Vom Casualspieler zum Gamer:

Osananajimi Tomodachi: Sonikku

Gerjet Betker 5. Oktober 2009 - 13:44 — vor 7 Jahren zuletzt aktualisiert
Seit nun mehr 18 Jahren läuft der blaue Igel schon über unsere Bildschirme. Auch wenn die letzten Spiele mehr schlecht als recht sind, hoffe ich immer noch, dass der Igel seine alte Blüte wieder erlangt, denn ohne ihn wäre ich nie dahin gekommen wo ich bin und mein Leben wäre völlig anders verlaufen.
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Sonniger Start: So unscheinbar fing alles an...

Ikone der Neunziger

Bevor wir zu mir kommen schauen wir uns erst einmal Sonic in den frühen Neunzigern an. Damals herrschte der berühmteste Konsolen- und Maskottchen-Marketing-Krieg, an den sich ältere Videospieler noch gut erinnern können. Dieser Krieg war auch der Grund, warum Fans bei Brawl ekstatische Ausbrüche bekamen, als Sonic angekündigt worden ist. Der Krieg begann kurz nach dem Erfolg von Super Mario Bros. 3 mit dem Beginn der 16-Bit-Ära. SEGA wollte an die Jugendlichen ran, für die ein kleiner, dicker, italienischer Klempner einfach nicht cool genug war. Das Ergebnis der Suche nach einem coolen Konterpart für Mario war Sonic - ein Rockmusik-liebender, Chilli-Dog-Verspeisender, blauer, schallschneller Igel, welcher keine Prinzessinnen retten musste.

Sonics Ziel war es die bösen Pläne des verrückten, aber mit einem IQ von 300 gesegneten, Wissenschaftlers, Dr. Ivo „the Eggman“ Robotnik, aufzuhalten und ganz nebenbei die Welt zu retten. Der blaue Igel trat mir gekonnten Sprüngen, seinen Sägeblatt-scharfen Stacheln und der schon erwähnten Geschwindigkeit jenseits der Schallmauer, was ihm seinen Namen verlieh, gegen die dunklen Machenschaften an und bezwang Dr. Robotnik dutzende Male. Mit der Zeit bekam Sonic mehr und mehr Freunde und Helfer innerhalb des Spiele-Universums, wovon einige aber den gesamten Hass der Videospieler auf sich zogen.

Auf dem Höhepunkt seines Kultes existierten sogar zwei Comic-Serien, eine US-Amerikanische, die heute die am längsten laufende Comic-Serie zu einem Videospiel ist und noch heute fortgesetzt wird und eine britische, die auch hier in Deutschland eine Zeit lang erhältlich war. Weiter gab es auch drei Cartoons, an denen sich die Geister schieden, und einen Film, welcher nur in der UK-Fassung hierzulande zu kaufen ist.

Wer in den Neunzigern lebte und nicht auf das virale Marketing von Sony reingefallen ist, für den war der Mega Drive die coole Konsole. Nintendo stellte nur Sachen für Kinder her und Mario war langweilig geworden. Bei Sonic gab es einen ordentlichen Weltuntergang im Spiel - aber genug der allgemeinen Informationen, lasst uns meine Geschichte als Videospieler etwas näher beleuchten:

Labyrinth Zone: Lebenslange Traumata vorprogrammiert

Von Traumata und Ekstasen

Das erste Sonic-Spiel erschien 1991 und der Tenko war noch ein Klecks von drei Jahren. Da sein Vater sich dazu entschlossen hatte, für die Familie eine Konsole als Weihnachtsgeschenk zu kaufen, kam ein Mega Drive mit vier Spielen ins Haus. Videospieltechnisch hatte ich damals schon ein paar Erfahrungen schon mit dem Amstad C6464 gesammelt, welcher in unserem Keller stand. Ja, ich konnte einen Computer bedienen, bevor ich in den Kindergarten ging - war ich ein Nerd damals. Ihr könnt euch vorstellen, was ein kleines Kindchen, was schon lesen konnte und erste Erfahrung mit Englisch gesammelt hatte, für Augen gemacht hat als ein 16-Bit-Spiel mit Blast Processing auf dem Familienfernseher flimmerte. Ich war nur 4-Bit-Grafik und Gepiepe gewöhnt. Somit verbrachte ich öfters die Zeit mit meinem Vater vor dem Mega Drive um das einzige Nicht-Sportspiel, was mitgeliefert worden war ausgiebig zu spielen.

