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Super Mario Galaxy 2

HeadMunk 11. Dezember 2010 - 11:30 — vor 5 Jahren zuletzt aktualisiert
Nintendos schnauzbärtiger Superklempner konnte mit seinem zweiten Ausflug in die Weiten der Spielspaß-Galaxien positive Resonanzen sammeln, wie manch anderer beim derzeitigen Wetter Bazillen. Aber was ist wirklich dran am guten Ruf?
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Zu Beginn meines Artikels sei mir das Aufstellen einer kleinen These erlaubt: Während bei heutigen Produktionen wie Heavy Rain oder Metal Gear Solid 4 die cineastische Präsentation und das Kredenzen einer umfangreichen Geschichte zum guten Ton gehört und dem eigentlichen Gameplay dabei nur eine maximal gleichgestellte Rolle zufällt, bieten die Spiele rund um den rotbemützten Rohverleger seit eh und je einen starken, „oldschooligen“ Kontrast. Statt Bombast-Grafik, drehbuchgeklöppelten Dialogen und halbstündigen Filmsequenzen gibt es an dieser Adresse einfach nur schnörkelloses, extrem unterhaltsames Gameplay in delikater Reinkultur. Sei es Super Mario WorldSuper Mario 64 oder Super Mario Galaxy – der Essenz und dem Grundgedanken unseres liebsten Unterhaltungsmediums wurde hier immer besondere Aufmerksamkeit zuteil: Dem Spaß am Spielen.

Wie man zu dieser These stehen mag, ist wiederum eine andere Sache. Sicherlich gibt es noch weitere Titel, die bevorzugt durch gelungenes Gameplay bestechen wollen, doch steht Mario in seiner Position als Galions- und Identifikationsfigur einfach auf einem anderen Level. Auch darf man nicht verachten, dass die aktuelle Entwicklung im Segment der Videospiele einen großen Schritt in Richtung breite Akzeptanz mit sich gebracht hat. So kann ein Heavy Rain mit hoher Wahrscheinlichkeit eher durchblicken lassen, dass es sich bei Konsolen- und PC-Titeln nicht immer nur um dumpfes Herumgeballere oder kindliche Spielerei handelt. Doch wenn man die Quintessenz einer ganzen Generation von Videospielen sucht, ist man bei einem Super Mario generell nicht falsch aufgehoben.

Genau aus diesem Grund wollte ich es mir auch nicht nehmen lassen, meine eigentlich bereits verkaufte Wii noch einmal zu entstauben und in die Welten von Super Mario Galaxy 2 einzutauchen. Werde ich es vielleicht letztendlich sogar bereuen, Nintendos Casual-Cashcow-Konsolerie den Rücken zugekehrt zu haben?

Science Fiction meets Rohrzange
Der Weltraum: Unendliche Weiten ... und ein Mario-Kopf als leidlicher Raumschiff-Enterprise-Ersatz.

Ich wette, dass ein prozentualer Großteil aller Leser bei dem Namen Mario bereits eine ungefähre Vorstellung davon hat, wie die Geschichte rund um die neueste Sternenhatz auszusehen hat. Ja! Oberschurke Bowser entführt Prinzessin Peach … mal wieder ... und was macht der Lieblingsrohrverleger unserer zukünftigen Pilzkönigreich Majestät? Riiichtig! Er jagt seiner herzallerliebsten Dauergeisel hinterher, um sie den Klauen seines Erzbösewichtes zu entreißen. Dabei scheinen dem galligen Schildkröterich so langsam die Ideen auszugehen, schließlich flüchtet er sich erneut in den Weltraum, was so ziemlich seiner vorangegangenen Vorgehensweise entspricht. Was soll man sagen, ein typischer Mario-Plot: So weit so „Gäääähn“. Aber Nintendo wäre nicht Nintendo, wenn hiermit nicht die etwas dröge Ideenlosigkeit bereits ihr jähes Ende gefunden hätte. Denn schon mit den ersten Spielabschnitten setzen wir unseren Fuß auf die Sonnenseite dieses Sternensystems!

