Rückblick in die düstere Zukunft

Syndicate Wars: Utopische Nachtmahr User-Artikel

Earl iGrey 26. Oktober 2009 - 0:59 — vor 6 Jahren zuletzt aktualisiert
Syndicate Wars versetzt den Spieler in die Lage, mächtige Kampfdronen zu steuern. Das Flair ist düster und das Gameplay genial einfach. Man muss entweder die überlegene Feuerkraft der eigenen Agenten zur Wirkung bringen, oder den überlegenen gegnerischen Kräften solange ausweichen, bis ein Angriff Erfolg verspricht.
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Es ist zu Unrecht in Vergessenheit geraten und wurde für oberflächliche Mängel seinerzeit arg gescholten. Syndicate Wars hatte es nie leicht und fiel sowohl bei den Fans als auch bei den Kritikern durch. Warum dieses Spiel in meinen Augen trotzdem zu den Spiele-Perlen gehört und für mich ein echter Geheimtipp ist, erkläre ich euch auf den folgenden zwei Seiten ausführlich. Dabei gebe ich Euch einen Überblick über das Gameplay, die Story und einige Hintergründe. Aber auch vom stimmungsvollen Setting des Spiels werde ich Euch einen Eindruck  vermitteln.

Das Gameplay
 
Die Figurenklassen im Spiel sind alles andere als vielfältig. Die Agenten der zwei spielbaren Fraktionen, die es ins fertige Spiel geschafft haben, nämlich Syndikat und Kult, sehen zwar unterschiedlich aus, haben aber völlig identische Eigenschaften. Im Verlauf des Spiels können die Agenten mit Cyborg-Implantaten aufgewertet und damit ihre Kampfkraft gesteigert werden. Sofern man dieses „leveln“ als rudimentäres RPG-Element betrachten möchte, bitte sehr. Das Element der Wirtschaft beschränkt sich auf die Verwaltung der Forschungseinrichtung und die Beschaffung von Finanzen und Forschungspersonal sowie den Umgang mit diesen knappen Ressourcen. Der Erwerb von Waffen und Ausrüstung ist natürlich elementar und kostet ebenfalls Geld.
 
Trotz dieser einfachen Grundformel bietet Syndicate auch Abwechslung. In manchen Situationen ist es nicht damit getan Gegner bei Feindkontakt niederzuringen, gelegentlich ist man mit Personenschutz-Missionen betraut und muss wesentlich subtiler vorgehen. Zielpersonen müssen oftmals erst überzeugt oder geborgen und dann unbeschadet zum Extraktionspunkt geleitet werden. Diese Zivilisten sind aber, anders als die robusten Kampfdronen, weder feuerresistent noch kugelsicher und gegnerische Kräfte stören dieses Vorhaben natürlich durch massive Anwendung von Waffengewalt. Taktische Raffinesse besteht hier lediglich im gesplitteten Bewegen der Agenten und ihrer Schützlinge. Des Weiteren gilt es dann und wann Gegenstände zu bergen, was manchmal kniffliger ist als man es sich wünscht.

Die mächtigen Cyborgs lagern im Kälteschlaf. Aus Gründen die keiner kennt, haben Männer dem Syndikat oder dem Kult ihren Körper vermacht. Dieser Schritt führt üblicherweise keinen von ihnen jemals ins Leben zurück.

Die Geschichte

Syndicate Wars empfängt den Spieler in einer Stadt des grausamen Chaos. Wo die Straßen von kriegführenden Gruppen kontrolliert und die Unschuldigen gnadenlos gejagt werden. Wo grausame Cyborgs und wahnsinnige Kultisten mit genügend destruktiver Macht ausgestattet sind um ein Armageddon auszulösen. Im Prinzip war es das, so liest sich zumindest der Text auf der Verpackungsrückseite. Allerdings verfügt Syndicate Wars über eine überaus dichte und in meinen Augen fesselnde Geschichte, die für die Langzeit-Motivation beim Spielen aus meiner Sicht immer bestimmend war. Als Spieler schlüpfe ich in die Rolle eines jungen Mitarbeiters der externen Sicherheitsabteilung von Eurocorp. Ich verfüge über ein Aufklärungsluftschiff und eine Staffel Cyborg-Kampfdronen. Ich komme offenbar gerade recht, denn die Lage ist ernst.
 
