Vorsicht Falle!

Nepper, Schlepper, Bauernfänger

Gerjet Betker 2. November 2009 - 20:25 — vor 7 Jahren zuletzt aktualisiert
Sobald aus einer Plattform eine eierlegende Wollmilchsau geworden ist, wollen alle aus ihr Gewinn schröpfen. Videospieler werden mit lieblosen, langweiligen und mistigen Spielen überflutet und die wahren Spieleperlen werden aus den Kaufhausregalen verdrängt. Woran aber erkennt man sofort den absoluten Spielemist?
Vielen älteren Lesern von euch wird noch die Informationssendung "Vorsicht Falle!" mit Eduard Zimmermann bekannt sein. Diese Sendung trug den Untertitel "Nepper, Schlepper, Bauernfänger" und gab durch gestellte Situationen Tipps, wie man Tricks und Betrügereien von Verbrechern, die nur ans Geld wollen, erkennen kann. Wir Videospieler fallen auch des Öfteren auf Blender rein, welche uns das ultimative Spieleerlebnis mit der besten Grafik des Jahrhunderts versprechen, wobei sich diese Spiele in der Konsole als der größte Unsinn der Menschheitsgeschichte offenbaren. Warum tun uns Entwickler so etwas an? Sind sie geldgeil und schmeißen jeden Mist ins Regal, mit dem sie auf der Trendwelle surfen können? Oder sind sie einfach nur unerfahren im Programmieren und stehen unter dem Druck ihres Publishers? Nichtsdestotrotz gibt es einige Anzeichen von Nepperware im Spielehandel, welche man beachten sollte?

Photoshop‘d

Wie schon so oft erwähnt, ist der Mensch ein Augentier und ist dadurch leicht beeinflussbar. Spieleschachteln lächeln uns mit atemberaubenden Illustrationen an und wollen zeigen, wie toll sie sind. Nepperschachteln setzen mit ihren Designs auf Bekanntes und Altbewährtes. Oft imitieren schlechte Spiele das Logo von bekannten Spielegrößen oder auch das gesamte Design ist ein Plagiat eines Bestsellers. Unaufmerksame Nicht-Spieler greifen oft blind ins Regal und nehmen das Ding mit nach Hause. Dort wundern sie sich, warum das Spiel komplett anders ist, als erwartet und regen sich darüber auf.

Auch wird das Mittel der Screenshot-Manipulation gerne bei schlechten Spielen genutzt. Man kauft oft die Katze im Sack, weil entweder gar keine Screenshots auf der Schachtel vorhanden sind, oder gefälschte. Bei schlechten Spielen wird sich die Mühe gemacht, die Grafik auf den Verpackungsscreenshots künstlich nach High-End aussehen zu lassen, wobei das Spiel eine Grafik besitzt, gegen die der "Nebel  64" HD ist. Besser gesagt, ein Besuch beim Ophthalmologen wäre bei solchen Spielen ratsam. Weiter kann ein Spiel trotzdem gute Grafik haben, aber durch alle anderen Punkte ist es ein Schrottspiel.


Blecherne Bläser

Schon in ChipTunes-Zeiten konnte man gute von schlechten Spielen nur anhand der Musik unterscheiden. Gute Spiele nutzten die Soundchips der Generation voll aus und das MIDI-Gedudel brannte sich positiv ins Gehirn ein. Schlechte Spiele erkennt man an der Kreativlosigkeit bei der Musik. Schon nach wenigen Momenten beginnt das Innenohr des Spielers zu bluten, da die Komponisten der Musik von Schrottspielen jegliche Grundregeln der Musik vergessen haben. Weder halten sie sich an Struktur noch an Klangfreundlichkeit der Spieluntermalung. Öfter wird auch versucht, bekannte Jingles zu kopieren, wobei aber viele Tonspuren vergessen und der Hörer nur Migräne bekommt. Oder die Musik besteht nur aus Schleifen von drei bis vier quietschigen Tönen, die einen in den Wahnsinn treiben können.

In den letzen Jahren gab es auch das Phänomen der Rattenfänger mit Musikspielen. Nach dem großen Erfolg von Guitar Hero und Rock Band, wollten auch kleine Unternehmen mit Musikspielen das große Geld erlangen. Problem an den Klonmusikspielen ist, dass bei Lizenzwerken Remixes oder uralte Volkslieder, auf die es keine Lizenz mehr gibt, benutzt werden. Die Remixes nerven des öfteren durch schlechte Aufnahmen oder mangelndem Wiedererkennungswert bekannter Lieder. Es tut schon weh, wenn zum Beispiel "It‘s a Wonderful World" gespielt wird und der Sänger eine weiche, glatte Stimme hat. Musik ist eine Kunstform, die man pur genießen muss; sei es im Konzertsaal oder in Videospielen.


Let‘s waggle again!

