Freakshow #20

Terror der kuriosen Flashspiele User-Artikel

Daeif 28. August 2013 - 9:27 — vor 4 Jahren zuletzt aktualisiert
Hereinspaziert, hereinspaziert! Hier seht ihr die merkwürdigsten Computerspiele der Welt. Ob seltsame Genres, kuriose Szenarien oder einfach nur bodenlos schlechte Machwerke: In dieser Show kommt ihr aus dem Staunen nicht heraus!
Heute, hochgeschätzte Leser, tauchen wir mal wieder in die Welt der Flashspiele ein. Keine Ahnung eigentlich, warum, schließlich gehe ich nicht so gern schwimmen und ich habe auch keinen Schnorchel parat. Aber wenn Hitler sich mit dem Malen von Postkarten über Wasser halten konnte, obwohl diese über äußerst schlechte Schwimmeigenschaften verfügen, wird es wohl auch so gehen. Ich denke, deswegen heißt dieser Teil wohl auch Terror der kuriosen Flashspiele. Oder dem Autor gehen langsam die B-Movie-Titelzusätze aus...

Spewer

Irgendwie fühle ich mich beobachtet...
Ich kann mich einfach nicht von ihm trennen. Jap, erneut habe ich ein Spiel von Edmund McMillen für diese Ausgabe ausgewählt. Ich muss aber schon zugeben: Glänzende Spielbarkeit gepaart mit Pipi-Kaka-Humor finde ich sonst kaum irgendwo im Internet.

Und auch dieser Titel geizt nicht mit Körperflüssigkeiten. In Spewer seid ihr ein knuffiges Bällchen, das außer zu hüpfen zunächst nicht viel kann. Doch schnell findet ihr heraus, was dieses Geschöpf so einzigartig macht, dass anscheinend Experimente daran gerechtfertigt sind: Das Wesen hat eine Art magische Kotze. Oh Edmund, ich liebe deine Subtilität!

Im Verlauf des Spiels könnt ihr durch das Entleeren eures Mageninhaltes immer mehr anstellen: Mal katapultiert sich der Spewer mithilfe eines „Rocket-Jumps“ durch die Luft, dann reihert er in gefährliche Stellen eines Levels, um dann gefahrlos hindurch zu schwimmen. Ich hoffe, keiner von euch nimmt derzeit sein Essen beim Lesen ein...

Wie viele McMillen-Spiele ist Spewer in der Levelauswahl äußerst ergiebig und hat eine sanfte, doch stetig ansteigende Lernkurve, die das Spielen zum echten Genuss machen. Solange ihr euch mit der Thematik anfreunden könnt, versteht sich.

Evidence of Everything Exploding

Wenn wir schon bei alten Bekannten sind: Lasst uns doch mal wieder einen Blick auf Jason Nelson werfen, der Typ, der game, game, game and game again konzipierte und damit die Messlatte für das abgefahrenste Flashspiel in der Freakshow ganz schön hoch setzte, bis McMillen seine Peniskanone auspackte. Auch Nelson hat Neues im Gepäck: Nach seinem komischen Poetenspiel veröffentlichte er 2009 ... noch ein komisches Poetenspiel mit dem Namen Evidence of Everything Exploding. Klingt zunächst ja gar nicht mal schlecht, Explosionen sind ja unbestreitbar IMMER gut. Und der Titel lügt nicht: Explosionen gibt es tatsächlich zuhauf. Die Frage ist nur, was hier explodiert ...

Ihr seid ein roter Pfeil, der sich durch ein Labyrinth an Hindernissen vorbei zu einem Ziel bugsieren muss. So weit, so einfach. Aber wie sieht das denn hier aus?! Der Hintergrund ist stets ein historisches Dokument, sei es ein Brief von Andy Warhol oder ein Bericht über die spanische Grippe. Die einzusammelnden Teile sind Textauszüge, die Hindernisse meist abstrakte Bildschnipsel. Ja, dieses Spiel steht sehr in der Tradition von game, game, game and game again. Allerdings unbedingt bis zum Ende spielen (wenn überhaupt), dann bekommt ihr nämlich zur Belohnung ein Video der Extraklasse.