Durch implantierte Chips und das globale Utopia-Netzwerk wird, ähnlich wie in dem Film "Die Matrix", den meisten Menschen eine paradiesische Welt vorgegaukelt. Ein Computervirus stört unerwartet das Utopia-System. Die implantierten Chips, mit denen die Weltbevölkerung unter Kontrolle gehalten wird, fallen daraufhin reihenweise aus. Bewaffnete Banden richten in den Städten Chaos an und bringen die bestehende Ordnung an den Rand des Zusammenbruchs. Per Email erhalte ich die ersten Einsatzbefehle. Mein Führungsoffizier heißt Maritz. Er wird sich später als Verräter herausstellen, ich werde ihn liquidieren und seinen Posten besetzen. Nicht jedoch ohne vorher zu erfahren, dass der tückische Kult der neuen Epoche aus früheren Eurocorp-Spitzenwissenschaftlern besteht und auch die unabhängigen Rebellen von einem ehemaligen Eurocorp-Funktionär geführt werden.
 
Zu diesem Zeitpunkt werden die Angriffe des militärisch hochgerüsteten Kults das Syndikat bereits so sehr geschwächt haben, dass die Künstlichen Intelligenzen an den örtlichen Niederlassungen die Kontrolle übernehmen und direkt Einsatzbefehle an mich ausgeben. Ich lösche vermeintlich gegnerisch infiltrierte Niederlassungen meines eigenen Syndikats aus und verliere dabei längst die Übersicht über Freund und Feind. Als mich Zweifel an der Richtigkeit meines eigenen Handelns befallen ist es für eine Umkehr zu spät: die wahnsinnige Sekte plant die vollständige Auslöschung der Menschheit und die Neubesiedelung der Erde. Ganz gleich wie viel unschuldiges Blut ich bereits an meinen Händen habe, jetzt ist es an mir das Schlimmste zu verhindern.

Kultisten in ihren prächtigen Kutten sind ein hochgerüsteter und entschlossener Gegner. Oder je nachdem für welche Seite ich mich entscheide eine verlässliche Stütze im Kampf. Agenten des Syndikats tragen coole Mäntel.

Konzept und technische Umsetzung
 
Das Konzept  von Syndicate Wars nenne ich die schnörkellose Inszenierung von futuristischen Feuergefechten in urbanen und postindustriellen Kulissen. Syndicate Wars ist düsterer und atmosphärischer als der Vorgänger, erscheint jedoch mit seiner vergleichsweise grobpixeligen Grafik vollkommen anachronistisch. Neben der qualitativen optischen Verschlimmbesserung im Vergleich zum Vorgänger herrscht in der Spielkulisse konsequent Nacht. Syndicate Wars nutzt eine sogenannte Höhenfeld-Engine, die zuvor bereits in Spielen wie Powermonger, Magic Carpet und Dungeon Keeper zum Einsatz kam. Einheiten-Objekte in dieser Welt werden in Form rotierender Sprites, die wie 3D-Objekte gerendert wurden, dargestellt.
 
Insbesondere durch die gut funktionierenden atmosphärischen Effekte wie Nebel, Rauch, Feuer, Regen und bedrohliche Schatten sowie die akustische Arbeit von Adrian Moore und Russel Shaw erschafft Syndicate Wars eine fesselnde Szenerie. Mit dreh- und zoombarer Kamera geht das Spiel den Schritt zur echten 3D-Welt. In der US- und GB-Version bleiben Blutlachen und Leichen zurück, wenn Menschen erschossen wurden. In Deutschland verschwinden die Toten im Nichts.

