Thema: Ralph reicht's

Spiel/Filme_S1 User-Artikel

q 7. Dezember 2012 - 1:06 — vor 4 Jahren zuletzt aktualisiert
Disney wagt zum wiederholten Mal eine Reise in das Innere der Computerchips und Festplatten und erzählt erneut eine Geschichte über virtuelle Wesen. Im Gegensatz zu Tron geschieht dies diesmal etwas familienfreundlicher und weckt dabei auch Erinnerungen an die gute alte Zeit. Ralph reicht's, aber reicht's auch für einen guten Film?

Ralph reicht's - Wreck-It Ralph

Regie: Rich Moore
Drehbuch: Rich Moore, Jennifer Lee, Phil Johnston
Besetzung: John C. Reilly, Sarah Silverman, Jane Lynch
Altersfreigabe: PG/FSK: 0
Laufzeit: ca. 102 Minuten
Produktionsjahr: 2012
Budget: 165 Millionen $
Einspiel: 203 Millionen $
imdb-Wertung: 8.2/10
Trailer: YouTube
Kaufen: DVD / Blu-ray


Kritik: Was wäre, wenn die Figuren in unseren liebsten Computern und Konsolen ein eigenständiges Leben führen würden? Diese Frage stellte man sich bei Disney bereits vor 30 Jahren in dem Film Tron von Regisseur Steven Lisberger. Diesen Gedanken griff das Studio nicht nur für dessen direkte Fortsetzung Tron: Legacy aus dem Jahr 2010 auf, sondern strickte daraus glatt eine neue Geschichte: Ralph reicht's.

Hauptfigur dessen ist der titelgebende und kräftig gebaute Wreck-it Ralph (John C. Reilly/Christian Ulmen), der mit dem agilen Fix-it Felix Jr. (Jack McBrayer/Kim Hasper) quasi das Äquivalent zum klassischen Donkey Kong-Arcadespiel bildet. Ralph ist mit seiner Rolle als Bösewicht jedoch nicht sonderlich zufrieden und wünscht sich etwas mehr Anerkennung von seinen Kollegen, weil er ja eigentlich auch nur seinen Job macht und in Wahrheit ein ziemlich großes Herz hat.

Ohne zu viel von der Story verraten zu wollen, wandert Ralph im Verlauf der Geschichte durch eine kleine Auswahl an fiktiven Videospielen, trifft auf unzählige bekannte Figuren der Videospielhistorie und muss mit einem Problem kämpfen, das wohl jedem Spieler bekannt ist: Bugs und Glitches. Einer dieser Glitches ist die freche kleine Vanellope von Schweetz (Sarah Silverman/Anna Fischer), die Ralph zu Beginn ihres Abenteuers noch auf der Nase rumtanzt und ihr eigenes Ziel verfolgt - einen Sieg im Mario Kart-ähnlichen Funracer Sugar Rush. Für die Teilnahme an dem Rennen benötigt sie jedoch eine Medaille, die sich Ralph gerade zuvor erst erkämpft hat. Konflikte zwischen den beiden sind also (pun intended) vorprogrammiert.

Disneytypisch ist der Film relativ simpel und familiengerecht gehalten und erzählt eine einfache Geschichte über Freundschaft, Respekt und Zusammenhalt. Das bedeutet aber nicht, dass der Film nur auf Kinder abzielt - mitunter wird es in einigen dramatischen Momenten durchaus ernst. Und sicherlich gab es in der Filmgeschichte auch für Erwachsene schon leichter vorhersehbare Storywendungen. Das allein ist keiner Kritik würdig, da der Film für das, was er ist, richtig gut funktioniert und weitestgehend toll geschrieben ist. Nur weitestgehend, weil es gerade im Mittelteil die ein oder andere Länge gibt und die Nebenhandlung um Fix-it Felix und Sergeant Tamora Jean Calhoun (Jane Lynch/Vera Teltz) aus dem Halo-ähnlichen Hero's Duty ruhig ein wenig hätte ausgebaut werden können. Auch die Settings hätten ein wenig abwechslungsreicher sein können, spielt doch ein Großteil des Films in der bereits erwähnten zuckersüßen und kunterbunten Welt von Sugar Rush, an dem sich der ein oder andere Zuschauer möglicherweise schnell satt sieht. Ein bis zwei anders designte Spiele als Kontrast hätten dem Film noch den letzten Schliff verpassen können.