Cream Wolf

Zeit, mal wieder in den guten alten Zeiten zu schwelgen und das Atari VCS anzuschmeißen. Jedes Mal, wenn ich Grafik, Sound oder Gameplay aus dieser Zeit sehe, frage ich mich ernsthaft, wie Videospielpioniere das bloß ausgehalten haben. Und ich würde mich beileibe nicht als Grafikhure einschätzen. Aber seit der ab Mitte der Zweitausender stattfindenden Retrowelle muss ich als passionierter Flashspieler teilweise solche Technik in Kauf nehmen, um spielerisch gute Titel antesten zu können. Genau so ein Spiel ist Cream Wolf. Und ja, es ist ein Flashspiel von adultswim.com. Dieser Seite könnte ich eigentlich eine ganze Reportreihe allein widmen, denn praktisch jedes Spiel dort ist entweder saublutig oder enthält andere politische Inkorrektheiten wie das Züchten von Marihuana auf dem Dachboden. Aber ganz so einfach möchte ich es mir dann doch nicht machen.

Essen fassen! Aber aufgepasst, der Cream Wolf bevorzugt nur saftige Braten, vorzugsweise gemästet mit den besten Eiscremsorten.
Wäre Cream Wolf damals wirklich für Ataris einzig wirklich erfolgreiche Spielkonsole mit auswechselbaren Modulen erschienen, wären die Proteste gegen Computerspiele wohl direkt mit der Veröffentlichung zum ersten Mal aufgeflammt. Die makaber-geschmacklos-witzige Prämisse des Spiels: Ihr seid ein Werwolf mit einem Eiswagen, der Kinder fett füttert, um sie dann zu verspeisen. Genial!

Okay, nicht, dass mir noch Kinderfeindlichkeit vorgeworfen wird: Natürlich ist das ganze schon recht fragwürdig. Aber gerade wegen der frühen 8-Bit-Grafik und dem Faktum der damaligen Zeit, dass die meisten Spiele noch sehr kinderfreundlich waren, kann ich diesem Titel humoristisch durchaus etwas abgewinnen. Und wer jetzt noch auf der Meckerstraße fährt, der soll doch mit Robotereinhörnern spielen. Pah.

Die spielerische Umsetzung des Themas ist ebenso kreativ: In einer kleinen Anspielung an Pac-Man fahrt ihr mit eurem Truck durch die Stadt, weicht anderen Fahrern aus und sammelt Eishörnchen ein, die einfach so auf der Straße liegen (bäähh). Per X-Taste lockt ihr die Kinderlein heran, die ihr dann in einem Minispiel nett und höflich bedient. Der Clou: Je öfter ihr den Kindern ein Eis gebt, desto fetter werden sie. Nach zwei Tagen ist dann „Erntezeit“: Nachts lockt ihr alle Kinder in euer Versteck, und dann beginnt das Massaker. Je beleibter die Kinder dabei sind, desto mehr Punkte geben sie. Auch hier bleibt der Titel seinem Grundmotiv treu: Punkte sind das Spielziel, eine Story oder ein Ende gibt es nicht.

Cream Wolf macht schon Laune, zumindest, wenn ihr über die bizarre Grundthematik, möglichst viele Kinder zu töten, hinwegsehen könnt. Allerdings könnte das Spieltempo etwas höher sein. Teilweise fahrt ihr über längere Zeit hinweg durch die Stadt, ohne etwas zu tun. Zudem ändert sich am Gameplay im Spielverlauf nicht mehr wahnsinnig viel. Für eine kleine geschmacklose Runde ist Cream Wolf aber sicherlich zu haben.

