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Tales of Monkey Island

Sebastian Schäfer 26. November 2010 - 0:25 — vor 6 Jahren zuletzt aktualisiert
Telltale Games und LucasArts veröffentlichten bereits 2009 Tales of Monkey Island in Episodenform. Allerdings erschienen diese fünf Episoden nur als Download und in Englisch. Nun machte sich die Hamburger Softwareschmiede Daedalic Entertainment (A New Beginning) die deutsche Synchronisation zur Aufgabe. Und das ist ihnen gelungen.
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In Tales of Monkey Island werdet ihr mit Guybrush Threepwood eine Voodoo-Pocken-Epidemie beseitigen, die er selbst irrtümlich ausgelöst hat. Daraufhin sind ihm der französische Arzt und Wissenschaftler Marquis de Singe und die hübsche Piratenjägerin Morgan LeFlay auf den Fersen. Dafür ist Guybrushs Erzbösewicht LeChuck zum Menschen geworden und scheint sogar ein netter Typ zu sein und euch bei manchen Rätseln behilflich. Ihr werdet auf alte Bekannte treffen, wie der mysteriösen Voodoo-Lady, dem wild herumfuchtelnden Stan und natürlich Guybrushs Ehefrau Elaine.

Alte Bekannte aus den Vorgängern: Die mysteriöse Voodoo-Lady und Stan, der jetzt Anwalt ist.


Hervorragende deutsche Synchronisation

Endlich lässt sich Tales of Monkey Island auf Deutsch erleben. Daedelic Entertainment hat bei der Lokalisierung ganze Arbeit geleistet. So wird Guybrush Threepwood wieder von Norman Matt, wie bereits in
Innerhalb einer Insel navigiert ihr mit dieser Kartenansicht.
The Curse of Monkey Island und Escape from Monkey Island, gesprochen. Aber ebenfalls die anderen Charaktere, auf die ihr im Verlauf des Spiels trefft, sind erstklassig vertont. Ihr werdet immer wieder Stimmen von den Simpsons erkennen. Die Sprecher klingen allesamt hochkarätig und sorgen für den nötigen Humor. Wer aber dennoch die englische Sprachausgabe bevorzugt, kann die Episoden ebenfalls auf Englisch installieren. Es ist heutzutage nicht mehr Standard, dass beide Sprachen auf einer DVD enthalten sind. Der Soundtrack ist ebenfalls gelungen und erinnert an die Vorgängerteile der Serie. Die Soundkulisse hätte etwas eindrucksvoller gestaltet werden können, erfüllt jedoch ihren Zweck.

Nette 3D-Optik und schwache Steuerung

Bei Tales of Monkey Island setzt Telltale Games, wie bereits bei Sam & Max und Wallace & Gromit, auf
LeChuck ist nicht nur ein Mensch: Er steht auch auf eurer Seite.
3D-Grafik. Diese ist auch gelungen und sorgt für eine gute Atmosphäre. Die besuchbaren Schauplätze sind schön umgesetzt worden. Nur an manchen Stellen im Spiel hätten ein paar Polygone mehr nicht wehgetan. Insgesamt wirkt der Grafikstil nicht mehr zeitgemäß, ist jedoch solide und immer noch nett anzuschauen.

Kommen wir nun zum größten Kritikpunkt des Spiels: Die Steuerung. Für mich ist absolut nicht nachvollziehbar, warum bei Tales of Monkey Island nicht auf eine klassische Point & Click-Steuerung gesetzt wurde. Es gibt zwei Möglichkeiten wie ihr Guybrush steuert: Entweder mit Maus und Tastatur oder rein mit der Maus. Wenn ihr nur die Maus benutzt, müsst ihr die linke Maustaste gedrückt halten und dann in die Richtung ziehen, wohin Guybrush sich bewegen soll. Wenn ihr während Guybrushs Bewegung die rechte Maustaste zusätzlich gedrückt haltet, fängt er an zu rennen. Ich verstehe
Über diesen Inventar-Bildschirm kombiniert ihr umständlich eure Gegenstände.
nicht, warum es nicht möglich ist per Mausklick Guybrush zu steuern. Schließlich bewegt er sich bei Personen oder Objekten zu diesen hin, wenn man sie anklickt. Klickt man auf eine beliebige Stelle passiert nichts. Bei der anderen Möglichkeit mit der Tastatur, nutzt ihr die WASD- oder die Pfeiltasten um Guybrush zu lenken. Mit gedrückter Shift-Taste lasst ihr Guybrush schneller laufen. Ich persönlich spiele Adventure lieber komplett mit der Maus. In Tales of Monkey Island ist es erstmals bei einem Telltale Games-Adventure möglich, Gegenstände miteinander zu kombinieren. Dies ist leider ebenfalls etwas umständlich. Ihr müsst die beiden Gegenstände, die ihr kombinieren wollt, im Inventar in zwei Slots ziehen und dann auf das Plus-Zeichen zum Verbinden klicken. Dies hätte man einfacher gestalten können, indem einfach ein Gegenstand auf einen anderen gezogen wird, wie es bei den meisten Adventuren Standard ist.