Das ist jedoch nur Kritik auf hohem Niveau, da der Film abgesehen davon blendend unterhält und schon fast mit den meist herausragenden Pixarwerken auf eine Stufe zu stellen ist. Das liegt nicht nur an den sehr nett gestalteten Figuren und ihren Dialogen, sondern am ganzen Design der Filmwelt, die mit unglaublich viel Liebe zum Detail erschaffen wurde und voller Ideen nur so strotzt. So ist es beinahe unmöglich, beim ersten Filmgenuss wirklich jede Figur und Anspielung erfassen zu können, von denen man vorher wohl nicht gedacht hätte, sie jemals in einem Werk vereint sehen zu können. Bemerkenswert ist auch die authentische und akkurate Umsetzung, die sich klar an (ältere) Videospielkenner richtet, was den Film nicht wie eine aufgesetzte Anbiederung eines ahnungslosen Großkonzerns wirken lässt. Beispielsweise bewegen sich die Figuren der alten Spiele nur in wenigen, abgehackt wirkenden Animationsphasen. An anderer Stelle betreten Ralph und Vanellope zudem sogar durch einen Glitch eine Art Dateileiche, also einen Spielabschnitt, der programmiert wurde und es nicht mehr in das fertige Spiel geschafft hat. Wer sich mit Videospielen nicht auskennt und diese Sachen nicht versteht, könnte sich davon dezent vor den Kopf gestoßen fühlen. Der Mut, diesen Weg zu gehen, ist Regisseur Rich Moore daher auch durchaus hoch anzurechnen.

Außerdem bietet Ralph reicht's neben der mittlerweile obligatorisch hochwertigen CGI-Kunst auch eine gehörige Portion von Geek-Humor (Stichwort: Cola plus Mentos) und Wortspielen. Letztere ließen sich leider nicht immer gut ins Deutsche übertragen, was zum Beispiel am Schild mit der Aufschrift Nesquiksand (Nesquik und Quicksand, dt. Treibsand) gut erkennbar ist. Wer also des Englischen mächtig ist und auf die Fassung im englischen Originalton zugreifen kann, wird ein paar mehr Gags vorfinden. Zum Glück hat die deutsche Dialogregie kräftige Schnitzer vermieden und so tauchen auch in der deutschen Sprachfassung Bugs und Glitches statt Käfern und Funktionsstörungen auf. Die Besetzung der deutschen Stimmen ist ebenfalls recht gelungen.

Fazit: Tron meets Toy Story meets Roger Rabbit. Ralph reicht's schwimmt ein wenig auf der derzeitigen Retrowelle mit und vereint diverse bekannte Elemente zu einem frischen und eigenständigen Werk. Eine unkomplizierte, witzige und kurzweilige Geschichte mit verdammt liebenswürdigen Figuren und unglaublich viel Charme, die nebenbei für die ältere Generation nicht nur eine nostalgische Zeitreise darstellt, sondern vielleicht auch dem ein oder anderen Jungspund  einen Anreiz bietet, sich mit den Ursprüngen ihres digitalen Lieblingshobbies zu beschäftigen. Pflichtprogramm!

Trivia: Ralph, der als Videospielfigur eigens für diesen Film kreiert wurde, schaffte es inzwischen als spielbarer Charakter in Segas Rennspiel Sonic & All-Stars Racing Transformed.
q 7. Dezember 2012 - 1:06 — vor 4 Jahren zuletzt aktualisiert
COFzDeep 19 Megatalent - P - 17107 - 7. Dezember 2012 - 1:16 #

Hm, ich fürchte im O-Ton wird der kaum in Kinos zu finden sein :( muss ihn mir dann aber definitiv mal auf DVD/BluRay anschauen, fand den ersten Trailer schon superwitzig und dein Review liest sich auch gut :)

Jak81 16 Übertalent - 5235 - 7. Dezember 2012 - 18:38 #

Ich glaube das Cinestar im SonyCenter Berlin zeigt immer O-Ton... aber keine Ahnung, ob das für dich gut erreichbar ist. :D

COFzDeep 19 Megatalent - P - 17107 - 9. Dezember 2012 - 23:32 #

. . . nein, nicht wirklich ^^

Cinestar in Hamburg (Streits) zeigt auch nur O-Ton, aber die haben nur einen(?) Saal, und da ist für Ralph offenbar kein Platz...