Gerade am Ende der unspektakulären Einleitung angelangt, werden wir auch schon per Sternenring ins Weltall und den ersten Level katapultiert, an dessen Ende mal wieder ein Powerstern als Belohnung wartet. Wie wir wenig später erfahren, brauchen wir diese güldenen Raritäten, um unserem Raumschiff in Mariokopf-Form den nötigen Antrieb zu verleihen, auch bis in die letzte von Bowser regierte Galaxie vorzudringen und damit die Möglichkeit zu bekommen, dem übelgelaunten Reptil kräftig auf die Füße zu treten. Aber sind wir mal ehrlich, das „Weshalb“, „Warum“ und „Wieso“ ist hier mal komplette Lachspastete! Wer einen Titel mit dem italienischen Klempner aufgrund der schönen Geschichte spielt, kauft sicherlich auch den Playboy wegen der eloquent recherchierten Artikel ...


Schwergewicht in Schwerelosigkeit

Wie bereits eingangs erwähnt, kommt es bei jedem Mario-Titel auf das Gameplay an. Und was für einen tollen Job Nintendo mal wieder in diesem Bereich abgeliefert hat! Ich möchte jetzt nicht zu sehr ins Detail gehen, die meisten Ideen und Designkniffe der einzelnen Levels sollte man einfach selbst erlebt haben. Eine genaue Beschreibung würde nur den „Aha-Effekt“ beim Spielen beschneiden. Stellt euch einfach vor, dass nahezu in jedem der insgesamt 49 Levels eine frische Idee auf euch wartet, die die Spielmechanik des typischen Jump ’n’ Run-Einerleis aufbricht, bereichert und euch durchweg bei der Stange hält. Bei jeder neu erschlossenen Galaxie sind wir gespannt, was denn jetzt wieder auf uns wartet. Seien es an alte Tage erinnernde 2D-Passagen, Abschnitte, die die Schwerkraft auf den Kopf stellen, mit kniffeligen Sprungpassagen gespickte Welten, deren Levelarchitektur mit jedem Wirbelschlag verändert werden oder imposante Bosskämpfe – Nintendo weiß einfach, wie man mit interessantem Leveldesign Spielspaß schürt.

Auch der schiere Umfang des Spiels kann begeistern: Durch insgesamt sieben Welten á 49 Galaxien jagen euch die Entwickler rund um Mario-Mastermind Shigeru Miyamoto. Eine dieser Welten ist dabei noch komplett optional und erschließt sich euch nur nach erfolgreichem Absolvieren des letzten Endkampfes. Und als wäret ihr hiermit nicht schon genug beschäftigt, eröffnet sich der Weg in das letzte der 49 Levels erst, wenn ihr alle 120 Sterne des Hauptspiels findet und danach noch einmal 120 sogenannte Grünsterne zusammenkratzt. Letztgenannte werden in den bereits bekannten Galaxien verstreut, sobald ihr alle übrigen Sterne euer Eigen nennt und sind meist einfach nur in den Arealen versteckt. Zusammen mit dem letzten freischaltbaren Level ergibt das eine stolze Anzahl von 242 Sternen! Eine neue Herausforderung besteht außerdem darin, die sogenannten Meteoriten-Münzen zu sammeln. Jede Welt besitzt einen dieser übergroßen Taler, die nach Erhaschen die kniffeligen „Kometen-Herausforderungen" freischalten. Abgesehen davon könnt ihr als kleinen Bonus auch mit Luigi Level absolvieren. Habt ihr eines auf diese Weise abgeschlossen, könnt ihr gegen einen Entwickler in Form eines Geistes im Wettlauf durch die entsprechende Galaxie hetzen und euer Können ultimativ messen (wenn auch ohne Belohnung). Des Weiteren sei noch der Wust an Extras vor Augen geführt, wie sieben unterschiedliche Pilzformen (drei komplett neue), die Mario besondere Fähigkeiten verleihen, die Rückkehr von Yoshi, der den Spielablauf ebenfalls durch neue Fertigkeiten erweitert und Motion-Controller-Spielereien wie dem Tuku-Gleitflug (wir lenken den an einem Vogel hängen Mario per Neigen und Drehen der auf den Bildschirm gerichteten Wii-Remote). Ihr seht, mit Umfang und Ideenreichtum allein ließe sich problemlos ein Telefonbuch-dicker Wälzer füllen. Die spinnen, die Japaner!