Don't look back

Atari VCS, die Zweite. Ihr wisst ja, wenn man mal auf einem Nostalgietrip ist, dann sollte man das nicht so schnell wieder beenden. Aber auch hier ist der Eindruck wieder verfälscht. Während Cream Wolf damals höchstwahrscheinlich sämtliche Elternverbände auf die Straße gebracht hätte, wären die Leute allerdings bei Don't look back „nur“ ziemlich verwirrt gewesen. Das Spiel ist ein klassischer Side-Scroller im Pitfall-Stil. Ihr hüpft mit eurem Männchen herum, schießt auf Spinnen, Fledermäuse (zumindest glaube ich, dass es welche sein sollen) und anderes Gesocks und bekämpft zwei Bosse. Nichts besonders, werdet ihr jetzt bestimmt sagen. Aber die Atmosphäre macht den Meister. Don't look back hat eine Melancholie an sich, die ich einem Titel mit so einer Grafik niemals zugetraut hätte. Und etwa bei der Hälfte des Spiels erfahrt ihr dann auch, wieso eure Spielfigur zu Beginn an einem Grabstein stand ...

Don't look back ist für jeden empfehlenswert, der auf Jump-and-runs mit marginaler Technik steht. Die Grafik mag zwar pixelig und farbarm sein, doch irgendwie schafft es der Titel trotzdem, Atmosphäre aufzubauen. Ein wenig frustresistent solltet ihr aber schon sein, denn einige Stellen sind bockschwer. Da hilft es enorm, dass eure Figur nach dem Tod nur zum Anfang des Bildschirm zurückgesetzt wird.

Damit schließt die Show für heute. Kommt auch das nächste Mal wieder vorbei, wenn ihr die kuriosesten und merkwürdigsten Titel der Spielwelt erblicken wollt. Ich bin euer Gastgeber Daeif und sage euch: I scream, you scream, we all scream for Ice Cream!

Und jetzt selber spielen!
Ja, ja, ich weiß, die Mittagspasue ist jetzt bereits seit 20 Minuten vorbei. Aber es hilft ja nichts. Ihr habt den Artikel gelesen, ihr seid angefixt, ihr braucht eure Spiele. Sofort! Dem kann natürlich Abhilfe geschaffen werden. Einfach den folgenden Links folgen und schon schwebt ihr im Spielehimmel. Hey, ist das da hinter euch euer Chef?
Daeif 28. August 2013 - 9:27 — vor 4 Jahren zuletzt aktualisiert
RoT 18 Doppel-Voter - 10114 - 28. August 2013 - 9:44 #

Kleine korrektur:
"„Rocket-Jumps“ durch die Luft, dann reiert er in gefährliche Stellen"

er reihert, mit h, soweit ich recherchiert habe.
quelle : wikipedie, mus aber auch nicht die vertrauenswürdigste sein..

ansonsten guter artikel :)

Daeif 19 Megatalent - 13770 - 28. August 2013 - 12:04 #

Ein seriöses Wörterbuch ist allerdings auch auf deine Seite :)

Habs korrigiert.

hachel (unregistriert) 28. August 2013 - 10:12 #

Toller Artikel :) Crazy Shit! :D (und Robot Unicorn ist ja wohl total überangend ;D)

mihawk 19 Megatalent - P - 13318 - 28. August 2013 - 10:47 #

Endlich wieder eine Freakshow! Super Artikel wie immer :)

Zu den Spielen: Die VCS-Spiele sind definitiv nix für mich, aber die anderen beiden werde ich mir sicher mal anschauen.

Hagen Gehritz Redaktions-Praktikant - 10486 - 28. August 2013 - 12:33 #

Yay eine neue freakshow.

Bei Sewer war das Auffüllen des Kotze-Meters indem man die Kotze wieder frisst erst die Kirsche auf dem Kotzehäubchen, aber im Spiel selbst wurde es schnell nervig in bestimmten Situationen immer erst wieder seine Kotze zu sammeln, wenn man einen Sprung versaut hat.

Habe auch Evidence of Everything Exploding durchgespielt. Die Grundidee ist einer Verschwörungs-Parodie ist ziemlich sympathisch. Das Spiel selbst ist brainfuck der Extraklasse. Und das Endvideo... die Zwischenvideos waren schon ziemlich willkürlich aber das Ende hat alles in den Schatten gestellt.

Don´t Look back hat einen schönen A-ha Moment im Bezug auf den Titel. Wirklich empfehlenswert, wenn auch zum Teil sackschwer.

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