Angetestet: Auf zu neuen Ufern

Anno 1404: Venedig Preview

Addons zu Spielen, in deren Vollversion bereits so ziemlich alles drin steckt, haben es schwer, denn es stellt sich die Frage: Was fehlt noch? Der Entwickler Related Designs hat sich für eine neue Kaufmannsgilde samt Spionage und feindlicher Inselübernahme entschieden -- und bringt endlich den lange angekündigten Mehrspielermodus.
Mick Schnelle 10. Februar 2010 - 10:12 — vor 5 Jahren aktualisiert
PC
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Es gibt Addons, deren Installation man im Spiel nicht sofort bemerkt, weil sich die ersten erkennbaren Änderungen nur in irgendwelchen Untermenüs verstecken. Anno 1404: Venedig ist da ganz anders, denn markant ersetzt die neue animierte Menügrafik den alten Hauptbildschirm und zeigt mit dem schmucken Hafen von Venedig, welche Grafikpracht uns im Spiel erwartet. Kurz stutzen wir zwar: Hat Ubisoft (man denke an Assassin's Creed 2) vielleicht Venedig exklusiv lizenziert, werden wir beim nächsten Besuch in der Lagunenstadt von Raving-Rabbids-Darstellern statt von halsabschneiderischen Kleinhändlern begrüßt? Aber soweit ist es wohl noch nicht.

Für die übrigen Neuerungen müssen wir uns dann doch durch die Menüs klicken, bis wir auf weitere Inhalte stoßen. Anno 1404: Venedig bietet keine neue Kampagne, sondern nur 15 Einzelspielerszenarien, die -- nach Schwierigkeitsgrad gestaffelt -- gut versteckt bei den Szenarios zu finden sind. Wir entscheiden uns zu Beginn für eine Mission mit dem schönen Namen Vendetta (Rachefeldzug). Darin geht es vor allem auch um Spionage, einem der neuen Spielelemente im Anno-Universum.

So muss eine Menügrafik aussehen: Die animierte Hafenanlage von Venedig macht richtig Lust aufs Addon.

Revolte auf Mausklick

Gleich nach dem Start des Szenarios empfängt uns Giacomo Garibaldi (Wem fallen eigentlich immer diese dämlichen Namen ein?), ein venezianischer Händler, dem wir aus der Patsche helfen sollen. Garibaldi liegt im Streit mit einem Insel-Nachbarn und will von uns, dass wir den Kerl wenig piesacken. In spielmechanische Termini übersetzt, sollen wir mit ein wenig Sabotage das Ansehen des Konkurrenten bei seiner Bevölkerung gen Null absenken. Der Knackpunkt ist, dass wir es uns auf keinen Fall völlig mit ihm verscherzen dürfen, denn dann erklärt er uns den Krieg, und das Szenario geht verloren.

Netterweise bekommen wir von Anfang an eine schon gut ausgebaute Siedlung zugeteilt, in der wir das neue Sabotagegebäude bereits bauen dürfen. Dann gucken wir uns die Insel unseres zukünftigen Opfers genauer an: Ein Klick auf eines seiner Gebäude reicht, schon macht sich einer unserer Agenten auf den Weg dorthin. Und dann beginnt die gut drei minütige Wartezeit, bis der Kerl endlich vor Ort ist -- wohl dem, der die Plustaste für die Zeitbeschleunigung gedrückt hält. Erst wenn unser Mann dort eingetroffen ist, können wir ihm befehlen, was genau er anrichten soll. Dabei hängt die Aktion vom jeweiligen Zielgebäude und dessen Entwicklungsstufe ab. In einem Siedlerhaus lässt sich eine Revolte starten, vom Anwesen eines Adeligen aus vergiften wir die Brunnen der Stadt. Starten wir von einer seiner orientalischen Nomadenhütten aus, dürfen wir gar eine Bauchtänzerin zum Basar schicken, die den Kunden dort mit ihren Reizen das Geld aus der Tasche zieht.

Von links nach rechts: Durch unseren Befehl zieht ein Saboteur im gegnerischen Haus ein, zündelt ein wenig herum, und schon kurze Zeit später steht die halbe Stadt in Flammen.

Bauchtanz und Brände

Alle diese Sabotageaktionen sind sehr schön animiert. Die Tänzerin zieht zum Beispiel schnell Besucher an, die jubelnd unserem Mädel ihr Geld zuwerfen. Optisch äußerst ansprechend ist auch die Feuersbrunst: Löscht unser Gegner sie nicht rechtzeitig, brennt ihm die halbe Stadt ab. Um eine weitere Aktion starten zu können, müssen wir dann wieder warten, diesmal über sieben Minuten -- aber wir wissen jetzt ja, wo wo sich die Taste für die Zeitbeschleunigung befindet.

Allerdings bleiben diese Sabotageaktionen nicht ohne Auswirkungen. Der Gegner weiß aus unerklärlichen Gründen immer, dass wir dahinter stecken, somit sinkt unser Ansehen. Jetzt heißt es aufpassen, bloß keine Kriegserklärung kassieren! Während wir bislang nur ein wenig rumgeklickt haben, um die Sabotage zu betreiben, müssen wir nun wieder "richtig" spielen. Denn damit sich der Gute wieder beruhigt, schicken wir ihm ein wenig Tribut, den wir auf altbekannte Anno-Art erwirtschaften müssen. Wir oder vielmehr unsere Untertanen krempeln die Ärmel hoch, produzieren fleißig Waren und handeln mit ihnen. Dabei müssen wir aufpassen, dass der Feind uns nicht seinerseits Saboteure schickt. Diese erkennt man zwar leicht an ihrer roten Kleidung, aber sie sind wieselflink und wenn ihr nicht aufpasst, müsst ihr plötzlich selbst Anschläge erdulden.

Die Waffen der Frauen: Dieses Bild zeigt (stark vergrößert) den Hüftschwung der leicht mopsigen Haremsdame, der nicht nur die männlichen Bewohner Venedigs abzulenken scheint.

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