Neue Welt, neuer Held

Assassin’s Creed 3 Preview

Assassin’s Creed hat sich innerhalb weniger Jahre zu einer Marke entwickelt, die quasi nicht mehr aus dem Spielealltag wegzudenken ist. Mit Assassin’s Creed 3 verschiebt Ubisoft Montreal die Handlung nochmals einige Jahre in Richtung Moderne und schickt uns in den Freiheitskampf der Amerikaner im ausgehenden 18. Jahrhundert.
Benjamin Braun 26. März 2012 - 18:00 — vor 7 Jahren aktualisiert
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Mit Assassin’s Creed wollte Ubisoft nicht weniger als ein neues, zugkräftiges Franchise aufbauen. Zumindest spielerisch wurde das erste Abenteuer des Meuchelmörders Altaïr dem vom Publisher forcierten Hype nicht so ganz gerecht. Die Reihe fand aber dennoch schnell viele Anhänger und entwickelte mit der Zeit ein Profil, das einer großen Spielereihe zunehmend gerecht wurde. Mit dem vierten Teil, Assassin’s Creed Revelations (GG-Test: 8.5), brachte das kanadische Entwicklerstudio schließlich die Geschichte von Altaïr und der seit Assassin’s Creed 2 aktiven Hauptfigur Ezio Auditore zusammen und gleichsam zu einem Abschluss. Doch trotz allen Detailneuerungen und Schauplatzwechseln zwischen Venedig, Rom und Konstantinopel machten sich zunehmend Abnutzungserscheinungen breit. Mit Kleinasien und historischen Persönlichkeiten wie Süleyman dem Prächtigen konnten viele Spieler nichts anfangen. Gerade US-Amerikaner, von denen einige Probleme haben, auf einer Weltkarte Griechenland zu finden, dürften weiter östlich endgültig die Segel streichen. Was aber wäre ein Szenario, das gleichzeitig einen größeren Tapetenwechsel, einen neuen Helden und ein für Nordamerikaner bekannteres Terrain ermöglicht? 

Mit Assassin’s Creed 3 glaubt Ubisoft, die eierlegende Wollmilchsau für seine Serie gefunden zu haben: Der im November erscheinende fünfte Serienteil nimmt sich die Wirren des amerikanischen Freiheitskampfes der 13 Kolonien gegen die Mutternation England vor. Vom Vorfeld der Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten von Amerika im Jahr 1776 bis zu zur Anerkennung der Unabhängigkeit 1783 werdet ihr eine der spannendsten Phasen der jüngeren Weltgeschichte erleben, bei der so ziemlich alles zusammenkommt, was man auch aus Buchserien wie Tecumseh oder dem Film Der Patriot kennt: Weiße Rebellen, "rote" Indianer, englische Soldaten, dichte Wälder und zu Festungen ausgebaute Städte. Die neue Hauptfigur heißt Connor. Er ist ein Vorfahr von Barkeeper Desmond Miles, der wieder mal die Erinnerungen eines seiner Ahnen über die Animus-Maschine nacherlebt. Und – natürlich – ist auch Tomahawk-Träger Connor ein Assassine, der sich im Spiel mit dem Templerorden anlegt.

Connor gräbt das Kriegsbeil aus
Connor hat als Kind keine guten Erfahrungen mit den Kolonialherren gemacht. Er kämpft aber für die Freiheit seines Volkes und nicht die der Vereinigten Staaten.
Im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg erhoben sich die amerikanischen Patrioten gegen die britische Mutternation, führten bei der "Boston Tea Party" dem alten Europa ihren Freiheitswillen vor Augen, indem sie ihre Teeblätter lieber ins Meer kippten, als hohe Abgaben an die Krone dafür zu leisten, und erzwangen schließlich im Krieg mit den Kolonialsoldaten des Empires die Selbstbestimmung in den Kolonien.

Der Spieler schlüpft in die Haut eines Halbbluts, Mutter Indianerin, Vater Brite. Connor vereint die Wesenszüge seiner Ahnen: Er hat ein bisschen von der „Einsamer Wolf“-Mentalität von Altair, ein bisschen von der Womanizer-Attitüde von Ezio. Doch er ist auch in vielerlei Hinsicht anders: Gesprächig und dennoch zurückhaltend. Selbstbewusst ohne die Arroganz Ezios. Er nutzt moderne Gadgets und kennt sich in der Wildnis aus. Seine Kleidung erinnert an die seiner Vorgänger, mit indianischen Einsprengseln. Mit dem Mohawk-Stamm seiner Mutter fühlt er sich stärker verbunden als mit der englischen Nation seines Vaters. Er trägt eine Kette aus Tierzähnen und einen Tomahawk als Waffe. Sein dunkler Teint würde ihn schnell verraten und so hat auch er einen guten Grund, sein Gesicht unter der Assassinenkapuze zu verbergen. Im Gegensatz zu seinem Stamm, der die Briten unterstützt, kämpft Connor für die Freiheit selbst. Vor allem für die seines Volkes. Assassin's Creed 3 unterteilt die Mächtigen zwar weiterhin in Templer und Assassinen, aber wohl nicht so sehr nach einem Schwarz-Weiß-Muster. Auch unter den amerikanischen Rebellen soll es Templer geben. Wir gehen allerdings stark davon aus, dass insbesondere die Reihen der britischen Kolonialherren von Mitgliedern des Templerordens durchsetzt sind.

