User-Test: Zum Fressen gern

Neo Scavenger User-Artikel

Roland 28. Dezember 2014 - 18:58 — vor 2 Jahren zuletzt aktualisiert
Allein in der Wildnis zu sein, ist für einen Jäger oder Archäologen kein Problem. Doch alleine mit einem dünnen Kittel bekleidet in einer postapokalyptischen Wildnis kann durchaus problematisch sein. In dieser Welt zu überleben erfordert knallharte Entscheidungen und ab und zu eine Brechstange gegen fiese Mutanten.
Mühselig schleppt sich unser Charakter zu einem dreckigen See und trinkt gierig aus der Brühe, bis der brennende Durst gelöscht ist. Doch bald rächt sich dieser Akt der Verzweiflung, denn diese widerliche Brühe führt nach einigen Stunden zu einem furchtbaren, blutigen Durchfall – unser Charakter stirbt schon bald an Erschöpfung und Dehydration. Unverzeihlich und mit weitreichenden Konsequenzen versucht das kürzlich veröffentlichte Survival-Rollenspiel Neo Scavenger, dem Spieler in einer postapokalyptischen Welt das Überleben schwer zu machen.

Die Endzeit ist eingetreten: Die Erde wie wir sie kennen existiert nicht mehr. Städte liegen in Trümmern, die Natur erobert sich die letzten Spuren der Zivilisation zurück und andere Gebiete sind verstrahlt und kaum passierbar. In den Ruinen der Welt streifen neben Wildtieren hoffnungslose Seelen umher, die um ihr tägliches Überleben kämpfen – ob als Jäger oder Gejagte. Und als sei das nicht genug, hausen in den Ruinen der Städte oder tiefen Wäldern mutierte, unheilvolle Wesen, die alles heimsuchen was sich nicht schnell genug in Sicherheit bringen kann. In einer der zahlreichen Ruinen, einer ehemaligen Cryo-Klinik im Bundesstaat Michigan, erwacht der Spieler aus dem Kälteschlaf und der Überlebenskampf beginnt.

Survival of the fittest

Zu Spielbeginn erhalten wir eine Auswahl aus 12 Fähigkeiten, die über unterschiedliche Kosten verfügen.  Ob unser Held ein fähiger Nahkämpfer sein soll, stark, athletisch und ein begabter Spurenleser ist entscheidet ein Score von 15 Punkten.  Sind die 15 Punkte aufgebraucht kann keine weitere Fähigkeit dem Charakter 
Wer die Wahl hat, hat die Qual. Die vorausschauende Auswahl und der nützliche Einsatz der Fähigkeiten entscheidet über Leben und Tod.
hinzugefügt werden. Wir können jedoch unserem Helden eine nachteilige Eigenschaft wie Schlaflosigkeit hinzufügen, wodurch weitere Punkte frei werden. Eine Verbesserung der Fähigkeiten ist im Verlauf des Spiels nicht möglich – mit dem Charakterstart erschöpft sich die rollenspielartige Verteilung von Fähigkeiten. Im Verlauf zahlreicher Begegnungen im Spiel werden alle Fähigkeiten gebraucht – so kann der athletische Charakter schneller einem Biest entkommen oder auf ein Dach klettern während ein anderer sich unter Umständen einem Kampf stellen muss. Doch Achtung: die Fähigkeiten bewahren den Spieler nicht vor dem sicheren Tod, wenn dieser auf Teufel komm raus unvorsichtig oder fahrlässig handelt. Nicht alle gefundenen Beeren oder Pilze sind bekömmlich. Ein Charakter mit starkem Immunsystem braucht lediglich länger bis Schmerzen eintreten und verkraftet diese besser.

In welche Himmelsrichtung geht es?