Green Yoshi 20 Gold-Gamer - 24389 - 7. Dezember 2012 - 1:58 #

Wollt ich mir auch noch unbedingt nächste Woche in Köln ansehen. Ich hoffe ich bin nicht der einzige Erwachsene im Saal (Eltern ausgenommen). ;-)

McGressive 19 Megatalent - 13872 - 7. Dezember 2012 - 2:05 #

Habe ich richtig Bock drauf!

Wieso erscheint Wreck-It Ralph eigentlich unter dem Disney Label? Bisherige Animationsstreifen aus dem Hause liefen doch noch unter Pixar und der Stil sieht doch auch schwer danach aus. Hat Disney jetzt noch ein zusätzliches (eigenes) Studio für sowas, oder wie..?

McSpain 21 Motivator - 27394 - 7. Dezember 2012 - 7:53 #

Pixar steht nur drauf wenn es Pixar gemacht hat. Disney hat auch ein eigenes Animationsstudio. Das hat am Anfang eher langweiliges B-Programm gemacht. Allerdings zuletzt mit Rapunzel - Neu Verföhnt einen durchaus überraschend guten Film abgeliefert. (Nicht vom grausam deutschen Titel täuschen lassen)

q 17 Shapeshifter - 6711 - 7. Dezember 2012 - 8:46 #

Jup, aber das zu Pixar ist nicht weit weg. John Lasseter, der bei Pixar war, ist nun Chef vom Animationsstudio bei disney. Und der steht für Qualität.

http://de.wikipedia.org/wiki/John_Lasseter

McSpain 21 Motivator - 27394 - 7. Dezember 2012 - 8:57 #

Is ja alles eine große Familie. Jetzt wo die Lucasfilm-Lizenzen auch noch im Hause sind hätte ich gerne eine Ralph-Reichts-Mäßige Verfilmung mit allen LucasArts-Adventure-Figuren. :D

q 17 Shapeshifter - 6711 - 7. Dezember 2012 - 9:21 #

Haha, die Figuren kennt er ja gut ^^ Vor Pixar hat er ja auch bei Lucasfilm gearbeitet :P

Thomas Barth 21 Motivator - 27682 - 7. Dezember 2012 - 2:36 #

Vielen Dank q!
Ich wollte mit ein paar Freunden diesen Film im Kino sehen, aber die wollten alle nicht mehr rein, nachdem die Kritik von Gameone so mies ausfiel und diese Freunde alles glauben, was die Jungs von Gameone sagen.

Nun habe ich den Film auf Blu-Ray schon mal vorbestellt und freue mich darauf, ihn dann auf dem heimischen Fernseher zu sehen. :)

q 17 Shapeshifter - 6711 - 7. Dezember 2012 - 8:51 #

Also, es gibt wie gesagt halt auch ein paar Kritikpunkte und es ist wie gesagt eine einfache Geschichte - aber mies ist wirklich was anderes. Auf rottentomatoes steht er sogar bei 86% und das ist nun echt nicht wenig.

Inso 15 Kenner - P - 3736 - 9. Dezember 2012 - 17:53 #

Also wir war´n mim Trupp im Kino und keiner war enttäuscht (25-40 Jahre) - klar du hast nen paar kitschige Passagen, aber du lachst an so vielen Stellen wenn du die Anspielungen verstehst, un erkennst auch so viel wieder, das es mich hinterher wundern würde wenn du / ihr enttäuscht wäret.

Ardrianer 19 Megatalent - 18988 - 7. Dezember 2012 - 7:09 #

danke für den Tipp. werde ich mal die Augen offen halten

Zottel 16 Übertalent - 4292 - 7. Dezember 2012 - 9:20 #

Hm, ich dachte eigentlich, Vanellope wäre eine der Giana Schwestern, als ich den Trailer gesehen habe. Aber scheint ja so zu sein, dass im Film nix von ner Schwester erzählt wird oder?