Historische FiktionEinen Anspruch auf historische Korrektheit erhebt Assassin's Creed 3 nicht. Es verknüpft aber einmal mehr historische Fakten mit der Fiktion des Kampfes der Assassinen gegen die Templer. Wir können uns also wieder auf die Teilnahme an bedeutenden Ereignissen Ereignisse wie etwa die Schlacht von Bunker Hill im Juni 1775 oder vermutlich auch der Boston Tea Party 1773 freuen. Auch Begegnungen mit Persönlichkeiten der Weltgeschichte werden erneut in diese Fiktion eingebunden. Dazu gehört der Oberbefehlshaber der Revolutionsarmee und spätere US-Präsident George Washington und einer der Gründerväter der USA, Benjamin Franklin. Ben Franklin scheint uns zudem als wichtiger Erfinder und Tüftler seiner Zeit ein adäquater Ersatz für den in den mittleren Serienteilen als Gadget- und Quest-Lieferant in Erscheinung getretenen Leonardo da Vinci zu sein.

In der Wildnis kennt sich Connor am besten aus und duchstreift die Welt auch mal in seinem Kanu.
Ubisoft nutzt diese historisierende Einbettung, um der Story Authentizität zu verleihen, aber auch um eher unbekannten Beteiligten am Freiheitskampf der USA eine wichtigere Rolle im Konflikt anzudichten. Schließlich soll Assassin's Creed 3 bis zum Schluss spannend bleiben! Der Part des britischen Generals Charles Lee etwa wird deutlich gewichtiger ausfallen als in Wirklichkeit. Der hochrangige britische Soldat, der sich auf die Seite der Revolutionsarmee schlug, hätte ohne das Einschreiten von George Washington womöglich aber tatsächlich eine weitaus größere Bedeutung bei der Unabhängigkeitserklärung der USA haben können. Von Grundaufbau her also ein höchst interessantes Szenario, auch wenn das ganze Templer- und Assassinenthema zur neuen Welt wenigstens auf den ersten Blick nicht so recht passen mag. Aber wieso sollten nicht auch Assassinen auswandern...

Auf in die Grenzgebiete Entwickler stapeln selten tief, wenn es um ihr neuestes Spiel geht. Alles wird größer, besser – und selbstverständlich wurden nahezu jegliche Features nicht "überarbeitet und erweitert", sondern "von Grund auf neu gestaltet". In jedem Detail ist das bei Assassin’s Creed 3 wohl kaum zutreffend, aber was uns vom Spiel demonstriert wurde, zeigte doch einige Neuerungen, etwa beim Kampfsystem. Auch Connor klettert nur auf den ersten Blick wie Ezio. Doch es wird schnell deutlich, dass die wie schon in den früheren Teilen per Motion Capturing eingefangenen Bewegungsabläufe nicht 1 zu 1 übernommen wurden: Wenn Connor zum Beispiel eine der steilen Felswände emporkraxelt, verlagert sich sein Schwerpunkt viel realistischer. Und auch wenn die Energie des Helden mal wieder unerschöpfli
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ch zu sein scheint, wirkt die Kletterpartie anstrengend. Besonders schön wird die Gewichtsverlagerung bei einem relativ steilen Hang deutlich, den die beiden Vorfahren gar nicht erst hochgekommen wären. Nur indem Connor Anlauf nimmt und im wahrsten Sinne des Wortes gegen den Anstieg anrennt, gelingt es ihm, den höchsten Punkt zu erreichen.

Doch da ist noch mehr: dieser Anstieg befindet sich inmitten eines großen Waldgebiets, das den Namen „Frontier“ trägt. Überall gibt es Wildtiere, die Connor jagen und deren Felle er für die Herstellung von Rüstungen verwenden kann. Wenn er Pech hat, kreuzt kein Reh, sondern ein Grizzly seinen Weg. Aber selbst gegen den kann sich der Ureinwohner gekonnt zur Wehr setzen. Dieser Teil der Welt soll der Kontrastpunkt zu den Städten werden und zum Erkunden und Entdecken einladen – während ähnliche Gebiete in Assassin's Creed 1 und 2 eher "Hubs" waren, um von einer Ortschaft zur nächsten zu gelangen. In der Wildnis erwarten Connor Enklaven seines Volkes und der Siedler – und natürlich allerlei Konflikte. Wie genau Ubisoft das Grenzgebiet mit spielerischen Inhalten füllen wird, ist aber noch nicht bekannt.

Die Weitsicht in Assassin's Creed 3 scheint auch in den Konsolenversionen höher als früher zu werden. Zudem soll es diesmal ein dynamisches Wettersystem geben. In der Praxis haben wir aber noch nicht allzu viel davon gesehen,

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