Das Spiel präsentiert seine Handlung schlicht und staubtrocken mit kleinen Bildern und einem entsprechenden Beschreibungstext der Situation.  Kaum gelangen wir aus der Cryo-Klinik hinaus in die freie Natur, stellt sich die Frage, wohin wir gehen wollen. Die große Karte, auf der sich unser Charakter die überwiegende Spielzeit aufhält, besteht aus Hexagonen, dessen benachbartes Feld wir betreten können. Dabei kann es sich um verschiedene Felder wie Wald, Grasland, Ruinen uvm… handeln. Auf einigen dieser Felder sind Aktionen für unseren Charakter möglich, die durch Icons auf den Feldern und Buttons am Rand des Bildschirms angezeigt werden. So kann ein Wald-Feld mit einem Lupen-Icon nach nützlichen Gegenständen wie Holz, Wasser, Nahrungsmittel oder anderen Sachen abgesucht werden. Auch ist es dem Charakter möglich, sich auf einigen Feldern vor Verfolgern zu verstecken, seine Spuren zu verwischen oder das nächstliegende Feld auszuspähen. Tritt Müdigkeit und Erschöpfung in den Vordergrund, sollte sich tunlichst nach einem sicheren Ort zur Rast umgesehen werden. Dabei helfen uns die zahlreichen Gegenstände im Spiel – glücklich ist der, welcher einen sicheren Ort zur Rast mit einem Lagerfeuer und Schlafsack bestreitet als der, welcher sich bei strömenden Regen im kalten Wald irgendwo hinlegt.

Auf dieser Karte wandert ihr von Feld zu Feld. Obwohl dieser Charakter eine ordentliche Nahkampfwaffe hat,  gut gesättigt ist und einen Schluck sauberen Wasser trank, droht er in Kürze an starker Unterkühlung zu sterben, sofern keine adäquate Kleidung oder ein warmer Ort gefunden wird.

Graschwar 13 Koop-Gamer - P - 1633 - 28. Dezember 2014 - 19:46 #

Mir gefällt dein Test sehr gut - hab ihn auch von Anfang bis Ende gelesen. Allerdings würde ich dich noch um ein ausführlicheres Fazit bitten, da mich interessiert ob das Spiel eine Zielgruppe hat die es durchaus anspricht oder ob die erwähnten Mängel so schwerwiegend sind, dass kein SPass aufkommt.

Roland 18 Doppel-Voter - 10850 - 28. Dezember 2014 - 20:02 #

Vielen Dank. Vielleicht kann ich dir mit kurzen Stichworten besser helfen, da ich deine genauen Präferenzen nicht kenne. Wenn du folgendes wie...

- Rundenbasiertes Spiel
- Entdeckerfreudigkeit (Durchsuchen von Feldern nach Phänomenen und Gegenstände) und Experimentierfreudigkeit (Crafting, Einsatz einer spezifischen Fähigkeit je nach Situation)
- Setting des Endzeitszenarios
- relative Bugfreiheit (relativ da ich keinerlei Bugs feststellen konnte)
- Kopfkino (durch die vielen Beschreibungen statt Grafiken)
- durchgehend sehr schwere Herausforderungen
- Loosing is fun

... schätzt, dann dürftest du unter Berücksichtigung deiner eigenen Vorlieben daran Gefallen und Spielspass finden. Abraten würde ich dir, wenn du...

- wenig Englischkenntnisse verfügst
- Pixelgrafik abschreckend findest
- andere Settings bevorzugst
- eine professionelle AAA-Präsentation (Grafik, Sound, Videos,...) vorziehst
- sehr schwere Herausforderungen frustend findest
- Loosing is fun ein absolutes No-Go ist.

Falls ich nicht den richtigen Punkt getroffen habe, beantworte ich dir gerne eine spezifische Frage.

Mfg
Roland

Ketzerfreund 16 Übertalent - 5978 - 28. Dezember 2014 - 20:23 #

...und es gibt übrigens 'ne Demo.

Zottel 16 Übertalent - 4292 - 29. Dezember 2014 - 2:27 #

Auch wenn du ja damit jetzt versucht hast, sowas wie ein richtiges Fazit daraus zu machen, muss ich da auch nochmal ankreiden, dass "Fans großer und aufwändiger AAA-Spektakel werden sich mit Neo Scavenger definitiv nicht anfreunden können." kein Fazit ist, höchstens ein winziger Teilaspekt.
Versteh mich nicht falsch, ich finde es ansonsten einen schönen Test, aber der Abschluss war doch eher enttäuschend.

calleg 14 Komm-Experte - 2419 - 29. Dezember 2014 - 7:51 #

Dem muss ich mich anschliessen. Kannst du das noch ergaenzen? Das wuerde den test rund machen.