Kürzere Rätselketten und tolle Dialoge

Tales of Monkey Island orientiert sich eher an Einsteiger des Genres. Seine Vorgänger hatten deutlich längere und komplexere Rätselketten. Das Inventar bleibt immer übersichtlich und so entfällt verzweifelndes kombinieren eurer Gegenstände. Das Spiel bietet keine Hotspot-Anzeige, deshalb gibt es relativ wenige Objekte auf dem Bildschirm zu entdecken. Falls ihr aber doch mal an einem Rätsel hängt, hilft euch die Rätsel-Hinweis-Funktion leider auch nicht weiter. Wenn ihr diese in den Optionen aktiviert habt, gibt euch Guybrush Hinweise was ihr als nächstes probieren solltet. Diese sind meistens sehr allgemein und hilft euch in der Regel auch nicht weiter. Nichtsdestotrotz bietet euch das Spiel viel Humor und spaßige Rätsel. Der Serientypische Monkey Island-Flair wird dabei leider nicht ganz erreicht. Dafür punkten die tollen und spaßigen Dialoge mit den Charakteren. Bei diesen hatte ich nie das Gefühl, dass ich sie jetzt überspringen muss, sondern wollte sie mir immer komplett anhören. Das liegt natürlich in erster Linie an den tollen Synchronsprechern, die ihre Sache wirklich gut machen.

Guybrush lernt die Sprache der Seekühe. Ihr verbringt sogar ein ganzes Kapitel in so einer Riesenseekuh.


Fazit: Gelungenes Monkey Island mit Schwächen

Tales of Monkey Island ist vielleicht kein würdiger Nachfolger der Monkey Island-Reihe, weiß aber zu unterhalten. Das Rätseldesign ist weniger komplex und die Rätselketten kürzer als bei seinen Vorgängern. Die deutsche Synchronisation hat Daedalic Entertainment wahrlich gemeistert. Der Humor bleibt auch auf Deutsch erhalten. Auf der DVD befinden sich noch einige Goodies wie Hintergrundbilder und Konzeptzeichnungen. Wer bis jetzt vor der englischen Sprache oder der reinen Download-Version von Tales of Monkey Island zurückschreckte, kann jetzt zuschlagen.

Sebastian Schäfer 26. November 2010 - 0:25 — vor 6 Jahren zuletzt aktualisiert
Fischwaage 17 Shapeshifter - 6765 - 26. November 2010 - 2:46 #

Kommt das jetzt eigentlich irgendwann noch für Xbox Live? War doch mal geplant...

Commander Keen (unregistriert) 26. November 2010 - 3:19 #

Ich mag Riesenseekühe! :-)

Sebastian Schäfer 16 Übertalent - 5544 - 17. Juli 2011 - 8:37 #

Die sind ja auch toll :)

Fozzie 12 Trollwächter - 1015 - 26. November 2010 - 7:46 #

Hab die erste Episode seinerzeit gespielt und war wirklich enttäuscht. Die Rätsel als "weniger komplex" als in den Originalen zu beschreiben, ist wirklich arg untertrieben. Die waren so selbstverständlich und erforderten so wenig Nachdenken, dass mir keins davon im Gedächtnis geblieben ist. Dazu noch die hampelige Steuerung, der Spielzeitstrecker aus der Gruft (ein Labyrinth? Ernsthaft?) und so witzig fand ich es dann auch nicht. Alles in allem gab es wirklich nichts, was mich dazu motiviert hätte, die zweite Episode überhaupt in Erwägung zu ziehen und ich war sehr erleichtert, dass ich dank der Talk-like-a-pirate-day Gratisaktion kein Geld dafür ausgegeben hatte.

bananenboot256 13 Koop-Gamer - 1241 - 26. November 2010 - 9:43 #

Ja, der erst Teil war mir auch zu einfach. Danach wirds aber auch schwieriger und vor allem sehr lustig :-)

Tolle Charaktere, gute Monkey Island Atmosphäre... aber natürlich kann man es nie jeden recht machen. Die ersten beiden MI-Teile sind für mich auch noch die besten, dann kommt der dritte (mit starken Abstrichen) und die Episoden folgen dicht dahinter, wenn nicht auf einer Stufe. Das ist meine subjektive Einschätzung, aber da hat jeder (subjektiv halt) eine andere.