Der sogenannte „Desintegrate-Effekt“, der die sekundenschnelle Verdampfung oder Atomisierung von Menschen darstellt und eigentlich die spezifische Todesanimation für Treffer durch ein gewaltiges Strahlengeschütz ist, wurde kurzerhand für jedwedes Ableben eingestellt. Der Effekt wird allerdings von einigen Spielern auch so uminterpretiert, als dass die getroffenen Personen mit dem Ausfall des implantierten Chips im Todesfall auch vom Utopia-Netz abgekoppelt werden und darum schlagartig aus dem Sichtfeld der noch Angeschlossenen „desintegriert“ werden. Jedoch wäre das nur in wenigen Fällen schlüssig.

Syndicate Wars spielt mit Stimmungen. Dunkelheit und Regen sind unvermeidlich.

Dennis Ziesecke Freier Redakteur - P - 29697 - 29. Oktober 2009 - 21:01 #

Nichts gegen Syndicate-Wars. Aber es kam und kommt einfach vom Feeling und Stil nicht an den Urahn Syndicate heran. DAS habe ich abgöttisch geliebt, Wars nur noch flüchtig gespielt.

Ach ja, die Magic-Carpet-Engine (die kam hier doch zum Einsatz oder täuschen mich die Screens?) war mir auch unsympatisch, das aber nur am Rande ;) ..

Earl iGrey 16 Übertalent - 5042 - 29. Oktober 2009 - 21:24 #

Mich hat das alte Syndicate auch schwer beeindruckt. Magic Carpet habe ich persönlich, ebenso wie Dungeon Keeper, nie gespielt. Aber es stimmt, die Engine ist gleich.

Earl iGrey 16 Übertalent - 5042 - 29. Oktober 2009 - 21:30 #

Ich habe übrigens beide Kampagnen, Kult und Syndikat, bis zum bitteren Ende durchgespielt.

Inko Gnito (unregistriert) 29. Oktober 2009 - 21:58 #

Auf dem Amiga gehörte Syndicate zusammen mit den Siedlern und Monkey Island zu meinen absoluten Lieblingsspielen.
Den Nachfolger wollte ich immer mal spielen, obwohl die Kritiken bestenfalls durchwachsen zu nennen sind. Leider dürfte Syndicate Wars zu den CPU-fressendsten reinen DOS-Spielen überhaupt zählen. Mit der DOSBox lief es auf meinem Rechner bislang nicht mal ansatzweise flüssig. Aber sobald endlich ne neue CPU am Start ist, wirds definitiv angespielt.
Bei den stilistischen Vorbildern sollte noch Blade Runner genannt werden: das Autodesign, Zeppeline mit Leuchtreklame, lange Mäntel, Dunkelheit und Neonlicht.

Earl iGrey 16 Übertalent - 5042 - 29. Oktober 2009 - 22:10 #

Guter Tipp, ist drin. ;)

Atreyis 08 Versteher - 199 - 29. Oktober 2009 - 22:07 #

Jaaaaaaaa! Syndicate muss endlich in einer dritten Fassung kommen. Das erzähl ich schon seit Jahren. Zu genial war und ist das Gameplay.

Das letzte Level war übrigens bockschwer und ich habs bis heute nicht durchgespielt bekommen :\.

Kavendish 05 Spieler - 48 - 29. Oktober 2009 - 23:17 #

Ich hab hier sogar noch die PSX Version gestern beim aufräumen/renovieren gefunden...
Das Setting finde ich immer noch sehr ansprechend, aber ich fand es bockschwer damals auf der Playstation 1.

Porter 05 Spieler - 2981 - 30. Oktober 2009 - 10:53 #

mir Tränen die Augen, endlich einer dem auch das beklemmende Feeling aus Syndicate Wars fehlt/gefallen hat, ich bin nichtmehr alleine *schluchtz*.

Jaja Syndicate war gut, aber sammt seinem finsteren zukunfts Setting (Rießige Häuserzeilen, Videoleinwände) und genialen Sounduntermalung hatte Syndicate Wars einfach eine viel bessere(fast perfekte) Präsentation der Geschichte, und es sah dazu besser aus.

