Freakshow #18

Notrium

Daeif 28. Mai 2013 - 14:23 — vor 3 Jahren zuletzt aktualisiert
Hereinspaziert, hereinspaziert! Hier seht ihr die merkwürdigsten Computerspiele der Welt. Ob seltsame Genres, kuriose Szenarien oder einfach nur bodenlos schlechte Machwerke: In dieser Show kommt ihr aus dem Staunen nicht heraus!
Heute, verehrte Veteranen des Lebens, geht es in einen weiteren Survivalkurs. Nachdem wir bereits lästigen Zombiehorden getrotzt haben, geht es nun ums Überleben auf einem fremden Planeten. Ich schätze, wenn man schon ein Survivalspiel programmiert, dann sollte man auch wirklich gleich mal Szenarios wählen, in denen man echt im Arsch ist. Und das kann eure Spielfigur in Notrium nun wirklich von sich behaupten.

Notrium wurde vom finnischen Programmierer Ville Mönkkönen erschaffen. Dieser hatte beim Entstehungsprozess des Spiels bereits einige Erfahrung, denn zuvor hatte er bereits fünf andere Titel programmiert, etwa die launige Weltraum-Sim Wazzal, die unser gesamtes Sonnensystem simuliert (natürlich inklusive der Asteroiden des Asteroidengürtels). Anders als beispielsweise Kenta Cho, der aus der Bullet-Hell-Idee gefühlte drölfzigmyriaden verschiedene Spiele basteln kann, hat sich Mönkkönen auf kein bestimmtes Genre verschieben: Über Beat'em'ups, 3D-Shooter oder Strategie-Rollenspielen hat der Mann kaum ein Genre anbrennen lassen. So ist es kein Wunder, dass Notrium seine erste Survival-Simulation ist. Kann da bei kaum Erfahrung überhaupt was gutes herauskommen?

Flying in se Blechbüchse

Das sieht nicht gut für unsere Konserve aus..
Vor Spielstart macht euch das Tutorium mit den wichtigsten Inhalten bekannt, und hui, vom Gameplay her ist der Titel ganz schön komplex. Neben dem obligatorischen Healthbalken müsst ihr unter anderem eine Energieanzeige im Auge behalten, damit euch der Saft nicht ausgeht. Kinderkram, meint ihr? Okay, wir wärs mit einer Nahrungsanzeige, die immer über null stehen muss, damit euer Charakter nicht verhungert? Immer noch nicht herausfordernd genug? Dann sollte euch die Temperaturanzeige Spaß machen. Jep, euer Charakter kann auch erfrieren oder einen Hitzeschlag bekommen. Und bloß nicht die Gewichtsanzeige vergessen: Schleppt eure Figur zu viel, krauft ihr nur noch schneckengleich über die Oberfläche. Und natürlich gibt es im Spiel eine derartige Vielfalt an Items, dass ihr wenigstens dieses Feature verfluchen werdet. Wenn euch nicht schon eines der anderen zur Verzweiflung gebracht hat.

Wollt ihr das Spiel starten, erwartet euch zunächst eine Überraschung: Ihr könnt aus vier verschiedenen Arten wählen. Und diese Spezies unterscheiden sich so deutlich, wie es eigentlich nur Starcraft-Völker könnten. Der Android beispielsweise benötigt keine organischen Gaumenfreuden, er bevorzugt stattdessen schmackhafte Volt. Das Alien dagegen ist stark, flink und braucht nur wenig Essen, dafür kann es keine Waffen tragen.

Danach gehts direkt ins Spiel. Eure „Weltraumbüchse“ (besonders vertrauenserweckend sieht das Ding wirklich nicht aus) wird zu Beginn abgeschossen. Mit letzter Kraft befreit sich eure Figur aus dem brennenden Raumschiff. Das Ziel nun: Unbekannt. Ganz recht, Notrium ist ein enorm offenes Spiel. Auf dem Planeten dürft ihr nun anstellen, was ihr wollt, und später eines von zahlreichen Enden erreichen. Vorrangig solltet ihr euch aber erst einmal daran machen, euch am Leben zu erhalten.