Schlechte Spiele erkennt man auch an der Steuerung und deswegen ist anzuraten, jedes Spiel bei der Videothek des Vertrauens auszuleihen. Lieblos wird eine Steuerung in das Spiel gebaut, welche ein ergonomisches Desaster ist. Tasten, welche bei guten Spielen höchstes als tertiäre Wahl genutzt werden, sind bei potentiellen Mülltiteln die Haupttasten. Jeder Versuch, einigermaßen das Spiel genießen zu können, wird mit einer Sehnenscheidenentzündung bestraft, welche schmerzhafter ist als die Handverbrennung, die man sich bei Mario Party holen konnte. Erschwerend zur unmöglichen Tastenbelegung bei der Steuerung kommt die Reaktionszeit des Spieles hinzu. Normalerweise sollte der Input im einstelligen Mikrosekunden-Bereich vom Spiel wahrgenommen werden, doch als Spieler kann man schon die Sekunden zählen, bis etwas geschieht. Dadurch wird die Steuerung noch schwammiger als sie schon nicht sein dürfte und präzise Sprünge in Jump‘n‘Runs sind ein Ding der Unmöglichkeit.

Ein weiterer Trend von schlechter Spielsteuerung kam mit dem Erfolg der Nintendo Wii und des Nintendo DS auf. Wie unter Zwang versuchen Spieleprogrammierer die speziellen Eigenschaften der Input-Geräte dieser Konsolen irgendwie in ihr Spiel zu verwursteln. Bei jedem miesen Wii-Spiel kann man sich sicher sein, das der Spieler sich vor dem Bildschirm epileptisch bewegen muss um Punkte zu machen. Sinnloses Herumgefuchtel und WiiMotes in den Augen der zu nahe stehenden Mitspieler bei dem x-ten Party-Spiel sind vorprogrammiert. So etwas wie humane Bewegungsabläufe oder Erschöpfungserscheinungen sind für Steuerungsmacher bei schlechten Spielen ein Buch mit sieben Siegeln. Und beim DS hämmert, kratzt und wischt der Spieler bei Spielen, die das Geld nie wert sein werden, so lange auf dem Touchscreen herum, bis man sich einen neuen DS kaufen muss, um das Spiel doch noch beenden zu können.


Das schlimmste was jemals für eine der
modernen Konsolen entwickelt wurde.
Lizenzausschlachtung

Wie sprach einst Yoghurt zu Lonestar? Mit Merchandising wird das große Geld gemacht. Und einer der gewinnträchtigsten Werbeartikel ist das Videospiel. Zu jedem großen Film gibt es ein Videospiel, sogar zu jedem sinnlosen Produkt gibt es eines. Auch wenn der Film oder das Produkt, das Beste seiner Klasse ist, ist das Spiel meist das Gegenteil.
Jede lieblos dahingeklatschte Unterhaltungsgrätsche wird als das Super-Spiel mit dem Mega-Star für das Giga-Produkt beworben und die Konsumenten kaufen es, da ihnen der Namensträger gefallen hat.

Videospiele und Kinofilme sind eine Hassehe eingegangen zum Nachteil der Kunden. Der Schwierigkeitsgrad der Spiele wechselt von absolut billig zu mörderböse innerhalb eines Bildschirmabschnittes und Spaß ist bei solchen Spielen ein Fremdwort. Schlimmer als Kinofilmumsetzungen sind nur Serien- bzw. Produktumsetzungen als Videospiel. Nicht nur die in den vorhergegangenen Abschnitten erwähnten Schundfaktoren sind in solchen Werken zu finden, sondern Schlimmeres. Die Entwickler können sich sicher sein, dass die Fans der Serie die Spiele kaufen, egal was für ein Unsinn es ist. Nur selten bricht ein Spiel diese Regel und wird zumindest ein Seven of Ten, wenn nicht sogar ein Top-Titel.


Abgestempelt

In normalen Magazinen werden diese Machwerke aus den tiefsten Abgründen der menschlichen Dummheit mit harscher Kritik und Wertungen unter 40% bestraft, jedoch gibt es auch Magazine, die jene Spiele in den höchsten Tönen loben. Oft sind diese Magazine Partner von den Entwicklern oder von den Lizenzeignern und dadurch wird es gewiss, dass den Schreibern verboten wird, das Spiel schlecht zu reden. Selbst wenn ein Redakteur Augenkrebs, Gicht und Exitus beim Spielen des Produktes erleidet, steht später im Magazin zum Beispiel: "Ein unvergessliches Spieleerlebnis!"

Die realistische Kritik wird bei der Verpackungsgestaltung missachtet und nur die Lobeshymnen auf die Verpackung in Form überdimensionaler Bewertungsaufkleber dargestellt. Es gibt viele Konsumenten, die sich auf das, was auf der Packung steht, verlassen - was leider zu oft zu Fehlkäufen geführt hat. Den einzigen Vorteil, den solche Bewertungsaufkleber haben, ist, dass man das grausame Cover nicht mehr erkennen kann.


