Nelly Cootalot - The Fowl Fleet

User-Test zum Point&Click-Adventure

doom-o-matic / 29. März 2016 - 19:28
Steckbrief
AndroidiOSLinuxMacOSXPC
Adventure
Point-and-Click-Adventure
ab 6 freigegeben
nicht vorhanden
Alasdair Beckett-King
Application Systems Heidelberg
22.03.2016
Link
Inhaltsverzeichnis
Ist Nelly eine übelriechende, groggurgelnde Piratin? Wohl kaum. Aber immerhin hat sie eine Augenklappe. Das gibt ihr zumindest mehr Legitimität als Guybrush Threepwood. Ob ihr Abenteuer jedoch auf dem Niveau eines The Secret of Monkey Island mitspielen kann?
Nelly Cootalot - The Fowl Fleet ist ein handgezeichnetes Point-and-Click Adventure von Alasdair Beckett-King, das über Kickstarter teilfinanziert wurde. In ihrem ersten, gratis erhältlichen Abenteuer Spoonbeaks Ahoy! etablierte sich Nelly als taffe Piratenbraut mit einem Faible für Vögel sowie deren Rettung vor fiesen Machenschaften. Obwohl oder gerade deshalb beginnt The Fowl Fleet direkt und ohne Umschweife. Wer den ersten Teil nicht gespielt hat, wird sich also etwas hilflos vorkommen: Nelly befindet sich auf einem Postschiff und weiß auch nicht so wirklich, warum. Zum Glück gibt es sogleich eine kurze Exposition. Darin legt ihr der Geist Blackbeard die Aufgabe dar. Kleiner Tipp: Es geht wie immer um seinen bösen Bruder, Baron Widebeard. Die Postschiff-Szene dient auch als Tutorial, und man wird hier etwas aufdringlich auf die Linksklick/Rechtsklick Benutzerinteraktionen hingewiesen.

Nach dem etwas ernüchternden Einstieg beginnt der erste von drei Akten, und ziemlich schnell versprüht das Spiel ein Feuerwerk an Witz und Charme. Nelly lügt, klaut, bricht in Häuser ein und ist generell ein wandelndes Ärgernis für ihre Mitmenschen. Obwohl die Rätsel und teilweise Minispiele eher von der einfachen Sorte sind, gibt es viel zu entdecken, zu erleben und zu lachen. Das liegt auch an der hervorragenden Vertonung von Nelly und den anderen Hauptcharakteren, sowohl in der englischen als auch deutschen Version. Ranghafte Namen wie Tom Baker (Doctor Who) und Thomas Rainer (Bezaubernde Jeannie) sprechen ihre Rollen pointiert und mit viel Gefühl.

Es hilft, dass Alasdair Beckett-King dem Spiel einen großartigen britischen Humor aufgedrückt hat, der sich in Unmengen von Wortspielen wiederfinden lässt. Diese wurden auch sehr sorgfältig an die deutsche Sprachwelt angepasst, was aber teilweise dazu führte, dass Charaktere ganz andere Namen und Akzente erhielten, welches dem Spiel aber keinen Abbruch tut.

Das Rätseldesign über die Länge von Akt Zwei und Drei lässt aber nicht allzu große Sprünge zu. Immer wieder kommt man als Spieler an seine Grenzen, weil die zwar stets logisch aber teils unnötig komplizierten Lösungen manchmal nicht offensichtlich sind. Es fühlt sich fast so an als wären manche Rätsel umständlich designed worden um einen komischen Effekt zu erzielen, anstatt die Hirnzellen des Spielers zu reizen. Nichtsdestotrotz, es gibt meistens mehrere Rätsel zur gleichen Zeit, deshalb muss man nicht streng linear vorgehen. Um den Überblick nicht zu verlieren gibt Sidekick-Vogel Sebastian bei Bedarf nötige Hilfestellung. Um das erfrischende Ende zu erleben sollte man gute 6-8 Stunden Spielzeit einplanen.