Top-Down-Survival

Ihr seht eure Figur aus der Vogelperspektive, die Steuerung könnt ihr aus mehreren Optionen wählen, als intuitivste empfand ich die klassische Maus-und-Tastatur-Bedienung. Schon zu Anfang steht ihr vor einer moralischen Entscheidung: Ihr seid nämlich dummerweise in die Hütte eines Einsiedlers gekracht, der jetzt verständlicherweise recht angesäuert ist. Er will euch die Schlüssel seiner Hütte für einen wichtigen Gegenstand überlassen. Was treibt der Typ da eigentlich? Und wo kommt er eigentlich her? Auf dem Planeten scheint er sich ja nicht sonderlich wohl zu fühlen, wenn er sich schon selber einschließen muss. Vielleicht ist es ja einer der Klonkrieger, der sich nach der Zerstörung des zweiten Todessterns dort verkrümelt hat. Oder ein Anhänger des Dominion nach der Niederlage im Dominionkrieg. So, ich hoffe, ich habe beide Sci-Fi-Franchise-Lager ausreichend bedient.

Jedenfalls begleitet er einem, wenn ihr ihm den Gegenstand überlässt, eine große Hilfe ist er aber nicht. Also verdresche ich den Kerl und hole mir den Schlüssel so. Eigentlich nicht die feine englische Art, erst dem Kerl seine Hütte kaputt zu machen und ihm dann auch noch die Birne einzuschlagen, aber was solls.

Ich will gerade seine Hütte verlassen, als plötzlich ein schrecklich Knurren ein Ohr erreicht. Hausen ihr etwa teuflische Monster? Ich setze einen zaghaften Schritt vor die Tür. Plötzlich rennt eine Art Riesenkäfer auf mich zu, anscheinend mit einem gesegneten Appetit. Ich renne, so schnell ich kann, finde ein paar Kieselsteine und bewerfe das Vieh in meiner Not. Doch siehe da: Die Steine verletzen das Untier, nach ein paar weiteren Würfen liegt es blutend am Boden. Ich trete näher und betrachte es eingehend. Sieht mager aus, aber essbar. Meine erste Mahlzeit auf diesem Planeten! Später finde ich noch einige Pilze, die ebenfalls satt machen. So wage ich mich immer weiter raus, betrete neue Schauplätze und finde immer hilfreichere Gegenstände. Die H. R. Giger-Geschöpfe werden zwar größer, aber schon bald finde ich die Bauteile für eine Pistole, mit denen ich mich gegen die Monster zur Wehr setzen kann. Doch muss ich zu dem Schluss kommen, dass nicht nur die Käferviecher hier leben...

Von hier aus steht es euch frei, zu tun, was ihr wollt. Mit jedem neuem Gegenstand, mit jeder weiteren erlernten Fähigkeit könnt ihr in immer weitere Gefilde vordringen, wo ihr euch gegen neue Feinde verteidigen müsst. Viele zunächst nutzlose Gegenstände lassen sich kombinieren, um sinnvolle Sachen herzustellen. Schließlich könnt ihr auch erforschen, welche Machenschaften sich auf dem Planeten abspielen. Auch lassen sich sämtliche Alienköniginnen töten oder ihr macht einfach so schnell wie möglich wieder die Biege.

Ihh, Riesenkäfer! Aber keine Angst: Die Viecher sehen auf Bildern zwar ekelig aus, die miesen Animationen nehmen den Wesen aber einiges von ihrem ekeligem Aussehen.
Technisch solltet ihr von Notrium nicht allzuviel erwarten: Die Grafik ist hässlich, die Animationen zappelig, lediglich die Lichteffekte sind ganz nett. Auch das Design ist wenig aufregend: Die Aliens sind, wie bereits erwähnt, eindeutig von Giger inspiriert, Menschen lassen sich kaum als solche identifizieren. Immerhin ist das Terrain abwechslungsreich: Sümpfe, Wüsten, Winterlandschaften und sogar eigenartige Blumenwälder erwarten euch.

Viel zur Atmosphäre trägt der Sound bei, etwa durch das gruselige Aliengegrunze. Auch die beklemmende Musik versetzt euch in Stimmung. Allerdings sind die Soundeffekte etwas mager.

Selbst nach Erreichen sämtlicher Enden mit allen Charakteren kommt noch längst keine Langeweile auf, denn der Titel ist modbar. Das haben zahlreiche Fans dankend angenommen und haben ein paar interessante Szenarien entworfen, die teilweise ein völlig neues Spielerlebnis bieten. So könnt ihr mit Notrium über Monate hinweg Spaß haben.