Ansonsten: Ist die deutsche Syncro wirklich annehmbar? Obwohl ich sonst eigentlich immer lieber auf Deutsch schaue, hatte ich beim Vergleich der Trailer das Gefühl, da liegen Welten dazwischen. Vor allem der Zombi in der Therapie-Gruppe, auf Deutsch ist der Null witzig, auf Englisch dagegen sehr.

q 17 Shapeshifter - 6711 - 7. Dezember 2012 - 9:29 #

Also ich fand sie wirklich ok. Bis auf Ulmen hat man auch keine Promis genommen, sondern richtige Synchronsprecher.

Hier auch mal ein direkter Vergleich...
deutsche Fassung
http://www.youtube.com/watch?v=16BQMAeQ6As
englische Fassung
http://www.youtube.com/watch?v=6JPL_eyASTY

Bei Animationsfilmen seh ichs bei Synchronfassungen auch nicht so arg, wie bei Realfilmen, weil es halt keine echten Menschen sind, die mit einer anderen Stimme verfremdet werden. Ralph ist ja nur eine leere Hülle.

Darth Spengler 18 Doppel-Voter - 9235 - 8. Dezember 2012 - 15:59 #

Ich bin normal auch gegen Promis in Synchros, allerdings Findet Nemo war perfekt mit den Stimmen ^^

q 17 Shapeshifter - 6711 - 8. Dezember 2012 - 16:39 #

Ja, die war wirklich verdammt gut!

Darth Spengler 18 Doppel-Voter - 9235 - 8. Dezember 2012 - 19:01 #

Da ein Enzimobakterium, ein ganzes Ökosystem in einem mikroskopisch kleinen Teilchen ! (die augen von dem rochen dabei *kaputlach*)

Zottel 16 Übertalent - 4292 - 9. Dezember 2012 - 12:19 #

Also ich konnte ihn jetzt sehen und muss dir recht geben. Im Großen und Ganzen ist die Synchro wirklich nicht schlecht, der Zombie bleibt zwar unlustig, aber der Rest passt. Vor allem Venellope fand ich ziemlich gut gesprochen auf Deutsch.

Achja, der Film ansich war natürlich auch super. Ich mag es, wenn Kinderfilme noch ne Meta-Ebene für die Erwachsenen bieten, damit sie auch was davon haben :).

Ich war besonders erstaunt, wie viel "Verständniss" Disney für dieses Thema hat, die Ideen waren wirklich klasse, sogar beim Abspann bin ich bis zum Schluss sitzen geblieben, so toll wie der war... Hach ja... die BD ist schon vorbestellt :)

jguillemont 21 Motivator - P - 26968 - 7. Dezember 2012 - 9:59 #

Da stimme ich Dir zu. Habe bisher nur die englischen Trailer gesehen und war recht angetan. Die Deutsche Übersetzung schreckt mich bisher ab.

Hoffe das der ganze Film besser ist.

NguyenTranLoc 09 Triple-Talent - 270 - 7. Dezember 2012 - 11:21 #

Hab ihn letzte Woche erfreulicherweise in einer Sneak Preview gesehen und fand ihn sehr unterhaltsam. Der Vergleich mit Toy Story ist ziemlich treffend. Auch Wreck-It Ralph erzählt im Grunde seine eigene Geschichte und die Cameos (und Namedrops) der bekannten Figuren sind auch wirklich nur das: Cameos (und das fast nur im ersten Akt).

marshel87 16 Übertalent - 5667 - 8. Dezember 2012 - 21:24 #

Ich sehe es genauso wie hier beschrieben :)
Besonders den Punkt mit der Vielfalt der Welten... Heroes Duty fand ich sehr sehr geil! Ich hätte mir gerne noch 1 oder 2 weitere Spiele gewünscht :)
Und sonst fand ich den Film auch richtig gut! Habe mich ein..zwei.. mal dabei erwischt an stellen zu lachen, wo manch anderer stillschweigend weiterguckte, weil er die Anspielung nicht verstanden hat :D

q 17 Shapeshifter - 6711 - 8. Dezember 2012 - 22:49 #

Freut mich sehr :)

lichee 15 Kenner - 3199 - 9. Dezember 2012 - 19:04 #

schicke Trivia-Section ;)

marcosantoro 12 Trollwächter - 873 - 11. Februar 2013 - 20:28 #

Ein muss für Fans mein Sohn ging voll ab.

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