Roland 18 Doppel-Voter - 10850 - 29. Dezember 2014 - 13:12 #

Ich bitte um Entschuldigung. Mir ist das bei der Nachkorrektur schlicht an die falsche Stelle gerutscht. Ich korrigiere es. Danke für den Hinweis, ich bin dran :)

Roland 18 Doppel-Voter - 10850 - 29. Dezember 2014 - 13:12 #

Da hast du Recht. Es ist mir in die falsche Zeile gerutscht. Ich habe es nun korrigiert und etwas ergänzt. Danke für dein Feedback.

Lorion 17 Shapeshifter - 7630 - 29. Dezember 2014 - 17:46 #

Hatte das Spiel letztens auch gezockt, so wirklich schwierig fand ichs allerdings nicht. Anfangs muss man sich natürlich erstmal in die Eigenheiten reinfinden, aber sobald man das Spielprinzip verstanden hat, läufts eigentlich.

Lag vielleicht auch an der Skillwahl. Hatte Melee, Strong, Trapping, Hiding und Mysopia genommen.

Vor allem Trapping fand ich extrem nützlich, da man damit jederzeit ein Feuer machen, länger haltbares Dörrfleisch herstellen und Tieren das Fell abziehen kann. Vor allem durch letzteres kann man zu Beginn direkt einen Fellumhang bekommen, der einen vor dem erfrieren schützt.

Schön fand ich auch das sehr logisch aufgebaute Crafting. Langer Ast, Stofffetzen/Schnur und Scherbe -> recht effektiver Speer, mit dem ich mir so ziemlich alles Gekreuch vom Leib halten konnte.

Mit Wasser hatte ich auch kein Problem, gibt genug Wasserquellen und sobald man seine erste Konservendose gefunden hat, kann mans auch abkochen.

Problematisch fand ich zu Beginn eigentlich nur die Nahrungsversorgung.

Insgesamt hatte ich jedenfalls Spass mit dem Spiel, auch wenns noch einigen Raum für Verbesserungen bietet.

estevan2 14 Komm-Experte - 2006 - 28. Dezember 2014 - 20:05 #

Das klingt sehr interressant. Danke für den Test.

Siak 13 Koop-Gamer - P - 1421 - 28. Dezember 2014 - 20:37 #

Hatte ich nicht auf dem Radar. Könnte was für mich sein. Danke für den Test.

McSpain 21 Motivator - 27391 - 28. Dezember 2014 - 21:21 #

Danke für den Test hab das Spiel schon lange im Auge und durch ein Bundle schon was länger bei Steam. Vor kurzem mal reingeschnuppert. So ein Spiel wo ich gerne die Zeit und Ruhe für hätte. Daher super, dass es hier mal etwas Aufmerksamkeit bekommt.

Zille 18 Doppel-Voter - P - 10792 - 28. Dezember 2014 - 23:14 #

Klasse Testbericht. Ich hatte das Spiel schon länger im Auge, habe mich aber noch nicht zum Kauf durchgerungen. Ich denke, "kann man spielen, muss man aber nicht" trifft es wohl ganz gut. Zu viele Spiele, zu wenig Zeit. ;-)

stylopath 16 Übertalent - 4338 - 29. Dezember 2014 - 0:26 #

Sehe ich auch so, scheint interessant aber irgendwie auch nicht.

Danke für den guten Test! :)

x_wOXOw_x 11 Forenversteher - 612 - 28. Dezember 2014 - 23:38 #

Interessanter Test, da werde ich mir die Demo ansehen. Eine technische Anmerkung kann ich mir aber nicht verkneifen: Adobe Flash kann man nicht für die pixelige Grafik verantwortlich machen, es sei denn, wesentliche Teile des Spiels entstanden vor 2006 (da wurde AS3 eingeführt).

x_wOXOw_x 11 Forenversteher - 612 - 28. Dezember 2014 - 23:40 #

Die Demo gibt es hier: http://bluebottlegames.com/main/node/21
Als Download oder zum sofortigen spielen.

Stahl (unregistriert) 1. Januar 2015 - 15:36 #

Guter Test, danke !!

CK 14 Komm-Experte - 2286 - 18. August 2015 - 11:01 #

Der Artikel liest sich flüssig und dein SChreibstil gefällt mir ziemlich gut. Das Spiel erinnert mich vom Style her irgendwie ein bisschen an Schiffbruch

Roland 18 Doppel-Voter - 10850 - 1. September 2015 - 22:28 #

Vielen Dank :)

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