Als Beispiel: Durch den 4. Teil musste ich mich wirklich quälen. Quälen, weil ich kein Stück der MI-Geschichte missen wollte, aber den Teil regelrecht verflucht habe, und das nicht nur wegen der Steuerung ohne Maus.

Ich habe zu Release alle 5 Episoden damals vorbestellt, für etwas um die 23€ oder so (kann mich nicht mehr ganz an den $-Preis erinnern) und dafür wirde ich viele Stunden gut unterhalten.

Wuslon 18 Doppel-Voter - - 9856 - 26. November 2010 - 10:31 #

Zuerst mal: cooler Artikel! Da is alles drin: die Kritikpunkte (Steuerung, Steuerung, Steuerung), aber auch die Stärken (Dialoge, Atmosphäre) - der Artikel gibt mein Spielerlebnis sehr gut wieder.
Natürlich kann man sie nicht mit Teil 1 und 2 vergleichen, aber sie machen trotzdem richtig Spaß - mich haben sie zumindest gut unterhalten und ich würde sie jederzeit weiterempfehlen. Ich würde für die fünf Episoden schon eine 8 oder sogar eine 8.5 vergeben.

invincible warrior 12 Trollwächter - 1029 - 26. November 2010 - 11:36 #

Würde die Synchro aber nicht unbedingt als gelungen bezeichnen! Da sind schon teilweise schwere Synchronfehler drin.

z.B. verspricht sich Norman Matt einmal und das ist komplett drin geblieben. Und nein, das ist kein Gag gewesen. An anderer Stelle liest Kai Taschner die Anweisung "Irrer Sound" einfach ab, anstatt eben solches zu machen.
Dazu kommen noch zahlreiche andere Fehler wie eine nicht einheitliche Lokalisation von Begriffen und auch einige englische Sätze mitten drin. Sowas darf NICHT passieren, und zeigt nur wieder, wie geizig Daedalic bei der Synchro ist.

Fischwaage 17 Shapeshifter - 6765 - 26. November 2010 - 11:48 #

Hui, das ist aber mal nen krasser Gegensatz!
Also ich fand die Synchros in Daedalic Spielen eigentlich immer hervorragend und die Jungs stecken da wohl auch echt viel Mühe und Geld rein! Aber Tales of Monkey hab ich noch nicht gezockt, kann es also nicht einschätzen aber würd mich ja echt stark wundern...

Sebastian Schäfer 16 Übertalent - 5544 - 26. November 2010 - 17:02 #

Natürlich ist das auch noch Geschmackssache, allerdings kann ich deine Kritik nicht nachvollziehen... Welchen Versprecher von Guybrush meinst du denn? Und beim Grimassen schneiden wo Bugeye "Irrer Sound" sagt, würde ich mal vermuten, dass das Absicht ist. Er betont es ja extra "irre" :)
Allerdings finde ich, dass gerade Daedalic eine gute Synchro hinbekommt. In The Whispered World und A New Beginning fand ich sie jedenfalls gelungen.

Sebastian Schäfer 16 Übertalent - 5544 - 26. November 2010 - 17:03 #

Vielen Dank für eure Kommentare...

Nadine (unregistriert) 29. August 2011 - 23:11 #

Ich muss auch sagen: Ausgerechnet die Synchro als "gelungen" zu bezeichnen ist ja wohl der blanke Hohn. Elaines überkandidelte Sprechweise ist so nervtötend, dass man sich immer freut, wenn sie die Szenerie wieder verläßt. Ja, ich weiß, Sonja Reichelt ist eine etablierte Sprecherin, aber dieses furchtbare Gekünstel ist wirklich danebengeraten. Einige Sätze brechen mittendrin ab oder sind einfach nicht übersetzt worden und in Englisch dringeblieben - das spricht für eine ganz schön schlampige Bearbeitung. Und so gerne ich Monkey Island immer gespielt habe: Diese Endkämpfe mit dem penetranten immer-wieder-durch-die-gleiche-Mühle-genudelt werden, weil man nicht schnell genug die Szenerie überblicken kann - die haben mir noch nie Spaß gemacht. Das mag aber Geschmackssache sein.

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