Als erstes meisterte ich den Levelauswahlcheat: Hoch, Runter, Links, Rechts, A und beim Pling Start - Ich habe den Cheat genutzt, bis ich den Mega Drive auf Grund des Nintendo 64 komplett einstauben lies, um ein verdammtes Level zu umgehen: die Labyrinth Zone. Schon bevor ich eingeschult wurde, war ich in der Lage fünf der sechs Zonen allein zu schaffen, nur bei der Labyrinth Zone musste mein Vater mir helfen. Hach, wie viele Traumata ich durch dieses Level bekommen habe. Am schlimmsten war jedoch die Phobie, welche ich durch das ewige Ertrinken in der Zone erlangt habe. Es war schon eine Farce für mich das Seepferdchen zu machen oder in der Wanne unterzutauchen - Kindheitstrauma sind schon was Schlimmes.

Ihr könnt euch bestimmt vorstellen, was für ekstatische Ausbrüche ich gehabt habe, als ich die Labyrinth Zone das erste Mal allein geschafft habe. Aber das miese Gefühl bei Wasserlevel in Sonic-Spielen blieb. Ob Aquatic Ruins, Hydrocity, Coral Cave - mir fällt immer noch ein Stein vom Herzen, wenn ich die Zonen ohne größere Schäden überlebe. Auch mein Lieblingscharakter aus Sonic-Spielen, Miles „Tails“ Prower, ist wegen seiner Fähigkeit, Schwimmen zu können, mein Favorit geworden. Wobei Fuchspaddeln etwas verzweifelt aussieht, ich finde es süß.

Das Sonicversum bietet viele Möglichkeiten für Fan Arts und Fan Fiction - und nicht ohne Grund heißt es, der erste Schritt zum Furry, Fan von anthropomorphen Wesen, welcher sich als solche auch mal verkleidet, führt in der Regel über die Sonic-Spiele. Zwar bin ich kein Vollblut-Furry mit Fursuit, sondern nur ein Otaku geworden, aber nur ein gutes Videospiel kann den Grundstein für einen gesunden Wahnsinn legen.

Bis heute hält das Spiel Überraschungen für mich bereit

Wo läuft er denn?

Heute sind wir bei einem Punkt angelangt, bei dem man als Sonic-Fan auf die guten alten 2D-Teile schaut. Ich spiele zwar die neueren Sonic-Spiele, aber ich verbringe immer noch mehr Zeit mit den alten Spielen als mit den neuen. Das Problem ist ja allen bekannt. Seit dem "Tod" der Dreamcast kommt der Igel nicht in die Puschen. Es tut weh, zu sehen, dass schon wieder ein Sonic-Spiel absoluter Mist geworden ist. Ich bin kein Sonic-Fanboy - ich spiele nur gerne gute Jump‘n‘Runs. Sonic war das Jump‘n‘Run auf dem Mega Drive und der dritte Teil ist das beste Sonic-Spiel, was jemals gemacht wurde. Die 3D-Teile hatten immer etwas, was einen gewurmt hat. Aber ich warte immer noch auf ein gutes Sonic für die großen Konsolen. Project: Needlemouse klingt vielversprechend - aber das Sonic Team hat immer das gewisse Extra Schmarrn in die Konsolen-Titel programmiert.

Ich selber stehe hier heute und schreibe über meine frühe Kindheit und das „Idol“ jener Zeit für Videospieler und Programmierer. Weiter bin ich immer noch großer Jump‘n‘Run-Freund, wobei ich lieber zu einem Sonic oder Kirby greife, als zu einem Mario. Alle Melodien vom ersten Sonic-Spiel haben sich unvergesslich in mein Gehirn eingebrannt, aber ich werde das Gefühl nicht los, dass sich die Melodie der Spring Yard Zone wie das Ende der Mini-Playback-Show anhört. Also, ich habe euch genug von mir erzählt, bleibt mir nur noch eines zu sagen:

So denn - Ende - Tschüss!
Gerjet Betker 5. Oktober 2009 - 13:44 — vor 7 Jahren zuletzt aktualisiert
Timbomambo (unregistriert) 8. Oktober 2009 - 16:47 #

Ich finde Deinen Artikel schön und nicht zu lang geschrieben. Und wirklich beeindruckend, dass du schon mit 3 Jahren Computer-Erfahrung hattest.
Mein erster "wirklicher" Kontakt zum PC war auch ca. 1991 doch da war ich schon zehn! XD

Ich liebe übrigens dein Titelbild. Ganz groß!!!

Wayoshi 13 Koop-Gamer - 1668 - 25. Oktober 2009 - 22:45 #

Ich hatte meine "erstes Mal" auch mit genau diesem Spiel. Seitdem habe ich es wirklich zig mal gespielt, auf allen möglichen Konsolen - Ich liebe einfach Sonic :D

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