Vor allem der "Ghost in the shell" Trailer auf den Werbetafelen war nett anzusehen weil damals dieser ganze Anime Stil hier noch nicht so bekannt war, und doch passte der Film wie die Faust aufs Auge zu dem Spiel usw., usw.

Syndicate Wars war Porno für seine zeit!
DANKE FÜR DIESEN ARTIKEL!

B0B 11 Forenversteher - 717 - 30. Oktober 2009 - 11:03 #

Ich meine gelesen zu haben das EA bereits über einen Nachfolger nachdenkt/arbeitet.

Earl iGrey 16 Übertalent - 5042 - 29. November 2009 - 3:36 #

Das ist allerdings wahr. Zumindest wird darüber so laut spekuliert, daß sich die Balken biegen. Oder so. :)
Der Play Syndicate Newswire verfolgt diese Geschichte.

Graymalkin77 02 Sammler - 2 - 30. Oktober 2009 - 11:16 #

Das Ur-Syndicate war das erste Spiel für das ich damals meinen Rechner aufgerüstet habe. 2 Megabyte mehr Speicher mussten her, um die Mindestanforderungen zu erfüllen!
Das hat sich aber wirklich gelohnt. Syndicate zählt auf jeden Fall zu meinen Lieblingsspielen. Syndicate Wars habe ich nie ernsthaft versucht.

Anonymous (unregistriert) 30. Oktober 2009 - 12:42 #

Ich finde, dass Syndicate Wars die düstere Stimmung deutlicher rüberbringt als Syndicate (habe beide durchgespielt). Richtig genial finde ich, dass man alle Gebäude in dem Spiel komplett zerstören kann.

Ridger 18 Doppel-Voter - P - 10586 - 2. November 2009 - 8:48 #

Sehr guter Artikel. Leute, gebt mal mehr Punkte!

Porter 05 Spieler - 2981 - 2. November 2009 - 12:12 #

Bester Artikel!
obwohl da sicher noch so viel mehr drüber schreiben könnte :-)

icezolation 19 Megatalent - 19180 - 3. November 2009 - 18:36 #

Ein würdiger Artikel für ein würdiges Spiel! Hach, die tolle Zeit der Bullfrog-Spiele.. kann man nur nachtrauern und sich freuen, es heute dank pfiffigen Programmen dennoch spielen zu können ^^

Earl iGrey 16 Übertalent - 5042 - 12. November 2009 - 0:39 #

Schön, daß der Artikel Euch gefällt- und ja, es könnte noch viel mehr über Syndicate Wars gesprochen oder geschrieben werden. Vergesst nicht, Euch im Spiele-Steckbrief (oben rechts) mit einer persönlichen User-Bewertung zum Spiel zu beteiligen! ;)

Anonymaus (unregistriert) 15. November 2009 - 23:40 #

"Es gibt nur einen Weg hier Raus und Du Idiot hast das Auto zerstört!" oder "Nummer drei, kommen Sie von der Antenne runter. Wie zum Teufel sind sie überhaupt da hinauf gekommen?"
Es hätte noch etwas über potentielle Fallen und lustige Dead Ends drin stehehn können! :)

Earl iGrey 16 Übertalent - 5042 - 28. Februar 2010 - 19:16 #

Bezüglich "Ausnahmslos zur Strecke gebracht": Der Agent Wu bildet hiervon eine erfrischende Ausnahme. Er ist die einzige Figur, die überhaupt eine wirklich eigene Gestalt hat. Er trägt einen breitkrempigen Hut und einen Mantel/Überwurf der an Clint Eastwood in einem Italo-Western erinnert.

Natas2010 04 Talent - 39 - 14. Juli 2010 - 19:41 #

Bullfrog waren die besten.... schnief...

Anonym (unregistriert) 21. September 2010 - 18:43 #

Wie viele Cyborgs gehen auf eine Nadelspitze?

Roland 18 Doppel-Voter - 10859 - 21. Mai 2013 - 9:42 #

Und jetzt kommt möglicherweise eine Kickstarter-Aktion kommenden Juni zum Spiel. Warten wir ab.

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