Liegenlassen oder Sporken?

Was tun wir Spieleveteranen nun, wenn wir ein solches Spiel beim Händler entdecken? Normalerweise lassen wir es unbeachtet im Regal liegen oder verstecken es in der dunkelsten Ecke davon. Aber wenn wir zuviel Geld übrig haben und mit einem Capture Device und Videokamera umgehen können, machen wir oft eine satirische Review dieses Spieles.

Ich habe mich selbst schon oft vor dem Karstadt-Regal erwischt mit dem Gedanken Ninja Bread Man zu kaufen. Jeder der etwas Ahnung von Wii-Spielen hat, weiß was dieses Spiel mit mir gemacht hätte. Da ich einer Depression und Selbstzweifel an meiner Fähigkeit als Videospieler entgehen wollte, ließ ich dieses Spiel liegen und warne jeden davor, es anzuspielen. Wer jedoch eine stabile Psyche und einen guten Sinn für Humor hat, darf sich dieses Spiel und Konsorten zur Brust nehmen und damit seinen "Spaß" haben.
Gerjet Betker 2. November 2009 - 20:25 — vor 7 Jahren zuletzt aktualisiert
Gerjet Betker 19 Megatalent - 13638 - 4. November 2009 - 21:01 #

Wenn jemand die Textfarbe in der Box noch auch weiß ändern könnte, wäre ich ihm dankbar - sollten Formatierungsfehler in der Box sein - bitte entfernen, da es unter FF 3.5.4 Safari 4.0 sauber aussieht.

ChrisL 30 Pro-Gamer - P - 137308 - 4. November 2009 - 21:57 #

Du könntest auch versuchen, mit dem Spickzettel (über HTML-Button) links bzw. rechts ausgerichtete 200er oder 300er Boxen einzufügen. Bei denen wird dann auch die Bildunterschrift weiß angezeigt. Weiterer Vorteil: Es gibt einen Abstand zwischen Text und Grafik.
Allerdings müsstest du für diese Boxen die Grafiken noch etwas in der Breite anpassen.

- "das Schlimmste" = Schlimmste

Gerjet Betker 19 Megatalent - 13638 - 4. November 2009 - 22:04 #

Schon versucht - jedoch kamen dadurch immer riesige schwarze Flecken, da das Bild sich nicht zentrieren lassen wollte.

(Und irgendwann sollte ich meinen Lehrern danken, dass ich drei verschiedene Rechtschreibsysteme lernen musste und die nun ständig durcheinander bringe)

ChrisL 30 Pro-Gamer - P - 137308 - 4. November 2009 - 22:56 #

Hmm, normalerweise musst du die Bilder nicht extra ausrichten - wenn sie die gleiche Breite wie die jeweilige Box haben.

Fabian Knopf Dev - P - 12707 - 6. November 2009 - 17:26 #

Normalerweise haben wir feste Bildbreiten von 200/300/600, deswegen gibt es da mit 250-breiten Probleme.

Ich habe die BUs lesbar gemacht und Abstände zum Text hinzugefügt.

Anonymous (unregistriert) 5. November 2009 - 7:28 #

"Schon in ChipTunes-Zeiten konnte man gute von schlechten Spielen nur anhand der Musik unterscheiden. "

Äh. Nö. Such mal nach "Martin Galway". Spiele von Ocean Software hatten oft eines gemeinsam: Sie waren billig, sie waren schlecht aber sie hatten einen klasse Soundtrack.

Jamison Wolf 17 Shapeshifter - P - 8026 - 5. November 2009 - 9:17 #

Ausnahmen bestätigen die Regel. :)

Anonymous (unregistriert) 5. November 2009 - 15:24 #

Bullshit...

ichus 15 Kenner - 2987 - 5. November 2009 - 16:04 #

Es gibt noch einen Rechtschreibfehler. Bei "wird" fehlt das "d". Nur als Hinweis!!

Ansonsten ein schöner Artikel!

Punisher 19 Megatalent - P - 13365 - 13. November 2009 - 21:13 #

Cooler artikel... eine Frage:

"wobei das Spiel eine Grafik besitzt, gegen die der "Nebel 64" HD ist"

Nebel 64? den versteh ich auch beim 3. mal lesen nicht, sorry. :)

Gerjet Betker 19 Megatalent - 13638 - 14. November 2009 - 13:50 #

"Nebel 64" ist der Spitzname des Nintendo 64, um die matschige Grafik der Konsole zu beschreiben.

Tenshidoru 05 Spieler - 53 - 15. November 2009 - 13:20 #

Sehr unterhaltsam :) Aber mittlerweile scheinen selbst Promis auf Ehen mit der Branche zu stehen, lol...

Tenshidoru 05 Spieler - 53 - 15. November 2009 - 13:22 #

@Punisher: man konnte wirklich nicht weit sehen, damals...^^

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