Zur Technik

Höchsterfreulich sticht Nelly sowohl auf Windows, MacOS X und Linux zur See. Die Grafikqualität lässt sich in drei Varianten (gut, toll, unglaublich) einstellen, wobei sich auf den ersten Blick kein Unterschied merken lässt. Für Seekranke lässt sich das Wippen der Schiffe ausschalten, und für Dyslexiker sogar eine spezielle Schriftart einstellen. Als Manko sei anzumerken dass die Linuxversion mit den Intel Open Source Grafiktreibern zu Abstürzen führte, was aber durch explizite Auswahl der OpenGL Version umgehbar ist. Hier dürfte wohl ein Patch nachgereicht werden.

Fazit

Man darf Nelly Cootalot - The Fowl Fleet als das genießen, was es sein möchte: eine leichte, aber charmante Piratenmilieustudie unter dem Deckmantel des britischen Humors, die sich nicht zu scheu ist, sehr an The Secret of Monkey Island zu erinnern. Nelly lässt sich dabei aber noch genügend eigenen Spielraum um der Absurdität der Geschichte ihren eigenen Stempel aufzudrücken. Eine klare Empfehlung für jeden der ein kurzweiliges Piratenabenteuer erleben möchte.
Inhaltsverzeichnis
doom-o-matic 29. März 2016 - 19:28
Boris 16 Übertalent - P - 4004 - 29. März 2016 - 20:00 #

> Immer wieder kommt man als Spieler an seine Grenzen

Das fand ich fuer mich persoenlich gar nicht, die Raetsel fand ich im Prinzip alle sehr fair und fast immer durch nachdenken (und weniger wildes rumprobieren) gut zu loesen. Wenn ich mich richtig erinnere habe ich an 3-4 Stellen wirklich laengere Zeit gehangen, auf jeden Fall weniger als bei mir ueblich.
Eine davon war aber (so vermute ich) ein Bug den ich getriggert hatte und durch den dann ein Hotspot beim ersten Besuch der Szene nicht funktioniert hat und nicht als solcher erkennbar war - bin mir eigentlich sicher da schon beim ersten Mal geklickt zu haben, kann mich aber auch taeuschen, war auch zum Glueck nicht reproduzierbar.

Abgesehen davon kann ich mich dem Artikel nur anschliessen, schoenes Spiel, huebsche Grafik, gut umgesetzt. Es hat zwar nicht unbedingt jeder Gag gezuendet, aber das Spiel hatte auch in diesen Situation nie seinen Charme verloren und ist nicht ins peinliche abgedriftet oder so - was man ja auch nicht von allen misslungenen Adventure-Gags sagen kann ;-)

Ich habe es eigentlich keine Sekunde bereut damals unbekannterweise beim Kickstarter mitgemacht zu haben, war ein Gluecksgriff oder ein guter Tipp, ich weiss es leider nicht mehr...

Slaytanic 22 AAA-Gamer - P - 35126 - 29. März 2016 - 21:42 #

Liest sich gut, wird mal auf die Steam-Wunschliste gesetzt.

Noodles 22 AAA-Gamer - P - 32104 - 29. März 2016 - 21:55 #

Irgendwie hab ich keinerlei Lust mehr auf Adventures mit Piraten-Thematik. Und mir gefällt der Look des Spiels nicht so wirklich. Naja, man muss auch als großer Adventure-Fan nicht jedes Adventure gespielt haben. ;)

Lexx 15 Kenner - 3489 - 30. März 2016 - 3:59 #

Witzig, hab darüber das erste mal vor (über 10?) Jahren im Forum von Adventure Game Studio gelesen. Wenn ich mich richtig erinnere, hat der Ersteller die erste Version für seine Tochter gemacht.

Boris 16 Übertalent - P - 4004 - 30. März 2016 - 10:55 #

Das war der Vorgaenger, der ein Geschenk fuer seine Freundin war:
https://de.wikipedia.org/wiki/Nelly_Cootalot:_Spoonbeaks_Ahoy!

Man kann das auch immer noch runterladen, habe es selber nur mal angespielt:
http://www.nellycootalot.com/the-game/spoonbeaks-ahoy/

xan 15 Kenner - P - 3155 - 30. März 2016 - 11:32 #

Das klingt doch irgendwie kurzweilig. Danke für den Test!

doom-o-matic 15 Kenner - P - 3715 - 30. März 2016 - 18:29 #

Danke! War mein erster Versuch an einem Spieletest. ;-)

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