Über Langeweile kann sich unsere charmante Rotmütze wirklich nicht beschweren: Gerade die meisten Endbosse sind ein Quell echter Designgenialität und wissen zu unterhalten.

Maximilian John Community-Event-Team - 9880 - 11. Dezember 2010 - 11:50 #

Stimme dem Autor bei einigen Sachen zu, sehe aber die Contra-Punkte nicht ganz so kritisch. Ingesamt ein schöner Artikel.

HeadMunk 14 Komm-Experte - 1849 - 13. Dezember 2010 - 12:50 #

Danke für's Lob!

GANZ kritisch sehe ich diese Punkte ja auch nicht. In der Verbindung spricht man gern vom "Meckern auf hohem Niveau": Wollte damit nur Aufzeigen das auch ein Super Mario Galaxy 2 nicht perfekt ist.

Anonymous (unregistriert) 11. Dezember 2010 - 13:11 #

Ich habe SMG nach 70 Sternen aufgehört.
(Ich glaube nach 60 Sternen war die Hauptstory vorbei).

SMG2 habe ich vor dem Erreichen der ersten 20 Sterne
nicht weitergespielt, weil ich mir halt so vorkam, als
spielte ich wieder den ersten Teil weiter.

Mal sehen, was ich die nächsten Wochen so abarbeiten
kann (PC/PS3/Wii/DVDs), hab zum Glück schon
Weihnachtsurlaub ...
Auf der Wii wären das Epic Mickey und immer noch
das ... vier Jahre alte Zelda. Hölle, wie die
Zeit vergeht!

HeadMunk 14 Komm-Experte - 1849 - 13. Dezember 2010 - 12:48 #

Also zu Beginn von SMG2 musste ich mich auch noch ein bißchen zum Weiterspielen überreden, da der erste Endboss und das erste Level doch schon sehr dem Vorgänger ähneln und mir der Stil weniger zugesagt. Doch später haben mich die herausfordernden Level dann doch wieder in ihren Bann gezogen.

Anonymous (unregistriert) 11. Dezember 2010 - 17:18 #

Ich denke der Begriff "Evolution" im Fazit ist nicht ganz passend gewählt und an einigen Stellen wäre es schön mal ein bißchen früher auf den Punkt zu kommen.
Ansonsten schöner Beitrag:)

HeadMunk 14 Komm-Experte - 1849 - 13. Dezember 2010 - 12:45 #

Danke für deine konstruktive Kritik und dein Lob.

Fand "Evolution" eigentlich ganz passend, soll halt bedeuten, dass sich das Genre durch SMG2 nicht weiterentwickeln wird. Und das mit "auf den Punkt kommen" ist wirklich manchmal eine Schwäche von mir. Hast du vielleicht ein Biespiel? Dachte eigentlich, dass dieses Uer-Review mein bis jetzt "knackigster" und "straffster" Test ist! ;-)

Dowafu 10 Kommunikator - 426 - 11. Dezember 2010 - 20:48 #

kleiner fehler auf seite 1: Es sind sieben Welten mit a 49 galaxien. auch wenn es unlogisch ist.

HeadMunk 14 Komm-Experte - 1849 - 13. Dezember 2010 - 12:38 #

Danke für den Hinweis. Bin da wirklich ein bisschen durcheinander gekommen mit den Begriffen...

Behemoth 08 Versteher - 218 - 13. Dezember 2010 - 20:52 #

Sehr schönes Review. Genau die richtige Textlänge. Ich zögere aber nach wie vor mit dem Kauf von SMG2. Derzeit vertreibt mir Super Mario All-Stars noch die Zeit. :-)

HeadMunk 14 Komm-Experte - 1849 - 14. Dezember 2010 - 12:45 #

Danke für's Lob! Super Mario All-Stars ist auch wirklich ein guter Zeitvertreib. Bist entschuldigt! :)
Aber danach solltest du wirklich über Super Mario Galaxy 2 nachdenken - Mario-Fans ist das Teil in jedem Fall ein MUSS.

PaulElite 04 Talent - 27 - 20. Dezember 2010 - 20:06 #

Gut dass du einen Artikel zu dem Spiel verfasst hast. Hat mich echt interessiert

posti (unregistriert) 27. März 2011 - 20:23 #

nettes review zu einem der wenigen *leider* guten titel auf der nintendo wii

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