den Turm herumgeschwungene Treppe erinnert verdächtig an jenen Leuchtturm, der im ersten Bioshock als ozeanischer Zugangspunkt nach Rapture diente. Auch in Bioshock Infinite ist der Turm der Eingang zu einer anderen Welt. Dieses Mal geht es nach Columbia, einer Stadt über den Wolken. Das hat Auswirkungen: Hebebrücken lassen keine Schiffe durch, sondern Zeppeline, und eine gängige Fortbewegungsmethode ist es, sich mit einem magnetisierten Greifhaken in Schienen einzuklinken, mit denen wir (anfangs nur an vorgegebenen Stellen) als eine Art menschliche Gondel andere Levelbereiche ansteuern können.

Columbia ist aber auch in der Stimmung ganz anders als Rapture. Fast wie im Paradies erheben sich auf den Kumuluswolken bürgerliche Häuser, herrschaftliche Anwesen und monumentale Statuen im Stil des Amerikas Anfang des 20. Jahrhunderts. Da gibt es Frisörsalons, wie wir sie sonst allenfalls aus Filmen über Al Capone kennen, da bieten Schuhputzer am Straßenrand ihre Dienste feil genauso wie Zeitungsjungen die neuesten Nachrichten. Im Hintergrund dudeln heimelige Jazzklänge, während wir beinahe die Wärme spüren können, die die Sonnenstrahlen auf die Pflastersteine des Marktplatzes werfen. Eine fantastische Mixtur aus zeitgenössischem Stil und surrealen Elementen, zumal den Hintergrund durchweg das helle Blau des Himmels bildet.

Auf den Straßen herrscht ein reges Treiben; fein gekleidete Pärchen flanieren zwischen den Geschäften, Kinder gönnen sich am Hydranten eine Abkühlung von der Hitze. Auf einer schwebenden Plattform gibt ein Barbershop-Sängerquartett eine Kostprobe ihres Könnens, gewandet in patriotische Farben. Überhaupt spielten Nationalstolz und der Glaube an das Land der unbegrenzten Möglichkeiten eine zentrale Rolle bei der Entstehung von Columbia. Auf dem Marktplatz findet derzeit ein Rummel statt, auf dem wir uns an den Buden der Schausteller beim Hau den Lukas oder einer abgewandelten Form des Entenschießens vergnügen können. Und wie es sich für die Zeit um 1912 herum gehört, gibt es natürlich auch so einiges aus dem Kuriositätenkabinett zu bestaunen.
Der Kontrast zwischen der Wolkenstadt Columbia aus Bioshock Infinite zur Unterwasserstadt Rapture aus den beiden Vorgängern ist riesig. Auch im dritten Serienteil wird der Spieler in eine andere Zeit versetzt, diesmal ins Jahr 1912.

Mehr Schein als seinDoch der schöne Schein in Columbia trügt. Überall in der Wolkenstadt preisen Plakate Father Comstock, den Gründer von Columbia (und selbsternannten Propheten). Gottesfurcht und Strebsamkeit haben für ihn oberstes Gebot, doch der gleichsam streng wie vertrauenswürdig wirkende Comstock wird von weit mehr als nur von religiösen Motiven angetrieben. Auf perfide Weise verknüpft er Geschichtslügen, die ihn ins Zentrum historischer Ereignisse versetzen, mit religiösen Eifer und Politik, dabei immer an den Patriotismus seiner Bürger appellierend. Die gesellschaftliche Wirklichkeit sieht indes ganz anders aus und hat mit christlicher Nä
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chstenliebe wenig zu tun: Es herrscht Rassentrennung, Schwarze werden ungehemmt als Neger beschimpft und auch die Einwanderer aus Irland sind nur Menschen zweiter Klasse. Ein rassistischer Geheimbund propagiert die Überlegenheit der Weißen und feiert den Lincoln-Attentäter John Wilkes Booth als Helden. Im Museum wird die Niederlage im Scharmützel am Little Big Horn zu einem Triumph der weißen Rasse über die Indianer propagiert, die als nichts weiter als blutrünstige Untermenschen dargestellt werden. Und so brodelt überall unter der traumhaft schönen Fassade der scheinbar religiöse motivierte Rassenwahn.

Doch wir sind nicht wegen Comstock in Columbia, sondern wegen Elizabeth: Sie soll er finden, doch wissen weder wir noch unser Protagonist Booker viel über sie. Wie es sich für ein Bioshock gehört, sind Spielwelt und Motivation der Hauptfigur eng miteinander verknüpft, und so scheint Booker nicht nur einen Auftrag zu erfüllen, sondern eine Verfehlung aus seiner Vergangenheit wiedergutmachen zu müssen. Einem Ereignis, das 19 Jahre vor Beginn der Handlung stattfand, am 8. Oktober 1893.
Father Comstock, siehe Plakat, ist der Gründer von Columbia und sorgt mit seinem religiösen Eifer für Zucht und Ordnung in seiner Stadt. Schnell wird Booker klar, das der selbsternannte Prophet alles andere als ein Heilsbringer ist.

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