Fazit: Blut, Schweiß und Tränen im All

Notrium ist für alle Freunde von Survival-Spielen ein Pflichttitel. Könnt ihr euch mit der kargen Technik anfreunden, erwartet euch ein äußerst komplexer Titel, der durch verschiedene Charaktere und Enden und nicht zuletzt aufgrund der Modbarkeit einen enormen Wiederspielwert besitzt. Verschiedene Schwierigkeitsgerade sorgen dafür, dass selbst Muttersöhnchen bei vorsichtigem Herantasten überleben, während Survivalisten eine eingefleischte Herausforderung erhalten.

Damit schließt die Show für heute. Kommt auch das nächste Mal wieder vorbei, wenn ihr die kuriosesten und merkwürdigsten Titel der Spielwelt erblicken wollt. Ich bin euer Gastgeber Daeif und sage euch: Im Weltraum hört euch niemand schreien...

Woher nehmen, wenn nicht stehlen?
Notrium könnt ihr euch kostelnlos für Windows auf dieser Seite herunterladen. Bei neueren Betriebssystemen (Vista und 7, wobei Vista wohl eh kein Schwein mehr nutzt) kann es allerdings zu Problemen beim Speichern kommen, obwohl diese per Patch behoben worden sein sollen.
Daeif 28. Mai 2013 - 14:23 — vor 3 Jahren zuletzt aktualisiert
ChuckBROOZeG 19 Megatalent - 18732 - 28. Mai 2013 - 16:11 #

"Notrium könnt ihr euch kostelnlos für Windows auf dieser Seite herunterladen."

Welcher dieser Seite?

Daeif 19 Megatalent - 13770 - 28. Mai 2013 - 17:49 #

Arg, das kommt davon, wenn man zu früh auch „wird nicht mehr bearbeitet" klickt. ;)

Habs korrigiert. Und weil du so nett drauf hingewiesen hast, hier noch mal der Link:

http://www.instantkingdom.com/notrium/

ChuckBROOZeG 19 Megatalent - 18732 - 28. Mai 2013 - 18:03 #

Ach bei der Textlänge kann das schonmal passieren :-D.

Aber btw warst du es nicht der damals die graphische Version von DoomRL vorgestellt hat? Davon gibt es jetzt nach ca 1 Jahr ein neues Update. Grafik ist gleich geblieben aber es gibt mehr Content.

Daeif 19 Megatalent - 13770 - 28. Mai 2013 - 19:34 #

Hatte einen Artikel dazu geschrieben (war die erste Folge), aber das mit der graphischen Version ist mir neu. Gleich mal nachgucken...

ChuckBROOZeG 19 Megatalent - 18732 - 28. Mai 2013 - 20:05 #

Na das Tileset gab es wie gesagt direkt vom Hersteller vor über einem Jahr beim letzten Patch. Und beim Aktuellen Patch haben sie halt die Zufallslevels erweitert so das jede Partie noch mehr variieren kann.

Freylis 20 Gold-Gamer - 20960 - 4. Juni 2013 - 21:20 #

@Daeif: Wieder mal eine absolut gelungene Freakshow. Du verstehst es wirklich, einem ein Spiel schmackhaft zu machen (wie hier) oder zu vergraulen (wenn es das verdient!) ;p Ich koennte mir gut vorstellen, den Titel mal herunterzuladen und im Rahmen meines Herbsturlaubs im Oktober durchzuzocken.
PS: Ich muss sagen, dass deine Artikel auch stilistisch von mal zu mal noch besser werden als sie das ohnehin schon waren. Einige Wendungen und Begriffe haben mir absolut imponiert und ich werde sie gerne in mein Vokabular assimilieren :]

Liebe Gruesse von Schreiberling zu Schreiberling,
See ya @ the next Freakshow.
:)

Daeif 19 Megatalent - 13770 - 5. Juni 2013 - 14:50 #

Danke für dein Lob. Das steigert trotz meines derzeit vollen Terminkalenders die Motivation, mich an die nächsten Folgen zu begeben :)

Ganon 22 AAA-Gamer - P - 33753 - 24. Juli 2013 - 14:48 #

Hey Daeif. Deine Freakshow-Artikel sind immer wieder interessant und unterhaltsam zu lesen, aber sie sollten vielleicht ein bisschen öfter korrekturgelesen werden. Habe eben die Nummern 17 und 18 gelesen und da sind mir einige haarsträubende Fehler aufgefallen: Grammatik, Satzbau, reine Tippfehler... eigentlich nicht so schwer zu beheben.

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Ville Mönkkönen
Ville Mönkkönen
09.09.2003
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